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BIBLIOTHER
LITTERARISCHEN VEREIN
IN STUTTGART.
CCAXAIV.
TÜBINGEN.
OSTEN DES LITTER
N DES LI
1904.
PROTECTOR
DES LITTERARISCHEN VEREINS IN STUTTGART:
SEINE MAJESTÄT DER KÖNIG.
*
VERWALTUNG:
Präsident:
Dr. H. Fischer, professor an der universität Tübingen.
Kassier:
Rechnungsrat Rück in Tübingen.
GESELLSCHAFTSAUSSCHUSS:
Dr. G. v. Below, professor an der universität Tübingen.
Professor Dr. G. Böhmer in Lichtenthal bei Baden,
Dr. Bolte, professor in Berlin.
Oberstudienrat Dr. Hartmann in Stuttgart.
Director Dr. W. Heyd in Stuttgart.
Dr. Martin, professor an der universitüt Straßburg.
Dr. G. Meyer von Knonau, professor an der universität Zürich.
Dr. H. Paul, professor an der universität München.
Dr. Sievers, professor an der universität Leipzig.
Dr. Steinmeyer, professor an der universität Erlangen.
Dr. Strauch, professor an der universität Halle.
Dr. Tobler, professor an der universität Berlin.
DIE
ERSTE DEUTSCHE BIBEL.
ERSTER BAND
(EVANGELIEN)
HERAUSGEGEBEN
W. KURRELMEYER,
GEDRUCKT FÜR DEN LITTERARISCHEN VEREIN IN STUTTGART
TÜBINGEN 1904.
ALLE RECHTE VORBEHALTEN.
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H. LAUPP JR IN TOBINGEN.
MEINER MUTTER.
Die handschriften. XXX
leer, bl. 12—37a eine armenbibel (N. T.), während der prolog
zu Matth. bl. 38a anfángt. Schluss von Offenbarung bl. 325a.
Nach dem Ew. Nycodemus, bl. 350, die inschrift:
Dicz puch ift aug gefchri- | ben worden am Eritag | vor
fant michels tag | der was an einem funtag anno | dit M.
ccc? und in dem xliii jar. Darunter, in roter tinte:
pitt gott für die /chrey- | berin die dicz puch ge | /chriben hat k. n.
We Ms. fol. 8 der grossherzogl. bibliothek zu Weimar.
Vergl. Walther Sp. 313 ff. Papierhandschrift des 15. jahr-
hunderts. 2 kol. zu je 41—44 zeilen. Ausser dem N. T.
enthält der band ein lectionarium, darnach das ev. Nicodemi,
schliesslich ein verzeichnis verschiedener bibelabschnitte. Schrei-
ber und datum nicht angegeben. Die prologe zu den evan-
gelien fehlen, ebenso die verse Luc. 1, 1—4, weil dieselben
als vorrede betrachtet wurden.
W. Kurrelmeyer.
Baltimore 1903, am Weihnachtsabend.
gereitzen die menfchen von dem gewin der irdifchen
giiters, zi dem gewin himlifcher gütter. Vnd der
fe}b--inatheus hat fur fich genumen aneuanck zwai
“er menfchen* das ilt abraham vnd dauid’ dorumb daz
“+, «aus den zwaien menfchen wurd in ein ander gefloch
+
os
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ee “ten die geburt jhefu erilti. Vnd des erften menfchen
“.* belunder abraham vor ganck* in das gelchlecht ihefu
erifti: ¡ft gefchehen durch die befchneidung. Aber
des andern menfchen das ift dauides anenanck* in
daz gelchlecht erilti: ilt gewelt nach der erwelung’
wann dauid ilt gewelt der man den der herr erwelt
hatt: nach dem wilen feins hertzen. Vnd aus den
beyden ift kumen criftus jhefus. Vnd alfo hat ma
theus uns gericht den aneuanck zü glauben. Vnd
er hat das gethan in der zal zů iij maln xiiij’ die er
ften xiiij zal der vetter der geburt crifti‘ ilt gewelt
von abraham vntz zi dauid. Die ander zal aber xiiij
vetter der geburt erilti' ilt gewelt wntz auf das ge
fenckniß in dem die inden warn gefurt gen babilon
Die drite zall der xinj vetter aus den geborn ift crif-
tus: jít gewelt von jeconia vntz zů der iungfraw
en maria. Alfo hat matheus entlich aus gefproch
en dife iij mal xiiij gefchlecht- vntz auf den tag vn
fers herren jhefu erilti. Vnd alfo hat er gemacht em
lauf zü der zükunft des herrn: jn dem lauff er genug
hat getan der oben gefchriben zal’ vnd die felben zal
zů dreyen maln xiiij belchleuft in ir: die alten vnd
newen ee: vnd dorzü die gebot die gebotten fein in
+
23 raytzen K—Oa. 25 den aneuanck Z—Oa. 30 chrißi K.
37 zu] fehlt E—Oa. 40 vntz auf das] bifs auf die Z— Oa. 41 dem]
der K—Oa, 43 vntz] biß Z—Oa. 44 mathens M. 45 biß
Z—Oa. 48 obgefchriben K— Oa,
+
29 ihefu] fehlt BNg. 30 befcheydung Ng. 33 erwelt] der
welt B. 35 beyden] + vetern BNg. hat (+ vns B) matheus
der ewangelifta (+ vns Ng) geraichet den BNg. 88 geburt] + ihefu
B. 40 gewelt] + von dauid BNg. 45 ynfers] des BNg.
hat genunck gethan BNg. 49 vnd] + dy BNg.
47 er
Y.
11.
12.
13.
14.
18.
- 19.
Matth, 1, 10—19, E
gebar manaffen. Wann manaffes gebar amon: wann
amon gebar jofias. Wann jolias gebar jechonias :
vnd fein brüder in dem vbergang der babilonier.
Vnd nach dem vbergang der babilonier jechoni-
as gebar falathiel: wann falathiel gebar zorobabel
Wann zorobabel gebar abiud: wann abiud gebar
elyachim. Wann elyachim gebar azor: | wann azor
gebar fadoch. Wann fadoch gebar achim: wann ach
im gebar eliud: Wann elind gebar eleazar: wann elea
zar gebar mathan. Wann mathan gebar jacob | wann
jacob gebar joleph den man marien: von der do ilt
. geborn jhefus: der do ift gefagt criftus. Dorumb al-
le die gefehlecht von abraham vntz zů dauid. xiiij
gelchlecht: vnd von dauid vntz zi dem vbergang
der babilonier - xiiij gefehlecht: vnd von dem vber-
gang der babilonier vntz zů criftus. xij gelchlecht.
| Wann daz gefchlecht erilti waz alfult. Do maria die
mutter jhefus was gemahelt jofeph: ee denn fy zi
famen kamen fy wart funden habent im leib von dem
heyligen geift. Wnd jofeph ir gemahel do er was
+
MEP wann ach,] vnd ach. P. ach. aber Z—Oa. gebar ezechias]
g. ezechiam Z—Oa, wann ez.) vnd ez. P—Sa, ez. aber K—Oa.
56 Wann m.] vnd m. P, m. aber Z—Oa, wann a.) vnd a, P,
a, aber Z—0a. 57 g. jofias] g. jofiam E—Oa. Wann jo.) vnd
jo, P, jo. aber Z—Oa. jheconiam E— Oa. 60 wann fa.) vnd fa.
P, fa, aber Z—Oa. zo. aber Z—Oa. wannab.] ab. aber Z—Oa,
1 Wann el] vnd el. Z—Sa, El aber K—Oa. wann azor] az. aber
Z—Oa. 2 Wann fad.] vnd fad, ZASZcSaSe, Sad. aber KGSbOOn.
wann ach.] ach. aber Z— 0a. 3 Wann el.] vnd el. ZASZcSaSe, El.
aber KGSbO0n. wann eleaz.] e. aber Z—Oa. 4 Wann m.]
vnd m. Z—Sa, M. aber K—Oa. wann jac.] jac. aber Z— On. 5
marieu : ven M. do] fehlt K— Oa, 6 gelagt] genennet Z—Oa.
Dorumb] Vnd Z—Oa. 7 die] fehlt K— Oa. vntz] bid Z—Oa,
dauid] + waren Z—Oa. 8 bil Z—Oa. 10 biß Z—Oa.
chriftum Z—Oa. 11 Wann] aber Z—Oa. alínft] allo Z—Oa.
12 ihefu SZcSaK—Oa, vermähelt Z—Oa. denn] das Z—Oa.
13 in dem ZcSa.
+
3 gelagt ilt F. 14 Vnd] wan TF.
wi
11,
Matth, 2, 211. 10
den? Wann wir fahen feinen [tern in olten: vnd
fein kumen in an zü betten. Wann do das gehort he
rodes der kúnig er wart betrúbt: vnd alles jherufalem
mit im. Vnd fament alle die furften der pfaflen
vnd die [chreiber des volcks: vnd fragt von in wo 40
. eriltus wer geborn. | Vnd [y fagten im. In bethle-
hem iude. Wann alfo ift-gefchriben durch den wey-
fagen. Vnd du bethlehem daz ertrich inda: du bift nit
die mynft vnter den furften von iuda. Wann von
dir get aus ein laiter der do berichtet mein volck jl- 45
- rahel. Do rief herodes haimlich den weyfen vnd lernt
fleiffiglich von in das zeyt des [terns der in waz der
fchinen: | vnd fant fy zi bethlehem* lagent‘ Get vnd
fragt fleyffiglich nach dem kinder vnd fo irs habt
funden fo wider kundet mirs: das auch ich kum vnd 50
. es anbette, Vnd do fy gehorten den kúnig ly gingen
hin. Vnd fecht den [tern den [y lahen in often: der
ging vor in: bis das er kam er ftúnd oben do daz kint
was. Wann do die weylen gefahen den (tern: fy wur
den erfreut mit gar micheler freude. Vnd gingen 5
in das haus vnd funden daz kint mit maria feiner
*
36 haben gefehen Z—Oa. orient Z—Oa, 37 Wann] fehlt
Z—Oa. erhórt Z—Oa, 39 die] fehlt K—Oa. brielter Z— Oa.
41 wer] wurde Z—0a. 42 weyMagen] propheten Z—Oa, 43 das
ertrich] fehlt K—Oa. du] fehlt K—Oa. 44 von iude] iuda
Z—Oa. von dir] auß dir Z— Oa. 45 get aus] wirt auß gen
Z—Oa. _ laiter] fürer P-Oa. berichtet] regieret Z—-Oa. 46 rief]
vodertZ—Oa. den] dieZ—0Oa. weyfen] künig K—Oa. 47 das]
die P—Oa. 48 fy] fehlt ZeSa. Gee vnd frag G. 50 mirs]
mir M. 51 horten K—Oa. den] dem P. 52 der [tern Z—Oa,
often] dem aufgang der funnen Z— Oa. 53 in] im P. kam]
+ daz Z—Oa. 54 Wann] Vnd Z—Oa. weyfen] kúnig K—On.
fahen Z—Oa. 55 groller freude P, grollen freuden Z—On.
$
36 vnd] + wir TF. 38 wart] + hart TF. 42 iude] in
iude TF. 43 ertrich] land TF. 47 von in] fehlt T, nachtr. ta.
das] die TF, derfcheinen TF. 48 vnd] + er TF. 52 fahen]
heten gelechen TF. 53 bis] vnez TF. 55 Vnd] + fi TF.
56 marien TF.
7. 21.
==
i
nn
feint dot die do fúchent die fele dez kindes. Er [tind
auf vnd nam das kint vnd fein mútter: vnd kam in
das lant ifrahel. Wann do er gehort das archelaus reich-
fent in iude fur herodes fein vatter er vorcht fich dar
zů gen: vnd er wart gemant im [chlaff vnd er fchied
fich in die tail zů galilee. Vnd kam vnd entwelt in
der [tat die do ift geheilfen nazareth: daz derfult wurd
das gelagt ilt durch die weylfagen* wann er wirt
gerüffen nazareus. da]
Ann in den tagen johannes der tauffer kam:
V V predigen in die walt ze iude vnd | fagent*
macht büß. Wann das reich der himel na
hent* | wann dirr ilt: von dem gelchriben ift durch yla-
ias den weyllagen fagent. Ein ftyme des rüffenden
in der wilt: berait den weg des herrn: macht recht
. fein fteig. Wann er felb johannes hett ein gewand
von dem har der kemelein; vnd ein fellin gurtel umb
fein lancken. Wan fein elfen waren locuften vnd
wildes honig. Do ging aus zi im jherufalem vnd
alles iude* vnd alle die gegent vmb den jordan: | vnd
wurden getaufft von im in dem jordan begechent
. ir fúnde. Wann er fach manig der phanfeer vnd
der verlaiter kumen zi feim tauffe: er [prach zů in
25 Wann — gehort] Da er aber hort Z-Oa. — archelus MEP.
reichlent] regyerte Z— On. 26 dar] dahin Z—Oa. 27 er]
fehlt Z—Oa. er fchied] fehiede ZeSa. 28 zu] fehlt Z—Oa,
wonet P—Oa, 30 wart MEP. 31 geheylfen Z—Sa, geheylfen
werden K— Oa. nazarenus SSe. 32 Wann] vnd Z—Sa, aber
K— Oa, 33 die] der K—Oa. ze] fehlt Z— Oa. fagent]
[prach Z—Oa. 34 macht] wúrckend Z—Oa, 35 ylaiam E—Oa.
39 Aber der felb K—Oa. 39 kemeltier Z—Oa, fellin]
ellem P. 40 lenden Z— Oa. Wann] vnd Z—0a. locuften]
hewfchricken Z-Oa. 43 bekennend Z—Oa. 44 Wann] vnd da Z- Oa,
45 verlaiter] faduceyer Z—Oa.
23 luchten TF. 25 hort TF. 27 fcheid TF, 30 er] er
felb TF. 37 macht] vnd machent TF. 39 den haren TF,
40 lancken] kancken T. 41 im] fehlt F, nachtr. fa. 43 jor-
dan] + vnd TF, 45 [einer tauf TF.
v. 16.
17.
És
Matth. 3, 15—4, È.
zü im. La nu. Wann allo gezimt vns zeerfullen daz 5
recht. Do ließ er in. | Wann do jhefus wart getauft
zehant [teig er auf von dem walfer. Vnd fecht die
himel wurden im anf getan: vnd er fach den geylt
gotz nyder [teigen als ein taub vnd kument auf in
| Vnd fecht ein {tyme von den himeln fagent. Ditz ilt 10
mein lieber fun: in dem ich mir entzamt geuiel iiij
Ty O wart jhefus gefurt von dem geift in die
wult: das er wurd verfúcht von dem teuf-
fel: | vnd do er hett gefalt xl tag vnd xl nacht:
dornach hungert in. Vnd der verfúcher genacht fich 15
vnd fprach zů im. Biltu es der fun gotz: fo fag daz
- dife ftain werden brot. | Er antwurt vnd fprach. Es
ift gelchriben. Der menfch lebt nit allein des brotz:
wann in allem dem wort daz do aus get von dem mund
gotz. Do nam in der teuffel in die heyligen ftat: vnd v
fchickt in auf die höhe des tempels: | vnd fprach zů
im Ob dus bift der fun gotz: fo laß dich zeruck. Wann
es ilt gefchriben: das er gebeut leinen engeln von dir.
vnd fy entpfachent dich in die hende: daz du villeicht
. deinen fuß icht fchadeft zi dem ftein. Vnd jhefus fprach 5
anderwait zü im. Es ilt gefchriben. Nit verfüch
deinen herrn gott. Aber nam in der teuffel auf ein
en gar hochen berg: vnd zaiget im alle die reich der
*
5 Wann] Vnd P, daz recht] alle gerechtigkeyt Z—Oa. 6
Wann] vnd P, fehlt Z— 0a. 8 im] fehlt ZcSa, 10 Vnd] fehlt
L-8n. dem himel E—Oa. 11 entzamt] miteinander P,
fehlt Z—Oa. 13 verüfchet Se. 16 es] denn A, fehlt K—On.
fag) (prich K—Oa. 17 dife] die PA. 18 des brotz] in dem
brot Z—Oa. 19 wann] aber Z— Oa. allem wort Z— 0a.
21 fchickt] ftalt Z—Oa. 22 ob du bilt EP, BiltuZ—Oa. zeruck]
hinab Z—Oa, 23 gebent] hat gebottenZ—Oa. 24 entpfachent
dich) werden dich heben Z—Oa, den henden Z—Oa, du] +
nit Sa. villeleht P, 25 icht] nit AOOa, belaydigelt an
eim [.Z—Oa. 27 auf] gar auf E—Oa. einen] einem P. 28 gar]
fehlt E—Oa. die] fehlt Z—Oa.
=
5 zeerfullen daz] ze fullen alles TF. 17 fprach] + zu im TP.
pa
Matth, 4, 195, 4. 16
leut. Vnd zů hant lieffen fy die netz fy nachuolg-
. ten im. Vnd er furging dann er [ach zwen ander
brúder* jacob zebedei vnd johannes [einen brüder in
dem fchiffe mit zebedeo irem vatter wider machent
ire netz: vnd er rieff in. Vnd zehant lieflen fy die
netz vnd den vatter: fy nachuolgten im. Vnd jhefus
vmbging alles galile lernt in jren fynagogen: vnd
predigt das ewangelium des reichs: vnd gelunt all
vngeluntheit vnd allen fiechtum vnder dem volck.
- Vnd fein mare ging aus in alles fyri: vnd fy brach
ten im alle die do hetten daz vbel mit manigerlei fiech
Ei
tum vnd die do warn begriffen mit nóten* vnd die (320
do hetten die teuffel* vnd die monfuchtigen vnd die
. litfuchtigen vnd er gefunt fy: | vnd manig gefel-
[ehafft nachuolgt im von galile’ vnd von decapoli *
vnd von jerufalem vnd von iude- vnd von anderthalb
des jordans. v
| "Ann do jhefus lach die fcharen er ftaig an
\ V den berg: vnd do er was gelelfen fein iung
ern genachten fich zů im: | vnd er tet auf fein
en munt vnd lert fy lagent. | Selig feint die armen
mit dem geilt: wann das reich der himel ilt ir. | Se-
E
51 menfchen Z—Oa, . fy nach.] vnd nach. Z—Oa. nach-
uolten K. 52 dann er] von dannen vnd Z—Oa, 53 jacobum
Z—Oa. johannem E—-Oa. 55 rief in] vodert [y Z—Oa. 56 fy]
vnd Z—Oa. 57 lernent ZSZcSa, lerend AK—Oa. 58 vnd] +
machet Z—Oa. 59 vngefuntheit] blodigkeyt Z—Oa. allen] fehlt
Z—Oa. vnder] in Z—Oa, vocke O, 60 märe] meynung
E-Sa, gerühde KGSc, leumüt SbOOa fyria Z—On. 1 die
do] do die PZ8ZcSa. nóten] peyn Z—Oa. vnd] + vnd Z.
3 litfuchtigen] lamfuchtigen Z—Oa, gefunt] haylet Z-Oa. vnd
vil febaren volgten im nach Z—Oa, capoli MEP. 5 anderthalb]
den enden enhalb Z—Sa, den e. ienhalb K—Oa. 7 Wann] Vnd Z—Oa,
er ftaig an den] da gieng er aut? einen Z—Oa. ftaig] gieng P.
8 berg] hochen berg ZeSa. 11 mit] in AK—On.
*
51 netz] + vnd dz [chief TF, (dz schief später gestrichen T).
54 machtent TF, 58ewangeli TF. — reichs] rechz T. 4 dekopoli
TF. 7 fcharen] gefelfchaft TF.
a
Matth, 6, 23—30. 24
dein aug wirt vngeng: all dein leib wirt vinfter.
Dorumb ob das liecht das in dir ift feint vinfter‘
y. 24, wieuil werdent denn der felben vinfter? Niemant 40
mag gedienen zweyn herrn. Wann eintweder er hab
in haf den einen vnd hab lieb den andern: oder enthab
den einen vnd verfchmech den andern. Gott vnd dem
%. reichtum múgt ir nit gedienen. Dorumb fag ichs
euch nit feyt forglam eweer fele was ir efft: nach 45
euerm leib wo mit ir in valit. Ift denn nit die fele
mer denn das effen: vnd der leib mer denn das gewand
æ. Secht an die vogel des himels wann ly feen noch
fchneiden nit‘ noch fament in den kalten: vnd ewer
himlifcher vatter fürt [y. Seyt ir denn nit vil mer 3
denn fy? Wann welcher euer mag gedencken zü zele-
gen zi [einer gewechft ein eln? Vnd was feyt ir
lorglam von dem gewand? Merckt die lilien des
ackers in welcher weyle fy wachlen. Sy enarbeyten
2%. nach fpinent nit. Wann ich fag euch: das nach fa à
lomon in aller feiner wunniglich nit wart geualt
#0, als eine von dilen, Wann ob daz hew des ackers daz
us
+
38 ang] leyb ZAZe. wirt vngeng — vinfter] ein [chalck fo
wirt aller dein leib vol finftere Z—Oa, (finfternuß K— Oa). vngeng]
vertzert P, 39 vinfter] vinlternuß K—Oa. 40 denn] fehlt Z—Oa,
vinfternuß KGSe, vinfternuffen ShOOa, 41 dienen K-Oa. Wann)
fehlt Z—On. einweder P, eyntweders Z—Oa. er hab] der hat
Z—Oa. 42 in — 43 verfchmech] einen in haß vnd den andern
(fehlt A) lieb oder er duldet einen vnd verfchmahet Z—Oa. 44
dienen K—Oa. ich P—Oa., 45 ir] fy Z—Oa. äßt ZA,
ißt S, el ZeSa, elle K—Oa. noch E—On. 46 vafft] anthúndt
Z—Oa, 48 fehen M. 49 famlent A, famelt Ze, famelent Sa,
fameln K—Oa. 52 einen (ein ZcSa) elenbogen Z—Oa, 53 forg-
feltig K—Oa, 54 arbeyten Z—Oa. das nach] das Z—Oa.
56 glori Z—Oa. nit] + ift ASK—Oa. bedecket worden
Z—Oa. 57 ob] als Sb, fo OOa.
=
40 wiewil| + mer TF. 42 habt TF. 45 euch] + dz ir TF,
46 leib] -+ vnd TF. 48 feen] enfeen nit TF. 49 enfneident
TF. den] die TF. 50 fart) der fur TF, wmgedindert: der furt T,
52 gewechlten TF. 54 wachfen] wafchften TF. enfpinnent TF.
—
ah
13,
14.
Matth. 7, 5—16, 26
den agen von dem augen deins brüders. Nichten welt
geben das heilig den hunden* noch legt ewer mer-
grielfel fur die fchwein: das fy es villeicht icht ver
treten mit iren füllen: vnd fo fy werden bekert [y ver-
. wulten euch. Eifcht vnd euch wirt gegeben: lücht
vnd ir vindet: klopfet vnd euch wirt aufgetan.
. Wann ein ieglicher der do eifcht der enpfecht: vnd
der do fücht der vindet: vnd dem klopfenden wirt auf
. getan. Oder welch man ift von euch ob im fein fun
eifcht brot: gibt er im denn ein Steine? Oder ob er
eifcht einen vilch: raicht er im denn ein [chlangen ?
. Dorumb ob ir fo ir feit vbel ir derkennt git gaben
zegeben ewern fúnen: wie vilmer ener vatter der in
. himeln ift gibt gåt gabe den eifchenden im? Dor
umb alle die ding die ir welt daz euch die leut tunt:
die tit auch in zegleicherweiß. Wann ditz ift die ee
vnd die weyffagen. Get ein durch das eng tor: wann
weyt ift das tor vnd brait ift der weg der do furt zi
dem verleufe: vnd vil feint die do ein gent durch in
Wann eng ift das tor vnd fchmal ift der weg der do
furt zü dem leben: vnd lútzel feint die in vindent.
Mit fleiß hútet euch vor den vallchen weyffagen die
zů euch kument in [cheffin gewande: wann inwen-
dig feint fy grimig wolff, Von iren wúchern der
19 von den P. 20 margariten Z— 0a. 21 icht] nicht
AK—0a. 22 fy ver-] vnd ver- Z—Sa, ver- K- Oa. 23 Bittend
Z—Oa. 25 bitt Z—Oa. der e.] der fehlt OOa. 26 wirt]
wir M. 27 menfchZ—Oa. imjin AZcSaK—0a. 28 eifcht] Litt
umb eyn Z—Ou. 29 eifcht] in bittumbZ—Oa, 30 fo ir feit vbel
ir] wi wol ir böß leit Z— Oa (boßheyt Al. derkennt] kent SbOOa,
32 dem ZZe, eifchenden im] die in bittend Z—Oa. 33 men-
[chen Z—Ou. 34 Vnd P. das gefetz K—Oa. 37 der ver-
damnuß Z—Oa. 38 Wann) Wie Z—Oa. 39 lützel] wenig P.
42 grimig] zuckend Z— 0a, frúchten Z— On.
*
21 fy es] fis TF, 26 do] fehlt TF. 29 im eifcht TF,
30 fo] [wie dz TF. sl in] + den TF, 32 der gibt TF. 35
weillagung TF. 39 ir die TF, 40 Mit Neiß hütet euch] hut
TF, + euch td. 42 griphig TF.
5#
Matih. 11, 21—80. 42
villeicht fy hetten gemacht büß in herin vnd in alch-
en. Idoch fag ichs euch: vergiblicher wirt tyri vnd
fydon an dem tag zů dem vrteil denn euch. Vnd du
capharnaum' derhöchftu dich denn vntz an den him
el? Du fteiglt ab vntz an die helle. Wann ob in fo
domis wern gethan die kreffte die do feint gethan in
. dir: villeicht fy wern bliben vntz an difen tag. Idoch
fag ichs dir: daz vergiblicher wirt dem lande der fo
domer an dem tag zü dem vrteil denn dir, In dem
zeyt jhefus antwurt vnd fprache. O herr vatter des
himels vnd der erde ich begich dir’ das du halt ver-
borgen dile ding vor den weylen vnd vor den witzi
. gen: vnd halt fy deroffent den lützeln. Alfo vatter
. wann: alfult was es geuellich vor dir. Alle ding
feint mir geantwurt von meinem vatter. Vnd
keiner derkennt den fun nur der vatter: noch den vat
ber wer derkennt in nur der fun: vnd dem es der fun
wil deroffen. Kumt alle zi mir ir do arbeit vnd [eyt
geladen : vnd ich widermache euch. Nemt auf euch
mein ioch: vnd lernt von mir wann ich bin fenfft
vnd demútigs hertzen: vnd ir vindet rie ewern fel
. en. Wann mein ioch ilt fenft: vnd mein burde ift
leichte. Das xij Capittel.
+
14 gemamacht $, herin] + kleydern Z— Oa. 15 tyro Z—Oa,
16 fydoni Z—On, tag des gerichts Z—ÖOn. 17 wirdelt du
denn erhöht K—Oa. vntz] biß Sb—Oa. 18 fteig MEP, biß
Sb—-0a. fodonis E, zodomis P, fydonis Z—Se, fydone OOa.
20 wern] fehlt Z—Oa. big Sb—Oa. 21 ich euch Z—Oa.
fydonier Se. 22 tag des reichs Z—Sa, t d. gerichts K—Oa.
24 vergich Z— On. 25 dem weyfen vnd vor dem witzigen Oa. vitzi-
gen M. 26 du halt K— On. kinden P, kleynen Z—Oa. 27 allo
Z—Oa, es] fehlt ZcSa. 28 gegeben Z—Oa. meinem] -+
himelifchem ZeSa. 29 nur] nun ZAZcSa, denn K—Oa. den]
der Sa. 30 nur] nun ZAZcSa, 31 offen Z—Oa. do arbeit]
arbeyter Z- Oa. 32 erkücke euch K—Oa. 34 demutigs] die-
mútig im OOa. 35 ilt (zweites)] fehlt OOa,
*
14 herim TF, 18 fteigs F. vnez di h. TF. 18 fydom
T, fodom F. 20 vlilicht F. difen] + heutigen TF. 21 ver-
gibelich TF. 22 In der zeit T, 30 in] nit T.
lo
ER
Ls
13,
14.
15.
16,
17.
15,
13.
21.
Matth. 12, 11-23. 44
er fprach zi in. Welch man ilt von euch der do hat
ein fchaff? Vnd ob es vellt in die grüb des faml!-
- tags: helt ers denn nit vnd erhebez? Wie vilmer der
menfch ift beffer denn das [chaff. Allult es gezimpt m
wol des famfftags zetün. Do fprach er zů dem menfch
en. Streck dein hant. Vnd er [trackt fy: vnd fy wart [sesi
im gefchickt in gefuntheit als auch die ander. Wann
die pharifeer giengen aus: [y machten rat wider in:
jn welcherweys fy in verluren. Wann jhefus welt
es er fchied fich dann: vnd manig nachuolgten im: 4
vnd er gefundet fy alle. Vnd er gebot in’ das [y in
nit machten offen: | das derfullt wurd daz gefait ilt
durch ylaias den weyffagen (agent. Sich mein kint
das ich hab derwelte: mein lieber in dem entzamt wol
geuiel meiner fele. Ich letze mein geilt auf in: vnd 10
er derkundet den leuten das vrteile. Er kriegt nit
noch enrufft: noch keiner hört fein [tym in den gal
. fen, Daz geuackelt ror zerbricht er nit‘ vnd den riech
enden flachs verlefcht er nit: vntz daz er auz gewirft
das vrteil zü der vberwindung: | vnd die leut ver- 15
. fehent [ich an fein namen. Do wart im bracht ein
man [tumm vnd blint habent den teuffel: vnd er ge-
funt in alfo daz er redt vnd gefach. Vnd alle die ge
felfchafft wunderten fich: vnd fprachen. Ift dirr denn
*
58 fabbaths K— On. 59 erhebez] hebt es auff Z — Oa. 60 Allo
gezimpt auch wol zethún an dem fabath Z—Oa. 2 im — geluntheit]
widergegeben der g. ZASK—Oa, wider geben derg.ZcSa. 4jn — Wann]
wie fy in umbbrächten. vnd Z—Oa. 5 er] vnd Z—Oa, fich]
+ vonZ--Oa. — vilZ—0a. 6 machet fy all gefunt Z—Oa. — 8 yfai-
am E—Oa. 9 entzamt] mir ZAS, ich mir ZeSa, fehlt K—Oa. 11 ver-
kúnt Z— Oa. 12 enrufft] einrüfft P, wirt fchreyen K— Oa. 13 ge-
uackelt] gefchlagen Z—Oa. wirt er nit zerbrechen K—Oa. 14
flafchs O. erlefchet PZS—Oa, erlöft A. biß Sb—-Oa. wirft
Z— 0a. 15 verfchent P. hoffnung haben in feinem namen
Z—Oa. 17 macht in gefunt daz Z— Oa. 18 all fcharen Z—QOa.
19 der P, difer Z— Oa.
*
58 ein fchafe TF, 60 Alfuft — 61 zetún] wan alluft gezimt
es joch wol zu tun des fameztags TF. 8 Secht TF. 13 vnd
daz gelwackelt ror TF, 14 verlefch TF. 18 er] nachtr. T.
=
Matth. 135, 1-12, 48
W N dem tag jhelus ging aus von dem haus
I er [aß bey dem mere: | vnd manig gefelfchaft m
#- famten fich zú im: alfo das er aufftaig in
ein fchifflein vnd falle: vnd alle die gefelfchaft ftùn-
. den bey dem geftat: | vnd er redt manige ding zü in
in gleichfam fagent. Secht er ging aus der do [ehet
. zeleen feinen famen. Vnd do er feet etlich die vielen 5
bey dem weg: vnd die vogel kamen vnd affen fy.
. Wann die andern vieln in daz ftainig do fy nit het
ten vil erde: vnd zehant wurden [y geborn wann fy
hetten nit die tieff der erden. Wann do der funn wart
geborn [y derhitzten: wann fy hetten nit die wurtzeln 40
. vnd dorten. Wann die andern vieln vnder die dór
s. ner: vnd die dorn wüchfen vnd derlteckten fy. Wann
. 10,
die andern vieln in die güten erden: vnd gaben wüch
er’ den ein C valt’ den ein lx valt* den ein xxx valt.
Der orn habe zehören der hör. | Vnd die iunger ge- 5
nachten fich fy fprachen zů im. Worumb redeltu mit
. in in gleichfam ? Er antwurt vnd [prach zi in.
Wann euch ilt geben zeerkennen die taugen des reichs
. der himel: wann in ilt ly nit gegeben. Wann der do
+
30 er] vnd Z—Oa. manig gefelfchaft| vil fcharen Z—Oa.
32 die] fehlt K—Oa, gelelfchaft] (char Z—Oa. manige] vil
Z—Oa. 34 gleichnuß Z—Oa, (-en A). er] der Z—$a, ging
aus] ilt auß gangen K—Oa, erft auß g. Z—Sa. 35 zefeen| fehlt
ZeSa. feinen] eynen Sb. die] fehlt K— On. 37 Wann]
aber Z—0a. 89 Wann — 40 derhitzten] Vnd als die funn aufgieng
da erhitzten fy Z—Oa. 40 wurtzel ZeSa. 41 Wann] Vnd Z—Oa.
42 wülchen P. derfterckten M. Wann] Aber Z—On. 43 wu-
cher — 44 xxx vält] die frücht. Der ein fam gab hundertfeltig frücht,
der ander (+ ein Z—Sa) fechtzigfeltig frúcht. Vnd der drit (4 ein
Z—Sa) dreylligfeltig frücht Z—Oa. 4önalhneten K-Oa. 46 fy] fie.
wd KGSbSe, vnd OOa, fprachen] + er G. 47 gleichnuß
Z—Oa. 48 taugen] heymlichkeit Z—Oa. 49 wann] aber Z— On.
Wann] Vnd P. do] fehlt OOn.
31 fament TF, 33 rett ezo in manig dink TF. 36 ezzen
TF. 39 die funn F. 40 geborn] fehlt T, nachtr. ta. 41 vnd
die] vnder F, + die nachtr. fa. 42 derfteckten] ftieckent T
nachgetr, ta, fa. 45 hort TF. 46 redelt du TF. 48 zeke
Matth. 15, 24—353. 60
bin nit geľant* nuer zi den [chaffen des haus jfrahels
v.2. die do verdurben. Vnd fy kam‘ vnd anbett in (agent
%. O herr hilff mir. | Er antwurt vnd fprach. Es ilt 45
nit git zenemen daz brot der fúne: vnd zegeben den
a. hunden. | Vnd fy [prach. O herr ia, Wann ioch die
welffel effent von den brofmen die do vallent von dem
28. tifch ir hern. Do antwurt jhelus’ er fprach zů ir.
O weip michel ift dein glaube: dir gefchehe als du 50
wild. Vnd ir tochter wart gefunt zů der (tant,
2. Vnd do jhefus vber ging dann’ er kam bey dem mere
30. galile: er fteig auf an den berg er [aß do. Vnd manig
gelelfchaffte genachten fich zi ime’ habent mit in
ftumen* blinden‘ lamen’ krancken vnd manig ander: 55
vnd wurffen fy zi leinen füllen: vnd er gefunt (y.
3. Allo das die gelellchafft wunderten fecht die (tum
en redent' die lamen gend‘ die blinden gefehent: vnd
#2. michelichten gott der jfrahel. Wann jhelus entzamt
rieff (einen inngern er [prache. Mich derbarmt der 60
[chare: wann fy vollendent ietzunt mit mir drey
tag. vnd habent nit das fy elfen. Vnd ich wil ly (324 b]
nit laffen valften: daz fy icht gebreften an dem weg
83. | vnd fein iunger fprachen zi im. Dorumb wo von
+
43 den] dem P. 47 Wann ioch] jedoch Z—Oa. 48 hunt-
lein K-Oa. 49 Do ihefus antwurt P. er] vnd Z—Oa. 50 groß
P— 0a. 52 vber ging] gieng von Z—QOa. bey] zů Z—Oa.
53 an] fehlt P. an einen berg vnd fui Z—Oa. vil [charen-Z—Oa
54 nahenten K— Oa. im vnd hetten bey in ftummen lamen blinden
krancken vnd vil Z—Oa. 56 er machet fy gelunt Z—Oa. 57 gë-
felfchafft] (char Z—Se, feharen OOa. fecht] da fy fahen Z—0On.
59 michelichten] größten P, machten groß Z—Ona, der] von
Z—Oa. Wann] Vnd Z—Oa. entzamt rieff'] miteinander rift
P, rúfit Z—Oa. 60 er] vnd Z—Oa. der] die Z—Oa. 61 voll-
endent] beharrend Z—GSc—Oa, beharreten auch Sb. mit] bey
Z—Oa. 1 daz nit Sa. fy] fehlt ZSZcSa. 2 [y nit vergangen
Z—Oa. an] an an P, in 00a.
k
48 welfer TF, 49 tifchen F. 51 wilte TF, 52 mere]
+ ze TF. 53 er laß] vnd sazz TF. 55 plint TF. andern
TF. 57 das] + lich TF. ftumenden TF. 58 plintden TF,
61 fchare] gefelíchatt TF.
a
v. 17.
= 3 5
© =
- Vnd die iungern teten alz in ihefus hett geordent:
. vnd fy beraiten das oftern. Wann do der abent wart
. gemacht‘ er rüet mit fein *xij* iungern. Vnd do
Matth. 26, 10—26.
keit do er in in antwurt. Wann an dem erften tag
der derb die iunger genachten lich zi ihefus fagent
Wo wiltu daz wir dir bereiten zeeffen das oltern?
Vnd ihefus fprach geet in die [tatt zi eim: vnd
fprecht zi im. Der meilter fpricht: mein zeyt ilt na-
hen: bey dir mach ich daz oftern mit meinen iungern.
fy affen er fprach. Gewerlich fag ichs eúch: daz euwer
einer ift mich zeverraten. Vnd fy wurden hart be-
trübt. Sy begunden fúnderlich zefagen. Denn o herr
bin ichs? | Er antwurt vnd fprach. Der mit mir
legt die hant in die fchúffeln der verrat mich. Wann
ernftlich der fun des menfchen geet als es ilt gelchri-
ben von im: wann we dem menfchen* durch den der
fun der maid wirt geantwurt. Güt wer im’ daz der
menfch nit wer geborn. Wann iudas der in verriet
der antwurt er fprach. Denn mailter bin ichs? Er
fprach zi im. Du halt es gefagt | Wann do [y nachts
allen‘ ihefus nam daz brot vnd gelegent es‘ vnd brachs:
+
3 do] das Z—Oa. in in] in SZeSa. Wann] Vnd Z—On.
4 derb] derben brot Z—Sa, vngelewrten brot K—On. nahneten
K—Oa. jhefu E—Oa. 5 dir] fehlt ASc. die oftern Z—Oa.
6 geet] + auch Se. 7 zeyt] + die Sb. ift] + gar SbOOa.
8 will ich (+ auch Se) bereyten das ofterlam Z—Oa. 10 ofterlam.
Vnd do Z—Oa. 11 gemacht] fehlt Z—On. 12 alfen da fprach
er. Werlich fag ich Z—Oa, 13 wirt mich verraten Z—Oa. wur
den] + gar Z—Oa. 14 Denn o] fehlt Z—Oa. 16 legt] ein-
duncket Z- On. fülfeln M. Aber Z—On. 17 ernftlich)
gewiflich P, fehlt Z—On. es] fehlt Z—Oa. 18 aber Z—Oa.
19 fun des menfchen wirt dargeben Z—Oa, (dargegeben Sb). 20 Wann]
Vnd Z—Oa, 21 der] fehlt K—Oa. er] vnd Z—Oa, Denn]
fehlt Z—Oa. 22 Vnd do fy gen nacht Z—Oa,
+
5 wilt du daz wir dirr TF, 11 er] + ihefus der TF, gestrichen T.
15 ichs] + nit TF, gestrichen T. vnd] + er TF. 16 verret TF.
Wann] vnd TF. 18 we nachtr. T. 20 verrit TF. 21 er]
vnd TF, 22 zenacht TF. 23 gelegentz TF.
. Was gedenckt ir dife ding in euerm hertzen? | Wann
das fy alfult gedachten vnter in: er fprach zů in.
was ilt leichter zelagen zú dem litfüchtigen dein fün
de werdent dir vergeben: oder zelagen [tee auff hebe
10. auf dein bett vnd gee? Wann das ir willt das der
fun der meyd hat gewalt zeuergeben die fünde auf der
il, erde: er [prach zů dem litfachtigen. Ich fag dir [tee
auf: vnd heb auf dein bett: vnd gee in dein haus.
12. Vnd zehant [tind er auf: er hüb auf das bett vnd
gieng vor allen leuten alfo das fy fich all wunderten
vnd erten gott fagent: wann allo gefachen wir nie
18. Vnd anderwaid gieng er aus zů dem mere: vnd al 10
14. le die gelellchafft kam zú im: vnd er lert fy. Vnd
do er fürgieng er lach leui alphei fitzen an dem zol:
vnd er fprach zi im. Nachuolg mir. Er ftänd auf
15. vnd nachuolgt im. Vnd es wart gethan do er rü
et in feim haus: manig offen finder vnd fúnderin 1
die rüten entzampt mit ihefus vnd mit fein iung-
16. ern. Wann ir warn vil die im nachuolgten. | Vnd
do die fehreiber vnd die pharifeer gelachen daz er affe
mit den offen fúndern vnd mit den fánderin: fy fprach
en zů fein iungern. Worumb iffet vnd trincket ewer 2%
*
60 alfo Z—Oa. vnter] in Z— 0a. 61 ewern K— Oa. 1 den
Se. lamfüchtigenZ—Sa, gihtbruchigen K—Oa, (-chtigen G). 2 auff]
+ vnd 8. 3 Wann] Vnd P, Aber Z—Oa, 4 fun des menfchen
Z—Oa, 5 den Se, lamfüchtigen Z—Sa, gihtbrüchigen K—Oa.
(-chtigen G). 8 gieng] + ab Z—0Oa. verwunderten Oa,
9 wann alfo] def gleychs ZS—O, des gelichen AOa. 10 ander-
waid] aber A. 11 die gefelfchafft] die [char Z—Sa, [char K—Oa.
kamen OOa, 12 leui] + den fun Z—Oa. 14 es gefchach
Z—Oa. 16 die — entzampt] ruten K—Oa. entzampt] mit-
einander P. jhefu E—Oa. 18 fahen K—Oa. 19 offen-
funder G. fünderin] offnen fúnderin A.
k
3 auf] fehlt TF. 6 vnd heb] heb TF, 7 pett vor allen
vnd gieng alfo TF. 9 alfo gefachen] ein fulhz gefach TF. 11
kamen TF, 13 mir] + vnd TF, 15 fünderin] funder TF.
17 im] in TF, 19 fünderin] fundern TF. 20 iffet eur maifter
vnd trinkt mit TF.
E di
=p
u
m
ann in dem *xv" iare des tip
gebottes tyberi des keyfers* do puncio ple
bericht inde: wann herodes was ein fürlt des
vierden teils galilee: wann philip fein brúder em ta
fürft des vierden teils zů iturre vnd der gegend tracho
nicidis: vnd lifania ein fürft des vierden teils zi abi-
line" | vnter den fúrften der pfaffen annas vnd caiphas:
wann daz wort des herren wart gemacht vber iohannes -
den fun zacharias in der wülte. Er kam in alle die ge
gent des iordans vnd predigt den tauff der búb in ă— ž
vergibung ir fúnden: | als es ift gefchriben in dem
büch der [práche ylaias des weylfagen. Ein ftymme
des rüffenden in der wilt bereit den weg des herren:
vnd macht recht fein [teig. Ain ieglich tal wirt der -y
füllt: vnd ein ieglich berg vnd büchel wirt gedemú-
tigt. Vnd die krancken ding werdent in die rich- u
tung vnd die [charpffen in die eben weg: | vnd alles
fleyfch das ficht die behaltfam vnfers gotz. Dorumb ž
er fprach zü der gelelfchaftt die do aufgiengen das — =
fy wurden getaufft von im. Gelchlecht der vippern: oe
wer zeigt euch zeentpfliehen vor dem kinftigen zorn N
36 Aber Z—Oa, 37 gebottes] keylertumbs Z—Oa. poncin
pilatus Z—Oa. 38 iudeam Z—Oa. wann] vnd Z—( 3
lea E—-Sa. wann] vnd Z—Oa, igs On.
fehlt Z—On. trachonitidis EP, hrs q
E-Sa. zù) fehlt Z—Oa. 42 prieltern lis Z.
vnd caipha Z—Oa. ^ 43 wann] fehlt Z I
44 zucharie Z—Oa., et | Oa
es] er P. 47 Ifnie Z- m
bofen Z—Oa. 53 fi tot wi irt fehe
54 [prach er zů den fe
Lucas 3, 1—7.
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225 Lucas 6, 29—87.
& Vnd der dich fchlecht an das wang’ beut auch im v. 2,
das ander: vnd von dem der dir abnympt das ge-
wand‘ Nichten wöllt im ioch weren den rock. | Eim 30.
ieglichen der dir eifch dem gib: vnd der do abnympt
die ding die dein feint nicht wider vorders. Vnd 31.
30 als ir wólt das eúch die leút thünd: vnd alfo that
ir in zegleicherweyfe. Vnd ob ir die lieb habt die 82.
eúch lieb habent: was genaden ift es eich? Wann
auch die finder habent lieb die fie lieb habent. Vnd 33.
ob ir wol thút den die eúch wol thünd: waz gena-
& den ift euch. Vnd ernftlich das thünd auch die fún-
der. Vnd ob ir gebt das lehen den von den irs euch 34.
verfecht zeentpfachen: waz genaden ift es eich? Wann
ioch die fúnder leichent den fúndern: das fy entpfach
en geleiche ding. Idoch habt lieb eúwer feind: vnd 35.
# thüt wol vnd gebet das lechen’ von den ir etch nichtz
verfecht zeentpfachen: vnd ewer lon der wirt mich-
el: vnd ir wert fún des höchlten: wann erfelb ift gút
tig vber die vndanckpern vnd vber die vbeln. Dor 36.
umb feyt barmhertzig: als auch euer vatter ilt barm
5 hertzig. Nichten vrteilt: vnd ir wert nit geurteilt. 37.
*
27 nicht AK—Oa. enwollft A. ioch] ia Z—O, fehlt Oa.
Ein yegklicher der A. 28 eyfcht P, bit Z-—Oa. 29 vorder die
K—Oa. 30 vnd] fehlt OOa. 31 lieb liebent die A. 33 fie]
fich MEP. 35 ift] + es G. ernftlich] gewiflich P, fehlt
K—Oa. die fün der S. 36 das leben EP. ir euch K—Oa.
38 auch Z—Oa. leichtent Sa. 40 thút] + in Sa. das]
fehlt OOa. leben Sa. von dem E—Oa. nit A. 41 der]
fehlt K—Oa. groß P, vil Z—Oa. 42 er felber G. 44 auch]
fehlt Se. 45 hertzig] hertz M. Nicht Z—Oa.
25 im auch TF. 26 vnd der von dir nimt TF. 27 auch
TF. rock wan gib eim ieglichen der von dir eifchdent vnd TF.
28 nimt TF. 29 dein] fehlt TF, nachgetr. te, fe. nichten TF.
33 ioch TF. 34 wol tunde TF. 35 ift] -+ es TF. Vnd]
fehit TF. diez TF. 37 zenphanchen TF. 38 leichent]
Wuchernt mit TF. 40 nichtz] ichtz TF. 41 eurs lons wirt
vil TF. 43 Dorumb] wan TF. 45 nichten welt vrteilen daz
“uch ir icht wert gevrteilt Nichten welt vertamment daz ir icht wert
Wertampt TF.
Kurrelmeyer, Bibel. 15
oh.
41.
42.
Lens 6, SEH 298
Nit verdampt: vnd ir wert nit verdampt. Ver-
gebt: vid eúch wirt vergeben. Gebt vnd etich wirt
gegeben. Bin git maß vid em volles’ vnd ein auf
gehauttes vnd ein vberfliffigs gebent fy ewerm bú
fem. Wann mit dem felben maß mit dem ir melt:
wirt eúch wider gemeffen. Wann er fagt auch in
ein veleichfam. Mag der blind den blinden gefúren
Fallent fv baid denn nit in die grüben? | Der iung
er fev nit vber den mailter: wann ein jeglicher [ev
durnechtig: ob er wirt als fein maifter. Was fich
ftu den agen in dem augen deins briders: vnd merckft
nit den tram der do ift in deim augen? Oder in welch
ernevs magftu gelagen demem brúder: bruder‘ la
ich zeúch aus den agen von deim augen: du fell fchtt
nit den tram der do ilt in deim angen. Trugner zú
dem erften wirff auz den tram von deim augen: vnd
denn fichitu das du aus fúrlt den agen von dem au-
sen deins brüders. Es dt nit ein git baume der do
gibt bolen wúcher: noch der bob baum macht gíúten
wücher. Wann ein ieglich baum wirt derkant von
feim wucher. Wann fv fament nit die feigen von
den dornen: noch enlefent die weintruben von dem
+
46 Vergib P. 48 mehen A. volle vnd ein auttyehauffte
vnd ein Vberfliffiee gebent fv m ewer fehots Z—Oa. SU mit der
(2) A. ol] Wannj vnd Z -On. fagt vn ouch A. a2 ge-
leiehnuß. Mag nit der Z— Ou. turen AOOa. 3 denn] fehlt G.
Df ley] ift Z—Ua. iegkheher wirt volkumen Z—QOa. >> fein]
ein Z —Ña. 56 augen] ang Z—Oa. 7, 6U traum Se. 37
deim augen] den angen ME. den augen P, deinem ang Z—Oa
29 auge E -- Oa. 60 auge Z—Oua. GL auge E—Oa. 1 dann
Si. von don M— sb, auge OOa, 3 bringet hole trucht
L4—Oa. wringt gute frucht Z--Oa. 4 Wannj Dann Z—Oa.
erkant aul feiner frucht Z— On. 5 fameln K—Oa. 6 lefent Z- Oa
*
49 vberfluffies wirt euch (auch F) gegeben in euren TF. Al felt
in „uch TF. 52 Mag] — den TF, gefuren den plinten TF.
53 den nit baid in die grub TF. 58 machtu TF. 59 fichts
T. ficht F. 60 zum TF. 2 Es] wan es TF. 3 machtet
boolen TF. t Wann - - 5 wücher] vachtr. F. » fie lefent nit
von den dorn di veizen noch fi enlelen di weinber TF.
y!
bufch Der güt menfch von dem gúten fchatz feins
hertzen fürbringt er das git: vnd der böß menfch
von dem böfen fchatz feins hertzen fürbringt er daz
bob. Wann von der begnúglam des hertzen redt der
mund. Wann waz rúfft ir mir herr herr: vnd thút
nit die ding die ich eúch fag? Ein ieglicher der do
kumt zi mir‘ vnd hört meine wort‘ vnd thút fy: ich
zeig eüch wem er wirt geleich. Er ift geleich dem
menfchen der do bawet fein haus der do grebt in die
höche: vnd [letzt die gruntfeften auff einen [tein
Wann do die vberundung wart gemacht der floß
was zefchaden dem haus: vnd mocht es nit bewegen
Wann es was nit zebewegen wann es was gegrunt
feftent auf ein ftein. Wann der es hört vnd es nit
enthůt der ift gleich dem menfchen der do baut fein
haus auf die erde on gruntfelte: an daz do ift zeuer-
wüften der floß vnd es vellt zehant‘ vnd der vall
des haus wart gemacht michel.
*
10 der vberflüßigkait /—Oa.
aber hort Z—Ou. vnd nit ZcSaSbOOa. 91 thút Z—Oa.
(was 5) groß Z—On. 24 wart] wirt MEP.
*
7 bufeh] + der dom TF.
an dem daz wazzer ift zeteilt vnd es TF. 24 gemachtet TF.
Lucas 6, 15—49.
11 hayffet ir mich Z—Oa.
13 fy} + vnnd Sb. 14 Er ift geleich] fehlt P. 16 fetzt] +
in ME, im P. 17 vnd do gewälfer kam. vnd fiel ein der flub
in das hawl do mocht er das nit bewegen wann es (er S) was ge-
gruntueftent Z—Oa. der] des M, dez E, dem P. 20 Der es
ift]
thüt Oa. 22 an] on MEP. an — 24 michel] darein gefallen
ift der Auß. vnd ift von ftundan gefallen. vnd der val des hauß ward
10 begnugde TF. 11 ir] fehlt
F, nachtr. fe. 12 fag] + wan TF. 13 Ein] fehlt F. vnd fi tut
TF. fein]einTF. 16 gruntfeft TF. 17 vberundung] vberfluzzickeit
TF; vbervndung ta. gemacht daz wazzer zeteilt an dem hauze
nd es mochtz nit TF; + d' flozz ta (= daz wazzer). 19 nit —
es was] fehlt TF. 20 es nit] nichten TF. 21 enthút] tut
TF. der fein (feine F) hauze paut vf TF. 22 gruntfefte vnd
47.
49.
-
231 Lucas 7, 24—30.
iohannes zů der gelellfchafft. Was giengt ir aus
in die wülte zefechen? Ein rore zewerden bewegt von
dem winde? Wann was giengt ir aus zelechen.
Ein menfchen geuaflt mit lindem gewande? Secht
die do feint in dem teuren gewand vnd in den wol-
luften: in den heufern der kúnig feint fy. Wann waz
giengt ir auz zefechen? Ein weylfagen? Ernftlich
ich fag euch: *vnter den geborn der weib ioch merr
denn ein prophete. | Dirr ift von dem gelchriben ift. Sich
ich fende meinen engel vor deim antlútz: der do fúr-
berait deinen weg vor dir. Wann ich fag euch: vn-
_ ter den geborn der weib ilt kein merer weylfag iohan
nes dem tauffer. Wann der do ift mynner in dem
reich gotz der ift mer denn er. Vnd alles volck hort
es’ wann die offen fünder die gerechthafftigten gott:
fy wurden getaufft mit dem tauff iohannis. Wann die
pharileer vnd die gelerten der ee‘ die verfclmechten
den rate gotz in in [elber: fy wurden mt getaufft von
+ |
24 iohanne zu der fechar Z—Oa. Was feyt ir aufgangen (auff-
sangen Sc, aufigegangen Oa) in K-—Oa. 25 zewerden] der do
wirt Z—Sa, fehlt K—Oa. 26 Wann] Oder Z—Oa. 27 ange-
leget mit linden kleydern Z— Ou. lidem MEP. 28 den P—Oa.
gewanden Z—0Ou. 29 -luften die (+ do ZeSa) find in den heufern
der kúnig. Aber Z—Oa. 30 Ernftlich)| Gewiflich P. fehlt K— Oa.
31 fag ich S, ich fah G. *euch. Ir habt gefehen merer dann einen
propheten Z—Oa. den] dem P. 32 Dirr] Der P—On. 33 deim]
dem EP, deinem Z—Oa. 35 den funen Z—0a. weyber ZcSa.
keiner A. weyffag dann iohannes der tauffer Z—Oa. 36 dein
tauffer M. Wann] Vnd Z—Oa. im reich ZSKGSbOOa. 37
grolfer Z—Oa. dann Se. 38 wann] vud Z—Oa. fünder
rechtuertigten K--Oa. fy] vnd Z—Oa. 39 dem] fehlt M.
Aber Z— Qa. 40 die (zweites)] fehlt K—On. 41 fy] vnd Z—Oa.
x
26 gieng F. 27 gevazzt T, gewazzt F. Secht — 28 wolluften]
vnd in den wolluften fi fint TF. 29 feint fy. Wann] oder TF.
30 Ernftlich] Wan TF. 31 *vnter — weib] er ift TF. 32 pro-
phete] weiffag TF. 33 furberait] berait TF. 34 euch kein
merer weiffag ift vnder den geborn der weibe den iohannes der t.
TF. 36 Mt] + der TF. 37 ift] fehlt TF, nachtr. ta, fb.
38 wann] vnd TF. gott] + vnd TF. 39 dem] der TF.
iohannes TF. 41 felben TF.
to
=
Lucas 7, 49—R, 7. ‘ 234
begunden zefagen vnter in. Wer ilt dirr der ioch ver
gibt die finde? Wann er fprach zi dem weib. Gee
in fride. Wann dein gelaube hat dich gemacht be-
haalten. | (827)
nd es wart gethan von defhin’ vnd erfelbe
macht den wege durch die Itette vnd durch
die caftellen er predigt vnd derkunt daz reich
gotz’ vnd die *xij* die mit im waren’ | vnd etliche
weil)” die do warn gefunt von den vbeln geiften vnd
von den fiechtumen: maria die do ut geheillen mag-
dalen’ von der do warn aufgeworffen 'vij’ teuffel-
' vnd iohanna daz weip chule des fchaffners herodis
vnd l[ufanna vnd andere manige die im ambechten
von irem git. Wann do fich manige gelellfchafft
hette gefamet vnd genachenten fich zú im von den
ltetten: er redt durch die geleichfam. Er gieng auz
der do feet zefeen feinen famen. Vnd do er feet der ein
viel bey dem weg‘ vnd wart vertretten: vnd die vo-
vel des himels allen in. Vnd der ander viel auff
einen ftein’ er wart geborn vnd dorte: wann er hett
nit die feuchte. Vnd der ander viel vnter die dorn:
*
25 dirr] der P. 26 wann] vud Z—On. 27 in] -+ dem
K—Oa. dich haylwertig gemacht Z—Oa. 29 Und es gefchach
darnach. Das er gieng durch Z— Ona. 31 er] vnd Z—Oa. 32 die
mit im waren] mit im Z—Ou. 33 welund gemacht von den bofen
goylten Z-—On. 34 do hayft magdalena Z—Oa. 36 thufe M.
fchaffers K— 0O, fehatiner Oa. 37 ander vil die im dienten von
irer habe. Do aber (ader Se) vil [char zu amen kamen. vnd genachten
Z—Oua. dienten P. 39 fich} (y P. 40 eeleychnuf Z— Oa.
45 auf] + ein M. 44 telen. vnd als er autfgieng do dorret er
Z—Qa.
*
25 joch] da auch TF. 26 er] ihefus TF. Gee in fride.
Wann] fehlt TF. 27 gelaube] trewe TF. 28 -halten ge in
trid TF. 29 vnd erfelbej Thefus TF. 31 kaftel TF. 32 die
mit im waren] mit in TF. 33 vbeln geiften] vnreinen TF;
unterstrichen Y. vbeln geiften ta. 34 fiechtumen] 4- vnder den waz TF.
59 uzgegangen TF. 36 hervdes TF. 37 manız ander TF. 39 hette
— fich | het genachent TF. 4) (prach TF. +5 die feuchte] feucht T.
5
31.
32,
Lucas 8, 28—35. 238
der fun gotz des héchften waz mir vnd dir? Ich bit
dich: das du mich nit queleft. Wann er gebott dem
vnremen geilt: das er aufgieng von dem menfchen
Wann er hett in begriffen vil zeytz: vnd ward ge-
bunden mit ketten vnd behüt mit fúfeylen: er zer-
raib die bande vnd wart betwungen vom teuffel in
die wúfte. ' Wann ihefus der fragt in fagent. Waz
ift dir der nam? Vnd er fprach. Ein fchare. Wann
manig teuffel feint eingangen in in. Vnd fy baten
in: das er in nit gebót daz fy giengen in das abgrun
de. Wann do was ein herde maniger [chweine wal-
dent an dem berge: vnd fy baten in das er fy ließ ein-
geen in fy. Vnd er geltats in. | Dorumb die teuffel
giengen aus von dem menfchen: vnd giengen in die
Ichwein: die herde gieng hin mit geche vnd vber-
fturtzt in den fee: vnd deríteckt. Vnd do daz gefachen
die fy waidenten das do was gethan fy flochen: vnd
derkunttens in der [tat vnd in den dörffern. Wann
[v giengen aus zegelechen das do was gethan: vnd
kamen zů ihefus* vnd funden den menfchen fitzen zů
*
43 du fun Z—Oua. was ilt mir Z—Oa. 44 peinigelt P—Oa.
Wann] vid Z—Oa. 46 zeyt P--Ou. 48 wart gebt Z—0Ou.
von dem Se. 49 Wann] vnd Z—On. der; fehlt K—Oa. 50 ift
dein nam. er fprach Z—Oa. SL waren eingegangen Z—Qa (in-
gangen A). 52 in den (dem G) abgrund. vnd es was do ein herd
vil fchweyn Z—Ou. 57 fehwein + vud Z--Oa. 58 fahen
K —0a. 59 das do] do das EP, das Z—Ze. 60 verkuntens
7. -Oa. Wann fy] vnd die menfchen Z—Oa. 61 zefechen
E—0Ona. was vefchehen ZS--Oa, gefchehen waz A. 1 ihefum
ZS--0Oa. ihefu A.
*
43 waz] + ift TF. 4t dich] fehlt TF. 46 het in be-
ereif vil zeit TE. 47 behnt enezamt di fuzz mit eifenhalten vnd
fo er zerbrach di bant vod di keten er wirt gelaget von dem TF.
49 Welhe- ift dein (den F) nam TF. »1 feint] warn TF.
52 in nit gebot! in icht gelute T, nieht gebute F. gicng F. dt er
in geftat in zegen TF. 35 geltat in in zegen in fi TF. 57 die]
nd di TF. hin fnellicheh oder mit geche in den TF, oe der-
ftickt do diez TF. oY weident TF. 60 der] die TF. die
dortter TF. 61 zefechen TF. 1 vnd] -- I TF.
N
¡340
Ss
10
239
Lucas €, 35—42.
fein fülfen von dem die teuffel warn aufgegangen
geuafft: vnd gefundes hertzen: vnd fy vorchten fich
Wann auch die die do hetten gefechen: in welcher-
weys er was gemacht gefunt von der fchar die der
kuntens in. Vnd alle die menig der gegent der ge-
rafener die baten in’ das er fchied von in: wann fy
warn behabt mit micheler vorcht Wann erfelb ftaig
auff ın ein [chiffe er kert wider. Vnd der man von
dem do warn aufgegangen die teuffel: der bat in daz
er wer mit im. Wann ihelus der ließ in fagent. | Ker
wider in dein haus: vnd derkunde wie manige ding
dir gott hat gethan. Er gieng hin vnd prediget
durch alle die ftat: wie manige ding im gott hett
gethan. Wann es wart gethan do ¡hefus was wider
gekert: die gefell{chafft enpfienz in Wann all warn
fv fein baittent. Vnd [echt ein man kam des nam
was layrus vnd erfelb was ein fúrlt der fynagoge:
er viel zů den fülfen ihefus* vnd bat in das er ein-
gieng in [ein haus: | wann im was ein einige toch-
ter vilnach ' xij’ ierig’ vnd dife [tarb. Vnd es ge-
*
3 Lekleydet vnd gefundes gemüts Z—Oa. fich] fy Sa. 4
Wann] fehlt Z—Oa. » was worden gefund Z—ShOOa, gefund waz
worden Sc. verkuntens Z—Ou. 6 die] fehlt K- Onu. S warn
begriffen mit groffer forcht. vnd er gieng auf Z—Oa grolfer P.
9 er] vand Z—QOa. 10 der] fehlt OOa. 11 wer mit im] wer
bey im Z—Sa, bey im KGSb, bey im belyb Sc, belyb bey im OOu.
Aber Z— Oa. der] fehlt K—Oa. 13 hett E, hab Oa. 15
Wann] vnd Z-Oa. was wider kummen Z—O, wider was kommen
Ou. dus volek P, die fchar Z—Oa. 17 harrend K— Oa. 18 er
felbs P, der felb Z—Oa. 19 Ihefn Z—Oa. 21 -ter bey zwelf
laren Z—Oa. wilnach MEP.
*
3 geuafft] gekalaidet TF. gefunden gemut TF; durch rasur:
gefundez gemutz T. 4 ¡och TF. do] fehlt TF. 5 von]
wan TF; von. durch rasur, T. 6 in] fehlt TF. 7 er] + fich
TF. von] vom T. 10 dem di teufel warn aus gegangen TEF.
11 der] fehlt TF. kert T. 12 vil TF. 15 hin predigent durch
alle di ftete wie vil ding im ihefus het TF. 16 kert TF. wan fi
warn fein alle beittent TF. 19 vnd bat] bitent TF. 21 vil
nachen TF.
Y.
30.
40.
dl.
te
.
Lucas 10, 36—11, 2. 254
. der nechít* dem der do viel vnter die dieb? Vnd er
fprach. Der do tet die derbarmd an im. Vnd ihefus
fprach zü im. Gee vnd thü: du zegleicherweys. | Wann
es wart gethan do fy giengen: vnd erfelb gieng in
ein caltell: vnd ein weip bey namen martha die en-
pfing in in ir haus: | vnd dirr was ein [chwefter bey
namen maria. Die do ioch faffe zå den fülfen des
herren fy hort fein wort: | wann martha die flaiß fich
vmb die emfligen ambechtung. Sy ftúnd auff vnd
[prach. © herr: ift dir nit rûch daz mich mein fchwef
ter left allein ambechten. Dorumb lag ir das [y mir
helffe. | Der herre antwurt ir vnd [prach. Martha
martha du bift forgfam: vnd betrübt vnıb manige
» ding. | Ernftlich ein ding ift notturftig. Maria hat
derwelt den beften teil: der nit wirt abgenomen von ir
s wart gethan do er bettet xf
Es einer [tat: vnd do er hett aufgehort einer
von fein inngern Sprach zi im. O herr lere
vns betten: als auch iohannes lert fein junger. Vnd
er fprach zú in. So ir bet fo fprecht: Vatter gehei-
*
50 die barmherezigkait Z—On. 51 vnd du thd Sc. Wann]
Vnd Z—On., 22 giengen do (fehlt OOa) gieng er ein in ein Z—O2
33 mit namen Z—Ona. 94 dirr] die MEP, der Z—- On. mit na-
men Z—Oa. o> die auch Z—On. 56 herren vnd hort da:
wort des herren. Aber martha die (felt K—Oa) wurckte fleißlich bev
dem dienft. Sy ftünd vnd Z—Oa. tlaiß] fleißlich P. 57 dienft P.
58 O) fehle Z—Oa. nit lorg Z—Oa. 59 left] + mich ZSZcSa.
dienen P—Ou. fag] + ich Sa. 1 Ernftlich] Gewiflich P.
aber K—Ou. 3 er was an eyner [tat betend vnd het Z-On.
>» O) fehlt Z-—Oa. 6 vns] vnd Ze. lernet Se.
*
9 den nechlten TE; wngedndert: der n. T. dem) den F.
ol thu) ;-aneh TF. 92 gieng] ihefus gienge mit in TF. 33 vad,
+ Fecht TF. 54 was] fellt TF: waz ta, het fb. 55 auch TF.
oe anif] fehlt TF. 58 rüch] fore TF. 60 antwurt vnd fprach
zu ir TF. 61 vnd] + wirft TE. 1 hat] + ir TF. 2 der]
+ da TF. 3 Es, Und es TF. do ihefus waz betent TF.
4 aufgehort] 4- zu beten TF. T Vatter] f- vnfer du da hift in
den himeln TF.
339
Johannes 1, 45—2, 3.
funden ihefum den fun iofephs von nazareth: den moy-
Ses fchraib in der ee vnd die weyffagen. Vnd natha
nael [prach zü im. Von nazareth mag etwas gü-
25 tes fein. Philip fprach zi im. Kum vnd fich. | Ihe
fus fach nathanael kumen zů im: vnd [prach von
im. Secht der gewer ilrahelit: in dem do nit ift trie-
keit. | Nathanael fprach zi im. Wo von kenft du
mich? Ihefus antwurt vnd [prach zü im. E dir
% philip rieff do du werd vnter dem feigbaum do [ach
ich dich. Nathanael antwurt vnd [prach zü im.
Rabi: du bift der fun gotz: du bilt ein künig if-
rahel. | Ihefus antwurt: er [prach zi im. Ich fage
dir das ich dich fach vnter dem feigbaum glaubeft
8 du das: du gefichft mer denn dife. Vnd er [prach
zü im. Gewerlich gewerliche fag ichs eüch: ir ge-
fecht den himel offen: vnd die engel gotz auflteigen
vnd abfteigen auf den fun der meide. 27
nd an dem dritten tag brautlaufft wurden
| | gemacht in chana galilee: vnd die måtter
ihefus was do. Wann ihefus was geladen
zi der brautlaufft vnd fein iungern. Vnd do do weins
*
23 in dem gefatz G. 25 Philippus Z—Oa. 26 fathanael M.
faget Z—Oa. von] vor MEP. 27 der ift ein rechter ifrahelit
2— Oa. ift ein falfch Z—Oa. 30 philippus rúfft da du wareft
Z—Oa. 30, 34 feygenbaum E—Oa. 33 er] vnd Z—Oa. 35 fihft
K—Oa. dann SaOa. er] fehlt Sc. 36 Wärlich warlich
2—0Oa. ich E—0Oa. eúch] fehlt Sb. ir werdet fechen
Z—Oa. 38 fun des menfchen Z— Oa. 39 hochzeyt wurden P,
wurden hochzeit Z—Oa. 40 müter ihefu Z—Oa. 41 Wann]
wnd Z—Oa. 42 hochzeyt P—Oa. do do] do Z—Oa. wein Sa.
,
22 Ihefus TF. nazareth] + galilee TF, unterstrichen T. den]
von dem TF. 23 nathanaiel TF. 24 nazareth] + es F.
25 fein] + vnd TF. fich] fichs wan TF. 26 nathaniel TF,
vnd] + er TF. 28 derkennft TF. 29 E] + den TF. 30
rief] + noch F; noch | Noch T, das erste gestrichen. 33 er] vnd
TF. 34 glaubeft du das] vnd du gelaubít es TF, 35 nach
merer dink den TF.
22 *
47.
. 16.
17.
19.
Johannes 3, 15—26. 344
das er hab das ewig leben. Wann alfuft hett gott
lieb die werlt das er geb [ein eingeborn fun: das ein
jeglicher der an in glaubt nichten verderbe: wann daz
er hab das ewig leben. Wann gott fant fein fun in
die werlt nich das er vrteil die werlt: wann daz die
. werlt wurd behalten durch in. Der do gelaubt an in
der wirt nit geurteilt. Wann der do nichten glaubt
ietzunt ift er geurteilt: wann er gelaubt nit an den
namen des eingeborn fun gotz. Wann ditz ift das
vrteil: wann das liecht kam in die werlt: vnd die
leút hetten mer liep die vinlter denn das liecht. Wann
ire werck die warn vbel. Wann ein ieglicher der do
thút das vbel der haft das liecht: vnd kumpt nicht
zů dem liecht: das fein werck nit werden geftrafft.
. Wann der do thüt die warheit der kumpt zü dem liecht
das fein werck werden deroffent: wann in gott feint
fy gethan. Nach difen dingen ihefus kam in daz land
zeiude vnd fein iungern: vnd entwelt do mit in
vnd taufft. Wann iohannes was tauffent in enon
hey falem: wann do waren manige waller‘ vnd fy
. kamen vnd wurden getauft. Wann iohannes was
dennoch nit gelegt in den karcker. Dorum) frag wart
gemacht von den iungern iohannis mit den juden
*
6 alfo Z —Oa. 8 glaub G. an] in Z—Oa. nicht ver-
derbe. aber Z-—Oa. 10 vrtaylt E—Oa. aber Z—Oa. 12
Aber der da (fehlt ShOOa) nicht Z—Oa. 13 in den Z—GScOa, in
dem SbO. 14 funs K—Oa. Wann] vnd Z—Oa. 15 wann]
das Z---Oa. 16 menfchen Z—Ou. vinfternuß Sa. dann
00a. 17 die] fehlt K--Oa. bol. Dann Z—Oa. 19 werd
ZeSa. 20 Aber Z—Oa, 21 werden geoffenbart Z—Oa. 23
indea Z—Oa. vnl wonte da bey in Z—Oa. entwelten MEP.
24 Wann’ Vud A. 25 falim Z—On. vil Z—Oa. 27 den-
nocht ShScQ. dannocht Oa. gelet MEP. Darumb ward em
frag von Z—Oa. 28 johannes EP.
*
6 hett] hat TF. 7 lieb] —- gehat TF. gebe TF. 8 nit
TF. Wann gott] got der TF. 10 vrtailt T. 12 nit TF.
15 vrtailt TF. 17 werk warn TF. 19 nit] icht TF. 21
deroffen TF. 22 kam vnd fein junger in daz lant zu iude TF.
27 fragt warn T. 25 iohannes TF.
347 Iohannes 4, 10—21.
zů ir. Weltelt du den gib gotz: vnd wer der ift der
zů dir [pricht gib mir zetrincken: villeicht hetteftu ge
eifchen von im: vnd er hett dir gegeben lebentiges
walfler *Biftu denn mer denn vnfer vatter iacob der vns
15 gab den brunnen: vnd erfelb tranck von im‘ vnd
feine fún* vnd fein vich? Ihefus antwurt: vnd
fprach zů ir. Ein ieglicher der do trinckt von difem
walfer den dürft aber. Wann der do trinckt von dem
waller daz ich im gib* den dürft nit ewiglich: wann
X das walfer das ich im gib: das wirt im ein brunne
des fpringenden waffers in daz ewig leben. Das weip
fprach zi im. O herr gib mir ditz waffer das mich
nichten dürft noch daz ich her kum zefchöpffen. Ihe
fus fprach zü ir. Gee rúff deinem mann: vnd kum
5 her. | Das weip antwurt vnd fprach. Ich hab nicht
manns. Ihefus [prach zů ir. Wol haltu gefact
wann ich hab nit manns. Wann *v* mann haftu
gehabt: vnd den du nu halt der ift nit dein man.
Vnd ditz haftu war. gefait. | Das weip fprach zi im
O 0 herr: ich fich daz du bift ein weyffag. | Vnfer vet-
ter die anbetten an dilem berge: vnd ir [precht das
therufalem ift die ftat do es gezimpte anzebetten. Ihefus
*
11 die gab E-Oa. 12 begert P, geayfcht Z—Oa. er |
Fehit S. gegeben] + ein Z—Oa. lebendig Sa. 14 * waffer]
—- Vnd die frow fagt zi im. Herr. haftu doch nüntz in dem du fchepf-
feft vnnd der brunn ift tieff. Darumb waher haftu daz lebentig waffer
A, Das weyb [prach zu im. Herr du haft nichtz dareyn du fchopffeft.
wnd der brunn ift tief. darumb von wannen halt du daz lebendig
"waffer K—Oa. 14 Biftu] Gibftu MEP. dann (2) SaOa.
18 Aber Z—Oa. 22 O] fehlt Z—Oa. ditz] das G, difer Sb,
difes OOa. walfers Sa. 23 nicht Z—Oa. 24 voder deinen
Z—Oa. 25, 27 hab keinen man Z—Oa. 27 wann] fehlt OOa,
30 O] fehlt Z—Oa. 31 die] fehlt K—Oa. anbetten difen P.
+
11 wefeftu den TF. wer da ilt TF. 12 heteft du TF.
14 *waffer] + daz weip [prach zu im O herr der brunn der ift tief
vnd du haft nit do mit du fchepheft Dorumb wo von haft du leben-
tigz wazzer TF. 15 difen brunn TF. 20 wirt] + in TF.
21 fpreingenden TF. 23 ich] + mer TF. 24 Gee] + vnd TF.
26, 27 haft du TF. 29 Vnd] Wan F. haft du TF.
18.
14.
16.
17.
18.
19.
w
Iohannes 4, 21—34. 348
fprach zů ir. Weip gelaub mir: wann die [tunde
kumpt daz ir noch an difem berge’ noch in iherufalem an-
bett den vatter. Ir anbet das ir nichten wift: wir r. 2
anbetten das wir wilfen: wann behaltfam ift von
den iuden. Wann die ftund kumpt vnd ift nu: daz 2
die gewern anbetter anbettent den vatter im geifte
vnd in der warheit. Wann auch der vatter fächt fô
lich: die in anbetten. Gott ift der geift: vnd die in a
anbetten in dem geifte vnd in der warheit gezimpt
in an zebetten. Das weip fprach zů im. | Ich waiß daz $
meffias kumpt: der do ift gefait criftus dorumb fo
er kumpt: er derkuut vns alle ding. Ihefus [prach s
$s
zů ir. Ich binß: der do redt mit dir. | Vnd zehant ka
men fein iungern: vnd wunderten fich das er redt
mit dem weibe. Idoch keiner [prach: waz füchftu oder
was redtftu mit ir. Dorumb das weip ließ ir vaß 3
vnd gieng in die ftat: vnd fprach zú den leúten. "
Kumpt vnd [echt den man der mir hat gefait alle
ding die ich hab gethan. Denn erfelb ift criftus ?
Sy giengen anß von der ftat: vnd kamen zů im.
| Vnter des fein iungern baten fagent. Maifter iffe
' Wann er [prach zů in Ich hah effen zeeffen des ir nit.
enwillt. Dorumb die iunger [prachen zů einander
Denn hat im iemant bracht zeffen? | Thefus fprach
+
35 nicht Z—On. 36 wiften A. wann das hayl ¡ft auf den
iuden. Aber Z—Oa. 38 waren Z— Oa. anbeten werden den
K—On. 39 fulichs MEP. 40 vnd] -+ den K—Oa. 42 in
an] man MEP, an Z—Oa. 43 ift genennet Z—SaG—O, ift gennet
K, ift genannt Oa. 44 verkundt Z—Oa. 45 der ich red Z—Oa.
47 füchftu] vorfeht du ZASKSLOOA, vorfehftu ZeSa, vorfcheft du Sh,
fracft du G. 48 iren krug Z—Oa. 49 menfchen Z—Oa. 51
Ift er denn (dann SaOa) nit criftus Z—Oa. er felbs P. 53 die
wevl baten in fein iungern fagend K—Oa. 54 Wann] fehlt Z—Oa.
hab ein [peys zù effen die ir nit wifft Z—Oa. 56 hat im dann
yemant Z—Oa.
ern
*
35) nit enwizzt wan wir TF. 38 im] im dem TF, durch rasur
in dem T. 40 ift der] der ift ein TF. 42 Das] vnd daz TF.
47 fprach] -!- zu im TF. 48 ir] da ire TF. 51 crift TF.
93 baten] di baten in TF. 59 zù, — in mein ez T, (gestrichen).
v .
36.
40.
41.
43.
Iohannes 7, 35—43. 366
das wir in nit múgen vinden. Ift er denn geen in
die verzetunge der heiden’ vnd zelernen die heiden ?
Welchs ift das wort daz er [prach‘ ir fücht mich vnd
vindet mich nit: vnd do ich bin do múgt ir nit kum
men? Wann an dem iungften tag des micheln mef
tags ihefus der [tind: vnd rieff fagent. Ob etlichen
dürft: der kum zú mir vnd trinck. Der an mich ge-
laubt als die [chrifft fpricht: flöß lebentiges walfer
. flicffent von feinem bauch. Wann ditz fait er vom
geift: den die in warn zeentpfachen die do glaubten
an in. Wann der geift was dennoch nit gegeben:
wann ihefus was dennoch nit gewunniglicht* | dor-
umb manig von der gefell{chafft do fy hetten gehort
dife fein wort fy fprachen. Dirr ift ein gewer weyf
fag. | Wann die andern [prachen. Dirr ift criftus.
Wann etlich fprachen. Kumpt denn criftus von ga-
lilee? Spricht denn nit die [chrifft: daz crift kumpt
von dem famen dauids* von dem caltell bethleem von
daun dauid waz? Dorumb mifhellung wart gemacht
=
7 Wirt er denn (dann Sa) geen zů erftreuwen die hayden vnd
leren (zeleren K— Oa) die hayden. wer (wolches ZcSa) ift die rede die
(das wort das ZcSa) er fprach Z—Oa. 11 Vnd an dem leczten tag
des groffen fefts da [tind ihefus vnd fchry fagent Z—Oa. >- grolfen
P. 12 rüft P. etlich K—Sc. 14 gefchrifft E—Oa die
Hus des lebentigen waffers Z—Oa., 15 bach Sb. aber Z—Oa,
16 den fy warn zentpfachen Z Zc, den fy warn empfahen Sa, den
wurden entpfachen K-—Qa. gelaubent Z—Sa. 17 was] + im
MEP. 17, 18 dennoeht PSSbScQ, dannocht Oa. 18 geeret P,
glorifiezieret Z - Oa. 19 vil Z- Oa. von dem volck P, von
der fehar Z ~- Oa. 20 fy] fehlt OOa. Der E—Oa. ift war-
lieh ein Z—On. 21 Wann] fehlt Z -On. Der P, Difer Z—Oa.
22 Aber Z -Oa. dann SaQa. von] in 8. gulilea E - Oa.
23 velchrifft Z -- Oa. criftus E---Oa. 24 von (erstes)] au Z—Oa.
dauid Z Ou. 25 wart] was Sa. gemacht] fehlt Z—Oa.
*
7 in] fein TE. zegen TF. 8 zu leren TF. heiden]
= vnd TF. 10 mich] mein TF, ir nit] + hin TF. 13
trinkt F. 15 er von dem TF, 23 criftus TF. 24 dauids]
4- vud TF. ealtelln betbelhem TE.
tz
UR
367 Aia ~ eff A
vnder der gefellfchaft wnb m Warr eka we in e. te
die wolten in vachen: wann kemer ket De hart an
in. Dorumb die anbechter dre kamen 13 den bilchwten a
vnd zi den pharifeern: vnd fr Íprachen zù in. Wer
© umb fart ir im nit her? die ambechter antwurten. AS
Nie kein man hat geredt alío: als wrr man. Die a.
pharifeer antwurten in. Denn feyt auch ir verlait
Glaubt denn auch etlicher von den fúrften: oder von IN
den pharifeern an in? Wann die gefellfchafft die a
% nicht derkant die ee: die ift vertlácht. Nicodemus ML
der nachtes was kumen zü im: der was einer von
in der fprach zi in. Denn vnfer ee vrteilt fv den menich al.
en: nur fy hör zúm erften von im vnd derkenn waz
dings er thút? Sy antwurten vnd fprachen zů im 3.
© Denn bift auch du ein galileer? Derfüch die fehritft
vnd fich: das der weyflag nit aufltet von galilee.
Vnd [y kerten wider ein ieglicher in fein hans. TT
ann ihefus gieng an den berg der ölbaum: l.
| vnd frú kam er in den tempel vnd alles volck 2.
; kam zů im: vnd fitzent lert er fy. Wann die 3,
£chreiber vnd die pharifeer züfürten ein weip begrif
*
26 dem volcke P, der [char Z—Oa. 27 die (erstes)] fehlt K -- Ou.
aber Z—Oa. 28 diener P— Oa. die] fehlt K— Onu. 29 fy]
die Z— Oa. 30 diener P—Oa. 31 menfch (2) Z --Oa. dirr]
der PA, difer ZS—Oa. 32 Seyt ir dann auch Z—On. verfürer
L—Le. 33 dann SaQa. 34 Aber Z—Oa. die fchar P- Oa,
35. die ift] ift K—Oa. 36 der (erstes)] des MEP, der des Z-Oa.
im] + vnd Z—ZcK—Oa. 37 in. vrtaylet dann vnfer gefatz den
Z- Oa. ee] + die EP. 39 thi Z—Ou. 40 Biftu dann
(denn Zc) auch ein galileyfcher Z - Oa. gefehrifft Z Oa. 41
galilea E—Oa. 43 Und ihefus Z--Oau. den oberg Z- Oa.
45 Aber Z—Oa. 46 die] fehlt OOa. zúfúrten] ; im Z -Oa,
$
26 der] + der T. 2 die kamen] kamen TF. 31 dirr
man] + redt TF. 32 verlait] + oder TF. 33 auch] frhlt TF.
34 den] fehlt TF. 35 ift] fint TF. $6 zu, | ihefus aér TF.
gestrichen T. 40 derfucht TF. 42 ein etiicher TF. 44 er]
-4 aber TF. 46 zufarten| di cufusten im TF.
nd
Qt
10
|
871 Iohannes 8, 32-43.
vnd die warheit die freyet euch. Die iuden antwur
ten im. Wir fein famen abrahams vnd dienten nie
keim. Inwelcherweys fprichftu ir wert frey? | Ihe
fus antwurt in. Gewerlich gewerlich fag ichs euch
daz ein iechlicher der do thüt die finde der ift ein knecht
der fünden: | wann der knecht beleibt nit in dem haus
ewiglich : wann der fun beleibt ewiglich. Dorumb
ob euch der fun freyet: ir wert gewerlich frey. Ich
waiß das ir feyt fün abrahams: wann ir [ücht mich
zedötten: wann mein wort verfecht nit in euch. Das
ich fach bey meinem vatter das rede ich: vnd das ir
facht bey ewern vettern das thüt ir. Sy antwurten
vnd fprachen zi im. Abraham ift vnfer vatter.
Ihefus fprach zů in. Ob ir feyt fan abrahams: fo
thüt das werck abrahams. Wann nu fúcht ir mich
zedötten einen man ich do hab geredt die warheit zú
euch: die ich hort von gott. Ditz det nit abraham.
' Ir thút die werck ewers vatters. Dorumb fy fprach
en zü im. Wir fein nit geborn von der gemain vn-
keufch. Wir haben gott zi eim vatter. | Dorumb ihefus
fprach zú in. Ob gott wer ewer vatter. Ernftlich
ir hett mich lieb Wann ich gieng aub von gott vnd
kam. Wann ich kam nit von mir felber: wann er
fant mich. Worumb derkennt ir nicht mein rede?
*
50 die freyet] derfrewet ME, erfreüet P—Sa, wirt euch freyen
K—Oa. 51 fein der famen abrahe Z—Oa. 53 Warlich war-
lich Z—Oa. ich EZ—Oa. 55 aber Z—Oa. 56 wann]
funder Z—Oa. 57 freüwet P. 58 die fun abrahe Z—Oa. aber
K—Oa. 60 meinen G. 61 euwerm vatter Z—Oa. 2 Seyt
ir die fun abrahe Z—Oa. 3 abrahe Z— Oa. 4 einen] fehli ZAS.
menfchen der ich euch gefaget hab die warheit Z—Oa. 6 fprachen
fy Z—Qa. 9 Gewiflich P, fürwar K—Oa. 11 Wann] vnd OOa.
wann] aber Z—Oa,
æ
50 warheit macht euch frey TF. antwurt T. 51 fein} +
der TF. 52 keim] -+ dorum TF. 55 fund TF. 58 wann]
fehlt TF. 60 vnd das] + ich T, gestrichen. 61 eurm vatter
TF. antwurt T. 2 feyt] + di TF. 3 das] di TF. 11 Wann]
nachgetragen F. lelb TF.
24 *
41.
30
Iohannes R, 43—63. 372
Wann ir mügt nit gehórn mein wort. | Ir feyt von
dem vatter dem teuffel: vnd wölt thün die begerung
ewers vatters. Er was ein manfchleg fint dem an
geng: vnd ftánd nit in der warheit: wann die war
heit ift nit in im. Vnd fo er redt die lug» von feim
eigen redt ers: wann er ift ein lugner vnd fein vat
ter. Wann ich fag euch die warheit: ir gelaubt mir
nit. Welcher von euch berefpt mich von der fúnde.
Ob ich euch fage die warheit: worumb glaubt ir
mir nit. | Der von gott ift: die wort gotz hört er. Dor
umb hört ir nit: wann ir feit nit von gott. Dorumb
die inden antwurten: vnd [prachen zů im. Sagen
wir denn nit wol’ das du bilt ein [amaritan* vnd
haft den tentfel. | Ihefus antwurt. Vnd fprach zů
in ich hab nit den teuffel: wann ich ere meinen vat
ter’ vnd ir vnert mich. Wann ich füch nit mein
wunniglich. Er ift der do fücht vnd vrteilt. | Gewer
lich gewerlich fag ichs euch: der do behüt mein wort
der bekort nit den dott ewiglich. Dorumb die iuden
fprachen zú im. Nu derkennen wir: das du haft den
teuftel. Abraham ift dott vnd die weyflagen feint
dott: vnd du fprichft ob etlicher behút mein wort der
bekort nit den dott ewivlich. Biftu denn mer denn
vnfer vatter abraham der do ift dott. Vnd die weyf
x
14 begir Z—0. begird Oa. 15 manfchlachter von anfang
4 —On. 17 lug auß eygem willen redt Z—Oa. 13 ers] er die
K—Oa. 19 Aber Z—Oa. warheit vnd ir Z—Qa. 20 Welcher
auß euch wirt mich ftratfen Z—Oa, ftrafit P. 21 die] von
der P. 22, 23 von] auß Z—On. 23 ir (erstes)] ira Zc, ir es Sa
25 dann OOa. wol Das du bift eyn||wol daz du bift ein Sa
29 glori P -Ou. Es ilt S. Warlich wärlich Z— Oa. 30 ich
P Oa. 31 der] fehlt OOa. bekert nit M, bekort nit E, be-
kort nit P, wirt nit verfúchen Z— Oa. ewigklichen ZS—Sc. $
bekor nit P., wirt nit verfüchen Z--Oa. Biftu dann SaOa. meer
dann 00a.
* Cy
14 dem] der T, umgeändert dew, ta. 15 vater T, nuchgetragen
fc. minfleck TF, 16 geftund TF, 17 Vnd) fehlt TE.
IS fein] ir TF. 25 famaritaner TF.
10.
11.
12.
. fprach. Ich enwaiß. | Sy züfürten in zi den pharife-
14.
Iohannes 9, 4—11. 374
die nacht kumpt: fo mag keiner wircken. Die weil
ich bin in der werlt: fo bin ich ein liechte der werlt.
Do er ditz het gefeit er fpritzt an die erd* vnd macht
horb von der fpaicheln: vnd fielb auff fein augen:
| vnd fprach zů im. Gee zů natatorie filoe: daz wil fa
cen gelunt vnd wafche dich dorumb er gieng hin vnd
wúfche fich: vnd kam gefechent. Dorumb die nach
bauren vnd die in vor hetten gefechen daz er was ein
betler die fprachen. Ift dirr nit der do fab vnd_ bet-
telt. Die einen die fprachen wann er ift es: wann
die andern fprachen in keinerweys: wann er ift fein
geleich. Wann erfelb fprach: wann ich bins. | Dor-
umb (y fprachen zů im. In welcherweys feint dir
aufeethan die augen. ' Er antwurt. Der man der
do ilt geheiffen ihefus der macht horb vnd fielb mein
augen: vnd [prach zú mir Gee zenatatorie fyloe: vnd
wafche dich. Vnd ich gieng hin: vnd wúlch* vnd
gefich. | Dorumb fy fprachen zi im. Wo ift er? Er
ern der do was gewefen blint. Wann es waz fambf
tag do ihefus hett gemacht daz horb: vnd hett im auf
*
1 geredt da (fehlt OOa) [purezt er an Z—Oa. 2 horb] kath P,
kot Z—Oa. von] auß Z -Oa. falbet das kot auff Z—Oa.
3 Gee vnd wafch dich in natatoria 4—0On. wil fagen] ift als vil
als Ou. 4 vnd wafche dich] fellt 7—Oa. 7 der P, difer Z—Oa.
8 die] fellt K—Oa. wann er] er OOa. Aber die Z—Oa
9 aber Z—Oa. 10 Vnd er fprach ich Z—Oa. er felbs P.
13 horb] kat P, cin kot Z-0Oa. falbet Z—Oa. 14 Gee in
natatoria Z—Oa ı-rio ZeSa). 15 wüfch mich Z—Oa. vnd] +
ich K— Oa. 16 Dorumb] fehlt Z—OQa. 17 Ich waiß fein nit.
fy fürten Z—Oa. 19 das kath P, das kot Z—Qa.
*
60 kumt in der niemant mag gewirken TF. 1 gefeit] + dife
dink TF, fpurezt TF. 2 der] de T, den F. fielb] + daz
horb TF. 3 zu (rweites)| fehlt TF, nachgetragen te. natator TF.
T beteller TF. 9 fprachen] fehlt TF. 10 gelicher TF. 12 die]
dein TF. antwurt] -- vnd fprach TF. 13 hor T. 14 czu
nichatorie TF. 15 wufeh] -:- mich TF, 16 er] dirr vnd TF.
17 pharifcer den der TF, 19 hor TF, -b nachgetragen corr. T.
3.
Iohannes 9, 22—32. 376
begech zefein criftus das er würd auß der [ynagogen
Dorumb fprachen fein geberer‘ wann er hat das al
ter fragt in felber. Dorumb fy rieffen anderwaid dem
menfchen der do waß gewelen blint: vnd [prachen
zů im. Gib wunniglich gott. Wir wiffen das dirr
man ift ein fúnder. | Dorumb er fprach. Ob er ilt ein
finder ich enwaiß: wann eins waif ich: das ich waz
blint: vnd nu gefich ich. Dorumb fy fprachen zú im
Was det er dir? In welcherweys det er dir auf die
augen ? | Er antwurt in. Ich fait es euch ietzunt:
vnd ir hort es. Was wölt irs aber hören? Denn
wolt ir auch werden fein iungern. Dorumb fy flüch
ten im: vnd fprachen. Du bift fein iunger: wann
. wir fein die iunger moyfes. Wir wiffen das gott
redt mit moyfes: wann difen wiffen wir nit von
wann er ift. Der man antwurt vnd [prach zů in.
Wann in difem iff es wunderlich daz ir nichten wilt
von wann er ift: vnd er mir auf det meine augen.
Wann wir willen daz gott nichten derhört die fün
der: wann ob etlicher ift der diener gotz vnd thüt fein
willen: difen derhört er. Wann es ilt nit gehort von
der werlt: das iemand aufftet die augen des blinden
*
42 verinche das er wäre criftus. der felb folte fein auf ir gemayn-
fame Z—On. criftum EP. 43 vatter vnd mater Z—Oa. 44
rüffen P, rufften Z—Oa. anderwaid] aber A. 46 wunniglich]
ere P, die ere Z -Oa. der man E—Qa. 47 Da fprach er Z—Oa.
48 finder waif ich nit aber eins Z—Oa. 49 Dorumb] fehit Z—Oa
BO wie tet er Z—Oa. deine augen OOa. 51 Ich hab es euch
vetzund gefagt vnd ir (fehlt Z—Sa) habt es gehört Z— Oa. 2 ir
Z— Oa. Denn] fehlt Z— Oa. 53 ir] + denn Z—Oa. Dor-
umb: fehlt Z- Oa. 54 biß ZASK—Ou. ein junger ZcSa. Wann:
fehlt OOa. 55 moyli Z— Oa. 56 moyfe. aber Z—On. 57
menfeh Z—Oa. 58 Wann] fehlte 7—On. nicht Z— Oa. 60
nicht E -Ou. 61 aber Z—Oa. ift] fehlt S. 1 erhört 00a
42 würd] -]- geworften TF. 43 guperter T. 47 Dorumb)
vud TE, 48 wai] wz T. Al fuicz es TE. 53 auch ir TF.
werden] -¡- gemacht TE, (gestrichen Y. 56 enwizzen TF. 51
ift] --- vnd TF. 60 nit TF.
A
377 Tohannes 9, 33—10, 2.
geborn. Wer dirr nit von gotte: er mócht kein ding v. 38.
thûn. | Sy antwurten: vnd fprachen zů im. Du bift 34.
> aller geboren in fúnden: vnd lereft vns. Vnd fy
wurffen in aus. Wann do ihefus gehorte das fy in 85.
hetten aulgeworffen: vnd do er in hette funden er
fprach zü im. Gelaubftu an den fun gotz? | Er ant- 96.
wurt vnd fprach. O herr wer ift er das ich gelaube
10 an in? | Vnd ihefus [prach zi im. Vnd du haft in 37.
gefehen: vnd der mit dir redte er felbs ift. Vnd er 88.
[prach. O herre ich glaubs. Vnd er viel nider vnd
bet in an. | Vnd ihefus fprach zú im. In vrteyl kam 39.
ich in dife werlt: das die do nichten fehen fehent: vnd
lì die do fehent werden gemacht blint. Vnd etlich von 40.
den pharifeern die do warn mit im die hortens: vnd
fprachen zů im. Denn fein auch wir blint. | Ihefus 41.
fprach zů in. Ob ir wert blint ir het nit fand. Wann
nu [prechet ir das wir gefehen: dorumb ewer finde
20 die beleybt. Das ‘x’ capitel.
Ewerlich gewerlich fage ichs euch: der nit 1.
eingeet durch die túre in das [chaffhaus der
{chaff wann der do ander[wo aufflteigt: der
ift ein diebe vnd ein [chacher. Wann der do eingeet 2.
*
3 der P, difer Z—Oa. 5 aller) ganczer Sb, gantz OOa. 6 auñ.
vnd ihefus hort Z—Oa. 9, 12 O] fehlt Z—Oa. 11 redt der
ift es Z—Oa. 12 gelaub Z—Oa. 13 In] + das Z—Oa, 14
nit Z—Oa. fehent] gefehen Z—Oa. 17 im. feyn wir denn
(dann ZcSaQa) auch blind Z—Oa. 18 Waret ir blind Z—Oa. aber
2—0Oa. 19 das] dann K—Oa. 20 die] fehlt AK—Oa. be-
leyben Oa. 21 Werlich warlich Z—Oa. ich E—Oa. 22 den
fFchafítal Z—Oa. 23 aber er geet anderft (anderfwo K—Oa) auff.
GerZ—Oa. auff fteig EP. diebevndein]fehltP. 24 Aber Z—Oa.
*
3 nit] fehlt T. 3 mocht nit getun kain ding TF. 4 ant-
wurten] + im TF. 5 in] + den TF. vnd] + du TF. 6 fy
in] fi TF. 11 rett der ift es TF. 13 anpett in TF. 14
fehent] daz fi gefechent TF. 15 fehent] gefechent di TF.
16 den] fehlt F. pharifeer TF. 22 [chaffha || hauf T. 23 do]
fehlt TF.
~)
.
10.
11.
ave
378
Iohannes 10, 2—12.
durch die tür‘ der ift ein hirt der fchaff. Difem tat
auff der torwerter: vnd die {chaff horent fein ftymm.
Vnd er rüfft die eygen [chaff mit namen: vnd fúrt
fy aus. Vnd fo er hat aus gelaffen die eygen [chaff
er get vor in: vnd die fchaff nachuolgent im: wann
fy wiffent fein ftvmm. Wann fy nachuolgent nit dem
frembden* wann fy fliechent von ime: fy erkanten
nit die ftvmm der frembden. Dife geleichfame fprach
ihefus zü in. Wann fy erkanten nit was er hett ge-
fagt zů in. | Dorumb ihefus fprach zů in. Gewer-
lich gewerlich fas ich euch: wann ich bin ein tür der
fchaff. Alle die do komen daz warn dieb vnd fchach-
er: wann die [chaff horten ir nit. Wann ich bin ein
tür der (chaff. Der durch mich einget der wirt behal-
ten: vnd einget er vnd aulgeet: vnd weyd vindet er
Der diep kam nit: newer das er [tel vnd erfchlüge
vnd verlür. Ich kam das fy haben das leben: vnd fy
habent es begnúgliche. | Ich bin ein gåt hirte. Der
gút hirt gibet fein fele vmb fein [chaff. Wann der
mietling der do nit ift ein hirt des die {chaff nit feint
eygen’ fo er fichet den wolff koment vnd er left die
fchaff vnd fleucht: vnd der wolff zuckt* vnd zerftreut
a
27 vodert Z-- Oa. 20 Wann fy] vud Z—0Oa. nit den
PZcOOu. 31 aber Z—Oa. im. wann fy haben nit erkennet
die Z—Oa. erkunten MEP. 32 gleychnufS Z—Oa. 33 ihe-
fus] fehlt P. Wann] vnd Z--On. 34 Wärlich warlich Z—Oa.
35 ichs P. 36 kumen die fern dieb Z—Oa. 37 aber Z—Oa.
ir) fy Z—Oa. Wann] fehlt Z—Oa. 39 vnd wirt ein vnd auß
geen. vnd wirt vinden die wayde Z—Oa. 40 Der fchacher P.
kan nicht dann allayn das er Z—-Oa. 41 verliere Z—Oa, 42
begnuglichen Z— Va. guter ¿—On. 43 Aber Z—Oa. 44 tag-
loner P, loner Z -Oa. der hirt Z—Oa. 45 ein wolff P. vad;
fehlt Z— Oa.
%
26 torwertel TF. 27 rúfft] -- den TE, (unterstrichen T). fchaffen
TF. 31 fremdem TF. ime] + wan TE, 33 was er] daz er fi TF.
34 zu] von TF, fprach] + aber TF. 35 ichz TF. 36 fchaff]
+ vnd TF. 37 Wann] fehlt TE. 39 aufgeet] + er TF.
40 erfehlúge] derfllach TF. 44 mietling] + vnd TF. in
cin] feld! Tift der nachyetragen corr. ein) /ehlt Y. hirt] + vnd TF.
379 Iohannes 10,
die (chaff. Wann der mietling fleucht wann er ift
ein mietling: vnd es gehort nit zú im von den fchaf
fen. Ich bin ein güt hirt: vnd erkenne die meinen
50 vnd die meinen die erkennent mich. Als mich der
vatter erkant* vnd ich erkenne den vatter: vnd fetz
mein [el vmb mein fchaff. Vnd ich hab ander [chaff
die do nit feint von dilem [chafhaus: vnd diß gezimt
mir herzefüren vnd [y hörn mein [tymm: vnd es wirt
ein fchaffhaus vnd ein hirt. Dorumb der vatter hat
mich lieb: wann ich fetz mein fele: vnd aber nyme
ich fy. Keiner nimpt fy von mir: wann ich fetze [y
von mir felber. Ich hab gewalt fy zefetzen: vnd hab
gewalt fy aber zenemen. Ditz gebot entphieng ich von
meinem vatter. Dorumb miffhellunge ward ge-
amachet vnder den iuden* vmb dife wort. Wann
3 manig von in fprachen. Er hat den teufel er vnfint
Was hört ir in? | Wann die andern [prachen. Di-
fe wort feint nit des der do hat den teufel. Mag denn
der teufel auffgetün die augen der blinden? Wann
Yi
v
ter. Ihefus gieng in den tempel in der vorlauben [a
lomons. Dorumb die iuden vmbgabent in: vnd
[prachen zů ime. Vntz wenn nimpftu vnfer fele?
Ob dus bift criftus: fage es vns offenlich. | Ihefus
antwurt in’ ich red zů euch: vnd ir gelaubt fein nit
x
13—256.
hochzeyt warn gemacht in iherufalem: wann es was win
47 Aber Z—Oa. 47, 48 tagloner P, loner Z—Oa. 49 gúter
Z—Oa. 50 die niemen E. die (zweites)] fehlt K—Oa. 53 vnd]
fehlt OOa. die müß ich herzú furen Z—Oa. 57 aber Z—Oa.
39 abzenemen MEP, widerumb zenemen Z—Oa. 60 darumb ward
ein zwitracht Z—Oa. l auf in Z—Oa. teufel vnd ift vnbe-
fynnt Z—Oa. 2 Aber Z—Oa. 3 dann SaQa. 4 Vnd es
warden kirweych in iherufalem vnd es Z—Oa. 6 falomonis. Die
‘Z— Oa. 8 enthebeft vnfer Z— Oa. 9 Biftu eriftus Z—Oa.
50 meinen derkennent TF. 51 fetz] ich fecze TF. 96
du EP.
wann]
vnd TF. fele] + vm fi TF, (gestrichen T). 57 fy"] + vnd
TF. 60 ward] + aber TF. 61 den] fehlt TF, nachgetragen
ta fa. 1 er] vnd TF. 5 warn] wurden TF. wann] vnd TF.
6 in den} im TF. 9 dus] dicz F.
. 18.
14.
15.
18.
19.
21.
ÉS
g
EN
Iohannes 11, 60—12, 2. 386
gezimpt das ein menfch [terb vmb das volck: vnd
. alles volck nichten verderbe. Wann ditz fait er nit
von im [elbft: wann do er was bifchoff des iars er
weylfagt: das ihefus criftus wer zefterben vmb das
. volck. Vnd nit allein vmb das volck: wann das er
fament die fún gotz in ein die do warn zerftrewt. Dor
umb von dem tag gedachten [y das fy in derfchlú-
. gen. Dorumb ihefus gienge ietzunt nit offenlich
bey den iuden: wann er gieng in die gegent bey der
wúlte in die ftat die do ift geheifen effrem: vnd ent-
. welt do mit fein iungern. Wann das oftern der iu
den was nachen* vnd manig von der gegent [tigen
auf zü iherufalem vor den oftern: das [y geheiligten fich fel
. ber. Dorumb fy füchten ihefum: fy ftünden im tem-
pel vnd retten zü einander. Was went ir das dirr
. nit kumpt zi dem mefftag? Wann die bifchoff vnd
die pharifeer hetten geben ein gebot: ob iemant der-
kannt wo er were daz er zaigt: das fy in vingen. zij
ann vor 'vj’ tagen zeoltern ihefus kam zů
\ V bethania do lazarus was dott: den ihefus
derftúnd. Wann fy machten im do ein abent
R
23 nicht Z— Oa. Aber das faget Z—Oa. 24 felb EZ—Oa,
felbs P. 25 wer [terben Z -Sa, würd fterben K—Oa. 26 wann]
aber wann ZS—Se, aber AQOa. 27 famet Zc, famelt Sa—Oa
in ein] zúlamen Z—Oa. do) fehlt M. 28 fy (erstes)] fehlt Sc.
todten Z—Oa. 30 Aber Z—Oa. 31 wont P—Oa. $2 die
oltern der iuden nachet vnd vil Z—Oa. 33 giengen auff Z—0Oa
34 vor] von S. hayligten Oa. 35 vnd [tünden Z-Oa. ind.
36 maint ir Oa. der P, difer Z—On. 37 dem feft Z—Oa
39 daz er] -1- in Z—Oa. 40 Wann] Und Z—Oa. der oftern
2—0a. 42 erkúcket AZcSa, erwecket K--On. vnd fy Z—0a.
in da G.
*
23 nichten] nit TF. nit] -/- nit F. 24 felb TF. 25
ihefus] Jehlt VE, nachgetragen ta. 26 Vnd] wan TF. 29 ihefas}
Jq- der TF. 23 nachent TF. 35 ihefus TF. 38 gegeben
TF. ob] + in TF. 4) kam] + in T.
£4
aa
389 Iohaunes 12, 21—29.
nachten fich zi philipp der do waz von bethfaida ga
llee: vnd baten in fagent. O herr: wir wolten [echen
25 thefus. | Philipp kam: vnd fait es andreas. Ander
waid philipp vnd andreas fagten es ihefus. Wann
ihefus antwurt in fagent. Die ftund kumpt das der
fan der maide wirt gelautert. Gewerlich gewerlich
fag ichs euch: ob das waitzenkorn vellt an die erde
» ob es nichten derftirbt: es beleibt eine. Wann ob es
ftirbt: es bringt vil wúchers. Der fein fel liebhat:
der verleuft fy. Vnd der fein fele hafft in dirr werlt
der behüt fy in das ewig leben. Der mir ambecht: der
machuolgt mir. Vnd wo ich bin: do wirt auch mein
ambechter. Der mir ambecht: mein vatter der in den
himeln ift der eret in. Wann nu ift betrúbt mein
fele. Vnd was fag ich? Vatter mach mich behal
ten von dirr ftund. Wann dorumb kam ich zů dirr
ftund. | Vatter lauter deinen namen. Dorumb ein
{tymme kam vom himel fagent. Vnd ich hab ge-
lautert: vnd aber lauter ich. Dorumb die gefellfchafft
die do {tind vnd es hort die [prach zefein gemacht don
ner. Wann die andern fprachen. Der engel hat ge-
*
23 philippo Z—Oa. 24 OJ fehlt Z—Oa. 25 jhefum E—Oa.
Philippus Z—Oa. andree. weyter philippus Z—Oa. 26 jhefum
EP, ihefu Z—Oa. vnd Z—Oa. 28 fun des menfchen wirt clari-
ficziert. Wärlich warlich fag ich euch. nur allayn das wayczenkorn
valle in die erden vnd fterbe es beleybt aynig. Stirbt es (er Sc) aber
es bringt vil fruchtZ—0a. heleibt M. 32 verleurt G. dirr] der P,
difer Z— Oa. 33 dienet P—Oa. 34 nachuolge ZSZcK—O.
35 diener P—Oa, + fein Z—Oa. dient P—Oa. dem himel OOa.
38 von der P, auß difer Z—Oa. zú der P, in dife Z—Oa. 39
ercläre Z—Oa. 40 von A—SaGOOa. hab gekläret (erkleret
K—Oa) vnd widerumb will ich erklären. darumb die [char Z—Oa.
42 ftünden P. die fprach] fprach K—Oa, fehlt ZAS. es wär
ein donrfchlag (dornfchlag ASSa) gefchehen. Aber die Z—Oa.
#
23 philippen TF. 25 Philipp] + der TF. _ 26 fagtens TF.
erde] + vnd TF. 30 nit TF. 35 ambecht] + vnd TF.
37 fagt TF. macht T. 40 von F. 42 horten di fprachen
TF genacht F.
Y!
-]
.
10.
a
Iohannes 13, 1—10. 392
ann vor dem melftag der oftern: ihelus welt
\ V das fem ftund kam das er vbergieng von
dirr werlt zú dem valter: do er hett liebge-
habt die feinen die do warn in der werlt: vntz an daz
ende hett er [y lieb. Vnd do das abentelfen wart ge-
macht do fich der teuffel ietzunt hett gelegt in das
hertz iudas fymon von {charioth das er in verriet:
` wann ihefus der welt das im der vatter hett gegeb
en alle ding in [ein hende vnd das er aulgienge von
gott vnd gieng zi gott: | er [tind auff von dem abent-
effen vnd legt von im fein gewand: vnd do er hett
enpfangen ein dúch er fúrbegúrt fich. Dornach ließ
er waller in ein becken: vnd begund zetwagen die fúb
der iungern: vnd zetrücken mit dem düch mit dem
er was fúrbegúrt. Dorumb er kam zů fymon pet-
ter. Vnd petter fprach zů im. O herr twechltu mir
die füß. | Ihelus antwurt: vnd [prach zů im. Das
ich thü das wailtu nu nit: wann dornach wirftu es
wilfen. Petter fprach zi im. O herr du twechft mir
nit die füß ewiglich. Ihelus antwurt im. Ob ich
. dich nichten walche: du haft nit teil mit mir. Sy-
mon petter fprach zů im. O herr: nit allein die füß:
wann auch hend vnd haubt. Vnd ihefus fprach zú
x
29 Wann — mefítag] Uor dem feft Z—Oa. 30 ftund was
kummen das er lolt geen Z—Ou. 31 der P, difer Z— Oa. 32 hiß
SbSe. 39 iude 4—Oa. fymons ZZcKSbSc, fymonis ASSaGO0a.
von! fehlt Z—Oa. fearioth AZcSaSb—Oa, 36 wann] vnd Z—Oa
ihefus weft K-— Oa. 37 hand E—Oa. er was außgangen
ZASK—Oa, er was auligegangen ZeSa. 38 affentaffen Zc. 40 ge-
nomen Z—0Oa. fürgurt Z- Oa. 43 furgegurt. vnd kam Z—Oa
petro EP, petrum Z--Oa. 44 petrus E—Oa. O] fehlt Z—Oa.
46 aber Z- On. 47 Petrus Z—Oa. O] fehlt Z—Oa. 48
ewenklich A. Thefus] 4- der Sa, Wafch ich dich dann nit
fo wirftu keinen teyl bey mir haben Z—Oa. 50 petrus E-Oa
OU] fehlt Z—Oa. ol funder Z- Oa,
*
29 der] dez T, auf rasur. 33 do] fehlt TF. 33 gott vad]
fehlt F, nachgetragen fe. 41 peckelin TF. czu wafchen TF.
44 twechít du PF. 46 waizt du TF. —49nichten] nit TF. 51 ioch TF.
397 Iohannes 14, 12—22.
laubt die werck die ich thü die tút auch er: vnd mer
» ding thät er denn dife. Wann ich gee zů dem vat-
p
ter: | vnd was dings ir eifcht dem vatter in meim
namen das thún ich: das der vatter werd gewunnig-
licht im fun. Vnd was ir eifcht mich in meim na
men daz thi ich Ob ir mich liebhabt: fo behút mein
35 gebot. Vnd ich bit den vatter vnd er gibt euch ein
0
yy
andern tröfter daz er beleib mit euch ewiglich | der geift
der warheit: den die werlt nit mag enpfachen: wann
fy ficht in nit noch enwaiß in. Wann ir habt in der
kannt: wann er beleibt bey euch: vnd wirt in euch.
Ich laß euch nit waifen: ich gee vnd kum zú euch.
Noch ein lützel bin ich mit euch: vnd die werlt ficht
mich ietzunt nit. Wann ir fecht mich: wann ich
lebe vnd ir wert leben. An dem tag fo derkennt ir
das ich bin in meinem vatter: vnd ir in mir: vnd
ich in euch. Der do hat meine gebot vnd fy behút: der
ift der mich liebhat. Wann der mich liebhat: der wirt
liebgehabt von meinem vatter. Vnd ich hab in lieb
vnd offenbar mich im felber. Iudas [prach zü im
nit der von fcharioth. O herr waz dings ift zethún
+
20 dann SaOa. zu den Sa. 21 begert dem P, bittet den
Z— Oa. 22 der] fehlt M. glorificzieret in dem Z— Oa. 23
begert mich P, mich bittet Z— Oa. 26 bey euch Z -Oa. ewenk-
lich A, ewigklichen ScOa. 28 noch wayß (weyßt AZc—Oa) in.
Aber ir (fehlt S) werdet in erkennen Z—Oa. 29 er] ir S. 30 ich
wird euch nit laffen waifen Z—Oa, waifen] wiffen EP. 31
lutzel] wenig P, klaine zeyt Z—Oa. bin ich mit euch] fehlt
ZASK—Oa. 32 yetz OOa. Aber Z—Oa. 33 lebe] -+ lebe S.
39 von] fehlt Z—Oa. fcarioth PASbOOa, fcariotch Sc. 0]
fehlt Z— Os. ift gefchehen Z—Oa.
*
19 er] fehlt TF, nachgetragen fa. merer TF, 20 dink den
dife di tut er TF. 22 das (zweites)] fehlt F, nachtr. fa. 23 Vnd]
fehlt TF. mich] fehlt TF. 24 liebthabt T, durch rasur liebh.
25 vatter] + vm euch TF. 26 der] den TF. 30 wailen]
nachgetragen F. 31 ein lützel] luczel zeitz TF. euch] + mit
euch T, gestrichen, (zeitz bin ich mit euch, unterstrichen T). vnd]
wan TF, vnd ta. 38 ım mich TF.
. 13.
lo.
16.
17.
18.
19.
21.
Iohannes 14, 22—31. 398
das du dich felber vns bift zü deroffen: vnd nit der
. werlte? | Ihefus antwurt vnd {prach zi im. Der
mich liebbat der behút meine wort: vnd mein vat-
ter der hat in lieb‘ vnd wir kumen zů un: vnd mach
en ein wonung bey im. Der mich nit liebhat: der
behüt nit meine wort. Vnd das wort das ir habt
gehort ift nit mein: wann des vatters der mich fant
» Dife ding hab ich geredt zü euch: beleibent bei euch
Wann der tröfter der heilig geift den euch der vatter
fendet in meim namen der lert eich alle ding: vnd
redt euch alle ding welche ding ich euch fag. Fride
laß ich euch: meinen frid gib ich euch. Nit als in
die werlt gibt’ wann ich gib in euch. Ewer hertz
% werd nit betrübt: noch enfúrcht fich. Ir hort daz ich
euch fait: ich gee vnd kum zü euch. Ob ir mich lieb
hett’ ernftlich ir freuwet euch wann ich gee zi dem
. vatter: wann der vatter ift mer den ich. Vnd nu
fait ichs euch ee denn es gefchicht: fo es wirt gethan
das irs gelaubt. letzund rede ich nit vil mit euch
Wann der fürlt dirr werlt kumpt: vnd hat kein ding
. an mir. Wann das die werlt derkenn das ich lieb-
hab den vatter: vnd als mir der vatter gab das gebot
als thé ich. Stet auff wir geen hin. xi
2
40 bift zi] bilt P, wirdeft K—Oa. offenbaren Z—Oa. 42 der
helt Z— Qa. 43 der] fehlt K-— Oa. 46 gehort] geredt Sa
aber Z—Oa. 48 dem euch P. 49 wirt fenden Z—Oa. der]
fehlt K—Ou. 50 redt| -+ zu E—Oa. euch wird fagen. Den
frid Z -On. 52 wann ich gib] gibe ich OOa, 53 werd] —
anch Se. fúrcht Z— On. Habt ir gehört Z—Oa. 55 eralt-
lich] gewiflich P, fehlt K—Oa. ir] ich ZcSa. 56 dann Sala.
>57 hab ichs euch gelaget Z—Oa. dann Sa. 58 ir K-—O2
vil mer anit Oa. 59 dirr] der P, difer Z— Oa. 60 Aber Z—0a.
6l vatte gab M. 1 alfo K—Oa. wir fullen hin geen Z—Oa
x
43 der] fehlt TF. machen} mochten TF. 44 wonnung TF.
im] fehlt TR, nachgetragen te. 50 rette TF. [welhe TF. 52
wann] fehlt TF. 24 euch] + vnd TF. 55 euch] fehl: TF,
nachgetragen ta. 97 ich TF. 58 ir TF. 1 ich] fehlt TF,
nachgetragen te; ichz fa,
ts
ği
403 Iohannes 16, 16—23.
lützel vnd ir fecht mich nicht’ vnd aber ein lútzel
vnd ir gefecht mich: wann ich gee zů dem vat-
ter | dorumb etlich von feinen iungern [prachen zů ein
ander was ift das das er vns fayt ein lútzel vnd ir
fecht mich nit’ vnd aber ein lützel vnd ir fecht mich
wann ich gee zů dem vatter? Dorumb fy fprachen
Was ift das das er vns fait ein lútzel? Wir wil-
fen nit was er redt. Wann ihefus derkant das fy in
wolten fragen: er fprach zů in. Von difem fûcht
ir vnder euch daz ich fait ein lútzel vnd ir fecht mich
nit: vnd aber ein lützel vnd ir fecht mich. Gewerlich
gewerlich fage ichs euch: das ir wert wainen vnd
wainen: wann die werlt frewet fich. Wann ir wert
betrúbt: wann ewer trurigkeit wirt gekert in freu
de | fo daz weip gebirt fy hat trurigkeit: wann ir ftund
ift kumen. Wann fo fy hat geborn das kint ietzunt
gedenckt fy nit der bedruckung vmb die freude: das
ein menfch ift geborn in der werlt Dorumb vnd ir
ernftlich nu wert ir haben traurigkeit. Wann aber
gefiche ich euch vnd ewer hertz frewet fich: vnd ewer
freude nympt niemant von euch. Vnd an dem tag
euch. Ein klayn zeyt vnd yeczund werdet ir mich nit fehen vnd wi-
derumb eyn klayn zeyt werdet ir mich fehen Z—Oa.
30 — 40 lútzel] wenig (stets) P. 33 Ein klaine zeyt vnd fo
werdet ir mich nit fehen vnd widerumb ein klaine zeyt vnd denn wer-
det ir mich fehen Z—Oa. 36 ein klain zeyt Z-—On. 37 Wann]
fehlt 2--On. 38 fücht] fraget Z—GScOOa, frageten Sb. 39 fait]
fragt Sc. 39, 40 ein klayne zeyt Z— Oa. 40 ir werdet mich
fehen. Wärlich wärlich fag ich euch ir werdet klagen vnd waynen.
aber die Z—Oa. 42 Wann] aber Z—Oa. 43 aber Z—Oa.
in] + ein Z—Sc. 45 Wann] fehlt OOa. fy] + aber OOa.
47 der] die Z—Oa. ir] fehlt K— On. 48 ernftlich] gewiflich
P, fehlt K—Oa. nn] nur ZAS. Wann — 49 euch] Ich wird
euch widerumb fehen Z— Oa.
*
30 nicht] + nit nachtr. fe. 31 fecht TF. 31 ein] dein T,
d getilgt. 33 vnd] fehlt TF. 36 lútzel] -+ vnd TF. 42 werlt]
+ di TF. 43 freude] freunde wan TF. 47 der] + di TF.
49 geficht TF. fich] fehlt TF. 50 freude] frew T. nimt
nachgetragen F.
26 *
v. 17.
18.
19.
21.
ve 4
Tohannes 16, 23—33. 404
bit ir mich keins dings. Gewerlich gewerlich fage
ichs ench: was dings ir eifcht dem vatter in meim
namen das gibt er euch. Vntz nu habt ir nit ge-
eifcht kein ding in meim namen. Eifcht vnd ir en
> pfacht: das ewer freude fey vol. Dife ding hab ich
geredt zů euch in gleichlam. Die ftund kumpt: fo
ich ietzunt nit rede zi euch in gleichfam: wann ich
5. derkünd euch offenlich von meinem vatter. An dem
tag eifcht ir in meim namen. Vnd ich fag euch nit
27. wann ich bit den vatter vor euch. Wann erfelb der
vatter hat euch lieb wann ir habt mich liebgehabt:
. vnd ir gelaubtz das ich aulgienge von gott. Ich
gieng auß von dem vatter vnd kam in die werlt:
. aber laß ich die werlt: vnd gee zü dem vatter. Sein
iungern [prachen zů im. Sich nu redtftu offenlich:
. vnd failt vns kein geleichfam. Nu wiflen wir daz
du wailt alle ding vnd dir ilt nit durfft daz dich ie-
mant frag In difem glauben wir: daz du aufgienglt
. von gott. | Ihelus antwurt in. Nu gelaubt ir?
œ. Necht die ftund kumpt: vnd kumpt ietzunt das ir
wert zerltrewt ein ieglicher in [ein eigen: vnd ir laft
mich ain. Vnd ich bin nit ain: wann der vatter ift
mit mir. Dile ding hab ich geredt zi euch: das ir
*
51 Warlich warlich Z—Oa. 52 ich E—On. iefcht ME,
begert P, bittet Z—Oa. den Z—Oa. 53 Vntz nu] vntz nor
ZAS, bib nun SbSe, vntz her OQa. gebetten ein ding Z—Oa
bi Bittet Z-- Oa. 55 fey] werd Sa. 56 gleychnuß Z—Oa. fo]
das Z—Oa. 27 gleychnuís. aber ich wurd es euch offenlich ver-
kunden Z- Oa. 58 verkünd P. 39 tag fullet ir bitten in Z—Oa
ir] er MEP. 60 wann] daz Z- On. 1 vnd habt gelnubet
7- On. 4 redit EP. 5 guleychnuß Z— On. 6 nit dürftig
K On. 7 frag] fehlt S. aufgienft ME, bilt außgangen Z—Qa.
S in] fehlt ZeSa. 9 vnd kumpt) vnd ift O0a, 10 feim EPZASE
Sc. 11 ainig (2) E Oa. 12 bey mir Z—On.
*
22 dem] den F. 53 euch] auch TF, euch corr. T, durch raar.
of gleichfam] + wan TF, l gelaubt es TF. 2 werlt] +
vado nu TF, 5 geleichfam] -+ vnd TF. + glaubt TF.
Iohannes 16, 38—17, 9.
len fride in mir. Ir wert haben bedruckung
werlt: wann verlecht euch an mich: wann ich
>erwunden die werlt. xutj
in den himel vnd [prach. Vatter die [tund
kumpt: lauter deinen fun’ das dich dein [un
- Als du im gebt den gewalt alles fleifches:
Ales das du im gebt er gibt in das ewig leben’
an ditz ift das ewig leben: das fy dich allein der-
en einen geweren gott: vnd ihelum criftum den
ianteft. Ich hab dich gelautert auff der erde: ich
volbracht das werck: das du mir gebt das ichs
Vnd nu vatter lauter mich bey dir felber: mit
clarheit die ich hett bey dir ee denn die werlt waz
hab geoffenbart deinen namen den leuten: die du
gebt von der werlt. Sy warn dein vnd du gebt
s: vnd fy behüten deine wort: | vnd nu derkanten
das alle die ding die du mir gebt feint von dir.
id die wort die du mir gebt feint von dir: vnd die
t die du mir gebt die gab ich in: vnd fy enpfing
fy vnd derkanten gewerlich das ich aulgieng von
vnd glaubten das du mich fanteft. Ich bit vmb
*
> ife ding redt ihelus: er húb auff die augen
13 Ir] In M. 14 wann — an mich] Aber getrauwent ZAS,
' getr. mir ZcSa, Aber ir folt getrawen K-—Oa. 16 er] vnd
da. 17 in dem P. 18, 19 erklare Z—Oa. 19, 20 im]
bOOa. 19 haft geben Z-Sc, haft gegebenn OOu. 20 haft
ner in gebe daz Z—Oa. 22 waren Z—Oa. 23 erklärt
, clarifizirt K-—Oa. 24 gabft Z—Oa. 25 erklare Z—Oa.
00a. 26 hett) fellt O. dann SaQa. 27 menfchen
lu mir haft geben Z—Oa. 28 vnd du haft mir fy (fy mir Sa)
n Z—Oa. 30 alle ding Z—Oa. haft geben Z—Oa. 31
(erstes)] wann Z—Oa. mir halt geben die (fehlt OOa) haben
mpfangen vnd haben warlich erkennet das ich bin außgangen von
md haben gelaubet daz du mich haft gefendet Z—Oa. 32 ich im P.
*
13 mir + wan TF. 20 du] nachgetragen T. im] nu TF.
enn) + das TF. : 30 feint — 31 gebt] fehlt TF.
v. 10.
12,
13.
Johannes 17, 9—22. 306
fy. Nit vmb die werlt: wann vmb die die du mir
gebt: wann fy feint dein. Vnd alle meine ding feint
dein: vnd die dein feint mein: vnd ich bin gelautert
. in in. Vnd ietzunt bin ich nit in der werlt: vnd
dife feint in der werlt: vnd ich kum zü dir. Heiliger
vatter: behüt fy in deinem namen die du mir gebt:
das [y feint ein als auch wir. Do ich was mit in:
ich behút fy in deim namen. Die du mir gebt die be
hüt ich: vnd keiner von in verdarb nur der fun des
verleufes: daz die fchriftt würde derfúllt. Wann nn
kum ich zi dir: vnd dife ding rede ich in der werlt
das fy haben meine freude derfüllet in in [elber.
- Ich gab in dem wort: vnd die werlt hett fy in hab:
wann fy feint nit von der werlt als auch ich nicht
. bm von der werlt. Ich bit nit das du fy nemeft von
der werlt: wann das du fy belnitelt vor dem vbel. Sy
feint nit von der werlt: als auch ich mt bin yon der
. werlt. | Geheilig fy in der warheit. Dein wort daz ilt
. die warheit. Als du mich fanteft in die werlt: vnd
. ich fant fy in die werlt. Vnd vmb fy geheilig ich
mich felber: das auch fy feint heilig in der warheit.
. Wann ich bit nit allen vmb fy: wann auch vmb
. die die vmb ir wort feint zeglauben an mich: | daz Ly
all fein ain als du vatter in mir vnd ich in dir‘ das
auch fy fein ain in vns: vnd das die werlt glanb daz
du mich fanteft. Vnd die lauter die du mir gebt
*
35 aber Z- Oa. 36 haft geben Z—Qa. 37 ercläret Z- 03.
38 nit] mit T. 40 mir halt geben Z-On. 41 cins Z—0a.
bei in Z-—0a. 4? wrabelt Z—0a. 43 fun der verdamnuß Z—0a
44 gefchrifft Z— Ou. aber Z- Oa, 46 in inn M, in im E—Sa
felb S. 48 nicht] fehlt Se. 49 uennelt MEZSZcK—0a. 5%
aber Z—Qa. 22 daz] fehlt K—Oa. 54 hailige OOa, 56
funder auch vmb die die da gelaubig werden durch ir wort an mich
Z- Oa. 59 ains 4— Oa. 60 clarheit Z—Ou. : gabeft Z—Oa.
*
>> fy] -+ vnd TF. 44 verleuftes TF. 49 nit) fehlt F.
uchgetragen te. 0 vbeln TF. 56 fy] dife TE. 58 als
-- 59 ain| fehlt T, nachgetragen ta, + in vns, letzterer zusatz spater
qutilgt. l
6.
Iohannes 1b, 4--15, 408
ren künftig auff in: er fúrgieng vnd fprach zú in
. Wen [ücht ir? | Sy antwurten. Ihelus von naza-
reth. Thefus Sprach zů in. Ich bins. Wann auch iu-
das der in verriet [tünde mit in. Dorumb do ihelus
hett gelait ich bins: fy giengen hinter fich’ vnd vie
len nider an die erde. Dorumb ihefus fragt ly aber
Wen fücht ir? Wann fv fprachen. Thefus von na-
. zareth. | Ihefus antwurt. Ich fait es euch: das ichs
- bin. Dorumb ob ir mich fücht: fo lat dile geen. | Daz
das wort werde derfüllt das ich [prach: wann die du
. mir gebt ich verlofe keinen von in. Dorumb fymon
petter hett ein waffen er zoch es auß: vnd fchlúg den
knecht des fürften der pfaffen: vnd hieb im ab fein
zefems or. Wann der nam des knechts was malchus
Dorumb ihefus fprach zû pettern. Lab dein watfen
in die [chaid. Den kelch den mir der vatter gab: wil-
tu nit das ich in trinck? Dorumb die gefellfchafft
vnd daz gerichte vnd die ambechter der iuden die ving
en ihefus: vad bunden in | vnd fürten in zim erften
zů annas. Wann er was der fchwecher cayphas: der
- do was ein bifchof des iars. Wann cayphas was der
den inden hett gegeben den rat: wann euch gezimpt
> den einen man zelterben vmb daz volck. Wann fymon
*
22 auff in: er] uber in. der Z—Sa, vber in K—On. 23 ihefum
E—On. 25 hei in Z—Oa, 27 an] autf E— Oa. 28 Wann]
fehlt Z-Oa. thefum E—On. 29 Ich hab euchs (cuch K—Oa)
gelaget Z—Oa. das] da ZS, fehlt K—Oa, 30 bins K-Oa.
31 ich] er K— Onu. 32 mir halt geben der hab ich keinen verloren
auß in Z—Ou. 33 petrus H—Oa. [chwert Z—Ou. den]
dem PZ. 34 prieltern P, priefter Z—Oa, [chlüg Z—Oa. 3
gerecht E--Oa. Wann] vnd Z—Oa. 36 Dorumb] Vnd Z—Oa
petro E--Oa, fehwert Z- Oa. 37 vater hat geben Z—Oa.
38 trincke. vnd die fehare Z—On. 39 diener P—Oa. 40 ihefun
E—Oa. 41 annam Z—Oa. chayphe ZA, cheyphe S, cayphe
Lu--Ou. 43 gehen: OOa. 44 das ein menfch fterbe Z—Oa
Aber Z—Oa.
*
23 ihefum TI. 25 verriet] + der TF. 28 ihefum TF.
32 verleuf TF, 34 hiew TF. 35 zelwen TF. 40 czu-
turten TF. 42 ein] fehlt TF. 44 daz ein man TF, fterb F.
ep?
Iohannes 18, 22—31. 410
ambechter der gab ihefus einen backenfchlack fagent
Alfult antwurltu dem bifchoff? | Ihefus antwurt
im. Ob ich vbel hab geredt: lo gibe gezeug von dem
vbeln. Wann ob wol: worumb [chlechftu mich ?
24. Vnd annas fant in gebunden zů cayphas dem bifch-
2%. off: | wann petter was ltend: vnd wermt fich. Dor-
umb fy {prachen zi im. Biftu denn nit von fein
%. iungern? Er laugent vnd fprach. Ich enbin. | Ein
er von den knechten des bifchofts: der nefe des dem pet-
ter hett abgehawen das or der fprach. Sach ich dich
27. denn nit mit im in dem garten. Aber laugent pet
23. ter: vnd zehant lang der han. Dorumb fy züfürten
ihelus zů cavphas in das dinckhaus. Wann es was
frú. Vnd fy felh giengen nit in das dinckhaus das
fy icht werden enzeubert: wann das fy effen das of-
ey. tern. Dorumb pilatus mieng auf zů in vnd fprach
Was belagung traget ir wider difen menfchen ?
30. Sy antwurten: vnd {prachen zů im. Ob dirr nicht
wer ein vbelteter: wir hetten dir in nit geantwurt
31. | Dorumb pylatus fprach zů m. Nempt ir in: vnd
vrteilt in nach ewer ee. Dorumb die iuden fprachen
e
4 diener P—Oa. der] fehlt PK—Oa. jhefum E-—Sc, jefu
OOu. 5 Alfo Z—Oa. 6 jn Sb. hab vbel K—Oa. ge-
zeugknuß ZASK— Oa, zeigknuß ZeSa. 7 Hab ich aber wol geredt
warumb Z—Oa. 8 caypham ZS—On, cayphan A. bifhoff M.
Y wann] vnd Z--Oau. petrus E—Oa. Dorumb) vnd Z—Oa.
10 Biftus MEP. dann Sada. auß Z—Oa. 11 Ich bin ır
kayner, vnd einer Z—Oa. 12 der nefe] ein freund Z—Oa. pe
trus E— Oa. 13 der] fehlt K--Oa. 14 bey im Z—Oa. pe
trus E—Oa. 15 kract Z--Oa. „üfürenten Oa. 16 jhefum
E--On. caypham in das rechthauß. vnd es was trù. Aber (y giengen
nit ein in das rechthauß das fy nit würden vermayliget (vermaßget
A). aber das Z—- Ou. 1s würden EP. olterlam Z— Ou. pat)
verfagung Z--Sa, verklagung K—Qa. bringet ir Z—-Oa. 21 zü
im: fehlt OOa. Wär difer nit ein Z—Oa. der P. 24 Do-
rumb] fehlt Z- -Oa. ,
> antwrteftn TF. 6 vieln F. dem] den F. 7 vbel T.
9 ftenden TF. nefe] rief TF. 16 zü] von TF. 17 fielb F.
IS wurden TF, 22 vbeltuer TF. in dir T, 23 irj feMi F.
24 vrteil T.
v, 40.
bo
Tohannes 18. 59—19, 9. 412
das ich euch ein laß zü den oltern. Dorumb wölt ir
ich laß euch den kúnig der iuden? Sy rieffen ander
waid all fagent nicht difen: wann barabam. Wann
barabas was ein dieb. xix
o begraiff pilatus ihefum: vnd geilelt in.
) Vnd die ritter vielten em krone von dor-
nen vnd fatztens auff fem haubt: vnd vm
gaben in mit purpurin gewand. Vnd kamen zů im
vnd [prachen. Gott grüß dich künig der inden. Vnd
gaben im backenichlech. Dorumb pilatus gieng ab
er auß: vnd fprach zů in. Secht ich füre in auf zů
euch: das ir derkennt das ich kein [ach vinde an im
Dorumb ihelus gieng auß er trüg ein dórnin kron
vnd em purpurin gewand. Vnd er fprach zů in.
. Secht der menfch. | Dorumb do in hetten gelechen die
bifchoff vnd die ambechter: fy rieffen fagent. Kreutz
ig in: kreutzig in. Pylatus fprach zi in. Nempt
ir in: vnd kreutzigt in. Wann ich vind kein fach
an im. | Sy antwurten im. Wir haben ein ee: vnd
nach vnler ee fol er [terben: wann er macht fich ze
fem den fun gotz. Dorumb do pilatus hett gehort ditz
wort: er vorcht fich mer. Vnd er gieng aber in daz
dinckhaus: vnd fprach zi ihefus. Von wann biftu
*
48 fehryen Z - Ona. anderwaid] aber A. 49 difen. aber
L—On. harraban Z --Oa. 50 was] der was Su. [chacher
P--Oa. a2 achten E--Oa. 34 purpurem Z—ZcK—Oa, par-
pur Sa. 55 BiB vegriffet K—Oa, + du 2— On. 56 Dorumb]
Vnd Z—0a. 97 aub (erstes)] fehlt X. 59 Dorumb] Vnd Z—0Oa
60 purpur Z--On. vnd fprach zu in (fehlt Sb) pylatus Z—Oa
61 Dorumb] Vnd Z—Oa. 1 diener P— Oa. da (fehlt OOa)
fehryen fy fagendt Z—Oa. 4 ein geletz K—Ou. ö vnfer ee]
difer A, dem geletz K---Oa. hat fich gemacht K—Oa. das er
feye der fun gotz. Vnd da Z—Oa. 6 het hort Sa. 7 vnd gieng
Z—Oa, 8 rechthauß Z—-Oa. Jhefum EPZS—Oa, iefu A.
*
48 anderwaid all] all anderwaid TF. 51 ihefus TF. ge-
caifelet FE, gefaifelet T. 54 mit] -+ einem TF. 57 zü euch]
fehlt TF. 61 den menfchen TF.
419 Johannes 20, 17—26.
erm vatter: zú meim gott vnd zú ewerm gott. Ma
ria magdalena kam fy derkunt den iungern wann
ich hab gefechen den herren: vnd er hat mir gefait
dife ding. Dorumb do es was [pat an eim der fambf
tag vnd die túrn warn befchloffen do die iungern
warn gefament vmb die vorcht der iuden: ihefus
kam vnd ftúnd in mitzt der iungern: vnd [prach zů
in. Frid fey mit euch | Vnd do er ditz hett gefait:
er zaiget in die hende vnd die feyten. Dorumb die
lungern warn derfrewet: do [y gefachen den herrn.
| Dorumb ihefus fprach aber zů in. Frid fey mit euch.
Als mich der vatter fant: vnd ich [ende euch. | Do
er ditz hett gefait er in etempt fy all: vnd fprach zů
in. Enpfacht den heiligen geift. | Den ır die fünd ver
gebt den werden fy vergeben: vnd den ir fy behabt den
feint fy behabt. Wann thomas einer von den * xij*
der do ilt gefait ein zwiefeler der was nit mit in do
ihefus kam. Dorumb die andern iungern [prachen
zü im. Wir haben gefechen den herren. Wann er
fprach zü in. Nur ich fich in feinen henden den ftich
der nagel’ vnd leg mein hant in [eine feyten: vnd le
ge mein vinger an die [tat der ftich der negel: ich ge
laub fem nit. Vnd nach *vimj* tagen die iungern
*
16 kam vnd verkündet Z—Oa. 18 einP. eim der fambftag]
dem tag der da ainer was der wochen Z—Oa. 20 gefamet Zc,
gefamelt Sa—Oa. des iuden A. 21 mitt P—Oa. 22 Frid
der fey Z—Zc, Der frid fey Sa. 24 warn] wurden Oa. fahen
K—Oa. 25 Dorumb] Vnd OOa. Der frid Z—Oa. 26 hat
gefendet Z—Oa. 27 in — all] plies in ein Z—Oa. 29 dem
werden P. behalt Sa—Oa. 30 behaben Zc, behalten Sa. Aber
Z—Oa. von] auß ZASK—Oa. 31 genant K—Oa. zweifeler
E—Oa. der was] was K—Oa. 33 Wann] fehlt Z—Oa. 34
fehe Z—Oa. 36 negel. fo will ichs (ich K—Oa) nit gelauben Z—Oa.
*
16 kam] + vnd TF. 18 eim] ainem tag TF. 29, 30 be-
habt] enthabt TF. 31 zweifler F, zweikker T. 34 den] di TF.
35 mein — 36 negel] meinen vinger in di [tat der negel vnd (+
mein fa, + lazz meine te) hant in [ein leiten TF. 37 nach]
darnach noch TF.
27 *
. 18.
19.
21.
ts
ty
Ioiannes 20, 26—21, 2. 420
warn aber inwendig: vnd thomas mit in. Ihefus
kam in befchloffen türen: vnd ftind in mitzt vnd
[prach zů in. Frid fey mit euch | Dornach fprach er
zů thomas. Bring her deinen vinger vnd [ich mein
hende: vnd bring her dein hant vnd lege fy in mein
feiten: vnd nichten wöllt fein vngeleubig wann ge
. trewe. ' Thomas antwurt vnd fprach zh im Mein
herr: vnd mein gott. Vnd ihelus fprach zů im.
Thomas das du mich halt gefechen des haftu ge-
laubt: felig feint die die do nichten fachen vnd ge-
laubten. Vnd ernftlich manige andere zaichen det
ihefus in der hefcheud feiner ungern: die do nicht
31. feint gelchriben in difem bûch Wann dife ding feint
gefchriben das ir glaubt das ihefus criftus ift der fun
gotz: vnd das ir gelenbigen habt das leben in fein-
em namen. XX)
ach difen dingen deroffent fich aber thefus
| \ feinen iungern bey dem mere tyberiadis.
Wann er deroffent fich alfo | Symon petter
vnd thomas der do ift gelait ein zwelueler vud na-
thanael der do was von chana «alilee: vnd die fún
cebede: vnd ander *1)* von fein iungern die warn ent
+
4) Der frid Z-—Oa. 41 thomam Sa. Gib her OOa. 42 gih
her O0a. 43 nicht Z—nu. vann M, aber Z—On. ge-
laubig 2—0On. 46 Thoma ScOOa. darumb das du Z—0a
des] fehlt Z—Oa. 47 nit gelehen haben vnd haben gelaubet Z—0a
48 ernftlich] gewiflich P. fehlt K—0u. vil Z—Oa. 49 dem
angelicht Z—On. >) Wann] fehlt 4--On. 52 gelaubigen] ge-
lanbigend K—Se, fo ir habt erlaubt OOu. öt erzaiget Z—0a
fich ab G, 56 vnd erzayget fich (fehlt OOa) alfo Z—Oa, + dem
K—Se, wann 00a. petrus E— Qa. 57 genennet der zwerfeler
Z —-Oa. 59 cebedei E, zebedei P—Oa. von] auf Z—Oa. die]
fellt K-- Oa. warn bey einander Z—Oa.
*
AS aber] fehlt T. mit in] waz mit in vnd TF. 41 dein TF.
42: vnd) fehlt TF. 44 zů] czu || czu FÒ. 47 fechen TE. glauben F.
51 ihefus eriftus] ihefu TF. 55 mere] + czu TF. 56 er
deroffent | der crotfent TF. a7 ein] fehlt TF. 59 zebedei TF.
die] + da TF.
423
Iohannes 21, 19—25,
im. Nachuolg mir. | Petter vmbkert fich er fach
den iunger nachuolgen den ihefus liebhett: der an
dem abenteffen hette gerúet auff feiner brufte vnd
> fprach: o herre o herre wer ift der der dich verräte.
Dorumb do difen hett gefechen petter: er [prach zů
ihefus. O herr: was dings ift difem. | Ihefus fprach
zů im. Wann alfuft wil ich in zebeleiben : bib das
ich kum. Was zů dir? Vnd nachuolg du mir?
5 Dorumb ditz wort gieng auf vnder die brüder: das
der iunger nit enfturbe. Vnd ihefus [prach nicht
zu im er enftirbt nit: wann alfuft wil ich in zebe-
leiben biB das ich kum: was zů dir. Ditz ift der
iunger der do gab gezeuge von difen dingen: vnd
© [chreib dife ding. Vnd wir wiffen das fein ge-
zeug ift gewere. Wann auch manig andere ding
id) feint die ihefus det: die do nicht feint gefchriben in
difem büch : ob die ding wern gefchriben durch all
ich wen nit das die werlt möcht begreiffen die büch-
er die do waren zelchreiben.
5 Hie endet fant Johannes ewangelift
Ind hebt an die vorrede über die
Epifteln pauii sd den Römern.
+
47 Petrus E-Oa. er] vnd Z—Oa. 50 o herre o herre]
Herre Z—Oa. wirt verraten Z—Qa. 51 hetten P. petrus
E—Oa. 52 ihefum E—Sa. ihefu K—Oa. O — difem] Herr.
der aber was wirt er thin Z—Oa. 53 im. Alfo will ich das er
beleybe vntz (biß Sb—Oa) das Z-Oa. 54 Was] + gehört es OOa.
Vnd] fehlt Z—Oa. 56 ftúrbe Z—Oa. 57 zů in GSbOOa. Aber
alfo will ich das er beleybe vntz (biß ShSc) das Z—Oa. 58 was] +
gehört es OOa. 59 gezeugknuß Z—Oa. 60 gezeugknuß war
ift. Es feyen aber noch vil andre Z—Oa. 1 feint — det] die ihe-
fus gethan (thon OOa) hatt Z—Oa. do] fehlt ZeSa00a. 2 ding]
fehlt OOa. 4 wären gefchriben OOa.
+
50 o herre] nur einmal T. 53 bift T. 54 Vnd nachuolg du]
du nachuolg T. 56 fturb T. 57 ftirbt T. 1 die do — 2 buch]
tom corr. unterstrichen T. 2 wern] we || weren T. 3 bucher]
bucht T, -t getilgt. 4 zefchreiben] + Amen T.
Anmerkungen.
Die im apparat benutzten siglen sind im vorwort angeführt. es
ist also nur noch einiger einzelheiten zu erwähnen. Ein strich zwischen
zwei siglen bedeutet, dass siimtliche in der übersicht dazwischen stehende
uusgaben die betreffende lesart aufweisen. Bei einer solchen lesart
bezieht sich ein in klammern stehendes (fehlt) nur auf das vorher-
gehende wort, falls nicht das gegenteil bemerkt ist. Ein senkrechter
strich in den varianten kennzeichnet den schluss einer zeile, ein doppel-
strich den schluss einer kolumne bezw. seite des betreffenden textes.
Im texte dagegen bezeichnet ein senkrechter strich den versanfang,
falls auf die betreffende zeile mehrere imajuskeln entfallen, oder falls
der vers mit einer minuskel anfängt. Die varianten und anmerkungen
sind nach blatt, kolumne und zeile des Mentel’schen druckes angege-
ben, wobei die für die rubrik freigelassenen zeilen mitgezühlt wurden.
In füllen wo sich in M eine grössere lücke oder umgekehrt ein plus
vorfindet, wird durch sternchen auf die betreffende lesart der anderen
ausgaben und handschriften hingewiesen.
318d 1 Die sämtlichen vorreden fehlen bei TF, wie schon in der be
schreibung der handschriften bemerkt wurde, es schien je
doch überflüssig, dies jedesmal bei der angabe der varianten
zu widerholen. Die hss. BNgWr sind nur bei den vorreden
verglichen, da der in denselben enthaltene biblische text aus
einem anderen übersetzungszweige stammt. Der hier gebotene
text der von Hieronvinus herrührenden vorreden ist bei den
evangehen durch allerhand hineingefügte glossen erweitert,
die sich, wenigstens in solchem umfange, in keiner mir be-
kannten lateinischen ausgabe oder hs. vorfinden. Anstatt der
vier anfangszeilen unseres textes z. b. bieten die lateinischen
texte nur Mattheus er iudea,
Sisd 50 Die kursiv gedruckten schlussschriften sind hier nach dem
. Wernigeröder exemplar widergegeben; die verschiedenen esem-
plare stimmen hier natürlich nicht überein, da diese rubriken.
wie auch die initialen und kapitelzahlen, erst nachträgtich
von den rubrikatoren eingetragen wurden.
Anmerkungen,
15 Die lesart nemen bei Z ist wohl durch versehen entstanden,
indem der umarbeiter in seiner vulgata ducere statt tradu-
cere las.
14 Da AZc sonst keine berührung zeigen, ist das úberstentlich =
supersubstantialem wohl auf die tatsache zurückzuführen, dass
die beiden drucker das Vater Unser in dieser gestalt kannten.
L Anstatt tag hat das Rosenthal'sche exemplar von Mentel atg:
eine der wenigen stellen, welche verschiedenheiten unter den
exemplaren aufweisen.
13 Das fünftausent in Sc ist kein druckfehler, da in der über-
schrift dieses kapitels, sowie im texte und in der überschrift
zu Marcus 8 dieselbe änderung vorkommt.
t Das mhd. tougenlich war schon veraltet, als der drucker, oder
der schreiber dessen vorlage, dasselbe hier, wie auch an an-
deren stellen, durch tugentlich ersetzte.
| Die lesart der hss., pelcset, anstatt pflantset (= Z- Oa) wäre
wohl vorzuziehen gewesen. Das wort kommt auch 303 a c
vor, in der gleichfalls aus dem zweiten zweige stammenden
übersetzung von Makkabier.
25 er, anstatt /y, ist kein druckfehler, sondern versehen des
übersetzers, der nicht merkte, dass debet sich auf abominatio-
nem bezieht: abominationem stantem ubi non debet.
18 Hier wird inuoluit durch band widergegeben, ähnlich 337 b 7
gebunden = inuolutum; sonst wird inuoluere gewöhnlich durch
winden übersetzt, wie auch hier in den hss. steht: das b an-
statt w ist also auf den bair.-östr. bezw. schlesischen dialekt
irgend einer früheren hs. zurückzuführen.
17 gehören: der übersetzer las audire anstatt adire; der korrek-
tor ta, welcher durch zu gen ersetzt, muss also hier eine vul-
gata benutzt haben.
Berichtigungen.
1 Im Apparat lies EPZSZcSa.
59 Im Apparat ist vor der lesart den] die Zeilenzahl 59 zu er-
gänzen.
Anhang I.
Die gedruckten kapitelüberschriften u. s. w. bei Koburger u. fl.
[Dieselben stehen an der entsprechenden stelle im texte, konnten aber
im apparat nicht gut untergebracht werden].
Hie hebet an die vorred vber Matheum.
Ein andere vorred vber Matheum den zwelfboten wnd
ewangeliften
Ein ende haben die vorrede Vnd hebet an das ewangeli
fant Mathei des ewangeliften vnd zwelfboten.
Das erft Capitel. Ift von cer gepurten der zwenunduiert-
zig altueter. von vnderfchyd irer gepurte. Vnd von der gepurt
chrifti. auf Maria. vnd wie der engel dem iofeph erfchyne.
do er Mariam verlaffen wolt.
Das . IT. Capitel. wie die kúnig. mit gabe kamen. vnnd
von erfcheynung des fterns. Wnd wie iofeph durch den engel
vermanet. mit dem kind. vnd feiner muter in egipten flohe.
Wie die kleynen kindlein getottet wurden Vnd wie Ihefus
wider auß egipto wein Nazareth zohe.
Das . 111. Capitel. wie lohannes in der wülte prediget.
vnd von feiner klevdung vud [peyß. Vnd wie er dafelbft tauffet.
Vnd wie chriltus von im wetaufft ward. Vnd wy vber ine der
geyft gottes in geltalt einer taube erfchine vnd ein ftymm
gehört ward. fagende. Ditz ift mein lieber fun. in dem ich
mir gefallen hab.
Das . MIL. Capitel. wie chriftus von dem geyft in die
wülte gefürt. vnd alda von dem tewfel verfucht ward. Vnd
wie er darnach in capharnaum kam. vnd fieng an zuleren vnd zu
*
1 Hie] Nun OOa. 4 fancti OOa. ð der xx Sc. 22 zu-
lernen Sc.
Qu
1%
Anhang 11. 440
dem paradife | nach dem vnd er gemachte adam vnd even von
feyme rippen. er fugte fi czu |! adazn vnd adam fprach diz ge-
pein ilt nv von meinem gepein vnd diz fleifch ift nv von | mei-
me fleifch di v heilikheit ift di falibuge dez oles. alz es ift
gelelen in marcus | Si gyngen aus vnd falbten di fiechen
mit ' dem ole vnd fi wurden gefvnt Di vj ift di! avflegunge
der hende alz es ift beczeugt | im ewangelio Di luczeln fint
(p. 621 im gebracht dz er in auflegte di hende | vnd pette vnd ein
luczel do nach denne legte | er in vf di hende vnd gefegte fi
vnd als | es ift gelefen in der poten buch Do di poten | ge-
horten. dz di von famaria hetten ent:phangen dz wort gotez.
fi fanten czu in peiter vnd johanf | Do fi waren kvmmen fi |
petten vm fi dz fi entphiengen den heiligen geift vnd denne
legten fi di hende ! vf fi vnd fi entphiengen den heiligen
geift | Di vij ilt di ordenunge dez prilterz am | ptes vnd der
dyaken. alz paulus fchri | bet czu tyto fagende vm di genad
dz ı dingz fo liz ich dich czu crethe dz du belrichteft di ding
di da gepreften vnd fchikelt ! prifter durch di [tete alz ich dir
han ge.ordent vnd czu thymotheo Di prifter di | da wol vor-
fint di werden gehabt wirdig czwiueldiger eren vnd | aller-
meilt di da arbaiten in dem worte vnd | in der lere dez her-
ren vnd daz wir di vii | heilikheit fo entphan daz wir von :
gote nimmer gelcheiden werden Daz | verleige vns der vater
wnd der fon | vnd der heilige geift Amen.
E
BIBLIOTHEK
DES
LITTERARISCHEN VEREINS
IN STUTTGART.
CCXXXV.
TUBINGEN.
GEDRUCKT AUF KOSTEN DES LITTERARISCHEN VEREINS.
1904.
Dr. G. v. Below, p
Professor Dr. G. Bil
Dr. Bolte, professor in Berlin.
Oberstudienrat Dr. Hartmann in Stuttgart.
Director Dr. W. Heyd in Stuttgart.
Dr. Martin, professor an der universität Straßburg.
‘i F
Dr. G. Meyer von Knonau, professor an der universität Zürich.
Dr. H. Paul, professor an der universität München.
Dr. Sievers, professor an der universität Leipzig.
Dr. Steinmeyer, professor an der universität Erlangen.
Dr. Strauch, professor an der universität Halle.
Dr. Tobler, professor an der universität Berlin.
DAS
UCH SIDRA CH.
\ACH DER KOPENHAGENER MITTELNIEDERDEUTSCHEN
HANDSCHRIFT V. J. 1479
HERAUSGEGEBEN
VON
H. JELLINGHAUS.
DRUCKT FÜR DEN LITTERARISCHEN VEREIN IN STUTTGART
TÚBINGEN 1904.
ALLE RECHTE VORBEHALTEN.
VI
nen uns die nummern fr. 24395 (A) und fr. 1160 (B) die
geeignetsten, um uns das original zu vergegenwärtigen. Sie
sind aus dem ende des 13. oder dem anfange des 14. jahr-
hunderts. P. Paris hat die nummer 762 sorgfültig beschrieben,
welche vom jahre 1340 ist (P. Paris, les manuscrits francais
t. VI p. 24—31). M. Ward hat von den handschriften des
Britischen Museums eine sehr genaue nachricht gegeben. Nach
der zalıl der fragen, die in den handschriften und drucken
behandelt werden. entfernen die einen sich sehr von den an-
dern. Der plan des werkes ist ungeführ immer derselbe. Die
vor- und schlussreden unterscheiden sich nur durch die va-
rianten, welche die abschreiber und ersten drucker in die na-
men eingeführt haben. Aubert oder Albert, ghibellinischer
prälat, zuerst bischof von Brescia, dann lateinischer patriarch
von Antiochia (1226— 1246) ist eine (für die entstehung des
buches) beachtenswerte persönlichkeit. Er wohnte dem ersten
concil von Lvon bei im jahre 1245 und spielte zu verschiedenen
malen eine tätige rolle in den grossen kämpfen zwischen dem
kaiserreich und dem pabsttume. Wir sind geneigt zu glauben,
dass der erwähnte frater Roger von Palermo und der geist-
liche (clerc) Johannes Petri von Lyon auch wirkliche
persönlichkeiten waren. Da gewisse anzeichen zu erlauben
vermuten, dass das buch in Lyon verfasst wurde, so würden
wir gerne zulassen, dass dieser Jean Pierre de Lyon viel mehr
anrechte hat als Sidrach, der enkel Japhets, als der verfasser
des ganzen buches betrachtet zu werden. Der satz „ainsi
sont translatés de lui plusieurs bons livres en autrui nom”
und die worte. welche folgen, haben einen linkischen zuschnitt.
welcher vermuten lässt, dass eine geheime vorenthaltung darin
liegst. Vielleicht ist das buch wirklich im j. 1243 verfasst *'.
In jedem falle ist sehr wahrscheinlich, dass das werk aus der
philosophischen und wissenschaftlichen bewegung hervorge-
ganzen ist, deren mittelpuukt Friedrich U. war und an
welcher der patriarch Albert anteil gehabt haben kann. Die
*
Yi Wie der altfranzösische text hat: En Van nostre seigneur Jesu
Cheist 1000 et 260 et 43 fust fait li prologues et li argument de cet
livre a Toulete par plusienrs mestres clers,
vm
Um 1190 hatte Heinrich der Löwe m Braunschweig
seine kapläne zur kompilation des Lucidarius, eines lehr-
buches von gott und der welt, angeregt. Es ist nicht un-
wahrschemlich, dass auf dieses beispiel hm Friedrich II. in
ähnlicher weise klerikern seiner umgebung den anstoss zur
abfassung des Sidrach gegeben hat. Wenigstens finden sich
in den späteren texten des Lucidarius eine anzahl fragen, die
im Sidrach wiederkehren. Vgl. Schorbach über den Lucidarius.
Strassburg 1894 s. 4 f. u. 142 f.
Die frühesten altfranzösischen und italienischen hand-
schriften des Sidrach stammen aus der zeit um 1300, wo der
geschniack an büchern wissenschaftlichen inhalts in vulgärer
sprache erwachte.
Nach Frocheur s. 79 f. ist indessen die eine ha. der
Burgundischen bibliothek im zweiten drittel des 13. jahrhun-
derts geschrieben und nach Gröber, Romanische philologie
s. 904 wird 1268 in Nordfrankreich auf die „[ontaine de tote
science“ angespielt.
Eine italienische hs. aus dem 14. jahrh. ist von A. Bartoli
im jahre 1868 herausgegeben (Bologna XXVIT u. 567 s. 87).
Merkwürdig ist, dass von oberdeutschen texten desselben
bis jetzt gar nichts bekannt wurde. Hat man die handschriften
nach dem aufkommen des humanismus, der reformation und
der jesuiten sämtlich abgetan?
In niederländischer sprache sind 7 handschriften des Si-
drach nachgewiesen, welche sich in Königsberg, Hamburg.
Stuttgart, Brüssel, Delft, London und Oxford befinden. Vgl
Mone, übersicht der niederl. volksliteratur 352 f., Graesse.
alle. literaturgeschichte IT, abt. 2, 708, Zeitschrift f. d. alter-
tum 13, 528, Germania 31, 342, De Taal- en Letterbude Ill
(1872) 65 --70.
Dort gibt M. De Vries auf s. 65—70 die poetische vor-
rede“und den schluss der Hamburger handschrift. Ueber die
französischen handschriften auf der burgundischen bibliothek
in Brüssel gab PF. Frocheur einen bericht im Messager des
sciences: historiques de Belgique 1842 s. 79—86.
Ausserdem sind vier drucke bekannt: Leiden 1495, De-
IX
venter 1496, Antwerpen 1540 und 1564. Vgl. über die ersten
drei Petit, bibliogr. der middeln. Taal- en Letterkunde. no. 445.
Die” letzte führt den titel:
Hier beghint een schone Historie van den wysen Philo-
sooph Sydrack, die op eertryck was duysent iaer vor Gods
gheboorte. Ende heft beschreven vier hundert ende twintich
questien, dye seer vreemt ende ghenoechlyck zijn om te lesen,
dye de coninck Boctus dye Philosooph Sydrack vraechde.
Gheprint Th antwerpen in de Cammerstrate vp mp. Jan Koe-
lants. Anno 1564. 4°. 106 S. Am schluss: Ende is gheui-
siteert by eenen gheleerden man by der K. M. daer toe ghe-
committeert Ende is by den Hove toegelaten te moghen
printen Ghegheuen tot Bruessel den twaelfften dach van Ja-
nuario Anno 1500 ende tweenvyftich. Onderteekent M. P.
de Lens.
Auf niederländischer handschriftlicher vorlage beruhen die
beiden mittelniederdeutschen handschriften des Sidrach.
Sie sind beschrieben von K. Borchling in den nach-
richten der k. gesellschaft der wissenschaften zu Göttingen.
Philologisch-historische klasse. 1900 (beiheft). Göttingen 1900.
8°. S. 103.
I) Arnamagnaeanische sammlung. 807. 4° der königlichen
universitätsbibliothek zu Kopenhagen v. j. 1479. Sie enthält
nur den Sidrach. Unten auf bl. 1 rechts hat eine hand des
16. jahrh. bemerkt: „Andreß Söffren scripsit“. Professor
H. Möller in Kopenhagen hatte die güte, nachforschungen
nach diesem vermutlichen schreiber der handschrift anzustellen,
die negativ ausfielen. Auch herr oberbibliothekar dr. Birket-
Smith und andere kopenhagener gelehrte kennen keinen An-
dres Söffren (Severin).
II) Hs. der grossen königlichen bibliothek zu Kopenhagen.
Neue königliche sammlung f. 285. IV bll. + 550 bez. + 65
leere S. S, Pap. 16. jh. 2. hälfte Gleichz. schweinsleder-
band. — Bl. I* Joannes Eysij Hamb. Anno 1612. Bibl.
Suhm (S)..
1) S. 1—123. Bruchstück des Sydrak. Am anfange fehlt
a O pr A A
A e u
td 8
XI
Die sprache des älteren ndd. textes trägt zahlreiche spuren
des mittelniederländischen, während der jüngere nur hie und
da durch ein wort niederländischer bildung seine abkunft von
einer niederländischen vorlage verrät.
Die 10. frage der älteren hs. lautet in dem jüngeren texte:
Makede godt den minschen mit der handtt?
Sydrach andtwordet aldus:
Alleine mit einem hete makede godt den menschen, worbi
wie mögenn vorsthann dat ein wunderlich dinck de minsche
is, wente vmb schelenisse des duvels makede godt den min-
schen van vnwerden dingenn darumb datt he des schande
hefft, datt so vnwerde dingh schall klemmen in de glorien
dar he vth gefallenn is vormiddelst sine hofart, vnde he set-
tede namen der veer partien der Weldt Consoam Corboam
Gamaf Trokiel Gamesis darumb dat viff tungenn vorfullen de
veer Partien vann (bl. 37] Erdtrike noch heft de minsche ge-
likenisse in der wise na vnsem Herenn, wente also als vnser
Here is bauenn alle ding in dem Hemmele also hefft he ge-
maket den minschen bauen allent dat dar is in der erdenn
vnde darumb dat he wusste, datt der minsche fallen scholde,
so makede he andere gelickformige dinge der he tho dhonde
hebben scholde vnde ok makede he emetenn vnd flegenn vnde
andere wörmekenn vmb de hofartt des minschen tho bitenn
darumb datt he sich bedencken scholde, datt he van vnwer-
der Materien gemaket is, dat he nicht kan weddersthan den
so kleinen dingen.
De Empten, Spinnen arbeiden in ehrem wercke vnd ge-
ven vns Exempell dat wie ock so don schollenn so datt wie
vorstahen in dissem datt Godt se gemaket hefft tho vnser
behoff datt is uns eine grothe frouwde, wente de blomen
hebben schonheidt, de krüder hebben arstedie vnde frucht
van der erdenn de föden uns. De Windt, de Sünne, de Mane
hebben ere wercke bedüdenisse in allen dingen de gudt sin
vnde alle worden se gemakett vmb dat Lof godes vnde tho
siner benediedenn ehre.
Frage 23. De Konig fraget aldus:
De Seele, de althomahle is Geistt vnd hett noch Lich-
: namb noch Lede vnd men mach
who_mag se foelen de- Frowde vam
Sydrak andtwordet aldus: Mer
vnde ein behende dingh, datt mer
sehenn vnde se mag nicht ster
De Seele hefft grothe fro
in der Hellen vnde isset dat :
gudt gedann so schall se ge
der gnade in der Hemmelsch:
kwadt gedann middelst dem lich:
de endtfangen de droffenisse d
se geworpen werdtt.
[Bl.1] Dit is dat register over des wysen astronymus
bock gheheyten Syderack. Dar ghi moghen inne vinden vele
wonders unde mennygerhande vraghe. Nu beghynnet de eerste
vraghe aldus:
1.
2.
3.
4.
O)
13.
14.
. Wat dinghes makede god erstwerff? B. 5 A. 4 S.
. Wo drade worden de enghele ghemaket? B. 6 A. 5
. Wor aff denen de engelen in deme hemmele?
. Off de engelen weten alle dink? B. 8 A. 7
. Wat formen hebben de engelen? B. 9 A.
10.
11.
12.
Was god alle tyt unde schal alle tyt vort also blyven ?,
Bartoli 1, Antwerpen 1564 1, Suhms Handschrift 1.
Mach god werden ghesien? Bart. 2, Antw. 18, S. 2.
Is god in allen steden overall? B. 3 A. 2 $, 3,
Alle de dink, de god ghemaket heft, volen se ok? B. 4
A. 38. 4.
5.
S. 6.
B. 7
A. 6 8.7.
S. 8.
8 $. 9.
Makede got den mynschen myd der hant? B. 10 A. 9 S. 10.
Wor was Adam ghemaket? B. 11 A. 10 $. 11.
Do Adam gheworpen wart uth dem paradyse, wor gink
he do? B. 22 A. 11 S. 12.
Dede Adam ok enyghe ander sunde, dan dat he braeck
dat ghebot synes scheppers? B. 13 A. 12 S. 13.
Wat dink nam Adam van gode unde wo schal he eme
dat wedder gheven? B. 14 A. 13 S. 14.
. Worumme en bleff he nicht all verloren? B. 15 A. 14 8.15.
. Worumme schal god nicht senden eynen mynschen edder
eynen engel vor eme to stervende? B. 16 A. 15 S. 16.
. Worumme wil he gheboren werden van eyner joncfrou-
wen na dem male, dat he van eme sulven wolde ghe-
boren werden? B. 17 A. 16 S. 17.
Sidrach. 1
38
bedede synen namen, de de hadde gheschapen hemmelryk unde
ertryk unde beghunde de vort to vraghen den wysen philo-
sophus Sydrack de vraghe unde de capitele, de hyr na vol-
ghen in dessen boke, ghelyk also men nuw hyr vort horen schal,
wo konningh Boctus vraghede unde wo eme de wyse Sydrak
alle des wys makede.
126
datsyn wyff sot is? Sydrack secht: CLVI De evne er
schal dem anderen gheyn dink vorwyten. Isset dat du eme vor-
wytest de sotheit synes wyves, by aventuren dyn wyff is sotter,
all en westu des nicht. Ok hevestu gheleghen by synen wove.
lichte he mach noch wedder by dyn wyff komen. Vorwytesta
ok eme synen armoet, de mach so drade to dy_komen, also
to eme. Wente nemant en weit nicht, wat eme bescheen mach
(157) De konnigh vraget: Schalmen eer unde loff
doen allen luden? Sydrak secht: CLVIT Jaa, de dat
doen kan. Men nemant, de in ertryke is, kan dat doen, dat
eme eyn ewelyk dancke. Men eyn islyk schal dat doen m .
syner macht, upp dat he sulven dat meiste beholde. Mes
schal dem anderen leve doen myd schoner sprake unde myd _
chelate, myd troste unde myd guden rade. Unde so werstu
van den luden ghepryset unde gheert unde werst gheholden
vort van den luden.
(158) De konnigh vraghet: Schal eyn mynsche
vorgheten den ghenen, deeme gud unde hore
scheit shedaen heft? Sydrak secht: CLVIU New
nummernecer, all isset dat de denst ghans kleyn is, nochtant
schalmen des nummer vorgheten. Wente we myd gude und
myd leve deit van den synen, de denet my ghenoch. Went
ik byn des darumme plichtich eme to helpende unde [BL Y
syner nunmermecr to vorgheten.
(159) De konnigh vraget: Mach eyn mynsche srk
entholden van unkuscheit, also he see vil
doen? Sydrack secht: CLIX Jaa. Wanner dat he wile
heft see to docnde, so schal he dencken upp synen schipper.
de ene ghaschapen hevet na synen bylde unde dat he ale
eddelen eyn dink nicht besmitten mach. Men he schal sè
reynliken holden umme de leve des ghenen, de ene gleschaps
heft. unde schal vort dencken, dat he sterven schal unde dë
syne sele dan entfanghen schal alsullick loen in ghener wert
also he vordenct heft. Giheve ok eyn konnigh syne kleré
eynen guden man. he scholde see holden in eren unde in rer
licheit unde he scholde sere mede gheert werden mank de
luden, wanner dat he de kleyder an hadde. So scholde 7
to rechte reyne wesen unde noch meer suverliken holden më
200
datmen jeghen gode deit unde dat de lude vort darumme
scholen vorloren werden.
(349) De konnigh vraghet: Worumme sien de jur
shen klarer dan de olden? Sydrack secht: CCCXLIX
Eyn kint van eynen jaer heft so klaer eyn gesichte: wanner
dat dat de vernoft hadde, dat scholde des daghes de sternen
sien unde wanner dat see tho eren jaren komen, so vormynre
en dat ghesichte. [Bl. 144] Unde van X jaren wente to XX
jaren so is dat in eynen ponte unde van XXX jaren wente to
XL jaren so blift dat in eynen stade unde vormynret syk
nicht. De jonghen hebben ere breghen groyende unde versch
unde de olden hebben droghe breghen. Darumme so en sien
de olden also klar nicht, also de jonghen. Unde alle groen-
heit maket gud licht.
(350) De konnigh vraghet: Welk is de schoneste
vogel? Sydrack secht: CCCL Dat is de hane. Wente he
heft in syk vele gudes, des andere vogel nicht en hebben.
Dat eerste is, dat he ghekronet is. Dat ander, dat he
sporen heft.
Dat derde. dat eme god to bekennende heft ghegeven de
stonden des daghes unde des nachtes. Unde he is meer ghy-
rich upp syn wyff dan enich man. Unde he is milde. Wente
he scherret dat korn unde gift dat synen wyven. De hane
maket ok stryt unde vechtent myd den anderen hanen umme
de meysterschopp unde we den anderen vorwynnet, dem doeu
de anderen ere.
(351) De komigh vraghet: Welk is de schoenste
beeste. de men vynt? Sydrack antwordet unde secht:
CCCL Dat is dat pert, wente myd dem perde helt men de
lant unde alle de werlt herschoppet myd dem perde unde dar
mede vynt men ere unde lande. Darumme schalmen dat pet
prysen unde left hebben.
(352) De konnigh vraget: Welk is de eddelste
vouhel, de de vlucht? Sydrach secht: CCCLII Dat»
de ymme?. De jaghet unde arbeydet dat vordeil des mynschen
unde et van allen blomen unde dryncket dar uth de soticheit
vormiddelst den willen godes unde maket den honich, 4°
mede men den mynschen ghesont maket van wedaghen. Unde men
202
Unde dar schal eyn olve born upp sprenghen uth der erden.
Unde dar schal dan vrede syn over alle de werlt. Unde de
heesten scholen spreken. De voghele unde de vissche scholen
syk vrouwen. Unde de duvelen scholen syk bedroven. Unde
over achte daghe na syner ghebort schal he besneden werden.
to eyner openbaringe, dat he ware god unde ware mynsche is.
(358) De koningh vraghet: De sternen unde de
teykenen, de danscholen scheen, wat bedu
den de? Sydrak secht: CCCLVIIT De sternen beduden de
mynscheit des waren propheten. Darumme mach se wol sun-
derlinghes clar syn. De rvnck umme de sonne bedudet syne
sote wotheit. De varwe van den roden purpuren bedudet syne
passve unde pyne. De borne des olves bedudet syne barm-
herticheit. De pawes! de bedudet den waren vrede. de ghe-
boren schal werden upp dem ertryke. dat he sulven schal syn.
De beesten, de dar spreken scholen, heduden dat unghelovighe
volk, dat syk bekeren schal to dem waren propheten. De
duvele scholen syk bedroven, darumme dat he de ghene is
de de helle to breken schal. De beesten, de voghele unde de
vische scholen vroude hebben. darumme dat ere schipper de
mynscheit an syk ghenomen heft.
(359) De koningh vraghet: Also godes sone schal
sheboren werden. schal he ok meer weten dan
eyn ander kint? Sydrack antwort unde secht: CCCLA
Jaa. In der stonde also he gheboren schal werden, so schal
he weten alle dink ghelvk gode. Wente in eme schal wesen
alle wisheit. de ye upp erden is ghewesen unde ok noch ko-
men schal. Unde he schal moghen doen alle dink. Unde he
schal holden alle de nature des mynschen sunder sunde.
(360) De konnigh vraget: Schal de godes sone
oksyneynschone kint? Sydrak secht: CCCLX He
schal syn evn ghar schone kint, wanner he sprekende wet
myd synen jungheren uppe dem berghe Tabor. Dar schal
syn antlaet schynen also de sonne unde syne kleyder scholen
wit schynen also de snee unde he schal syn eyn hoch persone.
(361) De koningh vraghet: Schal de godes souf
enich hus hebben upp ertryke? Sydrack secht:
CCCLXT He schal hebben eyn hus upp ertryke dat schal hesten
212
gheloven in god van hemmelryke. Do entboet eme komigh
Garab wedder, he wolde doen allent wat he wolde. Unde do
keerde syk konnigh Garab tho gode unde to brack alle syne
affgode, de he hadde. Unde eer konnigh Buctus starf, so
bekeerde he alle syn land unde vele anderer lande unde vele
provincien myd dem rade synes wysen meisters Sydracks.
Hyr nemet dit boek synen ende, des wysen philosophi unde
astronomus meisters Syderacks, de dar vele gheleert heft in
der werlt. Nuw bidden wy ghemeynliken gode dem sehepper
van hemmelryke, dat he uns gheve syne gnade, dat wy mo-
ghen vorstaen des wysen philosophus Sydrack bock, dat dar
leret unde wyset to der ere des lichames unde to notticheit
der selen”. Amen.
God sy ghelovet van hemelryke
Unde syn ere ewichlyke,
Dat he my also langhe sparde
Unde my mynen syn bewarde,
Dat ik dit bock uth screff
Unde myn syn doch stede bleff
To Copenhaven in der stat,
Dar mennich werdet sat
Beyde van speyse unde van drank.
God de hebbe ewichliken dank!
Nuw bidde wy den hemmelschen god,
Dat he uns gnedich sy sunder spot
Unde gheve uns syn ewyghe ryk
Des bidde wy alle ghelyk.
Vullenbracht unde ghescreven
Upp sunte Magnus dach? sunder sneven
Na godes ghebort
Dusent vierhundert also vort
In dem LXXIX jaer.
God unse lyff unde sele bewaer
Nuw unde to alre tyt
Und make uns van allen sunden vry unde quyt!
Amen segghet alle to samen
In godes namen Amen.
zeugen der apokalypse (gesetz und evangelium) werden zuerst im evan-
gelium Nikodemi cap. 25 auf Henoch und Elias gedeutet. Vgl. Grimm,
d. mythologie. Simrock, Lucidarius 436: Die reichen bringt er durch
grosses gut an sich. Die armen gewinnt er mit drohungen und un-
gerechtem urteil. In den italienischen und französischen texten, die
Bartoli benutzte, stehen vor dieser frage 6 capitel, bei Bartoli 526—31,
welche von Muhamed, Karl dem grossen und den kreuzzügen handeln.
Der Antwerpener druck v. j. 1564 hat dahinter ein capitel 396, wel-
ches beginnt: Sidrack antwort: Hi sal zijn een leelic geschapen arm
man een herder ende een hoeder van kamelen. Ende sal mitten duyvel
wercken ende en sal int begintsel niet meer dan 40 mannen van mach-
ten hebben. En met rade des duivels sal hi belieghen ende veel volcs
verleiden. Cap. 397 heisst es: Sie sullen een tijd houden daer nae
salder een conincrijck zyn in Vrancrijk daer goede lieden sallen zijn en
ghelovende in Gode. Ende dar na sal der een Coninck zijn dye Karel
heeten sal die dat volc die quade Sarasinen destruere sal.
373, 2. Evang. Matth. 24, 22.
376, 1. Der ursprüngliche text deutet das tal allegorisch Bar-
toli s. 518: In una valle. La valle significa questo mondo; et lo
monte di questa valle e lo cielo. ,
380, 1. Auch der anfang dieser frage findet sich im dänischen
Lucidarius s. 60 f.
387, 1. Diese frage findet sich nicht bei Bartoli und ist wohl
später hinzugefügt.
Schluss 1. Der bau des turmes knüpft wohl an die stelle im
Hirten des Hermas an (Hennecke, neutestam. Apokr. s. 235). Das
auftreten Sidrachs erinnert an das auftreten des apostels vor dem kö-
nige Gundafor in den Thomasakten (Hennecke s. 481).
2. Dieser abschnitt auch in einer italienischen und in der alt-
französischen hs. des Sidrach Cod. Riccardiano no. 2758. Vgl. den
bericht über die Hamburger nl. hs. in De Taal- en Letterbode III,
65 ff., wo s. 69 auch das vorbild zu den schlussreimen unser hs. ab-
gedruckt ist.
3. Der 19. august.
Sidrach. 15
Zur Sprache des Sidrach.
In dem texte, welchen der diinische schreiber aus dem Nieder |
liindischen übertragen hat, dürfen wir im ganzen die niederdeutsche |
sprache wieder suchen, wie sie im 14. jahrhundert in den Kopenha :
gener kreisen, die mittelniederdeutsch verstanden oder doch in Nord `
albingien gebräuchlich war. i
Freilich verrät der übersetzer in einer reihe von punkten ein
leichte unsicherheit in der handhabung des niederdeutschen, E
bildet den plural wyffs (weiber) s. 19, der gewiss nie existiert hat
Er schreibt mans (männer) neben mannen, eyn sones de du
vels s. 47. Den plural von sone (sohn) bildet er vier mal in der
form sones, soens s. 18, 19, 26 u. frage 12, 151. Er hielt wahr
scheinlich einen endstrich des e seiner vorlage für ein s und da e
die niederdeutsche form söns bereits im gewöhnlichen verkehr ge
hört hatte, so konnte ihm „dat meiste part sones“ und „ghewan he
sones unde dochtere* in die feder fliessen. Auch die form he leet
(er lässt) s. 72 u. 6. ist ganz stumpf statt des richtigen he let ge
setzt. Ja er macht sogar aus diesem ee ein ie: he verliet (er ver
lässt), weil er im übrigen statt des mnd. ê häufig das mnl. und jè
tische ie verwendete. Er verwechselt sitten mit setten: ‚dl
ordele sitten“ 379. Statt dringet schreibt er drinket in &
erde 30. Er schreibt wusch (wuchs), gewassen (gewaschen) 4
u. 2 ghevenkenisse s. 32 Von dem seltenen strang (stat)
bildet er einen plural stranken 104. Statt dat en schreibt e
dan en, statt da by: dat by, statt wo dat: wot dat, sit
annemen: annamen. Statt unte dem (bis zu dem): unde lo
den s. 20.
Diesen kleinen versehen schliessen sich hochdeutsche &
miniscenzen an, wie ritter 44 neben riddere s. 21, beholteniis®
s. Y yhestaltenisse s 33, vorstantenisse 185: a Zit
vorstetest nach dem ie des hochdeutschen verstiessest gebildet
An einigen stellen zeigt sich einfluss des Dänische:
Varen (währen). 190, vaken (wachen) 108, vyn t (wind) 101. Ver
doppelung des auslautenden konsonanten, um die länge dea vorhergeber-
229
83, de dink 40, ere kint 83, syne wort s. 24, die wohl hoch-
deutschen ursprungs sind.
Das m des dativ sing. der st. adjektive ist sehr oft zu gunsten
des n vermieden. Van eren willen 86, van guden herten 88,
van synen bosen herten 9.
Auch das r der femininendung fällt ab: Na ere macht 83, in
are moder licham 342. Dagegen die st. genetive: vul quades
willen 86, quades dodes s. 31 eynes anders raet 316,
gudes hoghen 81.
Dem nördlichen Niederdeutsch gehören an die zahlenformen:
soste, soven, sovende 13, sowie swommen 48, vinsteren
(fenster), schipper (schöpfer) 4 u. ö.
Den niederdeutschen laut von á drückt der schreiber bisweilen
durch o aus: hor (haar) 23, 150, 182, 263, molet (malt) 276, mogh e
(verwante) 183, woraftich s. 34, vorwor 177, 188, 267.
Nach e und o setzt er in der regel einfachen konsonanten. Je-
doch schreibt er regelmässig hemmel, auch konnigh, honnigh,
nedder, wedder (wetter), entleddighen.
Glossar.
Die zahlen beziehen sich auf die fragen, bei wörtern der einleitung
und des schlusses muf die seiten.
adere £ 1) rippe einer panze
315. Bei Bartoli: il grano.
2) arena. y 70.
affgrunde n. abgrund s. 32;
104, 185.
afflanghen, erlangen bl.
uffecheydinghe f. abechei-
dung 21.
aldusedan, solch s. 30; 57,
allent, alles s. 35 u 0,
almechticheit f
19, 258.
almysse f. 1) almosen, 90, 266,
545. 2) Barmherzigkeit, im ge-
gensatz zu sünde 48,
ampt n. handwerk 203; am-
bacht, amt 7, handwerk 252.
anich, frei von? 105.
annamen, annehmen s. 2; 93.
anschundinghe f. anreizung 59.
antworden, überantworten 21.
anverdinghe f. angriff 84,
anwyser m. ratgeber s. 20.
arch, n. arg 21, 96.
arghen, beschädigen 112.
arke f. kasten, aa 130, 287.
astronomye f. astrologie s. 20;
23, 26 f., 46, 112.
aventure f. mühe, zufall, aben-
teuer; by aventure(n) = franz.
i l'aventure 20, 156, 209, 326.
almacht
basunen, posaunen, mnl. bo-
sinen 75 (s. 82), 370.
begheren, begehren 60, 184.
begrypen, ermahnen 85,
behende, fein, listig 16, 251.
behendigheitf klugheit
30
5. 36; 319, 372.
bekennen, erkennen 60.
bekoren, versuchen 11, 265,
bekummeren, belasten 30,
beleyden, beweisen 198.
beloven, vertrauen 95,
beorlogen, bekri a H
bequem, passend 231.
beren, hervorbringen 382.
berichten 1) lehren e, 20; &
21, 47. 2) rechtsprechen 268.
berndinghe f brand 110.
berorynghe f. bewegung 111.
beroren, beunruhigen 65,
beruwen, bereuen 9.
berve, tüchtig 51, 261.
bervichey t. tüchtigkeit 85.
besmitten, besudeln 159, 363.
bespotten, verspotten 315.
be(e)ste, bieste f. tier s. 29 u. 5.
bestedighen, setzen 45.
besturen, ordnen 46.
betyghen, zeihen 114.
bevlecken, beflecken 225.
bevruchten, fürchten s. 36.
bewaren laten, gewähren
lassen 199.
bewegere, m. der beweger 84.
beweynen, beweinen 12, 182.
bewyroken, beweihrauchen s. 30.
byna, beinahe s. 31; 372.
blase f. die blase (vesica) 305.
blasinghe f. der hauch 74.
blek, bleich 145, 173.
blyde, fröhlich 255.
blicken, strahlen 122.
blyncken, blinken, mnd. blen-
ken 368.
|
|
231
em, m. blitz s. 30; 181.
2, f. die weibliche regel 228.
n, heben 142.
men, brüllen 110.
hen n. gehirn 191, 198,
349.
inghe f. nutzniessung 82.
eringhe f. dimmerung
, m. nebel 120.
1, Sinken 144.
‚on doren, wagen 313.
;e f. diebstal 181.
slicheit f. tüchtigkeit 76.
¡hafticheit f. dienst-
zkeit 85, 327.
7ige f. sündflut 248.
r1eit f. dicke 119.
ıteren, disputieren s. 30;
‚20.
m. zielpunkt 144.
e, straff 60.
ftich, töricht 88.
e, wütend 69.
lyven, sterben s. 31; 11.
k, gänzlich 13.
ndıcheit f. wut 09.
ıt f. andrang, gewalt 84,
ker m. trinker 276.
1heit f. trockenheit 111.
2 1) m. tropfen 182; 2) f.
1e, wassersucht, gicht 112.
ich, betrübt 99,
f. tiefe 132.
>r, n. das dunkel 64.
s, m. der tor 87, 183.
lyk, töricht 183, 196.
rottesgesetz s. 19, 23.
:ke, m. bundesbruch 13.
m. igel 204.
am, einig, einzig 60.
'inmal 114.
k, schrecklich 6.
hen, heischen s. 29.
:llik, jeder 139.
e f. ameise 10, 67, 183.
in, ermangeln, fehlen 306.
xerst, m. antichrist 139.
‚nghen, empfangen 22,
Ö.
anghen = entfenghen
rmen, erbarmen 49, 276.
entfenghen, anzünden 76, 110,
202.
entgheven syk, von sich weg-
tun 87.
entholden, aufrecht halten 9,
31, 68, 183.
entkleydinghe f. entklei-
dung 59.
ent-, untmaken, entformen,
vernichten 64, 181.
entreken, wegnehmen 14.
entsachten, erleichtern s. 4;
276.
entschinen, erscheinen s. 37.
entsetten, 1)sich entsetzen 87,
2) retten, erhalten 308.
entswellen, abschwellen 305.
erden vat n. irdenes gefäss
s. 33, 35; 91.
erre, wild 60.
eer, praep. vor 247.
ertse, ärzte 144.
ertsche engele, m. erzengel
eer, praep., vor 37.
ewech, weg 104.
ewicheit, ewigkeit 108.
exempeler m. exemplar s. 22.
| fenynych, giftig 354.
formynghe, statt entfarminghe,
erbarmen 129. Bartoli s. 177,
la misericordia.
fundament n. 116.
gave 221; verlesen für eewe?
ghat n. loch 9, 308.
ghaten, lochen 75 s. 81.
geck, wahnsinnig, albern, geck
270, 301.
geckheit f. narrheit 13, 262.
ghelaet n. ansehen 157, 184.
ghelyke n. bild 28, 39, 54.
gelykerwys, in gleicher weise
s. 23.
ghelockerye f. leichtsinnige
handlung 263.
gheloven 1) glauben s. 33
2) geloben, aussprechen s. 84;
232.
gheneratie f. generation 22.
ghenochte f. vergnügen, böse
lust 101, 173, 196.
gheringe, schnell 20.
gherucht n, hülferuf 375.
geschickelicheit f. 85.
ghesete n. gesäss 75 (s. 81).
232
chesette, n. gesetz 77.
shesinne f. u.n. familie 191, 299.
ghetruwe, mutig 329, 368,
treu 230, 62.
ghewalden, gewalt haben 32.
glorie f. herrlichkeit 22, 147.
gremes, grimmig 82.
gr(e)yselik, grauenhaft 82, 276.
groyen, wachsen 349.
gudertere, gutartig, von gu-
ten sitten s. 32; 329.
gutlicheit f. anmut 85.
hastigh, hastichlik, hast-
lik, eilig 20, 175.
hastich, hastelik.
s. 23.
hechte, n. heft 75 s. 82.
herden, beharren 7.
herschopp? 276 =horschop,
hurerei, welches sonst nicht nach.
gewiesen? Oder mnl.hoorsch-
heit, wüstheit. bosheit ?
hertsenen? 65, 80 f., 84, 108.
Statt diinisch hern-senen,
gehirnnerven? Bartoli s. 154 f.:
cervello.
hoden, hoden 217.
hoghe, m. freude 75, 81, 84.
hogelich, hochlik, munter
60, 82.
hochvart f. stolz s. 10, 28.
hoen, m. schimpf 105.
honichsem, m. honigseim 61.
hopene, m. hoffnung 334.
horn, n. ende, ecke s. 36.
hoveslik, fein, gebildet 321.
humeren, humores, feuch-
tigkeiten, (die vier) stimmungen
199, 212, 232.
husbacken, als bezeichnung
guten brodes 315.
husbonde, m. hausherr, dä-
nisch husbond 26.
zornig
ichteswelk, mancher 70.
inkoment, n. eingang s. 24.
vser(en), n. eisen 102, 276,
jaa — jaa, je—desto, mnd. io 25.
jungelink, m. dreissigjähriger
mann 244,
kan, kanne, schoppen? 114.
canser, krebs 116. N]. kanker.
karbunkele, -bundeke, m.
der edelstein 132.
kastyen. tadeln 86.
katyff, bube s 35.
keer, m. drehung 62, 197.
kyff, m. zank 817.
klerk, m. niedriger geistlicher
x, 22; 201.
cloven, spalten s. 35.
knagen, nagen 269.
kokilie f. muschel 132.
complexie f. naturell 32, %.
60. 65, 154, 173, 196.
constancye f. festland, erd-
teil 133.
corrumperen. huren 22.
krane, m. kranich 230, 260.
krank, zerbrechlich 59, 162.
kreyeren, rufen e. 26; 75.
krysen, kreischen 276.
erunghen, krimmen 13, Vgl
nin]. crenghen, umdrehen.
k u l l (e), m. hode 217, 247,837, Si.
Vgl. Oudemans, Mnl. woor-
denboek III, 574.
kume, kaum 227.
lasure, lasurfarben 141,
leckerye f. lockeres leben 240.
] ef f talli ch, liebenswürdig 292,
29.
lende f. lende 79.
lenk, langer 139.
letmat(e), m. gliedmass 276.
loffsyringhe f. lobrierong
147.
lovede, n. gelübde 370.
lovere, lauh 182.
majestact f. 378, 381.
manere f. art 9 u. ð.
mank, zwischen 72.
manslacht, totschlag 13, 3l:
medecyne f. heilmittel 1%
meynheit f. gemeinde, mer
schenmenge 192,
meynsamheit f. gemeinschat
59.
merer, grösser 7, 275.
myn, geringer 101. ,
mynrebroder, Minorit +. 2:
47.
misstaltlyk, miasgestaltet 42.
moghe, moch. maghe, ver
wante 183, 257, 259.
moghelik, mühsam 107.
moyen, betrüben 18.
moyenisse f. pein 309.
233
oghen(t)heit f. macht s. 30;
1, 17, 116, 250.
‚ortdadich, mordtätig 53.
‚otinghe f. begegnung 124.
alen, nahen 81.
avolgher, m. s. 32.
edderwert, niederwärts 322.
eyer, ni. der näher 218.
eyn, nen, kein 23 u. ð.
ere f. 1) niere 80. 2) Nerf 65
(italienisch bei Bartoli s. 112
le collere nere!).
ıytschopp, gier? 240.
ıochtant, dennoch s. 30; 30,
72, 95.
1r0ttroft f. notdurft 98, 188.
¡ummermeer, nimmermehr
S. 29. .
ıummer gud, kraut „Nimmer-
gut“ 317.
'ghenupslaent n. augenauf-
schlag 26.
irdenerynghe f. ordnung 262.
‚sen, schöpfen 125.
‚verlyden, übergehen 136.
‚versetten, übersetzen s. 21.
‚ver vrouwe f. Oberweib, aus-
gezeichnete frau 83.
verspil, n. ehebruch 281.
padde f., kröte 323.
pauluun, n. zelt s. 29; 75.
pawes = mnl, paes, französ.
paix, friede 358. Vgl. Bartoli
s. 396.
verso ne 360. Im ital. texte dalta
persona, von hohem wuchse.
»ol, m. landsee, seichtes gewiis-
ser 120, pfuhl 363.
‘rime, sw, m. der erste (alt-
franz.) 283.
ırincipatus, regierung 7.
“"rofyt, m. nutzen 20 u. ö.
‚rofıtlık, nützlich 44, 88 u. 3.
»ropheteren, prophezeien 62.
yrovincie f. provinz s. 212,
yuder, gestossenes gewürz 75
s. 83.
yur(e) = rein, 303.
»uren, reinigen 80.
purheit, reinheit 198.
quaet, böse s. 30 u. Ö.
qualik, schlecht s. 34; 42, 48,
254 (von kleidung).
queck, n. vieh s. 29,
racken, von unflat reinigen 309.
ratvragen, disputieren 320.
Bartoli: demando ragione.
rede, grund 64.
redelicheit f. vernünftigkeit
s. 19; 85, 106.
rechticheit f. gerechtigkeit
26, 185.
rechtverdicheit, gerechtig-
keit 49.
reysen, reizen 2%.
rete, plural, spalte, täler 128.
Bartoli s. 177 rocche, felsen,
welches roches der übersetzer
aus dem französischen nicht ver-
standen zu haben scheint.
reverencie f. ehrfurcht 386.
rinck, m. kreis, den eine ver-
sammlung bildet, s. 22.
ryntvleisch 132, 214.
ryseken, kleines reis 297.
roken, sich kümmern 114, 341.
rolik, ruhig 74.
roren 1) sich bewegen s. 7.
2) betreffen 7.
rotte f. ratte 69.
rouwe (ruwe) f. 1) ruhe 44,
106, 185 u. 6. 2) mnd. ruwe,
schmerz s. 28; 108, 266, 308.
sacrenen, weihen 362.
sad, saet, n. samen 60.
salicheit f. lust s. 24.
sangwyn, blutrot 145.
schamferen, unehren 84.
scharren, scherren, schar-
ren 132, 350.
schasseren, verjagen s. 29,
330.
schelnisse, schelinge f.
fehler s. 10; 116.
schem, m. schatten 117.
schemelheit f. schamhaftig-
keit 11.
schermest, n. schermesser 75.
scheten dreck 213.
schickenisse f. gestalt 60.
schipper, schepper m.
schöpfer s. 36 u. 6.
scroder, m. schneider 218.
sedder, seit 67, 339.
seck, trocken 111.
sellynne f. gefiirtin 83, 171.
serighen, verletzen 97.
serpent, schlange 129.
syde, niedrig 104.
syn, m. verstand 303.
synnich, verständig 316.
syr-, tzirheit f. zierde 92, 385.
smaheit f. schmach 13.
smeyken, schmeicheln s. 31.
smytte f. schmutzfleck 85.
ssnide 12 = snode, schlecht ?
sneven, straucheln s. 212.
sod, m. brunnen 125.
sodimicum, sodomie 181.
som(me)lyk, sommigh, ei-
nig 81, 140, 265.
sot, schwachsinnig, als substantiv
der narr 156, 203, 231, 260.
sotheit, soticheit f. narr-
heit 110, 156.
span. n, hölzernes gefiss 125.
gpittal, n. aussatz s, 2; 66, 112.
spittels, aussätzig 66.
steden, zulassen s. 20,
steynen vat. m. steingefiss
s. 97.
steynklippe f. 59.
strank, strenghe, stark 56,
104.
strede, m. schritt 75.
substancie f. substanz s. 30,
34; 1.9.
subtyl(De, fein 16, 107, 2. 46
u. Ö.
subtvlicheit f. feinheit 140,
221
suchten, seufzen 304.
sunde(rik) sunderigh, be-
sonders 87; 293.
swardrachtich, trächtig 78.
swark, wolke 4.
swarnisse f, beschwerde 9.
swygher, m.schweiger 205, 260,
themen, ziemen 92,
temperen, mischen 60, 148,
tyen, zeihen 177.
to, zugegen 114.
tortyse f. fackel 39.
tow, m. das tau 75 s. 82.
trachtinge f. das trachten.
tracteren, handhaben 362, nınl.
tracteren van, handeln von.
tresel, m. schatz s. 21: 15.
tuchtlyk, gesittet 312.
34
umme lank, ringsum 59, 75.
unbevlecket 225.
underdrucken, unterdrücken
47
underwinden, erfassen, über
nehmen 114.
unghent, n. salbe 112, 32
ungetruwicheit f. untreue
237. .
unosel, unschuldig 353.
unnosel yk, unbedacht 316.
untellik, unzáhlig 150.
unvorliket, ungeschlichtet l5.
vaghe-, veghevur, n fege
feuer 178, 243, 275, 279.
vastheit f. festigkeit 111.
vers ch, frisch 349,
vetheit f. fettigkeit 111.
vingherlyn, fingerring
vlammen, flammen 1], 111.
vleghende vur, fliegende
feuer 145, .
voghelcrat, m. vogelgeschre
344
vorboden, bestellen s. 23.
vorbolghen, stolz, erzürnt 2.9.
vordelghen, vertilgen 46.
vordomen, verurteilen 35, 2.
vordrachticheit f. gedold
40, 64.
vordupen, untertauchen 8l.
vorerren, erzürnen s. 36.
vorgheven, vergiften 130.
vorkoveren, ersatz gewinnen
55.
vormiddelst, wegen 6 u. ù.
vornoften, vernünftig mə-
chen 80.
vorquaden, schlecht werden
105.
vorretnisse f. verräterei 63.
vorsichticheit f. die vor
sehung s. 19.
vorsynnen, erkennen s. 4.
vorschonen, verschönern 222.
vorslynden, verschlingen 380.
vorspillen, vergeuden s. 2.
vorstand, verstehend, verstän-
dig 302.
vorsubtylen, verfeinern 215,
252.
vorsuffen, die besinnung ver-
lieren s. 211.
vorsuth, siedet 212,
235
‘en, verzichten auf s. 34,
177, 380.
ren, entsetzen s. 23.
2rschen, erfrischen s. 28.
alkoren, bewilligen s. 19,
erden, vergehen 31.
y t, vorwurf s. 26: 83.
yten, vorwerfen, hohn
shen 156.
oden, wútend werden 69.
ik vgl. anm. 183, 1.
r, vreter,'m. fresser 77,
o rden, genehmigen 11,
echtich,
ıbar 338.
+, beinahe s. 30.
vollkrüftig,
vurdrake, feuerdrache 70.
wade, dänisch vaede, feuch-
tigkeit s. 24.
warmheit f. wärme 32.
wat, denn. Verschrieben für
wente ? 305.
weickheit f. weichheit 289.
werkinghe f. wirksamkeit 67.
werlyk, weltlich 26, 98, 225.
wérliken, wahrlich 23.
werle?, fir (ye) werlde, je-
mals 364 (Mitt. von C. Walther).
wetenheit f. wissenschaft s. 20.
wynnynghe f. gewinn 310.
wyten, vorwerfen 325.
woe-, (wol)-danicheit f. ei-
genschaft 9, 33.
wreken, rächen s. 24; 43.
wroghinghe. anklage 22.
>
236
Personennamen- und Sachregister,
Abel 12, 388.
abgötterei 54.
ackerbauer 19.
Adam, seine sünde und erlösung,
10 ff., 18, 21, 87, 40, 62,
— erschaffung 283, 221.
— lebenslänge 18, 244,
— sein erstes wort 386.
— sein tod 18.
adel 5l.
adler 51.
atte 350.
Alexander 75.
alter 262.
amazonen 75,
angesicht 373.
Antiochia s. 22,
apfel des paradieses 264.
apostel 39, 46.
arbeit 89, 106, 183.
—, weibliche 309.
— um der kinder willen 183.
arme 56, 89, 91, 99 f. 177, 314,
326.
Armenien 288.
asche als zaubermittel 69.
astrologie 348.
auferstehungsleib 383, 385.
auge 200.
ausschlag 66.
aussatz 66, 112.
Babal, Babilonia 54, 373.
bär 350.
barmherzigkeit 289, 291.
baum, vergleich mit dem herzen
232.
— im paradiese 282.
baumgarten, vergleich 39, 59.
beichte 209.
bekenntnis 261.
berge 128.
bevölkerung der erde 364
biene 352, |
blut 24, 29, 31, 148, 202. 297.
Boctus s 20 u. 6
böse, ihre kennzeichen 59.
— ihre weisheit 296.
brücken, gleichma von xwa
br. 59.
Unldea a 20, d
Christus, geburt m, vorzeichen
357 £.; 17.
— wesen 16.
— weisheit 359,
— schönheit 360.
— höllenfart 237.
Consoaum-Corboam-Cor
thiel, erdteile 10,
Copenhaven s. 212.
Cordres = Todrus s. 22.
cyclopen 75.
D an 373.
dankbarkeit 158.
Dimittere = Demetrius s. 21.
ding, das sicherste u. unsicherste
41 f., 69.
— das schlechteste 63, 69.
— das dunkelste 184.
dinge, ewig? 4, 67.
— ihre benennung 352.
Dominikaner 47.
donner 122.
dreifaltigkeit s. 20, 33, 37;
ebenbild gottes 28.
ebräisch 163.
Ebron 11, 12; 285.
ehe 85 ff, 109, 171, 229 ff., 823.
ehebruch 193, 174, 299 f., 323.
ehre 98.
ehrerweisung 99, 110, 157,
166, 170.
eid 9.
einfältige im jenseits 35.
eisen, gleichnis von 2 eisen 121.
elemente 9, 32, 55, 68, 306.
eltern und kinder 256.
empfängnis 60, 66
mmomeuss. 21..
engel, ihre erschaffung, formen
und dienst 6 ff, 17, 115, 137,
152, 206, 211 f., 931 £. 271€, 236.
Enoch 240, 373.
epilepsie 199.
erbs finde 285.
erde, reise um die e. 134; 333.
erdkunde 133.
E va s. 29 f., 32; 11, 388.
excremente 215.
fuckel 50.
falschheit 184,
familie 178, 208.
farbe der kleider 331.
— der tiere 78.
— der haut 76, 210.
fegefeuer 21, 178, 275.
feıgheit 65.
feinde 311, 313.
feindesliebe 58, 176, 207.
feuer 30, 159, 224.
feueranbeter 75.
firmament 113, 116 f,
147, 187 £.
fischteich, gleichnis 25.
fleiss 225.
fleisch 211, 347.
folter 267.
frauen gleichen baumreisern 297.
freude 160, 255, 257, 290, 297.
— der seligen 385.
freunde 45, 88, 259, 298 f., 312.
fronleichnam 362 f.
frúchte 68.
135,
alrap, monat 283,
araab s. 23 ff., 211.
gebet 38, 336, 368.
gebote 40.
geburt 6l.
geburten, ihre zahl 150.
gedanken 198.
gegenfússler 117, 186.
gehirn 349,
geistlichkeit 46 f.
gelehrte 195.
genesung 100.
gerechte, ihr aussehen 53.
gericht, jüngstes 8371—82.
geschlec tsleben 161, 202,
210, 227, 242, 305, 307, 322,
337 f., 342.
gespenster
279.
gesundheit 44.
gesunder ort 192.
gewitter 122.
glaube zur zeit Christi 38.
gläubiger 321
glied, das schönste 200.
— das sorglichste 222.
goldl
gottei censchaften 1—3.
— erhaltung der welt 73.
— barmherzigkeit 150, 182.
— gnade 367.
— milde 167.
— zorn 367.
— unergründlichkeit 164.
— anbetung 165.
— anblick seiner werke 258.
gottlose 341.
Griechen 372.
grimm 81.
rússen 170.
umaf, erdteil 10.
sind teufelstrug
haar 263.
hagel 121, 132.
handwerke 218,
harfenspiel 346.
hastigkeit 175.
hauptsúnden 13.
heiden im jenseits 35.
heimat 109, 155, 315, 318.
Helyas 240, 373.
heere, kämpfende 162.
herrschait 49.
herren und ihr recht 268, 329 f.
herz 84, 332.
himmel 141 ff. 365, 368.
hitze 254.
hoffnung 334.
hölle 21, 37, 257, 274—9, 365.
— ihre strafen 276, 345.
— freude der seligen an ihren
strafen 43.
hóllenfart der seelen 137.
hunde 75, 102, 204, 213, 355.
238
hunger 212.
Indien s, 25 f.; 112.
inseln 75.
irrsinn 108, 270,
Yapanien s. 21.
Jacupetret s 22,
jagdvögel 356.
Japhet s. 20, 26.
Jesus, dllwissenheit 359.
— verklärung 360.
Jerusalem 370 #.
Johannes Er. 238.
Jordan s. 21.
Josaphat, thal 376.
jugend 262.
— ewige 368,
junge u. alte 110.
jungfräulichkeit 225 f.
kahlheit 238 f.
Kain 12, 388.
kälte 254.
kauflente 193,
kinder 302, 309, 338,
— ihre seelen 220, 239, 245.
— von bösen 256,
— durch erbsünde defekt geboren
285.
— des nachts geborene 75.
kirche 39, 46, 361.
kleinheit 253.
klima 192,
knecht, entlassener 25,
knochen, mittel gegen ver-
schluckten 214.
könig 193, 329 f.
kraft 319.
krankheit 44.
krautnimmergut 317.
kräuter 10, 124, 208.
Krakabar s. 26 f.
krebs, zeichen 132.
kreuzesbaum 18g.
kreuzeszeichen 378.
krieg 162, 189. 330, 340.
krüppel 269.
kühnheit 69.
künste 107, 201, 218,
lamm 353.
länder der erde 133.
landesherren 329 f.
launen 199.
lebenslänge 70 f.
lehrer, geistliche 197, 201.
e
leib, We y 29—32, 247.
er seligen 385,
Leibesatreatun 267.
leitstern 188.
liebe des nächsten 178,
liebearanseh 87, 96,
löwe, ist 368,
lucifer 6
Lyxeus = Lyon a. 22
Madyan s. 20,
Maria 387.
meere 146,
meermenschen 75,
melancholie 82, 137,
mensch, pura 5
— ebenbild 27 f.
— stinden weg
_ lebenslinge 7
= verschiedmnrtigkelt 75, 38
bis 57.
menstruation 298,
Mercurius 144, 235.
mitternachtsonne 117,
mondfinsternis 189,
mörder 181.
Moses s, 19; 27.
Muhamed 372, Á
mühlenstein 208.
munddiebstahl 48
musëlmannen 46,
Naaman s. 21.
nächstenliebe 40, 165.
nase 221.
natur 74 ff, 131 f., 222 ff., 186 El
neid 68.
neuvermählte 109.
Noe s. 19 f., 23, 26 ff.; 62.
ochse 353,
offenheit 105.
ölbLorn 308.
osten, gebet nach 336.
papst 47.
Palermo s. 22.
paradies 21, 131, 247, 240, 24
perlen 132.
Persien s. 23.
pferd 351.
philosophie-salbe 112.
planeten 9, 72, 111, 144, 234 |
praeexistenz der dinge 17
priester 363.
9
ui
»fropfen der bäume 163.
»rophet, der wahre 387 u. 36.
— der falsche 47, 373.
— des alten bundes 72.
»ur pur 358.
»ygmaen 75.
yuellen 127.
-aschheit 255.
-echt 93, 194, 267 ft.
regen 12, 111, 120.
reiche und reichtum 56 f.
89, 91, 98 ff., 168, 177, 195, 314,
326.
reinheit der seele 138, 198.
reinlichkeit 96, 138.
richteramt 49, 269.
riesen 54.
ritter 44.
Rogygher (Roger) s. 22.
Sabach =. 21.
Salomo 49.
salbe gegen aussatz 112.
salzwasser 126.
Sam s. 26.
Samaria s 21.
Samesis, erdteil 10.
sand 49 f.
Sarazenisch s. 21 f.
Sattorien s. 23.
schlaf 191, 328.
schlangen 11, 70, 130.
schluchzen 304.
schnelligkeit 319.
schöpfung 4 f, 115 f, 282 f.
schwangerschaft 60, 228,
342.
schwarzkunst = schreib-
kunst 107.
schweigsamkeit 260.
see 146, 205.
seele 21 ff., 31f, 41 f., 35, 137,
238, 246 fi, 278, 307.
ihr königreich 45.
ihre leichtigkeit 238.
und leib 185, 247 f.
gute und böse 43.
der ungebornen 12, 51.
der kinder 239, 245.
— der tiere 74.
— der verstorbenen 21,
345, 348, 385.
sehschirfe der kinder 349.
selbstlob 301.
selbstopferung 75.
278 f.,
39
Seth s. 211.
Sybrecht s. 22.
Sydrack s. 20.
sindflut 129 f., 243, 286 ff.
sitten, böse 93.
sodomie 181.
sonne 30, 62, 178,
sonnenfinsternis 139.
sonnenstrahl, an welchem
die seele aufklimmt 114.
sorge 324 f.
speise 80, 168, 300.
sperber 230.
spiel 293.
stände 193.
steine 208.
sterblichkeit 366.
sterne 69, 139 ff., 151, 187 f.
sternschnuppen 140.
Stravon 112 s. 107.
stummbeit 163, 265, 270.
sünde 35, 236. 295, 384.
sündenfall 55, 113.
sündenvergebung 281.
Schwarzes meer 132, 146.
Syrien s. 21.
Tabor 360.
tag und nacht 186,
tapferkeit 64.
taubheit 163, 265.
tausendjähriges reich 47.
temperamente 65.
teufel 207, 274, 339, 354.
tiere 69 f., 74, 350 ff.
— zahl 153 f.
— farbe 78.
-— darf man essen 291.
tierschutz 291.
tiersprache 344.
tierkreis 144, 235.
tod 19 f, 25 f., 29, 32, 36, 104,
109, 202, 307, 334.
todesstrafe 179.
tocratıs = krokodil 83.
Tollen, Toledo s 21 f.
tollwut 69.
totentrauer 335.
transsubstantiation 362.
triunme 280.
treue 62, 64, 310.
Thunis s. 21.
umgang, seine formen 92.
— mit bösen 97, 261.
BIBLIOTHEK
DES
ITTERARISCHEN VEREINS
IN STUTTGART.
CCXX XVI.
TÜBINGEN.
STEN DES LITTER
1905.
ofessor Dr. G. Böhmer in L
Ng A” weh
Dr. Bolte, professor in Berlin. |
Oberstudienrat Dr. Hartmann in Stuttgart.
Director Dr. W. Heyd in Stuttgart.
Dr. Martin, professor an der universität Straßburg.
“a zi } - 1 ,
io. WM m Le
pa wn
an
e
Dr. G. Meyer von Knonau, professor an der universität Zürich.
Dr. H. Paul, professor an der universität München.
Dr. Sievers, professor an der universität Leipzig.
Dr. Steinmeyer, professor an der universität Erlangen.
Dr. Strauch, professor an der universität Halle.
Dr. Tobler, professor an der universität Berlin.
GEORG WICKRAMS
WERKE.
SECHSTER BAND
(TOBIAS. KNABENSPIEGEL)
HERAUSGEGEBEN
VON
JOHANNES BOLTE,
GEDRUCKT FÜR DEN LITTERARISCHEN VEREIN IN STUTTGART
pi
DRUCK VON H. LAUPP JR IN TÜBINGEN.
VI Vorwort.
serliche rat junker Friedrich von Hattstatt hilfreich, dem schon
1535 und 1537 Gregorius Wickram, ein vetter von unsres
Wickram vater, zwei büchlein gewidmet hatte!): an ihn richtete
daher der dichter amı 2. juli 1550 die zueignung seines schau-
spiels, das indes erst im folgenden jahre zu Strassburg bei
Jacob Frölich im druck erschien ?).
Wickrams quelle, das griechische buch Tobit, das in der
Septuaginta-übersetzung des alten testaments unter den apo-
- a
kryphen steht, ist ein im 2. oder 1. vorchristlichen jahrhunden ,
mit entschiedenem geschick komponierter familienroman, der
den in der heidenwelt zerstreuten juden zeigen soll. dass gott
die frommen nie zu schanden werden lässt. Der unter den
Assyrierkönig Enemessar nach Ninive deportierte Israelit Tobit.
ein sohn Tobiels und vater des Tobias, der als musterbild
strengster gesetzlichkeit und werktätiger nächstenliebe geschil-
dert wird, trägt mit geduld verfolgung, erblindung und armut.
und empfängt dafür reichen lohn durch wunderbare heilung.
glückliche heimkehr seines reich vermählten sohnes und ein
langes gesegnetes alter. Seine leiden erscheinen zwar nicht
wie die Hiobs als unmittelbare angriffe des teufels, aber doch
spielt der dämon Asmodaios *) eine wichtige rolle in der hand-
x
festen und gestrengen als beide obrigkeiten diser löblichen statt Tù-
bingen je und allweg, wann wir comoedias gehalten, wo múglich bester
form und weiß die personen der comoedi mit kleider unnd kleinotern
gezierct unnd geschmuckt'.
1) Oben bd. 4, s. XXXII, anm. 7.
2) Diese klaren chronologischen verhältnisse verwirrt A. Wick (To
bias in der dramatischen literatur Deutschlands. Diss. Heidelberg 15%
x. 21 und 155), indem er zwei Colmarer aufführungen i. j. 1550 und 151
ansetzt. Sonst gewährt diese arbeit, für die ich meine notizen m
verfügung gestellt hatte, einen willkommenen überblick über die To
biasdramen, ist aber in den einzelheiten oft unzuverlässig und leidel
an druckfehlern.
3) Als geist der wollust erscheint Aschmedai (‘der begehrende’. ats
dem persischen Aeshına. Kohut. Über die jüdische angelologie un
diimonologie 1866 a. 72) im Talmud (Gittin 68, 1); er wird in der ji:
dischen sage (Griinbaum, Zs. der d. morgenl. ges. 31, 216. 222. Borne
mann, Zs. t.d. histor. theol. 14, 3, 24 f. 1844) zum widersacher Salomos,
in der slavischen zu Kitovras (= xévtavece. Salman und Morolf ed.
Vogt 1880 s. XLVII. Wesselofsky , Archiv f. slav. philol. 6, 394 556
1. Tobias (inhalt). XXI
Wörtlich herübergenommen ist Wickramsches gut auch
die deutsche übersetzung von Schonäus’ Tobaeus, die Bart-
d von Gadenstedt (geb. vor 1570, gest. 1633) 1605
eine Wernigeróder schulaufführung verfasste *). Die über-
Itigung des teufels Asmodáus durch den engel Raphael wird
r in akt 4, scene 4 entsprechend Wickrams versen 3486 bis
37 folgendermassen dargestellt:
b] Asmodaeus.
Oho, hie hab ich meine kett,
Mit der ich viel erwürgen thet.
Es ist itzt zeit, mus aber dran,
Mich versuchen an Sara mann,
Den man ihr heut gegeben hat.
Er muß d[a]ran, ich laß nicht ab,
Mit diesem jungen lawr mus ringen
Und grewlich in umbs leben bringen.
Die braut wil ich zur witwen machen,
10 Das ihr vergehen sol das lachen.
Ich mus hinan, itzt soll es gehn,
Die kammer seh ich offen stehn. —
Pfui teuffel, was schmeckt hie so starck!
In der helln ist kein rauch so arg.
15 Pfui dich, du starcker junger geck !
Ich gleub, du bratst? ein teuffelsdreck.
a] Welcher dir dis gelehret hat,
Den teuftel ohne zweiffl zu raht
Genommen hat. Soll helffen nicht,
20 Mit diesem schwerdt ich dich erstich.
Qu
Raphael in engels gestalt.
Gefangen gib dich, hellscher hundt!
Du hast kein macht zu dieser stundt.
Du must mit, solst in straff und plag
Bleiben bif an den júngsten tag.
*
logsprecher; ‘Prologus recitiert volgets argument’ heisst also: Der
logsprecher spricht das folgende argument. Ebenso missversteht
>k Hannas ablehnung des dankes s. 332: ‘Ihr handt ein schlechtin [!]
hin ghan’ [d. h. mich].
1) Gedruckt Magdeburg 1605 (Weimar. Wolfenbüttel). Vgl. Jacobs,
des Harzvereins 1, 84. 6, 375. Scherer, Sitzgsber. der Wiener aka-
ie 90, 185 —193 (1878). Wick, Tobias s. 45—48.
2) bratest, steht im drucke.
a = Ay
on
1 Braut DES nap ialog
+ Bar
» = ir 2 E ‘ ES AS i
fy | Cr » in | r bear 1 Mil
hosel Ovids) Aras y des Ll Bae akani g zu
und 1556 mit einer anspielung auf Brants ds Narrenschifi e
er wolle wohl einen Teutschherren abgeben, da er so pone
latein in seinem leben studiert habe °). Hätte ihn hier etwa
der gelehrte Colmarer schultheiss Hieronymus Boner oder seines
vaters vetter Gregorius Wickram beraten, so würde der arme
x
1) Vgl. das bd. 2, s. XX über die veranlassung der schrift ‘Vom
ungeratenen sohn’ gesagte. — Über die reiche produktion Wickrams
in diesem jahre vgl. Scherer, Die anfänge des deutschen prosaromans
1877 s. 39 f. 42.
2) Vgl. bd. 5, s. LXXII!, wozu ich nachtrage, dass die namen Cario
und Lucrio aus Petronius herstammen. 3) Vgl. bd. 2, s. XXI.
4) Vgl. bd. 7, s. 3,22. Auch bei dieser umgestaltung der alten
verdeutschung Albrechts von Halberstadt muss er einen gelehrten rat-
geber gehabt haben.
5) Vgl. bd. 3, s. 154, 16 und XXX, wo ich Brants Narrenschiff 1, 28
nachzutragen bitte: ‘Des tütschen orden bin ich fro, Denn ich gar wenig
kan latin” Murner, Vom lutherischen narren 1522 bl. J2a: ‘unsere
vettern ... des tütschen orden.”
2. Knabenspiegel (druck; lesarten.) LXIX
primi Scena prima. Vatter. Son — 981 feind — 983 genühen] 1. ge-
rachen? — 988 Ongehorsam vatter — 1038 im sein — 1048 zún den
— 1132 do] du — 1190 nun] l. nur?
2. akt: 1238 gselochafft — 1260 werest — 1264 das — 1272 laste-
ren — 1275 wider — 1295 beflissen — 1298 feindt — 1305 Neim —
1334 steht in A hinter 1335 — 1346 der halben — 1362 Lottar búben
— 1365 lies nimpst? — 1399 bleiben — 1407 zeh — 1429 mússens sie
— 1452 Ehe — 1463 dein — 1474 1. Odr graufft sein? — 1483 Dann
— 1503 gúts — 1531 andrem — 1533 1. Und dem du rechenschaft must
geben? — 1536 umbhein] ? — 1576 lertst — 1584 einer — 1587 Drumb
— 1591 weder — 1630 gwiß — 1668 steht in A hinter 1669 — 1682
Darumb — 1705 betten — 1713 thäts — 1726 het] l. hit? — 1732 feer
— 1788 zů] z — 1836 den — 1840 het — 1852 mein — 1857 mein —
1862 freünd — 1877 Ehe — 1902 herrn — 1926 Ehe — 1941 glück —
1966 gsitt — 1975 mússend — 1976 weren — 1986 ehrlichem — 2002
Ehe — 2019 lauffens — 2023 gschehen — 2046 trawren — 2050 be-
trübtem — 2070 gesellschafft — 2076 zúgestossen — 2080 gwert —
2089 gthan — 2097 frundt — 2098 Weiß — 2099 sein — 2112 hoff-
meister — 2119 gsandt — 2125 einer — 2135 glaub.
3. akt: 2143 dem — 2151 gesellschafft — 2158 geselschafft —
2166 belonung — 2169 Schweig schweig — 2194 der maß — 2220 bhút
— 2223 hab] I. hand? — 2248 lauffend] 1. lauf du ? — 2322 abtreiben]
l. abreiben ? — 2351 hatzlein — 2379 gewan — 2402 Was — 2405
passs (ebenso 2407. 2413. 2416. 2418. 2419. 2422) — 2408 wett] 1. welch ?
— 2409 Den beden mir]? — 2425 Dem halt]? — 2435 thút — 2443
were — vor 2450 Schneider Knecht — 2457 kein — 2458 zsamen
— 2511 lau en — 2534 thün — 2535 darauon — 2544 gepreisen — 2548
wider.
4. akt: 2569 sol — 2574 weinter — 2611 fründ] frid — 2614
zenckiscch — 2635 gwiß — 2655 dahein — 2659 gericht — 2671 bringen
— 2673 kein — 2685 Darumb — 2688 gstolen — 2711 gebt — 2727
gstolen — 2752 gstolen — 2754 gestolen — 2764 Zwischen himmel —
2766 meinigklich — 2776 muß — 2794 solichs — 2799 ich] 1. üch? —
2816 meinen — 2853 herren — 2862 demselben — 2099 gebott.
5. akt: 2924 won] on — 2971 Heissen — 3005 bein — 3015 Es —
3020 Lteian — 3026 der] die — 3028 nutz — 3035 nit — 3060 So die
eins — 3065 meiner — 3072 zeren — 3080 Meim gsellen — 3082 Ver-
wundet — 3093 nehe — 3133 wentzig — 3138 hnin — 3146 geschicht.
Beschluss: 3185 ligt — 3212 gmút.
=
A
Jezabel und der schulmeister (bl. R3
3. Die bühneneinrichtung zur zeit Wickrams. LXXXI
Dr. Johann begrüsst seine eltern (bl. Gg2a).
Nachtrige. XCVII
Dedekind (Der christliche ritter 1590, widmung), Melchior Neukirch
(Stephanus 1592 bl. A3a), Heinrich Eckstorm (Mauritius 1593 bl. A3a)
und Ludwig Hollonius (Somnium vitae humanae 1605 bl. Hla) vorge-
tragen.
s. XVIII®: Zwei kamele erscheinen auch in dem lebenden bilde
von Jakobs flucht aus Labans hause, das am 18. april 1515 zu Brügge
vor dem jungen Karl V. dargestellt wurde (Remy Dupuys, La triomphante
et solennelle entrée de Charles-Quint en sa ville de Bruges, neudruck
Brügge 1850, tafel zu s. 46). Von einem kamel und einem dromedar,
die 1536 bei der aufführung der ‘Actes des apötres’ im römischen am-
phitheater zu Bourges zu sehen waren, heisst es ausdrücklich, dass
sie mechanische kunstwerke waren (Petit de Jullevlle, Les mystères
2, 132).
s. XXVII*: Eine gereimte paraphrase von Tobias unterweisung
an seinen sohn nebst einer angehängten klage über die sittlichen zu-
stände seiner zeit hat Jörg Brentel von Elbogen verfasst: In disem
Spruch wirdt kurtz verhört, Was der Tobi sein Sun hab glert. Tobie,
am vierten. J. B. Augspurg, M. Kriegstein 1546. 4 bl. 4° (Berlin Yh 2101
und Ms. germ. oct. 267; über eine Weimarer hs. vgl. Matthias, ZfdPhil.
20, 156).
s. XXVII: Weitere aufführungen von Tobiasdramen sind:
1558 München, durch den schulmeister M. Balticus (Trautmann,
Mitt. der ges. f. deutsche erziehungs- u. schulgeschichte 1, 62).
1583 Innsbruck, durch den jesuiten Matth. Triecius (Nagl-Zeid-
ler, Deutsch-österreichische literaturgeschichte 1, 582. 1899); vielleicht
zusammenhängend mit der oben s. XXV erwähnten Wiener hs.
1590 München, schulkomödie (Trautmann, Mitt. 1, 65).
1620 Zittau, B. Crusius drama durch den schulmeister A. Preilius
(gedruckter lateinischer prolog, 4 bl. 4°, in der Zittauer ratsbibliothek).
zwischen 1646 und 1661 Gera, durch den schulmeister J.S. Mitter-
nacht, ‘Von des jungen Tobias hochzeit’ (Mitternacht, Der unglück-
selige soldat 1662 bl. )( 4a).
1674 Brünn, durch jesuitenschüler ‘Des jüngeren Tobias glückliche
hochzeit’ (Dittrich, Geschichte des gymnasiums in Brünn 1878 s. 17).
8 XXVIII: Von Kirmesers tschechischem Tobias (Olmútz,
Friedrich Milichthaler 1581. 5'/ bogen 8°) befindet sich ein exemplar
ohne titelblatt. wie mir herr professor dr. C. Zibrt freundlichst mit-
teilt, in der königlichen museumsbibliothek zu Prag. Das personen-
verzeichnis lautet: Tobiaš stary otec, Hanna matka, Tobiáš mlady
syn, Achior, Nabath mčštáné mista Ninive, Azariaš angel, Raguel otec,
Hanna matka, Sara dcera, Daniel služebník, Agar devka služebná, Sy-
meon, Gedeon mčstáné mésta Rages, Asmodeus, Tartareus čerti.
Wickram VI. g
Inhalt.
Inhalt.
Vorwort: 1. Tobias (inhalt, drucke, lesarten) .
2. Knabenspiegel (inhalt, druck, lesarten) .
3. Die biihneneinrichtung zur zeit Wickrams
Nachtrage
Tobias (1551) .
Thomas Schmids zusätze (Heidelberg 1578)
Zusátze der Sanct Galler bearbeitung (1580) .
Zusátze Johann Yetzelers (Schafhausen 1605)
Der jungen knaben spiegel (1554)
XCIX
Seite
LIX
. LXX
. XCVI
176
194
237
Ein Schön Vnd
Nutzlichs Biblischs Spil /
von dem Heyligen vnd Gottsférchtigen To-
bia. Allen frummen Gottsseligen Christen
Jung vnd Alten gantz fruchtbarlich zü lesen. 5
New gespilt / Von einer Ersamen Burger-
schafft / in der löblichen Reichsstatt Col-
mar den vij. vnd viij. Aprilis. Ge-
dicht durch Jörgen Wickram
Burger zü Colmar. 10
Holzschnitt: Der alte Tobias
im sessel, nach seinen augen fassend ;
über ihm die schwalben im nest.
Vor ihm stehen seine frau und
sein sohn.
Wickram VI. 1
Tobias, widmung. 5
die gantz history durchauß zü der forcht [A3b] gottes manung
thüt, die lieb des nehesten fürdert, wie und was gstalt man
gastung halten sol, die jungen, wes sie sich gegen den eltern
halten soln, freündtlich underweiset, wie man sich in ehelichen
stand begeben und leben soll, zür gedult gar tröstlich ermanet, 5
und stercket, und auff die letzst, was unser entliche hoffnung
in disem ellenden jamerthal sein solle.
Sollichs habe ich als ein einfaltiger dichter auß sonder-
licher neygung, so ich zi ewer veste hab, ewer veste züeygen
und züschreiben wöllen; bitt hiemit, ewer veste wölle solche ı0
mein ringe gab und schlechte schenck in gnaden annemen.
So dann gott gnad gibt, will ich mich in einem mehrern und
grössern gegen ewer veste befleissen. Befiehl hyemit ewer
veste in den schirm gotts des allmechtigen; der wöll ewer
veste sanipt deren ehegemahel und kindern in langweriger ge- 15
suntheyt erhalten.
Datum in der löblichen reichsstatt Colmar den 2. tag julü
anno 1550.
Ewer veste allzeyt underthenigster
Jörg Wickran, . 20
dichter und burger zú Colmar.
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Masse
Hoffmeyster Hilcka
Cantzler Abel
Kemmerling
Marschalck Raguel
3 trucksessen Hanna, Raguelis weib
Schenck Sara, Raguelis tochter
Credentzer 4 knechte Raguelis
Koch Jesabel ;
Narr Bersabea | magos Rages
Herolt des kiinigs Abraham
14 trabanten des künigs Samuel | freunde Raguelis und
2 trabanten Simri Saphira deren frauen
2 trabanten Sisarach Thamar |
Bettler 2 nachbawren Raguelis
Nimroth, ein heyd 2 nachbewrin Raguelis
Der ander heyd
Gabel
Tobias der alt Gabels weib
Hanna, Tobie haußfraw Gabels knecht
Tobias der jung Gabels magdt.
“A
Tobias, vorspiel.
Erster Tag.
Vorspiel.
[A 4a] Der tetiffel.
Hört, ich kumm auß der hell ein bott
Von Lucifer, so mich gsandt hott
Herauff zi euch auf helle tieff.
Er hatt euch gsendet disen brieff
5 Und bitt euch, das ir solcher gstalt
Wölt handlen. Drauff hört sein inhalt!
(Der teüffel lißt den brieff.)
Ich Lucifer, ein küng der hellen,
Auch deren, so darnach thündt stellen,
Mein gräß und willig dienst dabei
10 Sei kundt eim yeden, wer der sei,
So allweg vollstreckt mein begeren
Und thüt mich meiner bitt geweren.
Wissen, das mir ist worden kundt
Von einem spil, so man yetzundt
15 Zü Colmar spilen will geystlich!
Daran hab klein gefallen ich,
Hets gern ghindert vor ettlich tagen ;
So hand sich andre gschefft zútragen,
Das ich zú euch nicht kommen mag.
20 Send doch mein diener disen tag,
Das er euch ewer ghorsamkeyt
All erman, das ir seind bereyt,
Keiner under euch schweige still,
Auff dem platz treiben unzucht vil.
25 Mein gsandter bott, wie im gebürt,
Euch trewlich darzi-helffen würdt.
g Georg Wickram;
[A4b] Thünd, allsam seyt ir tobendt, tosen
Und stellend euch, als werdt ir rosen,
Damit die umbstender die sprüch
% Nicht hören! Solchs begere ich
Noch heüt allweg und alle stund.
Von mir Lucifer, dem hellschen hund,
Gegebn in dem fiinfftzigsten jar
Am einunddreissigstn marci zwar
In unserm hellschen schloß und hauß,
Da leüchts hellsch fewr züm fenster auß.
(spricht weiter:)
Nun habt ir all den brieff vernommen,
Dem wöllend all fleissig nachkommen.
Dann ich würd auff ein örtlin stan
Und die all fleissig zeychnen an,
Die treiben so ein üppigs wesen;
So kan ichs meinem meyster lesen.
Der herolt.
Zi lob der höchsten trinitet
Und ir göttlichen majestet,
Auch allen selign in dem herren
Und unser magistrat zü ehren,
Einer löblichen burgerschafft,
Ehrnwerden frawen tugendthafft,
Auch züchtigen junckfrawen reyn,
50 Erbaren knaben in gemeyn
Hand wir uns z dienst fretindtlich verpflicht
Zü spilen ein biblische gschicht.
Mit gottes hilff die handlen wend
Den anfang, mittel und das end.
[A5a] Darauff solt ir all mercken wol;
Dann diß spil stecket tugendt vol,
AM tugendt, zucht wiirdt hie geprisen,
Hie mag auch werden underwisen
Ein yedes mensch, so hat verstand.
60 Drumb bitt ich, das ir achtung hand,
Was hie einander nach gebiert |
Gespilet und gehandlet würdt.
x
=
=
—
En
Tobias, vorspiel.
Das wöllend fassen, bhalten wol:
Zierst die jugendt mercken sol,
65 Wie die soll vatter, miter ehren,
Ghorsam sein ihrn gebotten, leren.
Du haußvatter leer auch hiebei,
Wie du solt halten gasterei,
Was gest man darzü laden soll;
70 Nicht die sind rosen taub und toll
Und sitzen biß umb mitternacht,
Hand weder zucht noch ehren acht
Und thünd nur iren Bacchum ehren.
Hie mag man von Tobia hören,
75 Als er sein son thüt schicken auß,
Was gest er bringen soll zü hauß,
Nemlich die sind gottsförchtig, frumb.
Ir werd auch sehn in einer summ,
Wie barmhertzig Tobias gwesen,
80 Als er die todten auff thet lesen;
Wo sie dauß auff der strassen lagen,
Thet er sye zür begrebnuß tragen.
Als in anplotz ein leiden gschwindt,
Das er an seinem gsicht ward blindt,
& Blib er gantz dultig in seim leiden,
[A5b] Ungdult und zorn thet er vermeiden,
Wie ir das werden sehen wol.
Weiters die jugendt lernen sol,
Wes sie sich fort soll fleissen meh,
% So sie erst greiffen zü der eh.
Du schwiger und du schwäger hör,
Wie du deim kindt solt geben leer,
So du im gibst ein mann odr weib,
Damit frid und lieb bei in bleib!
% Merck auch, wann dich groß angst bestoht,
So rüff gott an in deiner not,
Traw im, er würdt dich lassen nicht,
Der dem Tobia gab sein gsicht!
Zületst merckend auch an dem end,
100 Wie Tobias sein testament
10 Georg Wickram,
Beschleüßt! Drumb bhalten seine leer!
Es würdt euch rewen nymmermehr.
Dann wie ich vormals binn gehört,
So würdt hie gar vil tugendt glert.
15 Damit ihr abr anfang und end
Dest baß verston, das argument
Würdt man euch yetz erzelen vor.
Drumb hört den argumentator!
1. akt, argument.
Argumentator.
Es was ein mann mit namm Tobias,
10 Auf dem stamm Naphtali er was
Auß einer statt gelegen da
Inn dem obren Galilea
An der strassen gegen Aser
Zür lincken handt gegen dem môr.
[A6a]Der zeit er auch gefangen war
Vom Syrier-ktinig Salmanassar.
Wiewol und er gefangen was
An der frembd, hit er sich doch, das
Er von gott nymmer ab thet fallen.
1% Sein hab und git theilt er mit allen
Seinen mitgfangnen brüdern gleich,
Auch mit verwandten arm und reich.
Wiewol er was der jüngst an jaren
Auß dem stamm Naphthali geboren,
12 Hielt er sich doch nicht kindisch gar,
Da andre lieffen hin und har
Den gülden kälbern opfferand,
Welch gmacht Jeroboam (verstand),
Der ettwann küng in Israel was,
130 Hat er gäntzlich vermitten das,
Sich ghalten zim tempel des herren,
Thet gott zü Jerusalem ehren
Und bett den gott Israel an.
Er gab auch als ein grechter man
135 Sein ersten zehenden trewlich,
a‘
Tobias, 1. akt, argument.
Im dritten jar er auch gwißlich
Den wittwen, weysen, frembdlingen
Thet reychen iren zehenden.
Solchs als von jugendt auff er hielt,
140 Nach dem gesatz des herren wielt.
145
Bald er zü seinen jaren kam,
Nam er ein weib auß seinem stam,
Welche mit nammen Hanna hieß.
Ein kindlin in gott werden ließ,
Welchs kindt er auch Tobias nannt.
[A6b] Alsbald der knab kam zů verstand,
150
160
165
170
Zog er in auff gotts wort und tugendt,
Lert in gottsforcht in seiner jugendt,
So das er mit die stind allsamm.
Als er nun und sein gantzer stamm
Mit seinem weib und son so zart
Gefangen weggefüret ward
In Ninive, die mechtig statt,
Und alles volck yetz gessen hat
Von spey& und dem opffer der heyden,
Ward er diß als mit ernst vermeiden,
Das er sich nye verunreinet,
Den herren auch von hertzen thet
Fórchten. Da gab im gott vil gnadt
Beim künig, die sunst kein jud hat,
Die da mit im waren gefangen.
Also er ist herummergangen,
Kam er in Meden in ein statt,
Zehen pfundt silber bei im hat,
So im der künig hat verehrt,
Bei Gabel, seinem freünd, einkert,
Der auch auß seinem stammen war
Frumb, grecht, lebt doch in armüt gar.
Das silber lieh er im alssam,
Nichts dann ein handtschrifft von im nam.
Demnach lang, als der künig starb,
Sein son nach im das reich erwarb,
Welcher den juden seer feind was
11
12
175
Georg Wickram.
Und gar ein grosser judenhaß,
Da gieng Tobias täglich rumb
Zi den Israeliten frumb,
[A7a] Theylt sein güt mit in, tróst sie all,
1%
205
Die hungrigen speißt er zümal,
Den nackenden er kleyder gab,
Die erschlagnen trüg er zü grab.
In dem der küng erschlagen ward
Umb seinr gottslestrung willen hart,
So das er auß Judea floh.
Als er nun wider ins landt zoh,
Wardt er erst grimm, übt grosse nodt,
Schlüg vil Israeliten z todt.
Dern thet Tobias vil begraben,
Wo er die leichnam mocht gehaben.
Da die red für den künig kam,
Nam er im sein güt alles sam
Und hies Tobiam schlagen z todt.
Da enthielt er sich in der nodt
Gar nach bei fünffundviertzig tagen;
Zületst der künig ward erschlagen
Von sein eygnen sönen ellend.
Da kam Tobias [widr] behendt
Zi hauß in all sein hab und git,
Theilt das auf mit willigem mút.
Hiemit seind still und nemendt acht
Und merckend, wie das spiel anfacht!
l. akt, 1. scene.
(Tobias der alt, Aser, Achior, Nabath, Juda, Mosse.)
Aser, ein jud.
O lieber freündt Tobias, hör,
Frölichen würd ich nymmermehr.
Die ursach will ich sagen dir:
Newlich hat man verkündet mir,
Wie der künig Sennaherib,
Welchn gott auf Judea vertrib
[A7b] Und macht in flúchtig gantz und gar
210
Tobias, 1. akt, 1. scene.
Umb sein gottslesterung (nimb war),
Der ist wider kommen zú land,
lebt erst gar grossen mordt und schand
Mit allen juden in gemeyn,
Kein außgenommen groß und klein,
Betilcht, das man die zü todt schlag
Auff den strassen bei nacht und tag.
Dieweil und ich dich yetz hie findt
Und bei dir meine güten fretind,
So bitt ich, schawt umb hilff und ratht,
Damit fürkummen werdt die noth.
Tobias der alt.
Ach gott, das laß erbarmen dich,
Mit dein genaden uns ansich
Und errett uns in solcher quel
O herr, dein [arm] volck Israel,
Welchs dich schwerlich erzürnet hat!
Ach herr, vergib in solch mißthat,
Erlöß sie auß den schweren banden
Und behüt sie vor schmach und schanden,
Damit sie ehren deinen namen,
Und bring sie widerumb züsammen
Ins land, so du in geben hast!
O herr, dis bitten wir dich fast.
Achior.
O lieber vetter Tobias,
Las uns allein rathen fürbas,
Wie wir doch grieffen an die sach,
Damit wir solchem ungemach
Sa] Móchten begegnen an dem end,
240
Damit wir nit so gantz ellend
Von den heyden werden ertodt!
Nabath.
Ach gott, hilff uns in solcher nodt
Und gib uns gnad, weißheyt, verstandt,
Damit wir solcher schmach und schandt
Mögen entgahn und schnell fürkommen !
Gib, das dein zorn von uns werd gnommen,
13
Tobias, 1. akt, 2. scene. 15 T
Von inen es auch wenig leret,
Das zů der tugendt sich thů eygen,
20 Allein in lastern sich erzeygen;
Gottsforcht erloschen ist so gar,
Davon uns solche straff kompt har.
Darumb so kert euch zů dem herren!
Er würdt uns durch sein gnad erhôren.
25 Kompt all rein mit mir in das hauß!
Ich hab etwas zů richten aub,
Das will ich euch yetz legen für.
Aser.
Gang hin! So wend wir folgen dir
Und all gmeynlich anrüffen gott,
[Bla] Den grösten herren Sabaoth,
Das er sey mit seinr hilff bereyt
Und wend von uns semliches leyt. [ab.]
l. akt, 2. scene.
(Sennaherib künig, hoffmeyster, cantzler, kemmerling, marschalck,
trabanten, herolt.)
Des künigs hoffmeyster.
Großmechtigster küng, gnedigr herr,
Auß grund meins hertzens ich beger
25 Dem kting etwas zů legen für,
So man erst hat geöffnet mir.
Sennaherib, künig.
Sag an, hoffmeyster! Wir wends hören,
Die new zeitung vernemen geren.
Hoffmeyster.
Es ist ein sach, die billich sol
800. Mein herr künig bedencken wol,
Trifft an Tobiam, den jüdgnossen.
Der will sich keynes wegs nit massen,
Handlet fast wider künigs gbott;
Denn man im hoch verbotten hatt,
80% Das er nit mehr soll umbhergohn,
Wie er denn vormals was gewohn
Bey ewers herren vatters leben,
gi
pá
or
[B 5b]
525
Doch will ichs a hare Tacks richten anf
Und heymlich tragen in mein hauB.
Wenn es dann wird gantz stiller zeit,
All welt in besten schlaff jetz leit,
Will ichs begraben gantz heimlich,
Das nyemandt soll ergreiffen mich.
Aser.
Ach gott, ich sorgen deiner fast,
Du werdst dich bringen in ein last.
Der kiing ist ein grosser tyran,
Wie du sichst, ein blütdürstig man,
Der gott noch die welt forchten that.
Tobias dor alt.
Gott aber kan des künigs mät
Umbwenden, so es ist sein will.
Darumb thüst du der sorg zü vil.
“.
540
Tobias, 1. akt, 5.—7. scene.
l. akt, 6. scene.
(Sennaherib mit seinem hof, herolt mit den trabanten.)
Herolt des künigs.
Trabant, nimb hin mein gaul behend
Und stell in wider an das end,
Do du in vormals hast genommen !
Der dritt trabant.
Ewrem befelch will ich nachkommen.
Herolt zúm künig.
Herr kiing, ich hab den ewern bscheyt
Verkundt der gantzen júdenheyt.
Sennaherib, der künig.
So ziehendt hin in ewer rhú,
Biß morgen kumpt wider herzú,
Ob mir heint was verfallen thet,
Das ich euch morgen bey mir het!
Wenn sechs trabanten sind bey mir,
Hab ich gnúg. Drumb gend schlaffen ir!
Hoffmeyster. 5
Wir faren hin. Der gott Baal
Wöll etich bewaren sunder qual. [ab.]
l. akt, 7. scene.
(Die trabanten, dann Aser und Tobias.)
Der sibendt trabant.
Mein lieber gsell, die warheyt sag!
Wie hat der künig dir den tag
Gefallen mit seinem mandat,
Wie der herolt außgrüffet hat?
Der acht trabant.
Wie mir? Gantz auß der massen wol.
6a] Wenn ich die warheyt sagen sol,
So hab ich mit mir selb beschlossen,
Der erst jud, so mir auff der strossen
Begegnen wirdt, der müß für d schmitt; `
Denn ich laß ihn bey leben nit. |
Tobias, 1. akt, 7.—9. scene.
l. akt, 8, scene.
(Tobias der alt, Tobias der jung.)
Tobias der alt.
58 Mein son, komb doch ein klein mit mir!
Ich hort ein mortgschrey vor der thür,
Jetzund so ist es wider still.
Ach gang mit mir, es ist mein will.
Ich sorg, es sey ein mort vergangen,
585 Oder ist unser freünd gefangen
Aser, so newlich bey uns was.
Tobias der jung.
Sich hie, mein vatter, was ist das!
Hie ligt der frumb Aser, ist todt.
Tobias der alt.
O mort, mort diser schweren noth!
59 Als er mich newlich warnen thet,
Mit mir vom gbott des künigs redt,
Meynt er nit, das ich ihn solt haben
Hinacht in diser nacht begraben.
[B7a] Schnell und baldt, lieber sone mein,
5% Hilff mir mit im ins hauß herein!
Bif das es wirdt umb mitternacht,
Wend wir im bald ein grab han gmacht.
l. akt, 9. scene.
(Die trabanten.)
Der sibendt trabant.
Was hilffts, das wir lang auff der strassen
Gehn! Wir wend d juden faren lassen
600 Und wend darfúr gehn zú dem wein,
Ein stund, zwo gúter dingen sein.
Dann bald es wird nach mitternacht,
Müssend wir wider auff die wacht.
Der acht trabant.
Wend ir das thün, so machets gschwind,
605 Damit das ich ein trüncklin find!
Die zeen und zung mir trucken sind.
26 Georg Wickram,
Der zehendt trabant.
Du sagst auff mein eyd recht darvon.
Ich gib ein gsellen, will mitgohn,
Helffen trincken ein mäßlin, zwey,
610 Biß schier wirdt umb das hanengschrey.
So wend wir denn auff unsern bscheyd
Warten.
Der neündt trabant.
Wir wend auch mit euch beyd,
Auch mit zechen biß umb mittnacht
Und trincken, das die bine kracht.
615 Es müß uns etwan das geloch
Ein reicher jud bezalen noch.
Hoch leichtsinnig, boch über boch!
Der sibendt trabant.
Schaffst du [gleich] nicht, so irrst du doch.
1. akt, 10. scene.
(Salvator und Raphael im himmel.)
[B 7b] Der Salvator.
Raphael, schwing du dein gefider
620 Und flieg bald zů der erden nider
In Ninive, die mechtig statt!
Daselbs ein mann sein wohnung hat
Mit namn Tobias der gerecht,
Derselb ist von jüdischem gschlecht,
625 Mein willen thüt er spat und frú.
Far hin, schaw im ein kleyn weil zü,
Seins lebens nem du eben war,
Und so du des bericht bist gar,
So bring das alles rauff für mich!
Der Raphael im himmel.
60 O höchster gott, gantz fleissigklich
Will ich die sach außrichten gschwind,
Schawen, wo ıch Tobiam find,
Seins lebens nemen gantz bericht,
Darnach erzelen die geschicht.
rr
685
Tobias, 1. akt, 10.—11. scene.
l. akt, 11. scene.
(Tobias der alt, Tobias der jung; nachher die trabanten.)
Tobias der jung.
Vatter, es ist yetzundt gar still
In aller statt. Wer es dein will,
So wolt ich all breytschafft zúm grab
Gantz still und heymlich tragen nab,
Das grab auffwerffen seuberlich.
Tobias der alt.
Mein son, gang hin! So will auch ich
Mit dir hin auff den leichhoff gohn;
Denn ich mag dich alleyn nit lohn.
Mir wend das grab bald haben gmacht;
Es ist nit weit von mitternacht;
B8a]Doch hoff ich, eh die gar verschleich,
Wöllend wir fertig sein gentzlich.
Tobias der jung.
Der himmel ist von sternen grell,
So scheint der mon on massen hell.
(beim grab.)
Vatter, biß rüwig in den sachen!
Ich will das grab alleyn wol machen.
Es ıst bald bschehen, sichst du wol,
Mein sterck dein alter sparen sol.
Tobias der alt.
Wenn du mit dem grab bist bereyt,
So wend wir gohn mitnander bevd
Und tragen her die todte leich.
Er wird mir vil zü schwer, sorg ich,
Alleyn so weyt hieher zü tragen.
Tobias der jung.
Aser der frumb wer billich z klagen
Von seinen freünden in gemeyn,
Wer mit der heyden gwalt alleyn :
Nun weyßt seinr freünden keyner nicht
Denn du und ich von der geschicht.
Das grab wer jets gemachet schon;
27
700
705
710
Tobias, 1. akt, 11.—12. scene. 99
(zů seinen gesellen :)
Sind rúwig, machend nichts darauB!
Denn ich weyß schon des juden hauß.
Ir zwen bhend hineingloffen sindt,
Schlügen die thür zú nach in gschwindt.
Alln zeig hands beim grab ligen lohn,
So eylends lieffen sye darvon.
Das wend wir alles nemen mit,
Der wirt uns kalten wein drumb gibt.
Morn sols der künig wol erfaren,
Er würdt an ihn keyn straff nicht sparen. [ab.]
1. akt, 12. scene.
(Tobias der alt, Tobias der jung; dann Isaschar, Jael.)
Tobias der alt.
Mein son, weren wir nicht entwichen,
So hetten sye uns bed erschlichen.
Ich bin warlich erschrocken hart;
Denn sie sindt auß des künigs gwart,
Das hab ich bei dem monschein gsehen.
Ach, wer doch semlichs nicht geschehen,
Das uns ins hauß hand sehen gohn!
Sonst wern wir nit verrahten schon.
Tobias der jung.
Mein vatter, hab ein gúten mút!
Ich hoff, gott werdt uns han in hút.
Tobias der alt.
5 Mein son, wenn wir morn frú auffstohn,
Wend wir zú unserm vettern gohn,
Heymlich da bleiben etlich tag.
Dieweil bricht etwan auf die sag
Von uns, so sind wir gwarnet doch. —
C1b] Isaschar, Jael, wissendt auch,
Sey, wer da wöll, so nach uns fragt,
Von uns bey leib kein wort nicht sagt!
Ä Jael, die magdt. :
Das wóln wir thún, mein lieber herr,
Ir gangend gleich nah od ie
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A. 5
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Der acht trabant.
Nein, mein herr kemmerling, gar neut,
740 Denn das mir funden etlich leüt,
Welliche hand umb mitternacht
Eim erschlagnen ein grab gemacht,
[C2a] Welcher was von jüdischem gschlecht.
Kammerling.
Ir gwarteknecht, ir thút im recht,
74 Das irs dem künig tragent für.
Er wirdt euch loben, glaubendt mir.
Ich glaub, er sey gantz angethon.
Verziecht, er wirdt baldt auBher gon.
1. akt, 14. scene.
(Tobias der alt, Hanna, Tobias der jung.)
Tobias der alt.
Komm her, mein weib und lieber son!
rr
150
760
765
Tobias, 1. akt, 13.—15. scene.
Wir wend hinnauff zäm Nabath gon,
Bey ihm bleiben etliche zeit,
Ob mir doch mögen spüren eyt,
Das uns der küng wird fragen nach.
So fliehen wir semliche schmach.
l. akt, 15. scene.
(Sennaherib, kemmerling, trabanten.)
Kämmerling.
Jetzt kompt der künig. Schweigt all still!
Die gschicht ich ihm entdecken will.
(zim künig:)
Großmechtig küng, gnediger herr,
Nach ewer majestat beger
AuBgangen ist ein streng gebot,
Welchs schon die juden hand für spot. _
Denn diser nacht ir etlich haben
Ein erschlagnen juden vergraben.
Sennaherib, der kiinig.)
Ir trabanten, wenn ist dif bschehen ?
Der netindt trabant.
Heint umb mitnacht hand wir das gsehen,
Do wir sind gangen auff der wacht,
Hand auch gantz fleyssig des geacht.
[C2b] Sobald sie horten unser red,
770
Do sind sye schnell entlauffen bed.
Wir aber volgten ihnen nach,
So das diser mit augen sach,
In welches hauß sie sind geloffen,
In dem [sie] sich handt bed verschloffen.
Künig Sennaherib.
Kantest du das hauß an dem tag
Und die inwoner? Mir das sag!
Der sibendt trabant.
76 Ja, gnedigster herr, wissent, das
Ein alter jüd, heyßt Tobias,
Sampt seinem son wonet darinn.
Die beyde sinds mit nammen gsm '
31
Tobias, 1. akt, 16. scene.
Der fünfft trabant.
Im ist, wie d sagst. Drumb solt hingon
Und dein gwer haussen lassen ston,
Biß du erfarst, wer drinnen sey.
810 Demnach so rúff uns auch herbey!
Der sechst trabant.
Hoscha, hoscha, wo steckend d letit?
Will niemand hie in hören neüt?
Tobias knecht.
Wer hie? Wer rumplet an der thür?
Ist doch am hauß keyn rigel für!
815 Warumb gast nit herein ins hauß?
33 b] Der sechst trabant.
Heiß deinen herren kommen rauß
Sampt seinem son und auch dem weib!
Denn ich hie iren warten bleib.
Tobias knecht.
Sie seind nit inheyms, wey8 auch nett,
820 Wohin sie all drey giengen heit.
Die magdt im hauß magstu wol fragen,
Ob sie dir darvon köndte sagen.
Jael, die magdt Tobie.
Was hat aber gethan die magdt?
Der sechst trabant.
Ich wolt, das du mir hettest gsagt,
82 Wo dein herrschafft heüt hin thet gon?
Jael, die magdt Tobie.
Da weyß ich nicht ein wörtlin von.
Du hast mich z bald gefragt darummen ;
Weyß auch nicht, wenn sie widerkummen.
Der sechst trabant.
Da schlag der hellisch tetiffel in!
880 Ich will gehn zů den gsellen mein. [ab.]
Die magt Jael.
O du mein lieber Isaschar, |
Komm eylends gschwind, lauff mit mir dar
In Nabaths hauß, darin wir finden
Unser volck! Dem wend wir verkünden, :
Wickram VI.
i NA
Der dritt trabant.
Gond außher bald! Wo steckend ir?
Die thür ist zú, der riegel für.
Ich weyß nit zkommen in das hauß.
Ander trabant.
Gwiß sind sie hinden glauffen auß.
855 Jetzundt werden wir wol beston,
Wenn wir ungschafft vorn künig gon.
Erst trabant.
Die schuldt ist dein, und unser nit.
Sechst trabant.
Hey, warumb bist nit gangen mit?
Nun hand ir mir befolhen vor,
[C4b] Das ich solt machen keyn rumor.
Der erst trabant.
Einer alleyn gang hin geschwind,
Dem künig er die sach verkünd,
Tobias, 1. akt, 16.—17. scene.
Das sye all seien glauffen nauß,
Eh mir sind kommen zü dem hauß.
85 Was weiters sollend handlen wir?
Der ander trabant.
Ich will hingohn. Verhüten ir
Dieweil das hauß, das niemand drinn
Noch drauß gang! Ich will bald hie sein.
1. akt, 17. scene.
(Isaschar, Jael, Tobias der alt, Hanna, Tobias der jung, Nabath.)
Jael, die magdt Tobie. |
Tobias, o mein lieber herr,
870 Ich bring euch warlich böse meer.
Des künigs gwardeknecht euch hat
Gesücht, ernstlich er fragt und bat,
Man solt im sagen, wo ir weren.
Des sons thet er mit fleiß begeren,
87 Darzú der frawen sonderlich.
Tobias der alt.
Hand ir denn nit vermeldet mich ?
Der knecht Tobie.
Nein, lieber herr, nit umb ein har.
Denn wir zeygten ihn an verwar,
Wir wißten ewer keynes nicht.
Tobias der alt.
830 Wie vil seinds gwesen? Mich bericht!
Hand sie ihr waffen bey in ghan?
Der knecht Tobie.
Herr, nur ein knecht thet klopffen an,
[C5a] Thet sich erstmals freundtlich gestellen
Und ließ das gwer bey sein gesellen.
885 Sobald er aber von uns hort,
Das er euch nit fand an dem ort,
Gieng er zü seinen gsellen bhend.
Der stunden noch fünff an eim end
Mit wer und harnisch angethon,
89 Die all bald wurden zim haub gon.
Bald ich das sah, bschloß ich das hauß,
g*
A si
Ha
u ‘7 ‘iil In LL acind 5 E a Fr
%5 In des juden Tobie hauß,
Kein mensch ist drinn, sye seind all nauß.
Kemmerling.
Ich will dem künig semlichs sagen. —
[C5b] Gnedigster herr, ist nit zú bklagen ?
Der schendlich jud ist gwarnet schon,
910 So wider ewer gbott hat gthon,
‚Der ist mit all seim gsind darvon.
Sennaherib, künig.
So schick mein gantze gwarde hin
Und thü entlich befelhen in,
Das sye auffbrechen bald das hauß,
915 All sein hab und güt tragen rauß;
Und was ist von gelt, silber, goldt,
In mein schatzkammer tragen solt;
Das ander bschließ man in dem hauß
Auff weitern bscheyd. Gond, richtens auB!
Tobias, 1. akt, 18.—19. scene.
Kemmerling.
220 Ir gwardeknecht, gond hin behend,
Ersüchends hauß an allem end,
All trög und kisten öffnen solt,
Was ihr dann finden gelt und goldt,
Biß auff weitern des künigs bscheyt!
%5 Solchs lasst etich ernstlich sein geseyt!
Der sibendt trabant.
Die sach wend wir außrichten wol;
Der kting nichts von uns klagen sol.
Der acht trabant.
Her, her, ir gsellen all mit mir!
Zerschlagen wend wir schloß und thür
% Und kisten fegen, wie mans nent.
Der neündt trabant.
Darzú weyß ich mich z schicken bhendt;
Denn wo ich ye solch kunst hab triben,
[C6a]Ist gwißlich wenig tiberbliben.
Der sehendt trabant.
Uns aber bleibt nichts zü dem molen.
% Du weyst, was man uns hat befohlen,
Das wir gelt, silber, kleyder gar
Tragen ins küngs schatzkammer har.
l. akt, 19. scene.
(Simri mit 2 trabanten.)
Simri, der älter son des ktinigs.
Trabant, geh hin und machs nicht lang,
Zü Sisarach, meim brüder, gang,
%0 Zü meins vatters cantzler deßgleich,
Bescheyd sie eylends her und bsich
Nach meins brüders trabanten beyd!
In diser stund sie her bescheyd!
Denn mir leit etwas schwerlichs an,
% So ich mit in zu reden han. |
Der erst trabant Simri.
Dem befelh komb ich eylends nach. —
Wißt ich nur bald zü finden doch
Georg Wickram,
Meins herren brüder und weiter
Des ktinigs bersten cantzler!
Es müß zwar etwas seltzams sein,
Das er so nötig schickt nach ilm.
Ich hab ein vöglein hören singen,
Will aber schweigen zü den dingen.
Der künig hat ein búb geschrey ;
Denn er treibt pratick mancherley,
Sein eltern son will er vertreiben,
Damit dem jüngern s land mög bleiben,
Welchen hat von einr andern frawen.
Drauff will mein herr vlicht umb rath schawen
[06b] Beim cantzler. Der ist nit wol dran;
970
975
Denn er ist ein auffrichtig man,
Dem solche tiranney mißfalt,
So der kiinig treibt solcher gstalt.
Mein gschefft wil ich gehn richten nauß,
Damit ich sye bald bring zü hauß.
1. akt, 20. scene.
(Trabanten des ktinigs.)
Der erst trabant des künigs.
Gehnd sittlich mit dem silbergschir
Und sehend eüch gar eben für,
Das keyner strauch, damit nichts brech!
Darumb ein jeder für sich seh.
Dreitzehendt trabant.
Was darffs vil gficks! Sind wir denn kind!
Ich glaub, wir allsampt alt gnüg sind.
Ja solten wir schon eyer tragen,
Wir woltens leifern sonder klagen.
Zwölfft trabant.
Ir beydt nempt unser partisanen
Und thünt der an den schneiden schonen!
Thünt sye nit fast züsammen wetzen,
Damit ir die nit thún verletzen!
Denn es ıst so vıl in dem hauß,
Wir zwölff mögens kaum tragen rauß.
fN
Tobias, 1. akt, 20.—21. scene.
Der elfft trabant.
90 Sovil letit dórfft ich in mein hauß
985
Nit, die mir hülffen tragen auß.
Denn wenn ich des morgens auffstandt,
So leg ich an als mein gewandt,
Nimb auch zü mir als silbergschir,
Das trag ich mit mir für und für,
7a] Deßgleichen alles mein par gelt.
990
1000
1005
Hab reichthumb halb rhú in der welt;
Denn all mein sach dahin ist gricht,
Das mir kein dieb würd stelen nicht.
1. akt, 21. scene.
(Trabant Simris, cantzler, Sisarach.)
Der erst trabant Simri.
Herr cantzler, hört meins herrn beger!
Nach eüch hat er mich gschicket her.
Ich bitt, ihr wolt eüch nicht lang saumen
Und eylends zü ihm an hoff kommen.
Cantzler.
Ich weyß wol, was er will jetz mein.
Zeich hin, ich will bald bey ihm sein.
Der erst trabant Simri.
Mein herr der hat mir auch befolhen,
Ich soll ihm seinen brüder holen.
Dort staht er und sein beyde knecht. —
Gnediger herr, ich triffs gleich recht.
Ir sollend kommen schnell zühand
Zú eurem brúder, so mich gsandt
Hat nach euch jetz zü diser stundt.
Des küngs cantzler auch zü im kumbt,
Befahl mir auch vor allen dingen.
Ir solt ewre knecht mit euch bringen.
Sisarach, der ander son des kúnigs.
So kommend schnell und bald mit mir!
Ich weiß wol, was ist gangen für,
Wolt schier, es het ein ort das wesen.
Wolan, wir wend vleicht wol genesen.
1080
Lügend, thünd memands inher Teen.
Wer das gleich sey, weib oder mann,
So solt ihrs uns vor sagen an.
Ander knecht Sisarach.
Herr cantzler, gond zúm herren mein!
Wir wend dieweil thorhúter sein,
Niemandt inlassen sonder bscheyd,
Wie uns mein herr selbst hat geseit.
Cantzler.
Gnedigsten jungen herren mein,
Der gott wóll ewer schirmer sein.
Simri.
Jupiter dich auch bhút dergstalt.
Mein lieber cantzler, sag mir baldt,
[C8a] Was ist doch yetz für new geschrey ?
1035
Die redt tragen sich mancherley;
Von eim mein diener hab ich ghort,
Tobias, 1. akt, 22. scene.
Der künig stell nach grossem mort,
Vermeyndt mich und mein brúder z tódten
Oder uns das reich gantz abnóten.
1040 Wißten wir des gründlichen bscheyt,
So wolten wir uns bhúten beydt,
Das uns begegnen múst keyn leydt.
Cantaler.
Es ist not, meine lieben herren.
Er thút sich fast in zorn emperen
105 Und nimpt im für erschrócklich sachen.
In dem in etlich brúnstig machen,
Die ihm das billich solten wehren.
Er understeht euch aufizúkeren
Auf dem reich, wie das nun mag sein,
1050 Mit gifft oder durch todtespein.
Das thüt im hertzen krencken mich,
Will auch gantz trewlich warnen etich.
Lúgt, wie ir findt der sachen rath!
Sonst müst ir leiden beyd den todt;
1055 Denns künigs gmüt in tyranney
Verkert ist. Sehend ir dabey,
Der juden schlacht er vil zü todt,
Die ihm doch schaffen grossen rath
Mit ihrer arbeyt, wie man sicht,
1060 An die sie teglich werden gricht.
Noch braucht er gehn in solchen haß,
Hat erst newlich verbotten, das
[C8b] Man sye’ soll ellend ligen lassen
Gantz unbegraben auff der strassen.
1065 Nun dencken, solt des weren lanck,
Wir stirben all von dem gestanck.
So sye ein juden thünt begraben,
Ir leib, leben verwircket haben.
Einer Tobias heyßt mit nam,
1070 Derselb umb all sein gúter kam;
Er empflog im mit weib uud kindt,
Darzü mit all seim haußgesindt,
Sonst werens all umbs leben k
[Dia] Das er ale a wih ei ¡do |
Soll stellen noch rhat darzü geben.
Simri.
10% Brüder, wenn dir mein ratlı gefiel,
Ich wolt im anseglen ein kiel,
In welchem er auß seinem reich
Zür ‚hellen faren müßt geleich.
Sisarach.
Sag frölich an! Ich folg deim rath,
1100 Und solt mir volgen drauß der todt.
Simri.
Wenn z nacht sein gwarde gaht von im,
So wend wir sein geriist (vernim)
Mit unsern knechten angethan
Und zü im in sein zimmer ghan,
1105 In auch von stund an schlagen z todt;
Nichts soll in fristen vor der not.
AP
1110
1115
Tobias, 1. akt, 22. scene.
Sisarach.
Ich hilff darzú, solts nimmer grathen;
Ich will im selbs ein kappen schroten.
Seit er so unsinnig und rasen
Ist worden und tobt über d massen
Und wadt also im menschenblút,
So duncket mich, es sey so gút,
Wir richten in bey zeyten hin,
Eh denn er bösers nem in sin.
Cantaler.
Die sach müßt ir [gar] heymlich treiben,
Damit es thú verschwiegen bleiben.
Denn solt der künig solchs erfaren,
D1b]Ir möchtend euch gar kaum bewaren.
1120
1125
1180
1185
Simri.
Ir trabanten, nun kommend rein
Vernempt die wort und willen mein!
Lügt, das ir hinnacht an seind gthan,
Sond doch keyn harnisch sehen lan,
Sonder die wol mit ewren röcken
Gand fleissig bergen und züdecken
Und seind bie umb den abend spat,
Wens künigs gwarde vom hoff ghat.
Denckend und lond solchs bey euch bleiben!
Denn solten ihr vil wort drauß treiben,
So wird es kosten ewer leben.
Auch solt ihr mir die trew hie geben,
Das ir verschwiegen wöllend sein,
Keim menschen sollichs machen schein.
Der erst trabant.
Verschwigen will ich sein so wol,
Das niemands von mir hören soll.
Des gib ich hie mit eygner hand,
Gnediger herr, mein trew zů pfandt.
Der ander trabant Simri.
Mein trew gib ich auch gern darumb,
Das semlichs von mir nit außkom.
Lebt ich biß an den jüngsten tac.
43
1155
1160
1165
7 L
engere Js Y pull
Ins küngs schatzkamer ligts verschlossen. |
Du aber hast der flucht genossen.
Sonst will ich dir ein birgen geben,
Du werest kommen umb dein leben.
Nabath.
Ach gott, ich habs ihm langest gsagt
Und über sein frevel geklagt.
Wer will im thún? Es ist geschehen,
Umb rath der sachen müß man sehen.
Tobias der alt.
Ich wißt mir keyn besseren raht,
Denn wenn mich gott nem durch den todt,
Und hoffe doch, er werdt mich noch
Erlösen auß dem schweren joch;
Denn sein güt weret ewiglich.
O herr mein gott, erhör doch mich!
Tobias, 1. akt, 23.—24. scene. 45
1. akt, 24. scene.
(Sisarach, Simri, trabanten.)
[D 2b] Sisarach.
Wenn ich hinein zim künig gang,
So will ich zwar nit machen lang
Und mich glat nit abtreiben lassen,
1170 Disen tolchen gschwind in in stossen.
| Simri.
Das thú nur bald, mach wenig wort!
So kompt man der sach auff ein ort,
Darumb in nur tieff in ihn stich!
Er dauert mich minder denn ein vich.
Der viertzehendt trabant.
11% Die stundt hat jetz geschlagen schon.
Kompt her, wir wend züm imbiß gon!
2. akt, argument.
Argumentator.
Hie merckend all, die zgegen sind,
Wie gott sich rechen thüt so gschwind
An denen, so stetz wider in
1180 Thün streiten dur irn stoltzen sin!
Als disem künig gschicht zü stund,
Wirt hingricht durch ein tödtlich wund.
Weil Tobias verborgen was
Von forcht wegen des künigs haß,
1185 Der im denn all sein git hat gnommen,
Ist es dem künig dahin kommen,
Als denn semlichs der text vermag.
Nach der gschicht fünffundviertzig tag
Do hand des ktinigs eigne sön
119 Gantz jemerlich erschlagen in,
Demnoch Tobiam gelassen frey,
Im als sein güt geben dabey.
[D3a] Darumb seind still und habend rhú
Und sehend dem spiel weiter zü!
Der ‘dich auß deinem ‘haul vertrib —
Allein umb deine gitthat groB!
1210 Denn mancher armer dein genoß;
Dem du gabst das almüsen dein,
Müß jetz in grossem mangel sein.
Die gfangnen süchst du trewlich heym,
Dein heyl und trost versagst du keym,
1215 Die krancken, schwachen thetstu laben,
Die erschlagnen trügstu zü bgraben.
Sonst hat Sennaherib an dich
Keyn ursach, (sag ich sicherlich)
[D3b] Darumb er dir stalt nach deim leben.
120 Wolan, gott im den lon wird geben.
2. akt, 2. scene.
(Simri, Sisarach, cantzler, fürsten, herolt.)
1230
1240
1245
)4a]
Tobias, 2. akt, 1.—2. scene.
Cantsler.
Dieweil der kting noch was im leben,
Ir wisset, mir müsten uns schmeigen,
Dorfften nichts reden, müsten schweigen.
Denn wenn er im ein sach fürnam,
Wider uns all er im nachkam.
Jetz aber thünd wir euch erkennen
Für herren und euch also nennen,
Dieweil ihr leben in dem reich.
Diß sag ich vor uns allen gleich.
Sisarach.
Meim eltern brúder laß ichs reich,
Der soll jetzundt regieren gleich.
Drumb gebt im zepter und die kron,
Setzt in auff den künglichen thron!
Was er fürbaß gebieten wird,
Das solt ihr all thün, wie gebürt.
. Alle fürsten in gemeyn.
Es lebt der künig alle tag,
Die götter bhüten in vor klag!
Glück zů dem künig und seim reich!
Simri, der ander künig.
Seid ihr zim küng hand gwólet mich,
So heysst kommen den herolt gschwind,
Das er dem Tobia verkünd,
Welcher verborgen lag so lang
Und dem mein vatter thet so bang;
Ein frommer mann, trew und gerecht,
Mein vatter in mit gwalt durchecht.
Cantzler.
Herolt, zúm newen künig kom!
Ein befelch mústu rúffen umb
In aller statt, betrifft ein mann,
120 Sennaherib im nie güts gan.
Der was hetit küng, jetz ists der son,
Der will Tobiam haben nun.
Herolt.
Ist denn ein ander künig gwölt ?
47
in güter y j Y: erg ha
diese a ihn ko herfür!
[D4b]Er darff sich nicht sorgen vor mir,
1275
1280
Darzü auch vor dem brüder mein;
Sein feind, mein vatter, ist dahin.
Gang hin und rüff in aller statt,
Welcher den man verborgen hat,
Das er ihn außlaß disen man!
Denn ich ihn will gesichert han.
Ktinigs herolt.
Gnedigster küng, ich wils versehen,
Es müß von stünden an geschehen.
2. akt, 3. scene.
(Herolt, Achior; dann Tobias der alt.)
Herolt (schreit auß).
Hört, hört, ihr juden in gemeyn!
Es will der küng und herr allein,
Welcher jetz tregt die künglich kron,
ER
1335
1340
2. akt, 4. scene.
(Trabanten, Simri, cantzler.)
Der erst trabant.
Ir gsellen, hört, was ich will sagen !
Der künig ist zü todt erschlagen
Von seinen sönen worden gar.
Der ander trabant.
Was bringst uns da für zeitung har?
Das ist ein böser handel zwar.
Vor schrecken beümbt sich auf mein har.
Der äritt trabant.
Wie ist doch das ymmer zügangen,
Wer hat den lermen angefangen ?
Bitt dich, du wöllst mich brichten schon.
Der erst trabant.
Simri tregt die küniglich kron.
Von allen fürsten darzü gwölt.
49”.
2. akt, 5. scene.
(Simri, Tobias der alt, herold, kemmerling.)
Herolt des künigs.
13% Hie ist der mann, o künig reich,
Nach dem ihr hand geschicket mich.
Tobias der alt,
Dem künig müß glücklichen gohn
In seinem küniglichen thron.
Simri.
[D7a] Tobias, merck auff mein bescheyd !
1395 Demnach mein vatter dir groß leyd
Zü hat gefügt in seinem leben,
Das als will ich dir widergeben.
Zeüch frölich wider in dein hauB!
Denn dich soll niemands jagen auß,
1400 So lang ich trag die künglich kron.
Ihr trabanten solt mich verstohn,
Wie ir sein güter allesand
Tobias, 2. akt, 7.—9. scene. 55
1460 Der gútthat, so mir von euch heut
Begegnen thút, vergiß ich neut.
2. akt, 8. scene.
Tobias der alt.
Herr gott, grof sind dein wunderwerck,
Darzú dein góttlich gwalt und sterck.
Wer wolte dir doch widerston!
1465 Was hast mir doch heüt gnadt gethon
Bey dem künig an disem tag!
[D8b] Dein gút ich nicht volloben mag.
2. akt, 9. scene.
(Die trucksessen kommen für den künig und bitten umb dienst; die-
weil kompt Tobias weib, son, knecht und magd wider zů hauf.)
Credentser.
O herr, auß gwalt der götter schon
Besitzest du künglichen thron.
1470 Darumb kommend wir sammentlich,
Bitten umb dienst demütigklich
Denn unser yeder sonderheyt
Mitt willen und fleyß ist bereyt,
Sein alt ampt wider zü versehen.
1475 Wie denn vormalen ist beschehen
Bey alter pflicht und eyd, so wir
Hand gthon, so wend hinfürter wir
Uns in des ktínigs dienst nicht sparen
Das soll ihr mayestat erfaren.
Simri.
1480 Darbey will ich euch bleiben lassen.
Gehnd hin, versehends solcher massen,
Wie denn vormalen ist beschehen,
So wird euch billich lob verjehen.
Credentzer.
Des dancken wir dem kúnig gleich,
14855 Wünschen im glück in seinem reich.
56 Georg Wickram,
2. akt, 10. scene.
(Tobias der alt, Hanna, Tobias der jung, Isaschar, Jael)
Tobias der jung.
O du hertzliebster vatter fem,
Wie groß was das verlangen mein!
Ich sorgt, eh du vom kiinig kembst,
Das du ein end deins leben nembst.
[Ela] Hanna, Tobie haußfraw.
1490 Ich hab auch gsorgt groß ungemach,
Forcht, es wer ein anglegte sach,
Die sie alleyn darumb erdechten,
Damit sie dich umbs leben brechten.
Jael, die magdt Tobie.
Jetzundt ist all mein trawren auß,
14% So ich bin in meins herren hauß
Und im kein leydt nit ist geschehen,
Darff sich auch frölich lassen sehen.
Isaschar, knecht.
Herr gott, ich lob auch deinen namen,
Du hast uns wider gfürt züsamen.
1500 In deinem schirm erhalt uns, gott,
Und mach uns nit der heyden spott!
Tobias der alt.
Tobias, mein son, eilens gang,
Richt auß, das ich hat willens lang!
Lad mir zim nachtmal unser freünd;
1505 Doch allein die gottförchtig seindt,
Frumb und gerecht von unserm stammen.
So kommend wir auffs fest zúsammen,
Welchs denn jetzundt groß wirdt gehalten
Bey allen menschen, jung und alten.
Tobias der jung.
1510 Mein allerliebster vatter, ich
Will dein gbott enden fleissigklich,
So du mir jetz befolhen hast,
Und laden unsre freündt zü gast.
PA
Tobias, 2. akt, 10.—11. scene. 57
Tobias der alt.
[E1b]So gang hin, das dich gott geleit,
1515
1520
1525
1535
[E2a]
1540
Und thü, wie ich dir hab geseit!
Hanna, mein liebe gmahel, gang,
Bereyt das mal und machs nicht lang,
Richt zů, was du güts magst ankommen !
Hanna, Tobie weib.
Ich hab ein git jungs lamb abgnommen
Und hab auch sonst vil güts darzú.
Darumb, mein haußwirt, biß mit rhú!
An essen soll kein mangel sein,
Kennen schon all dein freündt hierin.
Tobias der alt.
Das frewt mich in meim hertzen sehr,
Das ich dich also willig hör.
2. akt, 11. scene.
(Tobias der jung, Achior, Lia, Nabath, Hilcka.)
Tobias der jung.
Achior, liebster vetter frumb,
Mein vatter schickt mich zü dir rumb
Und bitt dich und die haußfraw dein,
Das ir heüt sein gast wöllend sein.
Noch weiter hat er mir befohlen,
Ich soll auch deinen brüder holen.
Drumb, wann es zeit würt, kommend bald,
Damit die kost nicht werde kalt!
Achior.
Es frewt mich in meim hertzen fast,
Das ich soll sein deins vatters gast;
Kein liebern freünd weyß ich dißmal.
Wann ich die warheyt sagen sol,
So liebt er mir vil meer (ich sag)
Dann mein brüder auff disen tag.
Lia, Achiors weib.
Und ich hab in lieb in meim hertzen ;
Gott wend von im als leyd und schmertzen
Und mach in gsundt an seel und leib!
150 Von mir! Dos Sek ak AA
Das ich die bottschafft von dir hór.
Hilcka.
Mein hertz hupfft mir von freüden yetz,
Und bin auch eins frölichen gmits,
Das uns Tobias hat geladen.
[E2b] Gott wend von im alls leyd und schaden!
2. akt, 12. scene.
(Nimroth, Abel.)
Nimroth, ein heyd.
Wor dich, du schnoder jüdscher hund!
Denn du müßt sterben diser stundt.
Du hast mir ein schalckheyt gethon,
Die will ich dich geniessen lohn.
1570 Thü nur die kappen von dem schopff,
So kan ich treffen deinen kopff.
«Rh
Mi
a
È
1585
Tobias, 2. akt, 12.—13. scene.
Abel, ein jud.
O mort, wer hilfft mir in der not!
Unverschuldt leid ich hie den todt.
O herr mein gott, rech disen mort,
¿ So mir begegnt an disem ort!
O weh und ach, was zeühst mich noch ?
Kein übels ich dir gtinne doch.
Nimroht.
Es hilfft dir nichts, du múst daran,
Dann du magst hie kein fristung han,
Keym juden ich nie gútes gan.
2. akt, 13. scene.
(Tobias der jung, Tobias der alt.)
Tobias der jung.
O, wie zittert im leib mein hertz!
Vor grossem schrecken leid ich schmertz,
So ich jetzunder hab gesehen,
Das disser mordt hie ist geschehen.
Tobias der alt.
Mein son, wie sichstu so verblichen ?
All dein farb ist dir gar entwichen.
Tobias der jung.
Vatter, des solt nit wunder han.
Es leit ein israhelisch man
[E3a] Drauß an der strassen, ist ermort.
15%
1595
1600
Ich kam gleich an dasselbig ort.
Da ihn der heyd erschlagen hat.
Tobias der alt.
Wir wend ihn tragen von der stat
Rein und verbergen in das hauß;
Biß unser gest all konımen nauß,
Wend wir ihn in die erd vergraben,
Wie wir denn vormals offt thon haben.
Sobald der tag geneyget sich,
Wend ihn begraben du und ich. —
Mein son, gang yetz, bereyt den tisch
Und bring uns ein kůl wasser frisch!
59
Pains) So e euñere adebile sd schaffen ieh $0 4
(zúr Lia.)
Schwester, wie leben ir der zeit?
1615
1620
1625
Lia, Achiors weib.
Mein liebe schwester. ich klag netit.
Der herr sei globt in ewigkeyt.
Hiloka.
Schwester, wann ir weren bereyt,
Wolten wir mit einander gon.
Die männer warten unser schon
In meinem hauß. Drumb machts nicht lang!
Lia.
Ich bin bereyt und mit euch gang.
Achior.
Die weiber seind schon auff der fart.
Ich sorg, das man dort unser wart
Und werd all ding zü schanden gar.
Ich bitt euch drumb, gond dapffer har!
~
Tobias, 2. akt, 14.—15. scene. 61
2. akt, 15. scene.
(Tobias der alt, Hanna, Tobias der jung, Achior, Lia, Nabath, Hilcka,
Isaschar.)
Tobias der alt.
Ich müß gon, nach mein gesten schawen.
Sye kommend schon sampt beden frawen.
Sind mir gottwillkumm, lieben freünd!
Achior.
16% Ich frew mich, das ich euch gsund find,
Dein son und auch die haußfraw dein.
Nabath.
Ich wünsch euch vil glück, vetter mein.
` Lia.
Mein lieber vetter, gott der herr
All glück und heyl [stets] bei euch meer!
[E4a] Hilcka.
1685 Der gott, der uns all nehren thüt,
Hab euch in seiner schirm und hät!
(Zür Hanna.)
Gott grüß dich, Hanna, liebs bäßlin !
Hanna, Tobie weib.
Ach danck euch gott! Nun gond herein,
Seind willkumm hunderttausendmol.
140 Ich wills euch allen bieten wol.
bia.
Meine liebe Hanna, danck dir gott!
Wir sind gantz willig deim gebott.
Hanna, Tobie weib.
Sitzt nider, ich will richten an.
Die liebsten gest ich bei mir han.
Tobias der alt.
Nempt hie das wasser auff die händ!
Isaschar.
An dise zwehlen euch truckend!
1645
w
3. akt, argument.
Argumentator.
Hie seind ermanet jung und alt,
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Dis euch nicht Gherfall tec WE” o
Welcher ist voller nodt und klag!
Paulus zů den Ephesern spricht,
1670 An dem fünfften klärlich vergicht :
'Saufft euch nicht voll wein frü und spat,
Drauf ein groß unordnung entstoht!’
Darumb so nemend acht mit fleiß,
Das ir nicht das tranck und die speiß
1675 Entehren als die gottes gaben,
Drumb auff Tobiam achtung haben!
3. akt, 1. scene.
(Tobias der alt und seine gäste.)
Tobias der alt.
Setzt euch im nammen gott des herren!
So wend wir im zů lob und ehren.
Danck sagen umb sein speiß und tranck,
1660 Das er uns hat ernert so lang.
rm
Tobias, 3. akt, 1. scene.
(Tobias spricht vor; die andern all sprechen ihm nach.)
O herr, der du bist gwaltig groß
Im hymmel und auff erd der maß,
So das dir nyemandt gleichen mag,
[E5a] Du gibst uns narung alle tag.
16855 An unser seel speiß uns, o herr, |
Dein gbott und weg uns weiß und leer,
Laß uns scheinen dein göttlichs wort
Hie und auff erd an allem ort,
Damit gepreiset werd dein namen!
1690 Die das begeren, sprechen amen.
(Zúm weib und son.)
Mein liebste Hanna, richt yetz an!
Mein gesten ich als gütes gan.
Lieber son, hab acht, weil man ißt!
Wann du dann sichst, das ettwas brist,
169 So tracht, das es bald auff werd gleit!
Tobias der jung.
Mein vatter, ich will sein bereyt
Alweg in deinem willen gar.
Die müter bringt schon z essen har.
Hanna, Tobie weib.
Gott gsegne euch das tranck und essen,
170 Wie ir allhie zü tisch seind gsessen !
Essend frölich, seind güter dingen!
Ich will euch demnach bessers bringen.
Nabath.
Tobias, wie sichst so trawrig ?
Ich hab dich angesehen dick,
1705 Das du laßt manchen seüfftzen schwer.
Zeygs uns an, das ist mein beger.
Tobias der alt.
Mein lieben freündt, kert euch nichts dran!
Dann ich yetzundt nichts anderst kan
[E5b] Frölicher sein zů diser zeit,
1710 Dann mir ein schwere sach anleit.
Achior.
Ach sag uns : n?
--
1810
Tobias, 8. akt, 1.—8. scene.
3. akt, 2. scene.
(Tobias der alt, Tobias der jung.)
(Tobias stetht uff, sagt zi seinem son.)
Komm her, mein son! Dann du und ich
Wöllnd gehn, ein klein gschefft richten auß,
[E7b]Demnach bald wider kommen z hauB.
1815
1825
1880
(Spricht weiter im garten.)
Du weyßst, den todten, so ich hab
Heüt z mittag bhalten zü dem grab,
Den wöllend wir gehn schnell begraben,
Dieweil wir glegenheyt yetz haben.
Tobias der jung.
Vatter, ich bin hertzlich bereyt,
Zü richten auß deinen bescheydt.
Tobias der alt.
Volg dapffer nach, ich gang dir vor,
Doch das wır machen kein rumor,
Damit wir nicht werden gespürt.
Tobias der jung.
Vatter, ich thü, was sich gebürt.
[Tobias der alt.)
Sich zú, yetz seind wir bei dem grab.
Nun hilf mir mit dem steyn herab,
So wend wir in begraben baldt.
Gmach, gmach, das er uns nicht entfallt!
3. akt, 3. scene.
(Astaroth, Aßmodoth.)
Astaroth.
Wart, Aßmodoth!
Wie lauffst so drot?
Aßmodoth.
Lauff, Astaroth!
Sonst würdt mirs z spot.
Es hat nicht beit
Sunder allzeit.
Astaroth.
Hey, tha doch «
5 *
68 Georg Wickram,
Sag mir die sach,
[E8a] Wo wiltu nauß?
Aßmodoth.
Dort in jens hauß,
Darinn mit bang
Und grossem zwang
Sechs starcker jüngling hab umbracht
1840 Bei einer braut die erste nacht.
Sobaldt sich einer leg zü ihr,
So mist er gleich herhalten mir.
Jetz ist der sibendt schon im hag,
Wann ich in anders finden mag,
18%5 Wie ich die andern hab gefunden,
Soll er von mir werden gebunden
Der maß, das er stirbt an der stundt;
Von meiner ketten er nicht kumpt.
Astaroth.
Darffst hilff, so will ich mit dir gon,
Aßmodoth.
1850 Nein, ich weyf in allein zi bston.
(Hiemit laufft er ins hauß, laßt ein groß geschrey, kompt bald ı
seiner ketten wider. Spricht sein gsell zú im also.)
Astaroth.
Hat er den watz?
Aßmodoth.
Frey wie ein katz.
3. akt, 4. scene.
(Salvator, Raphael.)
Raphael, der erst engel.
O herr mein gott, ich komm yetzundt
Von Tobia erst diser stundt.
1855 Er ist ein mann gerecht und frumb;
[ESb] Dann er sein leben in einr summ
Hinbringt in deinem willen, her.
Groß almüßen thüt geben er,
Die schwachen krancken er erlabt;
1860 Die todten juden er begrabt,
a‘
Tobias, 3. akt, 5. scene. 71
Deiner grossen gúthat mit namen.
195 O gott, der du hast viertzig jar
Gspeißt mit dem himmelbrot fürwar
In der wüste gantz Israel
Und sie behüt vor nodt und quel,
Das auch ir kleider nicht zerrissen
1980 Noch die schú an ir fússen schlissen,
Gib uns auch heüt, o herr und gott,
Was uns zü leib und seel ist not,
Und wöllst uns auch nach disem leben
Ein ewigs reich zü bsitzen geben.
1985 Das bscher uns gott in gmeyn allsamen.
[F2a] Nun sprechend all von hertzen amen!
(spricht weiter.)
Mein lieben fretind, ich bitt eüch all,
Das ir für gút haben dißmal
An dem, so euch ist fürgetragen.
Achlor.
140 Mein vetter, hie ist nicht zi klagen.
Wir dancken dir auß hertzen grund,
Begeren auch semlicher stund,
In der mir wider gmeynlich gar
So freündtlich zü dir kommen har.
Nabath.
195 Tobias, allerliebster freündt,
Dein kost uns allen hast gegündt,
Die wir mit lust genossen hand.
Drumb dancken wir dir allesand
Umb alles güts, so uns ist bschehen.
Hiloka.
1%0 Bei meiner trew müß ich verjehen,
Das ich lang zeit nie lebt so wol.
Hanna, gott danck dir z tausentmol.
Lia.
Mein liebe Hanna, gott das geb,
Das ich solchs noch einmal erleb,
1955 Das wir so fretindtlich zsammen kommen.
Tobias, 3. akt, 6.—7. scene.
[F3a]O gott, wöllst rechen solche schmach
198 An uns, dem armen völckle dein!
Der ander heyd.
Wie, wolst erst so rachgirig sein?
Hey, das dich Jupiter müß plagen!
Von mir müst werden heüt erschlagen,
Dich hilfft kein bitt. Yetz hast dein theil.
1990 Der kappen trag ich manche feyl,
So den juden an hals gehören.
Nimroth.
Du kanst in seuberlich abkeren.
Nimm im den mantel und sein kapp!
Es ist genüg in einem schnapp.
19% So böß ists nicht, es gilt uns wein.
Wolher, wir wend yetzund auff sein! [ab.]
Mosse.
O mordt der jemerlichen klag!
Täglichen gschicht solcher todtschlag
Under den juden arm und reich.
2000 O herr, herr, thú erbarmen dich
Ueber uns kinder Israel,
Die wir leiden in not und quel!
Hilff uns, o herr, wider in frid!
Dann on dich mag gehelffen nit
2005 Die gantze welt irer macht.
O herr, auff unser sünd nicht acht,
Verzeih uns durch dein göttlich macht!
3. akt, 7. scene.
(Tobias der jung, Tobias der alt.)
Tobias der jung.
Vatter, lüg, wie mir der kalt schweiß
Außdringet, ist mir doch nicht heiß!
[F3b] Dann ich will yetzundt gon hinauß,
So ligt grad hinden an dem hauß
Aber ein todt erschlagner mann.
Ich aber nicht erkennen kan,
Ob er ein jud ist oder heyd.
Tobias, 4. akt, 5. scene.
Hanna.
Hie sicht man, was ist dein vertrawen
Und warauff du stetz hast gebawen,
Nemlich auff das almüßen dein.
Schaw, wie das umbsonst ist dahin!
Wolan, du hast vil lons erworben
An den ztodt gschlagnen und gestorbnen.
Sitz yetzund nider, y& darab
Und leb wol auff eins todten grab!
Das alles hat mich vor geandt; |
Als wir dich trewlich gwarnet hand,
Da sagtest uns ein tand daran.
Drumb yetz den spott zúm schaden han!
Tobias der alt (klagt gott.)
O herr, du bist gerecht fürwar, `
Und dein thün ist grecht offenbar,
[F8a] Auch eitel git und trew gewiß.
2235
Ach gott mein herr, mir gnádig bib,
Nach meiner sünd mich, herr, nit richt!
Ich bitt, wöllst auch gedencken nicht
Meinr vätter oder meinr mißthaten.
Dann als wir dein gbott übertraten,
Seind wir dahin gegeben zwar
Den feinden, uns zü brauben gar,
Die uns gefangen halten, tödten
Und dringen uns in solchen nöten ;
Wir seind den feinden worden schon
Zü schanden und zú spott und hon,
Dahin du uns, herr, hast zerstrewt.
O herr, es seind gantz schröcklich heüt
Deine gericht, weil wir nicht hand
Dein gbott gehalten allesand
Und gantz ungrecht gwandert vor dir.
Ach herr, nun biß genädig mir
Und nimb mein geist im friden hin!
Dann ich vil lieber todt will sein’
Dann leben also jämerlich.
O herr mein gott, wóllst gweren mich,
Wickram VI
81
2375
Tobias, 5. akt, 1. scene.
In der trübsal vergibstu gschwind
Den, die dich anrúffen, ir sünd.
Zú dir, herr, ker ich mein angsicht,
Zú dir mein augen ich auffricht
Und bitt dich, herr, du mich erlöß
Auß diser schweren schmach so böß
Oder nimb mich von hinnen gar!
Du weyst doch, herr, gantz offenbar,
Das ich kein mann nye begert hab
Und mein seel gantz gezogen ab,
Rein behalten vor bösem lust;
Und wo ich böß, leicht gsellschafft wust,
Die unzucht hab ich gflohen weit,
Bei ir mich ghalten zkeiner zeit.
Ein mann nie ich verwilliget
Zú nemen, in deinr forcht ichs thet,
Und nicht auß fürwitz keiner gstalt.
Aber, herr, ich ein semlichs halt,
Das ich ir vleicht nicht wert bin gsein,
Oder sie warn nicht wirdig mein,
Und hast mich wöllen solcher gstalten,
Eim andern mann vleicht vorbehalten.
Dann dein raht nicht in menschengwalt
Staht; dann ich gwiß semliches halt,
[G2b] Wer dir, herr, dienet, würdt erlößt
Und in seiner anfechtung gtröst,
Auch gantz erlößt auß seim trübsal,
Findt nach der züchtgung gnad on zal.
Dann du hast keinen lust fürwar
An unserem verderben gar;
Dann nach dem ongewitter grell
Laßt du scheinen die sonn so hell
Und nach dem weinen treher zwar,
Überschütst uns mit fretiden gar.
Deim namen, herr, sei ewiglich
Ehr, lob du gott Israel reich.
85
Tobias, 5. akt, 2,—3. scene. 87
So leg irn leichnam neben mich!
All dein leben lang solt du gott
220 Vor augen haben fri und spot
Und hút dich, das man dich nicht findt,
Das du bewilligst in kein ding,
So dich ableit von gotts gebott !
Von deinen gútern geben sott
43 Dein täglich steür und hilff den armen,
Wend nicht von in, dich ir erbarmen!
So würt dich gott herwiderumb
Gnädig ansehen umb und umb.
Wo du kanst, hilff den dürfftigen!
4% Hastu vil, so gib reichlich den,
Hastu wenig, so gib doch das
Mit trewem hertzen sonder haß!
Damit würst du dir in der not
Ein lon samlen, so dir vorstot.
[G3b] Almúsen löset von der sündt,
Darzü auch von dem todt geschwindt
Und lasst dich in keinr noth noch gfar,
Almüsen ist ein trost fürwar
Groß vor dem allerhöchsten gott.
440 Noch weiters du dich hüten sott
Und alles ehbruchs müssig stohn,
Neben deim ehweib keine hon.
Hoffart im hertzen klein noch groß
In keinen weg nicht herschen loB!
245 Denn sie ist warlich ein anfang
Alles verderben sonder wanck.
Wer dir arbeyt, gib schnell sein lohn,
Onblont laß niemand von dir gohn!
Was du gern hast, das man dir thit,
2450 Tha andern auch on falschen mith!
Den hungrigen dein brodt fürstreck,
Mit deinen kleydern auch bedeck
Den nackenden, von brodt und wein
Solt geben das allmüsen dein
2455 Alle zeit bey der frommen grab.
Tobias, 5. akt, 3.—4.. scene.
Tobias der jung.
Mein vatter, ich will dich geweren
[G4b] Und dein gebotten volgen geren.
©
251
2515
[G3a] Wenn ich schon gang und sich mich umb
Doch wie ich das gelt z wegen bring,-
Das wird mir sein ein seltzam ding.
Er hat mein nie keyn kuntschafft ghan,
So kenne ich auch nicht den mann.
Was zeychens soll ich im doch bringen,
Das er mir glaube diser dingen ?
Auch ist mir, weyst du, in dem landt
Der weg und strassen unbekant,
Weyß nicht, wie ichs anschicken soll,
Das ich die sach außrichte wol.
Tobias der alt.
Mein son, wie ich dir vor verkündt,
Gabelus heyßet unser freündt.
Den brieff schreib er mit eygner handt,
Wie ich dir vormals thet bekandt;
Sobald du im würst zeygen den,
Wird er dir gwiß das gelt legen.
Geh nur hin, lúg umb ein, der sey
Ein trewer gsell und frumb darbey,
So den weg wiß und mit dir wöll,
Denselben umb ein lohn bestell,
Damit das dir das geltlin werdt,
Eh denn ich scheyd von diser erdt!
Tobias der jung.
Ich gang und schaw. Dich gott bewar,
Biß ich komb wider zú dir har!
Tobias der alt.
Gott dich beleyt
In ewigkeyt!
5. akt, 4. scene.
(Tobias der jung, Raphael.)
Tobias der jung.
5% Und gleich zü vil
89
Tobias, 5. akt, 4.—5. scene.
5. akt, 5. scene.
(Tobias der alt, Tobias der jung; dann Raphael, Hanna.)
Tobias der jung.
O lieber vatter, hör groß wunder!
Ich glaub, gott wöll das schicken bsonder.
Ein jüngling hab ich troffen an,
Der alle weg in Meden kan,
255 Sagt mir auch von Gabelo vil,
Wie das er etwann bei der weil
Zü herberg bei im sei gelegen.
Tobias der alt.
Das sein gott ymmer müße pflegen!
Gang, mein son, bring in her zü mir,
2560 So anders er will gehn mit dir!
Tobias der jung.
Mein jüngling, wann dichs nicht beschwert,
Mein liebster vatter dein begert,
Das du wöllst zú im heime gon.
Raphael.
Warumb wolt ich das underlon!
2565 Dem alter bin ich sonst geneigt,
Drumb sich mein dienst gen im erzeygt.
(zúm vatter.)
[G6a] Gott geb dir fretid, du alter mann!
Tobias der alt.
Ach gott, was freüd wolt ich doch han,
Der ich am finstern sitz all tag,
2570 Des himmels liecht nicht sehen mag!
Raphael, der erst engel.
Ach, hab gedult, glaub sicherlich,
Gott würt gar bald erretten dich!
Tobias der alt.
Darumb wir dich berüffet haben,
So wiß, ich wolt mein son, den knaben,
2575 In Meden schicken gon Rages!
Darumb so es dir wer gemeg,
Das du mit ihm wöllst ziehen dar,
Tobias, 5. akt, 5. scene.
In freuden wend wir ziehen hin,
%10 Auf dem weg gúter dingen sein.
Tobias der jung.
Mit mir will ich nicht tragen vil,
Drumb bin ich grüstet, wenn man will. —
Hertzliebster vatter, bhüt dich gott,
Der wöll benemen dir dein nodt!
2615 Biß frölich, bi& ich widerkomb!
[G7a] Ich hoff, ich hab ein gleitsmann fromb. —
Miter, gott wóll gesegnen dich,
Thi dem vatter dieweil fretindtlich !
Er ist ein armer blinder mann.
Hanna.
220 Ach gott, was unglücks fellt mich an!
Dein vatter sitzt da und ist blindt;
Du zeüchst hinweg, mein einigs kindt,
Und mag nicht wissen, wie dirs gang,
Ob du kurtz außbleibst oder lang.
22% Nun far hin, das dich gott geleyt !
Tobias der alt.
Gott bewar dich in ewigkeyt! [Beide ab.]
Hanna, Tobie weib,
Ach lieber mann, wie mags doch kommen?
Unsers alters trost hast uns gnommen,
Schickst in hinweg. Gott wolt, das gelt
2680 Wer nye kommen in dise welt,
Darumb du in thúst schicken hin!
Wir weren wol züfriden gsein,
Wer uns gwesen an reichthumb wol,
Wann er hie wer bliben dißmol.
Tobias der alt.
235 Ach Hanna, liebste haußfraw mein,
Nicht weyn, nit wöllst bekümmert sein!
Dann unser son (solt glauben gar)
Zeücht frisch und gsund hin und auch har;
Solchs deine augen sehen werden.
2610 Ich glaub, das in auff diser erden
Der gút engel des herren gleit
2675
Tobias, 5. akt, 5.—6. scene.
Das heyßt mit seim nammen Tygris.
So hat das ort kein nammen sub,
Dann das mans nennt ang Tygers fluß ?
Tobias der jung.
Wann das nit sörglich z watten wer,
So wer das meins hertzen beger,
Das ich mein müden füß solt baden.
Raphael.
Das magstu wol thin sonder schaden.
Dieweil will ich ein fewr auffzinden,
Schawen, wo ich dürr holtz mög finden. —
Tobias der jung.
Das wasser ist wie ein christallen,
Den sand sich ich am boden allen.
LoB zů, wie braust es dort so sehr,
Alls wann es wer ein wallend mér! —
Mordt, mordt, mein herr, des grossen fisch!
Hilff mir, das er mich nicht herwisch!
Er wtirdt mich fressen an dem end.
Raphael.
Erwtisch in bei dem küffel bhend
Und zeüch in zů dir an den pfort, '
Leg in auffs land am selben ort,
Entweid in und bhalt die ding all,
Das hertz, die leber unnd die gall!
[G8b] Dann sie seind all seer köstlich gút,
2695
2700
Wie ich dir sag. Drumb habs in hit,
Zerhaw den fisch zü stücken gar
Und bring mir dann ettliche har!
Die will ich auff eim glütlin braten,
So mögends uns zür speiß geraten.
Tobias der jung.
Schaw, wie schweißig ist diser fisch!
Sein hertz ist im gesundt und frisch.
Das theil wend wir yetz zúm nachtmol
Breiten und braten auff eim kol,
Das übrig wend wir saltzen ein;
Es würt uns auff dem weg net sein. '
95
2720
2725
Ich hab dir nit ein leydt gethan,
So kompst und fahst ein hader an
Und balgest, gleich ist mir nit lieb.
Jesabel.
Sagstus, so leügst du wie ein dieb.
5. akt, 8. scene.
(Raguel, Hanna.)
Hanna, Raguelis.
Wie sihst, mein lieber Raguel?
Betrúbt ist dir dein gmút und seel.
Wo denckst doch hin? Sag mirs durch gott!
Du bringst dich mit deim sin in nodt.
Raguel.
Ach gott, solt mirs nit gon zú hertzen
Und bringen unseglichen schmertzen,
Das ich meinr lieben tochter kan
Paa, S |
2740
Tobias, 5. akt, 7.—9. scene. 97
So gar bekummen keinen mann,
Der ir von gott bescheret sei
Und ir mög ehlich wonen bei.
Wiewol sie siben mann hatt gnommen,
Seinds durch den teüffel all umbkommen,
So das wir von ir keinen erben
In unserm leben thún erwerben.
Du sihst, bald einer zü ir kompt,
Der schandtlich teüffel sich nicht saumpt,
Erwürgt in gleich von stunden an.
Das ist der unmåt, den ich han.
Hanna Raguelis.
Biß gtröst und setz es heim dem herren!
Wer weyßt, er würdt uns noch bescheren
Einen, so unser tochter würdt
Hib]Erfrewen und die im gebürt.
2745
Raguel.
Wolan, dieweils nit hilffet mich,
So mäß von hertzen schlagen ich.
5. akt, 9. scene.
(Raphael, Tobias der jung.)
Raphael.
16 redlich, liebster brúder wert,
Und greiffs an, wo dein hertz begert!
Gott hat uns dise speiß selb geben,
Die er all denen gibt, (merck eben)
So in hertzlichen rüffen an;
Gar nichts er in versagen kan.
Des solln wir im auch danckbar sein
Umb alle narung, brodt und wein.
Tobias der jung.
Ich hab gnüg gessen auff diß mol.
Wann ich die warheyt sagen soll,
5 So möcht ich yetz wol schlaffen gon ;
Die augen wend mir nimm off ston.
Ich danck dem allerhöchsten gott,
Der uns die speißß bescheret hott.
Wickram VI, 7
27% Da werd ir erst.hören und sehen.
Groß ding, so durch den gwalt gotts gschehen.
Damit hab euch in seiner hüt
Der ewig einig schöpffer güt,
So himmel, erd regieren thút!
Ende des ersten tags.
Tobias, 5. akt, beschluss—6. akt, argument. .99
Anfang des andern tags.
Herolt.
2780 Ir frommen christen, seind ermant!
Da wirs gester gelassen handt,
Wend wirs yetz wider fahen an,
Dem text nach stracks hindurchhin gon.
Da werdend ir vil schöner leren
[H2b] Von Raphael dem engel hören,
2790
So er seim fretindt Tobia geit,
Wie er sich halten soll allzeit.
Dabei will ichs beleiben lon,
Das argument sollendt verston.
6. akt, argument.
Argumentator.
Hie nemmend war, ir christenleüt,
Was sich begeben würdt der zeit,
So Tobias yetz auff würt stohn,
Thút fürbas mit seim gferten gon.
Du jugent, merck mit fleiß, hab acht,
Die leer des engels wol betracht !
Wann du thüst greiffen zü der eh,
Wes du dich halten solt, versteh,
Das in unzucht dich nicht begebest,
Sonder gantz züchtig darinn lebest!
Dein gmahel halt in hohen ehren,
Wie uns Petrus trewlich thút leren
Die erst epistel dritt capitel,
Wie die Sara on alles mittel
Den Abraham hat ghalten schon!
100 Georg Wickram,
2805 Genesis gibt auch zů verston
Am andern, das auff diser erd
Ein mann gäntzlich verlassen werd
Den vatter und auch múter sein
(Solchs hat geschafft der schöpffer dein)
210 Und seim gemahel hangen an.
Christus am neüntzehenden schon
Matthei sagt den juden satt,
Was gott züsamengfüget hat,
Das solle der mensch scheyden nicht.
[H3a] Am andern Johannes vergicht,
Das Christus sampt der müter sein
Zü Cana in Gallilea
Seind gewesen auff der hochzeit da.
Paulus am fünfften schreibt uns klar
200 Zü den Ephesern (nemend war)
Und saget also: ‘Ir männer,
Habend lieb ewere weiber,
Gleich wie Christus hat gliebt sein gmeyn"
Drumb solt die eh bewaren reyn,
2825 Damit die nicht werde geletzt
(Dann gott hat dieselb ingesetzt)
Und du nicht durch des teüffels gwalt
Angriffen werdest solcher gstalt.
Merck, hie würst du berichtet frey,
2830 Welcher der teüffel gwaltig sei.
Ich bitt, wöllt alles wesen lon.
Seind still! Dann yetzund würt auffston
Tobias mit dem gferten sein,
Und werden weiter ziehn dahin.
6. akt, 1. scene.
(Raphael, Tobias der jung.)
Raphael.
2835 Brüder, stand auff! Es taget schon,
So wöllend wir yetz weiter gon.
Tobias der jang.
Ey, wie ein gütes beth war das!
wA
Tobias, 6. akt, 1. scene. 101
In einem jar schlieff ich nye baß.
Ich will yetz vil baß mögen gon,
230 Dann ich gester denn tag hab gthon.
Drumb ist es dein gelegenheyt,
Wer ich yetzundt zi gon bereyt.
[H3b] Baphael.
Für du den hund und trag dein pack!
So will ich nemmen den brodtsack,
25 So wend wir singen mit begir!):
In gottes nammen ziehen wir,
Das walt gott, der uns all erschúff.
Das ist ein selger wunsch und rúff.
Kyrieleyson.
Tobias der jung.
2850 Mein brüder, das dein gott müß walten,
Ich mag mich lenger nit enthalten,
Das ich dich frage umb die ding.
Denn als ich gestert den fisch fieng,
In auff das land warff und auffthet,
285 Hast du so ernstlich mit mir gredt,
Ich solt behalten die ding all,
Nemlich hertz, leber und die gall.
Das hab ich gthon, wie du hast gsagt,
Und hette dich gern vil mal gfragt,
2260 Warzü die ding doch nützlich weren.
Raphael.
Ich will volstrecken dein begeren,
Dir dises alles machen kundt.
Hertz und leber ıst ein außbundt;
Wo mans auff glüend kolen legt,
2865 Derselb rauch alles gspenst bewegt,
Das es müß weichen gleich von dann,
Es sey bey frawen oder mann,
k
1) Eine umformung des alten wallfahrts- und processionsliedes
(Wackernagel, Das deutsche kirchenlied 2, 515 nr. 678 f. 3, 1229 nr. 1436 f.
Báumker, Das kath. deutsche kirchenlied 1, 572 nr. 295. Erk-Böhme,
Deutscher liederhort 3, 728 nr. 2019), das auch -unten- v. 4082 und 4215
benutzt wird.
2875
28%
Tobias der jung.
Das will ich gwißlich bhalten wol.
Wer weyßt, wo mich nutzet einmol!
Nun sag mir noch eins, brüder mein,
Wo wend wir hinnacht z herberg sein?
Raphael.
Es wonet hie ein mann gerecht
Und fromm, der ist von deinem gschlecht,
Derselb heyßt Raguel mit nammen.
Sein gút ist dir beschert als sammen;
Dann dich sein tochter nemmen würdt.
Doch würb umb sie, wie sich gebiert
Bei irem vatter! Von stund an
Nimpt er dich an züm tochterman.
Tobias der jung.
Mein brüder, der wort müssig gang!
Dann ich hab warlich ghört vor lang,
Wie sie vermehelt ward züvor
Sıben männeren, das ist war;
Seind all todt. Auch sagt man davon,
Der böse geyst hab semlichs thon,
Je einen nach dem andren gtödt.
Drumb förcht ich mir in solcher nödt,
Mir möcht vleicht auch der maß gelingen;
So würdt ich meine eltern bringen
Var erassem levdt ins erdtrich hnin:
2975
[H6a]
2995
Tobias, 6. akt, 2. scene.
Und von dem du yetzunder sagst,
Ist dises jünglings vatter gwib.
Desselben du on zweiffel biß! —
Raguel.
Gesegnet seist, mein lieber son!
Dann wie ichs hab vernommen nun,
So bist ein son eins frommen mann,
Geboren auf seim weib Hannan.
Hanna.
Mein vetter, bi uns wilckumm allen!
Der herr schick es nach deinem gfallen.
Sara.
Mein vetter, das dich gott bewar!
Tobias der jung.
Gott versorg euch mitnander gar!
Raguel.
Gang, schlacht uns einen wider git,
So wend wir han ein güten mit.
Hanna und Sara, gond ir beid
Und sehen, das das mal werd breyt! —
Ach lieben fretind, nun sitzend nider
Ir seind fürwar mid worden sider,
Als ir den weiten weg sind gangen.
Wie lang han ich gehabt verlangen,
Damit ich von meim brúder mecht
Einmal etwas erfaren recht!
Nun bin ich gwert auff disen tag,
Kein bessern botten haben mag
Dann disen, meines brúders kind.
Mich frewt on maf, das ir hie sind.
Sara.
Wann dirs liebt, vatter, sitz zú tisch!
Dann all ding ist bereytet frisch,
So wend wirs essen bringen hnein.
Raguel.
Setz dich zúm tisch, traut vetter mein!
Tobias der jung.
Ich if heut oder trincke nit,
105
Tobias, 6. akt, 2.—3. scene. 107
Reych mir feder und dinten bald!
Ich will verschreiben, welcher gstalt
Diß ehgemächt soll bschlossen sein
808 Zwischen dir und der tochter mein.
6. akt, 3. scene.
-(Simri, Sisarach und hofstaat.)
Hoffmeyster des künigs.
Ir tafeldiener, hört mein bscheyd,
Eylens und gschwind die tisch bereyt!
Ir trucksessen, tragt an das essen!
Der künig ist zü tisch gesessen.
340 Ir schencken, tragend auff den wein,
Alle ding ordnen wol und fein,
Damit küngliche mayestat
Gar nicht von euch zü klagen hat!
Credentzer.
Hoffmeyster, wir wend uns nicht saumen,
30% Unserm befehl yetz gleich nachkommen.
Dem künig ich credentz mit fleiß,
Damit im kein ungsunde speiß
Fürkommen thú, darzú den tranck
Credentz ich auch on allen wanck. —
3050 Herr meyster koch, züforderst an
Will ichs von euch credentzet han,
Deßgleich von dem schencken den wein,
Wie denn recht ist und solle sein.
Sisarach.
[H7b]Brüder, auß freündtlicher begir
3055 Komb ich zü essen jetz mit dir.
Simri, künig.
Du thüst gar recht an disen dingen,
Dein zükunfft thüt mir groß freüd bringen.
Darumb so setz dich her zü mir!
Zú reden hab ich vil mit dir.
Der koch zim credentzer.
3000 Die spei zúmal,
A U.
Tobias, 6. akt, 3.—4. scene. 109
Ir mússend auß einander rucken,
Damit so find ich auch ein — loch.
Ich bin dort für die küchen tretten,
30% Hab den koch umb ein supp — ansprochen,
So thüt er meiner spotten dran.
Wie ist er so ein untrew — mensch!
Ich wolt, das in der teüffel nem,
Das er vons künigs hoff wegkem.
6. akt, 4. scene.
(Raguel, Hanna, Sara, Tobias der jung, Raphael; nachher Jesabel.)
Raphael.
3100 Tobias, lúg, behalt gar eben
Die trew leer, so ich dir hab geben!
So mag dir nimmer misselingen.
[H8b] Tobias der jung.
Ich will dir folgen aller dingen,
Das solt du gwißlich von mir sehen.
Raphael.
3105 So würdt dir nymmer leyt geschehen.
Raguel (hat außgeschrieben, spricht :)
Hanna, richt an in gottes nammen,
Setzend euch nun züm tisch allsammen !
Sitz nider, lieber tochtermann !
Im hertzen ich dir gütes gan.
3110 Sampt deinem freünd hab gúten mút!
Nun land uns auch das höchste gät
Bedencken und gott lob und preiß
Sagen umb seine tranck und speiß.
(Jetzundt betten sie.)
Hymmlischer vattr in deinem reich,
3115 Dein gút ist unaußsprechenlich.
Dann du dein gedeien, dein schutz
In wein und korn gibst uns zü nutz,
Damit wir all werden ernehrt.
Umb das güt, so du uns hast bschert,
8120 Dancken wir
[Und]
Tobias, 7. akt, 1. scene.
Raguel.
So kommend her in gottes nammen !
Die braut und breütgam müssen zsammen;
Die kammer ist schon zübereyt,
In die sye sollen werden gleyt.
Asaria, ich will versehen,
Dir soll auch güter raht beschehen.
Tobias der jung.
Vatter und mütter, lond mir bringen
Ein güte glút vor allen dingen!
Darzi hab ich in meinem secklin
Ein klein zúsammenbundens pecklin.
Raguel.
Das soll beschehen, lieber son,
Die knecht mússend das eilens thún. —
Gond hin, ir knecht, und bringend bhend!
Du findst da innen an der wend
Ein leder secklin, das bring mir! —
Merck du, was ich befehle dir!
Nymb einen newen haffen gút,
Darein so mach ein helle glüt,
Das sie nicht riech und schmacke wol,
Darzú nimb gúten frischen kol!
Der erst knecht.
Herr, es soll gschwind und eilens gschehen,
340 Das ir mein fleiß an mir sond sehen. —
[J7a] Was will er erst mit der glit machen?
3445
Gwißlichen will er kúchlin bachen.
Ich sorg, der jung sei kommen har
Zü fra, das im auch widerfar,
Wie es den andren ist beschehen.
Heint umb mitnacht würt mans wol sehen,
So uns der herr thüt rüffen nab,
Das wir im solln machen ein grab.
Der ander knecht.
Herr, nemend hie den sack von mir!
Wend ettwas weiters haben ir,
So zeygens an! Ich brings euch har.
119
Tobias, 7. akt, 1.—2. scene.
Dann wie es meinem freünd soll gon,
Wolt ich in nöten bei im stohn.
Raguel.
So hab dich gott in seiner pfleg!
Hanna Raguelis.
Der richt auch sicher all dein weg!
Raphael.
24855 Und weiß auch euch den himmelsteg!
7. akt, 2. scene.
(Aßmodoth, Raphael, Tobias der jung, Sara.)
Aßmodoth.
Belial, lang mir her mein kett,
[J8a] Damit ich manchen würgen thett!
Ich müß yetzund aber daran.
Sara hat aber einen man,
34% Welchen mann ir heüt morgen gab.
Ich m&B sehn, was ich z schaffen hab.
Den jungen lauren will ich bringen
Und in würgen vor allen dingen,
Ich will die braut ein wittwen machen,
4% Das iren müß vergen das lachen.
Pfey teüffel, was schmackt hie so starck,
In der helln ist kein gschmack so arck!
Tobias der jung.
Sara, das ich leg in das fewr,
Laß dich nicht duncken ungeheür!
8500 Mein brúder hat mir semlichs grathen,
Ich soll diß hertz und leber braten,
So müß von disem rauch und fewr
Verschwinden alles ungehewr.
Aßmodoth.
Pfey dich, du junger starcker geck!
3505 Ich glaub, du bratst ein teüffelsdreck.
Der dich das lert und an hat gfangen,
Ist gwiß mit dem teüffl in d schül gangen.
Raphael.
Gib dich gefangen, hellscher hund!
Tobias, 7. akt, 3.—5. scene, 125
Es doch daheymen hab ein gstalt.
Seind still! Denn ich will kommen balt.
(Spricht züvor.)
Hanna, das grab ist schon gemacht.
805 Schick balt ein magdt, heiß nemen acht,
Wie es doch umb Tobiam standt,
“ Damit und wir ein wissen handt,
Ob er sey bey seim leben noch
Oder wie d andern gstorben auch,
8810 Damit wir in vor tag begraben!
Hanna.
Ach, es wer mir leyd umb den knaben.
Bersabe, gang, schleich still und leiß
Und lig und hab sehr gúten fleiß,
Das du erfarst, wie die sach stand,
815 Ob wir doch einen breütgam hand
Oder ob wir haben ein leich!
Bersabea, magd.
Ich wils erfaren seuberlich,
Hoff, es soll mir einmal gelingen,
[K2b]Das ich mög gate bottschafft bringen.
Hanna.
%20 Ach, das dir gott geb die genadt,
Das du brechst ein git bottenbrodt !
Bersabea.
Gebts bottenbrodt vor allen dingen!
Dann ich ein gút bottschafft thü bringen.
Sie leben beyd, seind frisch und gsund
623 Und schlaffen süß zů diser stundt.
Gott erhalt sie in seiner hüt!
Raguel.
Gelobet seist du, herr, der güt!
Du hast hingnommen unser quel.
Wir dancken dir, gott Israel,
8830 Dieweil nicht ist geschehen das,
So unser gröstes sorgen was.
Denn du dein groß barmhertzigkeyt
An uns erzeygt jetzt, hingeleyt
Tobias, 7. akt, 5.—6. scene. 127
3685 Wie hat der herr so grosse freud.
Jetz wend wir erst ein hochzeit haben;
Ist weger dann todten begraben.
Raguel.
[K3b] Erst brauch, mein Hanna, güten fleiß,
Das du überkompst gúte speiß!
8670 Dann ich will all mein güten fretindt
Laden, auch die mir günstig sind,
Als mein lieben nachbawren all
Und mit in frölich sein mit schall.
Jetzund will ich selb zür braut gohn,
375 Besehen, wann sie auff wend ston.
(Za der braut und breütgam.)
Ein güten tag, mein lieben kindt.
Ich frew mich, das ich eüch frisch find.
7. akt, 6. scene.
(Tobias, Sara, Raguel, Raphael, nachbarn und nachbarinnen.)
Tobias der jung.
Vatter, ich sag dir lob und danck;
Gott wöll dein leben fristen lang!
3680 Der herr hat mich die nacht behút,
Des danck ich seiner heylgen güt.
Sara.
Vatter, gott geb dir alles güt!
Uns hat der herr ghabt in seinr hút
Die nacht, des wir ım dann billich
385 Dancken ymmer und ewiglich.
Raphael.
Ein selgen tag, lieber Tobias.
Tobias der jung.
Gott wöll dir wol, mein Asarias!
Die ler und warnung, so du mir
Hast geben, darumb danck ich dir.
Baguel.
36% Kommend, ir lieben nachbawrn mein.
Thút noch heüt mit mir frólich sein!
Arlt
Be
Us.
5 De
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Goti
= m n a
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Solch. pe
Das
2660 Den
Tobias, 7. akt, 6.—7. scene. 129
* Ich bitt, vernemend mich all beyd!
“iso Mein tochter Sara ist versehen,
* Mit eim jüngling ist das geschehen;
Sie ist auch hinnacht beigelegen.
* Als ich mich vormals hat verwegen,
F- Den jüngling würd ich finden todt,
sem) Umb mittnacht mein knechten gebot,
m= Sie solten vor tag machen s grab.
= Demnach ich ein magdt gschicket hab,
a Zúrfaren, wie es umb sie standt;
a Die kompt mit freüden her gerannt
#720 Und heyscht von mir das bottenbrodt,
Sagt mir, der jüngling sei nit todt
. Sonder lebt noch, sei frisch und gsundt.
- Drumb frewt euch mit mir diser stundt
Und gond yetzund mit mir zü hauß!
Samuel.
sis Ist dann dein leyd und trawren aub ?
a. Das frewt mich in meim hertzen fast;
Danck gott, das er den schweren last
Von dir dißmal hat gantz genommen.
Raguel.
Ich bitt, ir wóllend naher kommen
‘go Und ewer weiber bringen mit,
"So wend wir sein gantz frölich heút.
J] Abraham.
ze Gang hin, mein vetter! Dann wir wendt
F Mit unsern weibern kommen bhendt ;
Dann sie auch werden frölich sein
97% Von wegn Sara, der tochter dein. [Raguel ab.]
Samuel.
Schaw, wie sich doch die sach zütreyt!
Die weiber seind beinander beid,
Sie wissend ettwann newe mehr,
Sthon da beinander, schleiffen d scher.
Abraham.
Ir scherenschleiffern kommend bhend !
~ ig müssend yetzund an eim end
Vemselben hat gott girist sein leben,
Ist frisch und gsundt, seind all frólich.
Thamar.
Des frew ich in meim hertzen mich
3760 Von wegen irer eltern beyd.
Ach, wie hand sye so grosse fretid !
Saphira.
Vor freiiden mag ich nicht mer ston.
Ach lieber land uns zú in gon!
7. akt, 8. scene.
(Raguel und knechte, Hanna, Tobias, Sara, Raphael; d
und Samuel mit Saphira und Thamar, nachbarn und ns
Raguel.
[K5b]Vernemend mich, ir beiden knecht,
376 Schawt, das ir d sach versehen recht
Mit allem, das ist euch befohlen,
Und thúnd ein frisch külwasser holen!
Abraham.
Sara, ich wünsch dir glückes vil.
Der ewig gott deins leyds dich will
3770 Ergetzen, so du vor hast ghan.
Samuel.
Wolan, gott hat vleicht gsehen an,
Tobias, 7. akt, 7.—8. scene. 131
Tobias der jung.
Gott bhüt dich allweg sonder klag!
Raguel.
Mein lieben fretind, darumb das ich
Euch bschicket hab, vernemen mich!
8760 Meinr liebsten tochter ich yetz han
Den jüngling geben zü eim mann,
Welchen mir gott hat gschicket har.
Drumb will ich yetzund (nemmend war)
Ein brieff und sicherung verschreiben,
8785 Wie und wobei es steiff soll bleiben
Jetzund und auch nach meinem todt,
Damit und man nicht lang umbgoht.
[K6a]So nimb den schreibzeüg, Abraham,
Und schreib an dise ding allsam!
(Raguel gibt den brieff an.)
37% Zü wissen allermencklich sei,
Ich Raguel bekenn mich frei
Mit disem brieff, demnach und ich
Mein tochter hab versorgt ehrlich,
Tobia meinem eiden frumm,
379 Das ich in soll in einer summ
Den halben theil von meinem güt
Zür ehstewr gebn mit freyem mút
Am güt und vieh hin durch die banck.
So sichs dann über kurtz odr lang
3800 Begeb, das stirb mein weib und ich,
So soll der ander theil desgleich
Gantz fallen an die tochter mein.
Zú urkundt und warhafftem schein
So henck ich hie mein sigel dran,
3805 Das nyemandt soll kein inred han.
(Sagt weiter.)
Ists gschriben, so gib mir in har!
So will ich in versichern gar.
(Sagt weiter.) -
Nun richt uns an! Sitst wie
Und danckend gott z#
Tobias, 7. akt, 8. scene. 133
Deim tochterman desselben gleich
385 Und auch deinr tochter seüberlich.
Hab gott in seiner hút all stund.
Die erst nachbewrin.
Mein hertz in alles gütes gundt;
So ir sachen gond glücklich wol,
Ist mein hertz aller freüden voll.
Die ander nachbewrin.
350 Es seind warlich so fromme leüt,
In kan args widerfaren netit.
Gott würt in gwiß in disem leben
Vil frumb und ghorsam kinder geben.
Hanna.
Ach, seind doch frölich, lieben gest!
8355 Wolt gott, ich hett das allerbest,
So man mag finden in der welt,
Mich solt hie dauren gar kein gelt;
Dann ichs euch allen günn von hertzen.
Mein red die hand mir für kein schertzen !
Abraham.
3860 Was sagstu, Hanna? Ists nicht gnig?
Wer mehr da, es wer ein unfüg.
Wir hand gehabt ein gütes mal,
In langem lebt ich nye so wol.
Ich danck braut und breütgam mit nammen,
3865 Von denen wir dif hand alls sammen.
Wanns nur zeit wer, wolten wir gon;
[K7b]Essens halb möcht ich wol auffstohn,
Samuel.
Ja warlich, wir seind lang gesessen,
Hand yetzmal wol truncken und gessen.
370 Drumb wolt ich rahten, das wir all
Dem herren danckten jetz zúmal
Umb seine reiche gútthat groß.
Dann er uns je on underlaß
Ernehren thút zü stund und tagen,
3875 Drumb wir ihm billich danck drumb sagen.
[K8a] Die ı uns aan wirt Lodi re v ich!
3895
3900
Das bitten wir von hertzen dich.
Gewer uns durch dein heylgen namen
Der unsern bitt! Nun sprechend amen!
Saphira.
Ich sag etich beyden grofen danck.
Gott ewer fretid bestete langck
Mit braut und breütgam beyderseit !
Thamar.
Gott wöll euch segnen dise zeit,
In solchen ehren lassen leben
Und wolgezogne kinder geben!
Die erst nachbewrin.
Nachbar, es ist gentzlich zü vil,
Mitler zeit ichs verdienen will.
Gott geb eüch vil glücks allen sammen!
Die ander nachbewrin.
Nun hand wir wol gelebt bey nammen.
8910
8915
[K8b]
3930
Tobias, 7. akt, 8.—9. scene.
Gott bhüt euch z hunderttausentmal,
Der schaff, das euch gang gliicklich wol!
Hanna.
Ich danck etich, nachbarn, lieben fretindt,
Das ihr heut zi mir kommen seind.
Ich bitt etich, wöllend han für git;
Der ewig gott hab etich in hit.
Raguel.
So wend wir jetz recht auch auffstehn,
Mitnander nauß spatzieren gehn,
Damit das uns vergang die zeit.
Ich weyß jetz sonst zi handlen nit. [Die gúste ab.]
7. akt, 9. scene.
(Raguel, Hanna, Tobias, Raphael; dann knechte.)
Raguel sagt weiter.
Tobias, lieber tochterman,
Ein grosse bitt ich an dich han,
Du wöllest mir zü willen sein,
Zwo wochen in der herberg mein
Bleiben, eh du [hin]zeüchst von mir.
Ich bitt dich, laß gefallen dir;
Demnach will ich dir alles geben,
Wie wirs dann hand verschriben eben;
So zeüchstu zü deim vatter wider.
Tobias der jung.
Die zeit würt im lang werden sider,
Wann ich so lang bleib auff der stroß.
Er lebt schon yetz in sorgen groß.
Raguel.
Ach nein, er würd kein sorg nicht haben,
Dieweil du disen frummen knaben
Mit dir hast gnommen auff den weg.
Tobias der jung.
Asaria, das dein gott pfleg,
Mein brüder, vernimb meine wort,
Was ich dir sag an disem ort!
Ich sag warlich, wann ich mich schon.
135
Tobias, 7. akt, 9. scene. 137
Nemmend acht zinnen fleschen voll
Mit wein, auch nemend so vil brodt,
$775 So euch wird zi der reyB sein noth,
Nempt auch fleysch gsotten und gebroten!
Der ander knecht.
Herr, wir wend uns auffs best berahten.
Wir weren schelmen in der heut,
Weil er sich so willig erbeut,
8980 Das wir uns nicht versehen wol. —
Gang du und full die fleschen vol
Und gang mit fleiß zim rechten fab!
Du weyst wol, welcher wein es was, _
Den wir zim nechsten truncken hand,
885 Da herr und fraw nit war im land.
Botz bettel, es ist güter wein.
Der dritt knecht.
Er wiirt yetz nymmer so starck sein;
Dann wir raufften in spat und fro,
Und ich fülts faß mit wasser zů.
Der vierdt knecht.
3% Es schadt im nicht, es macht in schon.
Gand hin! Wend ir erst lang da ston
Und erst ein zanck umb den wein han?
Kanst nicht ein voll faß stechen an?
Der erst knecht.
Laß das ausrichten unsre gsellen!
3% Wir wóllend gon zů den kamelen
Und sie anzeümen und bedecken
Und vier beschlagner trög drauff strecken.
[L2a] Hanna.
Es frewt mich in dem hertzen mein,
Das dein gesell thüt willig sein
4000 Und will für dich die sachen enden.
Raphael.
Ich will mein dienst nicht von im: wenden;
Dieweil ich leb, soll er erfaren,
Will ich kein trew &
Er wiist x. oat en le wein,
4020 So wiirt das brodt vom lufft erschórben.
[L2b] Wie mögt irs also lon verderben’?
Was hand ir hie in disen secken ?
Der dritt knecht.
Fisch und fleisch ist in beiden pecken,
Gesotten, gbraten und gebachen.
Die fraw thet mir es selb einmachen.
Der erst knecht.
Asaria, wir sind bereyt,
All nodturfft auff die kamel gleyt.
Drumb magstus wol nicht lenger sparen.
Raphael.
Allde. allde, wir wöllendt faren.
Tobias, Raguel.
4030 Der ewig gott wöll euch bewaren!
Raphael.
Nemend ir zwen die kamelthier!
Tobias, 7. akt, 9.—10. scene. 139
(singend.)
In gottes nammen ziehen wir;
Der wóll uns bhúten spat und frú,
Das uns kein übels falle zü.
4035 Kyrieleison.
7. akt, 10. scene.
(Raguel, Hanna, Tobias.)
Tobias der jung.
Vatter und schweher, yetz mag ich
Bey dir hie bleiben rüwigklich.
Dann ich mein gleytsmann hab gesandt
Gen Rages in der Meder landt,
400 Das er von Gabell fordern soll
Ettlich gelt, so im auff einmol
Mein frommer vatter glihen hett.
Als er nun zoh in alle stett
Züm gfangen juden in dem land,
[L3a] Er seinen freünd Gabelum fand
Gantz arm, da satzt er im das für.
Raguel.
Mein tochterman, das danck ich dir,
Das du dein gschefft dermaß kanst scheiben,
So das du bei mir hie magst bleiben
4050 Und frölich sein mit meinen freünden.
Wir wend gon schawen, wo wirs finden
Hanna die müter und ir sagen,
Das sie von newem zü thü schlagen.
Zür hochzeit, als man billich soll,
4055 Müß sie breiten ein gütes mol.
(Zúr Hanna.)
Hanna, richt uns ein gút mal zú
Noch hinnacht und biß morgens frú,
Damit uns auff unser hochzeit
An notdurfft dinge manglen nit!
Hanna.
4060 Schweig, lieber haußwirt! Es soll sein,
Dann es ist sonst der wille mein. —
4050
4055
4090
Ich sag dir, bistus diensts urdrützig,
Wird dir dein lon auch nimmer scheútzig,
Wie man denn táglich an dir spúrt.
Yon deim lon dir nicht über wirt,
Das d einmal möchst ein schüblin machen.
Jesabel.
Der teüffel lach zü solcher sachen,
Das ich umb mein bitter arbeyt
Nicht überkommen soll ein kleydt,
Und brich die übrign kleyder gar.
Bersabea, magdt.
Wilt wissen, wo das kommet har?
Du werckst gnüg, so lond man dir wol;
Doch wenn ich d warheyt sagen soll,
So thüstus gantz unwilligklich;
Drumb mag keyn lon beschiessen dich,
Denn gott semlichs nicht dulden kan.
[L4a]
4100
4105
4110
4115
4120
Tobias, 7. akt, 11. scene. 8. akt, 1. scene.
Jesabel.
Du magsts warlich erraten han.
Wenn ich ein gúten tage het
In der hand, ich sie nicht auffthet,
Das sie meim herren wird zú theyl.
Bersaben.
Drumb hastu so vil glück und heil.
Schaw, wie du so zerrissen stehest,
Feirtag, wercktag gleich kleydet gehest.
Jesabel.
Vil dings brent dich nicht, das du blost.
Was irrt dichs? Thi für dich selb schawen!
Ich hab genüg an einer frawen ;
Und woltestu mich lang vexieren,
Ich dörfft dir schier den balg voll schmieren.
8. akt, 1. scene.
(Raguel, Gabel.)
Raphael.
Gott grüß dich, lieber freundt Gabel,
Der nem von dir all not und quel!
Gabel.
Danck dir gott, biß willkummen mir!
Raphael.
Der ewig gott wöll dancken dir.
Merck, warumb ich her zi dir kom!
Mich schickt zi dir ein jüngling fromb,
Welchs vatter dir geliehen hat
Vor zeiten hie in diser stadt
Nemlich zehen pfundt silbergelt,
So er dir fretindtlich dar gezelt,
Wie du dann dich mit eygner handt
Verschriben hast und das bekant.
Tobias diser dein freünd was,
Hatt ein son, heißt auch Tobias.
Der ist jetzund beim Raguel;
Dem hat gott auch erfrewt sein seel
Sara halb, seiner tochter zart, -
14]
Der weg soll mir nicht sein zů weit,
Ich will mit dir. Doch vor und ich
4180 Hinweg zeih, will ich liffern dich.
8. akt, 2. scene.
(Raguel, Hanna, Tobias, Sara, Abraham, Samuel.)
Raguel.
Hanna, richt an! Sıtzt nider zsammen,
Land uns gott preisen alle sammen!
Herr, gsegne uns dein bscherte: speiß !
Deim nammen sei lob, ehr und preiß,
415 Von ewigkeyt zů ewigkeyt
Sei dir lob, ehr und danck geseit.
Abraham,
Das ist je wol kocht auff mein eydt;
Gott bhüt die köchin vor hertzleydt.
Samuel.
Ich würd des güten lebens gwon
4140 Und gar ungern lassen darvon.
Raguel.
Macht wenig wort, essend nur bald!
Die kost soll nichts, wann sye würt kalt.
8. akt, 3. Scene
4150
4105
4160
4165
[L5b] Ich wolt mich erst recht haben gsetzt
4170 Und mich meins hungers han ergetzt;
So kompst du und bringst andre máhr.
4175
Tobias, 8. akt, 1.—3. scene.
Und ist der groß Hannanias
Genant; von mir sollt wissen das.
Gabel.
Ich hab in kannt vor langen jaren,
Ein frumb redlich man auBerkoren.
Des du dich billich frewen magst,
Ist er dein vatter, wie du sagst.
Raphael.
Im ist, wie ich dir zeyget an.
Gabel.
Sich zů, in disem wetscher than
Hab ich das gelt, gezalt zúsammen
Zehen pfundt am gewicht mit nammen,
Am halt gnúg schwer. Drumb mein handtschrifft
Gib mir, so dise schuldt antrifft !
Und wann es dich dann duncket zeit,
Zeüch ich mit dir den weg so weit.
Raphael.
Hie ist dein handtschrifft, nimm die hin;
Dann ich deshalb vernüget bin.
Rüst dich, so wend wir auff die fart;
Tobias mit verlangen wart. —
Ir knecht, gend hin und zeümend an
Die kamel! So wend wir darvon.
Der erst knecht.
Es soll geschehen von stund an. —
Wolauff, ir gsellen, wir wend dran.
Der ander kneoht.
Du hast gekröpfft, so sind wir lähr.
Der dritt knecht.
Nun will ich dannocht trincken vor;
Dann mich sehr dürstet, sag ich zwor.
Ich bring dir einen daubenzuck,
Ein gúten kalten starcken schluck..
143
Darumb schickt euch! ¡So wend wir dran.
Gabels weib.
Ir müssend nicht scheyden so bald.
Ich hab noch einen rindtsfüß kalt,
4185 Ein gúts gebratens auch darbey;
Davon eß, wer da lustig sei. —
Magd, gang, bring bald frisch brodt herein!
Knecht, gang und laß ein kannt mit wein!
So thünd sye einen trunck mit nander,
419 Auff lehren bauch ist nicht güt wandern.
Die magd.
Hye hand ir brodt, mein liebe fraw.
Wend ir sonst mehr, ich auch drumb schaw,
Dorfft ir sonst nicht, so zeygend an!
[L6a] Dann ich noch mehr zü schaffen han.
Gabels weib.
4% Nein, gang hin, liebe maget mein!
Wo bleibt doch der knecht mit dem wein?
Gabelas kneoht.
Mein herr, gott gsegne euch den wein!
Zürnt nicht! Ich bin sehr lang auf gsein;
Der zapff ist klein und laufft gemach.
Gabel.
3900 Knecht, lig, versih du alle sach
nm
4210
4215
Tobias, 8. akt, 8.—4. scene.
Gabel.
Wolan, mein haußfraw, wir wend faren.
Der ewig gott dich gsundt wöll sparen!
Halt wol hauß, ist an dich mein bitt.
Gabels weib.
Mein mann, du darffst der sorgen nit.
Gott geb euch glück auff ewrem weg!
Raphael.
Fraw, das dein gott von himmel pfleg !
Nun singen mit hertzenbegir:
In gottes nammen faren wir.
(Gesang.)
In gottes nammen faren wir,
[L6b] Seiner hilff [thun] begeren wir;
4225
So helff uns der ewige Gott,
So uns speißt mit dem himmelbrodt.
Kyrieleison.
Der Israel das gantze heer
Fürt trucken durch das rote mör
Der helff uns jetzundt alle sampt
Wider gesundt in unser land.
Kyrieleison.
Raphael.
Lauff du voranhin, was du magst,
Damit du meim Tobia sagst,
Das ich und auch Gabelus komm !
Dir würdt gwißlich gelonet drumb.
8. akt, 4. scene.
145
(Raguel, Hanna, Tobias, Sara, Gabelus, Raphael und knechte.)
Der erst knecht.
Eins lons bin ich gwiß, anders kein,
4230 Dann das ich mach müd schenckl und bein. —
Gott gsegen euch trincken und essen,
Wie ir allda zü tisch seind gsessen !
Tobias, merck, was ich verkünd!
Es kompt dein allerliebster fretindt,
4285 Gabelus sampt .:
Wickram VL
10
Der ewig gott ım hinmelreich
Gesegnets euch allen geleich.
Tobias der jung.
[L7a] Zú tausentmal mir willkumm seind,
4245
4250
4260
Du mein brüder sampt meinem freünd.
Raphael.
Der wöll dich bschirmen allemol,
Und deine hochzeit glück dir wol!
Gabel.
Der gott Israel segne dich.
Dann du bist einmal sicherlich
Eins frommen grechten mannes son,
Welcher gott allzeit fércht und nun
Und der den armen gneygt ist gar
Und thút in auch vil gúts fürwar.
Gesegnet sei dein weib und gschlecht,
Gott wöll, das ir vil kinder secht,
5 DeBgleichen ewre kindskinder
Ins dritt und vierdt geschlecht und mehr!
Gesegnet seie auch dein samen
Von gott Israel und seim nammen,
Der da herrscht und ewig regiert
In seinem reich glorificiert.
Das wünsch ich euch von hertzen gar.
=
[L7b]
4270
4275
Tobias, 8. akt, 4.—5. scene. 147
Von ewigkeyt zi ewigkeyt
Sei im preiß, ehr und danck geseit.
8. akt, 5. scene.
(Tobias der alt, Hanna.)
Tobias der alt.
Wer ist hie bei mir in dem sal ?
Hanna, Tobie weib.
Ich und sonst nyemands überal.
Tobias der alt.
Ach gott, wie gehts meim lieben son?
Was mag er doch so lang auß thin,
Was mag in doch heben so lang?
Es macht mir in meim hertzen bang.
Villeicht ist Gabel nimm beim leben,
Und will im das gelt nyemandts geben.
Ach, das ich in nicht bhielt bei mir!
Hanna, Tobie haußfraw.
Ach gott, ich sagts zim ersten dir.
Ach mein son, ach mein lieber son!
Ach, warumb hand wir solchs gethon,
Das wir dich so weit ließen wandren,
Du unser trost, hand sonst kein andren,
Ach du unser einige freüdt
In unserm alter, aller beyd
Einiger erb und einigs hertz!
Was bringt uns das gelt grossen schmertz !
Wir hetten schatzes gnig gehabt
Und bnigt an dem uns gott begabt,
Und hetten dich gelassen hie.
Ach, das das gelt ward gschaffen ye!
Tobias der alt.
Ach mein Hanna, laß trösten dich
Und stell dich nicbt so jamerlich !
Unserm son gehts, ob gott will, wol
[L8a] Und gwiß nicht anders, dann im sol.
4205 Ein trewer gsell doch mit im geht,
Darumb all sach .
1)"
(Raguel, Hanna, Tobias, Sara, Raphael und andre
Raguel.
Tobias, lieber tochterman,
Ein große bitt ich an dich han,
Du wöllst ein zeit lang bei uns bleiben.
So will ich deinem vatter schreiben,
4305 Wie du gsundt seist und dir wol gang.
Tobias der jung.
Ach nein, die zeit ist im sonst lang.
Ich weyß, mein vatter allen tag,
Auch mein müter in grosser klag
All tag und stunden zalen zwar,
4310 Seind meinethalb bekümmert gar.
Raguel.
Ich weyf, wann ich in schreiben thú,
So werdens deinthalb sein zů rhü.
Tobias der jung.
O lieber schwäher, ich bitt dich,
Du wöllst nicht lenger halten mich,
4315 Bedencken meinen vatter alt,
Welcher dort sitzt in gottes gwalt
Und ist blindt, wie ich dir gsagt hab,
Als ich mit ersten kam herab.
Tobias, 8. akt, 5.—8. scene. 149
Raguel.
4355 Dieweil der handel steht also,
Will ichs mit willen geben noh.
Ich will im geben laut der schrifft
Als mein halb gút, wie das sich trifft,
An silber, goldt und auch geret,
4380 Wie ich dann solchs bewilliget,
An knechten, megdten desgeleich,
Will allessampt selbs theilen euch
In beisein ewer, meiner freündt. —
Ir knecht, hebt auff den tisch geschwindt
4335 Und loben gott den herren all,
Das er uns speiset allemal!
(Das Gratias.)
Hymmlischer gott in ewigkeyt,
Lob, ehr und danck sei dir geseyt,
Das du uns hie in unserm leben
4340 So reichlich speiß und tranck thüst geben,
Auch anders, so uns leiblich noth
Ist. Darumb wir, o herr und gott,
Dir billich sollen danckbar sein.
Nun kommend, allerliebsten mein,
445 Damit ich nach meiner züsag
[M1a]Mein tochterman außstewr on klag!
8. akt, 7. scene.
(Hanna.)
Hanna, Tobie weib.
Ach gott, mein lang warten und sitzen
Mag mich in keynnen weg nit nützen.
Von meinem son hör ich kein wort,
4850 Wie lang ich wart an disem ort.
8. akt, 8. scene.
(Raguel, Hanna, Tobias, Sara, Raphael, Gabel, freunde, knechte und
mägde.)
Raguel.
Nun gehnd hin eilends bald, ihr knecht,
vna vor aes TEULEIS 11SL DEWATIL.
4360 Nu bifg frölichen auff der fart,
Und wenn du kombst zúm schwäher dein
Und schwiger, sollt ihr ghorsam sein,
In ehren halt sie spat und frú!
Dein mann von hertzen lieb darzü,
485 Dein gsind regier gantz fleissiglich,
In zucht und erbarkeyt zeuh dich,
Damit du seiest weib noch mann
Nicht ergerlich! Ach denck daran !
Sara.
O du hertzliebster vatter mein,
4370 Deiner ler will ich ingdenck sein;
Dieweil mir gott mein leben lengt,
Mein hertz und gmüt der wort gedenckt.
[M1b] Hanna.
Das nimb, mein tochter, hie von mir!
Denn ich habs lang behalten dir.
475 Von meinetwegen das behalt,
Deins vatters ler bhalt solchergstalt!
So dir denn gott ein frucht beschert,
In gottesforcht die werd gelert.
Du weyst, wie wir dich hand erzogen ;
4880 Thú also, so wirst nicht betrogen
Tih ts er Ze midi asl awl a als nureen wb ana
Tobias, 8. akt, 8. scene. 151
Raphael.
Das vieh bringend sie schon daher.
Darumb es an der zeit jetz wer,
Das wir uns mächten auff den weg.
4390 Zeüht man schnell, wird das vieh bald treg.
Tobias der jung.
Mein lieber schwäher, schwiger beydt,
Der ewig gott bhüt euch vor leydt!
Ich bitt, ir wölln uns urlaub geben.
Das eüch gott lang wöll lassen leben!
Raguel.
489% Mein son, der heylg engel des herren
Sey jetzundt bey dir nach und ferren
Auff deinem fürgenumnen weg,
[M2a]Das du gsund ziehst all straß und steg,
Und bring dich gsundt ins heymat dein,
4400 Damit du findest sonder pein
Dein beiden eltern in irm hauß,
Wie du bist von in zogen auß!
Tobias der jung.
Das wöll der herr der herrligkeit,
Der bhüt euch auch vor allem leyd !
Raguel.
4405 Nun gleit dich gott, o tochter mein!
Ich bitt, meinr ler wólst ingdenck sein.
Sara.
Hertzlieber vatter, dich bewar
Der gott, dem dient der engel schar.
Hanna.
O tochter, gott bhüt dich vor schmertzen!
4410 Dein hinfart geht mir nach zü hertzen.
Ach gott, möcht nummen wissen ich,
Das ich noch einmal sehe dich,
So wer es mir nicht so schwerlich.
Sara.
Ach mútter, laß dein heisses trehen !
415 Will gott, solt du mich noch offt sehen.
Gott bewar dich zü aller stundt
Š "
- - . . a~
uw Gott gsejme euch, herr und auch faw.
Raguel.
Ey lieber, fleissig zúm vieh schaw,
Damit sein werd gepflegen wol!
Der ander knecht.
Herr und fraw, gott bhüt euch zúmol.
Raguel.
Nun farendt frólich auff den weg,
4485 Das ewer gott von himmel pfleg!
Raphael.
Frolichen singend mir all nach!
(Singt.)
Da Israel auß Egvpten zoch
Und da das hauß Jacob dannen floch
Von disem frembden volcke etc. ?)
*
1) Vgl. den 114. psalm.
AA
Tobias, 8, akt, 8.—9. scene. 9. akt, 1. scene.
8. akt, 9. scene.
(Astaroth, Aßmodoth, der jung teufel.)
Astaroth.
4440 Ach ABmodoth, ich müß dir sagen
[M3a]Und gar ein grossen jamer klagen.
Nun hör zü, der jung Tobias,
Welcher schuldig deinr gfencknis was,
Das dich der engel hieher band,
Der zeucht von Meden auß dem land
Mit unaußsprechenlichem git.
Sein weib er mit im füren thüt,
Der engel zeuht auch noch mit im,
So dich hieher band (mich vernimb).
Aßmodoth.
Ich wolt, ich wer ledig der band.
Und het Tobias zehen landt,
Ich wolt mich nimmer an in reiben,
Noch in understohn zü vertriben.
Denn ich müß seinthalb gfangen sein,
Komb nymmer zü den gsellen mein.
Astaroth.
So bleib hie stehn! Was darff man dein
Es ist dir eben recht geschehen.
Warumb hast du nit für dich gsehen ?
Wir wend hinfaren zü der hellen
Zü unsern andern mitgesellen.
Der jung teüffel.
Da mistu bleiben, grosser tropff.
Du wüster dicker mollenkopff,
Ich hab dir offt entlauffen müssen.
Das mústu an der ketten büssen,
Magst deiner boßheit nicht genießen.
9. akt, 1. scene.
(Tobias, Sara, Raphael, knechte.)
Raphael.
Tobias, brúder, junger man,
153
Sara, zart liebste haußfraw mein,
4485 Du hast ein ledrins schechtelin,
Darinnen ist ein büchslin kleyn
Von bley gemachet, als ich meyn,
In dem die fischgall ist behalten.
Gib mirs, das dein gott müsse walten!
Sara.
4% Es ist beschlossen in der kist,
So auff das kamel bunden ist.
Den schlüssel hab ich hie bey mir.
[M4a]Ich will die kist auffschliessen dir.
Tobias der jung.
Lieb Sara, laß dir nicht sein gach,
4% Zeüch mit dem vieh und gsind hernach
Langsam, damit dir kein gefar
Zúhanden gang! Dich gott bewar!
Ich und mein brüder ziehend hin.
Tobias, 9. akt, 1.—3. scene.
Sara.
Gott wöll ewer geleytsman sein.
9. akt, 2. scene.
(Hanna.)
Hanna.
4500 Nun sitz ich hie manigen tag,
Von meim son nichts erfaren mag.
Ach du mein allerliebster son,
Ach gott, ach gott, wie gehts dir nun!
Nun will ich nicht vom berg herab,
4505 BiB das ich in gesehen hab
Oder das ich bottschafft vernimb,
Was leyds doch sei begegnet im.
9. akt, 3. scene.
(Tobias der jung, Raphael.)
Tobias der jung.
Das sei gott globt an disem tag,
Die gegen ich schon sehen mag,
4510 In der wont vatter, mater mein.
Nun mag ich nymmer trawrig sein.
Raphael.
Tobia, solt mich recht verstohn !
Sobald du würst zim vatter gohn,
So rüff, bett an den herren reich,
4515 Demnach füg erst zúm vatter dich,
Küß in und frewe dich mit im!
Demnach du die fischgallen nymb,
[M4b] Welche du hast im büchslin dein,
Damit bestreich die augen sein!
42 Zühand werden im seine angen
Geöffnet werden sonder lawgen,
Würt demnach gäntzlich wider sehn.
Tobias der jung.
Ewiger gott, möcht semlichs bscher
Er kompt sampt dem geleytsman sein.
Tobias der alt.
Komb eylens gschwind, mein Isaschar,
Und für mich armen blinden dar,
4530 Do ich find meinen lieben son!
Isaschar.
O lieber herr, ich wolts gern thin,
Wann ich möcht wissen, wo er wer.
Tobias der alt.
Er zeücht die straß von Meden her.
Isaschar.
Kompt her, mein herr! Ich sih in schon.
458 Dann er kompt dort gegen uns gon,
Die müter thüt in yetz umbfangen.
Hanna, Tobie weib.
Biß wilckumm, son! Wie ist dirs gangen ?
Ach, wie hast uns so lang gelassen!
Tobias der jung.
Mater, es hat sich gschickt dermaßen.
[M5a] Vatter, du solt gegrüßet sein
Von Tobia, dem sone dein.
Tobias der alt.
O son, mein son, biß wilckumm mir!
Main enerlanreanm IPN A cont manh Ai
Tobias, 9. akt, 4. scene. 157
Tobias der alt.
Das dir gott ymmer dancken wöll!
4550 Mein son hast gsundt bracht wider mir,
Das kann ich nicht gnüg dancken dir.
Raphael.
Danckend dem allerhöchsten gott,
Der die ding also gschaffen hott
Durch sein milte barmhertzigkeyt,
4555 Die allen denen ist bereyt,
So im hertzlichen thün vertrawen,
In hoffnung vest auff in thin bawen! —
Tobias, was ich redt mit dir,
Das richt yetz auß und traw auch mir,
460 Wie ich dir hab gebn zü verstehn,
Also wiirdt es gwiBlichen gehn.
Setzend euch nider alle gar
Und nemend gottes wunder war!
Tobias der jang.
Nun setz dich, lieber vatter mein,
[M5b]Und richt mir auff das angsicht dein,
Dein augen solt entdecken muir.
Durch gottes gwalt so hilff ich dir.
Leids mit gedult, dich wol auffricht!
Ich hoff, du werdst bald dein gesicht
4570 Bekommen. Dann das stuck, so ich
Darzi brauch, ist gantz sehr köstlich.
Tobias der alt.
Das hab ich schon ein halbe stund
Von dir, mein son, glitten yetzund,
Befind auch schon zü diesem mol,
4575 Das mir dein artzney hilffet wol.
Schaw, wie mir yetzund fellt der star
Gäntzlichen von mein augen gar,
Als wann es recht fischschüpen weren !
O gott, du hast als mein begeren
4580 Erfüllt; dann ich sieh widerumb
Mein liebsten son und preiß dich drumb.
4600 Sie bringt groß güt, vieh, megd und knecht
Und ist auß deim stammen und gschlecht,
Raguels tochter dir bekannt;
Sie ist mit nammen Sara gnannt,
Dein son hat sie zúm weib genommen.
4605 Sie würt dir gwiß heüt zü hauß kommen.
Tobias der alt.
Ist dıß die Sara, welche vor,
Wie ıch hort, siben mann verlor,
Die der teuffel erwürgt soll hon?
Mein son, wie kamest du darvon ?
Tobias der jung.
4610 Laß kommen Nabath, unsern freünd,
Und Achior, ichs euch verkünd.
Tobias der alt.
Isaschar, gang, hol sie geschwind,
Bitt, das sie nur nit lang auf seind!
Tobias, 9. akt, 4.—6. scene.
9. akt, 5. scene.
(Die vorigen, bettler.)
Bettler.
Tobias, gott laß dich lang leben!
#15 Hast mir einmal diß röcklin geben.
Dein sach, gott hab lob, steht yetz baß,
[M6b]Dann sie damals geschaffen was.
(Spricht weiter.)
Ey danck dir gott der reichen schenck!
All mein tag ich an dich gedenck.
Der ewig gott wölle dir lonen
Mit der ewig himmlischen kronen.
Was thüstu doch den armen güts
Und bist auch gar eins sanfften múts,
Als ich mein tag nie sah deins gleich!
Gott wöll dich ewig machen reich.
(So er vom hauß kompt.)
Ach, wie seind diß so schone pfenning,
Ein michel teil und nit gar wening!
O, ich weyB mir ein güten wein;
Die pfenning müssn vertruncken sein.
Was solten sie mir in der täschen!
Mir thüt vil baß das gurglen wäschen.
9. akt, 6. scene.
(Isaschar, Achior, Nabath.)
Isaschar.
Dort sih ich sie beinander ston. —
Ir beyd solt eilens mit mir gon;
Meins herren son ist kommen zhauß,
So sicht mein herr gantz überauß.
Achior.
Sag, wie das ymmer ist geschehen,
Das dein herr widerumb ward sehen ?
Isaschar.
Ich weyß es nicht. Drumb: mógt ir gehn,
Er würdt euchs ral
159
MA]
ACEA
ACRIOT.
Wilckum, Tobias, lieber freundt!
Groß freyd hab ich, das ich eüch find
Solicher gstalt, wie jetz thút gschehen
Und dein vatter mag wider sehen.
Nabath.
Sind willkum, lieben freündt all beyd!
Hin ist jetz all mein schmertz und leyd,
Dieweil mein vetter wider sicht.
Grösser freyd möcht ich haben nicht.
Tobias der alt.
Nun sag, mein son, das bitte ich,
Durch was hastu bewaret dich,
Das dir vom teüffel nichts ist gschehen
Und dein vatter mag wider sehen ?
Isaschar.
Freüd über freüd! Vernempt mein wort,
Tobias weib die kommet dort
Sampt irem vieh und haußgesind.
Des frewend euch, mein lieben freündt!
Hanna.
Eil baldt und lauff, zeyg in den stall,
Das sie das vieh drin füren all!
Tobias der alt.
DIN ‘Nees rentter lessee hkarnlins AIALA |
Tobias, 9. akt, 7. scene. 161
Dieweil ich meynt, ir weren blind,
Und ich euch sehend und gsund find!
Mein vatter grüsset euch fründtlich,
Mein liebste müter desgeleich.
Hanna.
4670 Ich sich meins liebsten sones weib,
Jetz ist hie alls mein leydtvertreib.
Biß willkomm, tochter, freündtlich mir!
Vil freude sol begegnen dir.
Sara.
Ich danck eüch, liebste müter zart.
457% Der weg was mir sehr schwer und hart,
Biß das ich zü euch kommen bin.
Jetzund ist als mein trawren hin,
Mich frewt gar sehr zü diser stund
Des vatters gsicht und ewer gsund.
Achior.
4680 Des glücks wir uns billich erfrewen,
So euch begegnet allen zweien. |
Wünsch euch hiemit vil glück und heyl.
Nabath.
Ich wünsch euch glück ein grosses theyl,
So vil ich immer wünschen mag.
Sara.
Gott bewar euch vor aller klag,
Mein außerwölten lieben freünd.
Hanna.
Sara, sitz nider, liebes kindt,
[M8a]Zäm tisch! Nun sitzend alle zsammen
Und rüffend an des herren nammen!
Tobias der alt.
4% Herr gott, dein namen preisen wir
Und dancken auch von hertzen dir,
Das du uns also durch dein güt
Und durch dein vetterlich gemüt
Hast zsammengtragen disen tag
46% Und hingenommen unser klag.
Gib uns, o herr, das wir die speiß
Wickram VL 11
4685
Ww
`
[M8b]ich folgt
4121)
412)
4739
Zeth ihn. a See
| a
aa dl 5
a i
im, schleyfft in auff den sandt,
Entweyt in bald. Sagt mein gesell,
Das ich davon behalten söll
Das hertz, die leber und die gall;
Denn sie zür artzney dienten all,
Als durch die gallen köstlich güt
Mein vatter wider sehen thüt;
Mit hertz, leber thet ich vertreiben,
Das der teüffel kind nymmer bleiben.
Als ich mein hausfraw Sara nanı,
Der bös geyst für die kammer kam,
Macht ich ein rauch damit auff kol,
Da müst der teüffel weichen zmol.
So hat mich auch mein gsell vertretten,
Als ich in darumb hab gebetten,
Bracht er vom Gabel mir das gelt,
Hat im sein handtschriftt zúgestelt,
Mich wider gsundt zú hauß gefúrt.
4735
4740
Nila]
4745
4750
4760
Tobias, 9. akt, 7.—8. scene.
Kein unfall hat mich nye berúrt;
Ich glaub, gott hab in zü mir gtragen.
Tobias der alt.
Wie magst im gnüg danck darumb sagen
Für solchs güt, so er dir hat gthon?
Mein son, wir wend ein kleins naußgon;
Dann ich het was heimliches will
Mit dir yetz reden in der still.
9. akt, 8 scene.
(Tobias der alt, Tobias der jung; nachher Raphael.)
Tobias der alt.
Sag, son, das dich gott lang laß leben,
Was wend wir disem jüngling geben,
Der dich so trewlich hat gefürt ?
Sein trew und frumbkeyt man wol spürt.
Tobias der jung.
Ach vatter, wie wend wir vergelten
Sein trew, wie ich jetzundt will melden,
So er mir hat bewisen gar?
Gesundt fürt er mich her und dar,
Das gelt beinı Gabel fordren thet,
Mir umb diß weib geholffen het,
Des teüffels gspenst hat er zerstört,
Mein schwiger, schwehers freiid gemehrt,
Mein leben auch errett gentzlich,
Als der groß fisch wolt fressen mich,
Dir wider gholffen umb dein gsicht.
5 Uns hat er vil güts zügericht,
Wir könnend ims vergelten nicht.
Jedoch, mein vatter, ich dich bitt,
Das du im wöllest bieten an
Den halben theyl, so ich bracht han
Von aller meiner güt und hab.
Ich meyn, er sol sich gnügen drab.
Tobias der alt.
Ich will in außher heyssen gehn,
Wend wirs im geben zü verstehn,
11*
163
BY ten LALA ny | ww ADA anda sa assay 2.22 2.400 w
[N1b] Bracht kleynot, gelt, deßgleich auch vich:
475
4780
4785
4790
Und nim ftir git, bittenn wir dich.
Raphael.
Dem gott von himmel danckend beyd,
Sein lob verktindend weit und breyt,
Das er etich die gnad erzeygt hat!
Der künig und der fürsten rath
Soll man heymlich halten und still;
Gott aber söllches haben will,
Das man sein gútthat, seine werck
Soll herrlich preisen. Drauff hie merck!
Das gbett mit fasten, allmüsen
Ist besser denn vil schatz samlen
Von edlem gsteyn, silber noch gold.
Darumb ihr das wol mercken solt,
Allmüsen löset von dem todt,
Tilckt auch die sünd in aller noth,
Haltet die menschen bey dem leben;
Aber die gottlosen (merck eben)
Bringen umbs leben selber sich.
Nun aber will die warheyt ich
Jetz gentzlich machen offenbar,
Den heymlichen befelh ftirwar.
Ale dn wavntact an hertrlirh sehr
Tobias, 9. akt, 8. scene.
Ich dein gebett getragen hab
[N2a]Hinauff als für den höchsten gott.
4810
4815
Dieweil dich nun der herr lieb hot,
Da müßt es also mit dir gohn;
Denn on anfechtung mochst nit bstohn,
Auff das du würdest recht bewert.
Nun hat mich gott gesandt auff erd,
Das ich dich von dem leyd erlößt,
Damit du wider werdest gtröst.
Den bösen geyst ich auch vertreib,
Der wont umb Sara, dein sons weib.
Merck, ich bin Raphael fürwar
Und einer auß der engel schar
Der siben, welche vor gott stohn.
Tobias der alt.
Ach gott, wie soll es gehn uns beden,
Soll hie mit uns ein engel reden!
Raphael.
Seind [nur] getróst und fórcht euch nit!
Stond auff und mercken mich hiemit,
Was ich euch sag, und glaubens satt!
Der herr diß also gschaffen hatt.
Dem sagen lob und danckt im schon,
Das ich so lang bei euch thet gon!
Ir hand gemeynt, ich eß mit euch
Und trinck eim andern menschen gleich;
Ich brauch aber gantz unsichtbar
Ein speiß, welcher kein mensch nimpt war.
Nun ist es zeit, ich müß mich scheyden,
Wider faren zü dem mit freüden,
Dem gott, so mich zů euch gsandt hat.
[N2b]Den preist, verkündt sein wunderthat! [ab.]
4835
Tobias der jung.
Lieber engel, wa bist hin kommen,
Warumb hast uns nit mit dir gnommen ?
Mein vatter, du solt wissen das,
Dieweil der engel bey mir was,
Ist mir mein hertz in freyden
165
Raphael bend der LA des,
Vor gott stoht er in seinem thron,
Der siben englen einer ist,
So vor gott stohn zú aller frist.
Achior.
4855 O herr, [wie] groß sind deine wunder,
Das du uns thüst die gnad besunder
[N3a] Und schickest uns den engel dein.
Erschrocken ist das hertze mein,
Sobald ich immer solche wort
48580 Von dir, mein freündt, jetz hab gehort.
Nabath.
In meinem leib ridert mein gblút,
So ich bedenck des herren gút,
Das er sein heylgen engel werd
Zú uns soll schicken auff die erdt.
4565 O herr, dir sey in deinem reich
Lob, ehr immer und ewiglich.
Tobias, 9. akt, 8.—9. scene.
Sare.
O gott in deinem höchsten thron,
Wie hastu mir so güts gethon,
Hast mich errett in meiner noth!
Drumb danck ich dir, herr, frü und spot,
Mein hertz wend sich nimmer von dir.
Bitt, herr, wölst die gnad geben mir.
Hanna.
Erst bekenn ich mein grosse schuld,
Darbey mein grosse ungedult,
So ich mit meinem haußwirt trüg,
Als ich in nicht kundt schelten gnüg,
Da er so vil vertrawet gott.
O herr, vergib mir die mißthat!
Denn ich sieh, du bist deren fretindt,
So trewlich auff dich hoffen seindt.
Tobias der alt.
O herr ein grosser starcker gott du bist,
Dein reich gantz ewig weren ist.
[N3b]Du züchtigest und tröstest wider,
4885
4900
Du stiirtzest in die hell darnider,
Du kanst auch wider außher ziehen,
Deiner hand niemands kan empfliehen.
Ir kinder Israel, lobt den herren,
Vor den heyden in preisen, ehren!
Denn darumb hat er euch zerstrewt
Under die heyden also weit,
Welche den herren kennen nicht,
Das er in erzelt sein geschicht
Und wunder, das sye sehen frei,
Das sonst kein ander gott mehr sei.
Er hatt uns züchtigt umb die sünd,
Und durch sein güt hilfft er uns gschwind.
Seht, was er an uns hat gethon!
Mit forcht und zittern lobt in schon
Und preisend seine werck so güt
Des, der ewig regieren thüt!
Ich will in preisen æ
167
Tobias, 9. akt, 9. scene. 10. akt, argument. 169
Die wünschen, das dein sach wol steht.
Mein seel lobet den herren git;
4910 Jerusalem er auffrichten thüt
[N4b] Und sie von allem trübsal lösen,
Von allen üblen und dem bösen.
Wol mir, so die von meinem gschlecht
Werden sehen, so es steht recht
495 Umb Jerusalem der statt pforten.
Schmaragd, saphir an allen orten
Und edelgstein an der statt mauren
Wird versetzt werden sonder dawren,
Mit weissem edlen marmelsteyn
4950 Werden gpflastert dein gassen gmeyn.
In allen gassen mit begirdt
Man Halleluja singen wirdt:
Globt sei der herr, der sie mit nammen
Erhöcht; sein reich bleibt ewig, amen.
10. akt, argument.
Argumentator (der sagt das letst argument; geht jeder an sein ort.)
4955 Vernemend all, nach diser gschicht
Als Tobias gwann sein gesicht
Widerumb, lebt er noch fúrwar
In gsundtheyt zweiundviertzig jar
Und sah seiner kindskinder vil.
4960 Als er nun reycht seins alters zyl,
Thet hundert zwei jar auff im haben,
Starb er, ward gantz ehrlich begraben
Zü Ninive, in welche statt
Salmanassar in gfüret hat
4965 Gefangen und vil juden mehr.
Sechsundfiinfftzig jar was alt er,
Da ihm die blindtheit zhanden gieng;
[N5a] lm sechtzigsten sein gsicht empfieng.
Doch eh er von der welt schied hin,
290 Gewann sein son vil schóner són,
Mit welchen der alt hat vil freydt.
Er gab in auch vor |
al) 8 RER
E
Tobias der alt.
Mein son, gang, bring dein kinder her!
Dann sie zů sehen ich beger.
Gott will mich nemen von der erd,
Des ich vor langem hab begerd,
4% Als ich vier jar erblindet gar,
Welchs dann derselben zeit hie har
Ist es auff zweiundviertzig jar.
[N5b] Ich hab lang gnúg gelebt fürwar ;
Dann ich hab hundert jar auff mir
3000 Und zwey jar mehr, das sag ich dir.
Tobias der jung.
Vatter, es bringt mir schmertzlich weh,
Das ich die wort von dir versteh;
Dann ich gern lenger wer bei dir.
Tobias der alt.
Gang, bring dein weib und kinder mur,
>|
Tobias, 10. akt, 1.—2. scene. 171
5005 Damit ich in den segen geb!
Ich glaub nicht, das ich morn erleb.
10. akt, 2. scene.
(Tobias der jung, Sara, Jesaias, Jeremias, Hesechiel, Daniel, Hosea,
Joel, Ammos.)
Tobias der jung.
Sara, gang, bring all deine sön!
Beim vatter ich gewesen bin;
Er ist sehr schwach, wolt sie gern haben.
5010 Lieber saum dich nit mit den knaben!
Sara. |
Nun kommend eylens, lieben kind!
Ir kompt umb ewern besten freünd,
So ir je hand auff erd gehan.
Ewer großvatter, der frumb man,
5015 Der würdt sich von uns scheiden hin.
Jesaias.
O liebs drauts giildins miterlin,
Soll mein großvatter nymmer leben,
Wer will mir dann mehr weißbrodt geben ?
Sara.
Mein liebes kind, nun schweig nur still!
5020 Der ewig gott das also will.
Jeremias.
[N6a]O du mein lieber großvatter,
Wer will mir jetzundt kramen mebr?
Ich bin nie kommen in dein hauß,
Mit lehren henden gangen drauß.
502% Ach, soll ich kommen nim zů dir,
Wie will doch immer gschehen mir!
Hesechiel.
Geklaget sey ein solcher tag,
Das mein großvatter zü beth lag.
O weh und ach, wird er mir sterben,
60890 So müß ich jamers halb verderben.
Wo soll ich auß, wo soll ich hin,
O du lieber. großvatter mein!
Hosea.
Ich klag dirs, gott von himmelreich,
3040 Das du mich beraubst jemerlich
Meins draut lieben grofvatter alt.
O todt, mit deim grausamen gwalt
Wie darffst ein solchen frummen man
So erschreckenlich greiffen an!
Joel.
5045 Brüder, du thust in dem nicht recht.
Du weyst, das gantz menschlich geschlecht
[N6b] Mü&ß also durch den todt zergehn,
Gar niemand mag im widerstehn ;
Wiewol mir auch bringt grosse pein
5050 Der abscheyd des großvatters mein.
Ammos.
Ach allerliebster brüder mein,
Laßt uns dem herren danckbar sein,
Das er dem großvatter hat geben
In ehren so ein langes leben!
5055 Ach, wer es doch nit umb in gschehen,
Das ich ihn noch einmal möcht sehen!
Sara.
Seind still! Wir seind schon vor der thir.
Komnt inher. leben kind. mit mir!
Tobias, 10. akt, 2.—8. scene. 173
Jesaias.
Was thüst, lieber großvatter mein ?
Ich bitt, wólst lenger bey uns. sein.
Tobias der alt.
Seind willkum, ihr mein lieben kind,
Ich frew mich, das ihr hinnen sind.
5065 Hórend mein wort und thins verstehn!
Ninive wird bald undergehn ;
Denn gwißlich wird des herren wort
Nit fehlen ja an keynem ort.
In Meden aber wird es doch
5070 Ein lange zeit frid haben noch.
Unßre brüder auß Israel,
[N7a]So zerstrewt sind in angst und quel,
Die werden wider allesand
Gantz frólich kommen in ihr land.
5075 Welches land jetzund gantz wüst leit,
Wird widerumb belont der zeit,
Und das hauß gotts, so was verbrant,
Wird wider gbawen allessand.
Dahin all die versamlet werden,
5080 Die gott fórchten auff diser erden.
Die heyden auch semlicher massen
Ire götzen werden verlassen,
Kommen in Jerusalem wonen
Mit iren kindern und matronen;
5085 Denn all heyden und künig groß
Werden sich dein frewen on maß,
Den gott Israel betten an.
Solchs gschicht als, sollend mich verstohn.
So hör du, meiner kinder schar,
5000 Ewren vatter und nemend war!
Dienen dem herren solcher gstalt,
Gantz rechtschaffen euch zú im halt
Und thünd, was er gebotten hat,
Lerts ewer kinder frü und spat
30% Und heyssend sie allmäsen geben,
Auch gott fórcht
4
t
Vai
NA Tate
in disem
| | spy.
Verborgen ` was es will,
5115 So das man sich darinn soll schawen
Wie in eim spiegel mann und frawen!
Denn ir sehend, wie es uns lert,
Von einr tugent zür andern kert.
Erstlichen weißt es uns gar fein,
5120 Das wir barmhertzig sollen sein,
Wie denn Christus, das ewig wort,
Lert klerlich in Mattheo dort.
Lucas am fünfften auch erzalt,
Hebreos am zweyten dergstalt
512 Sagt, das auch Christus gwesen sey
Barmhertzig. Drumb ein jeder frey
leb solichs an dem nechsten sein,
Wo man sicht warer notdurfft schein.
Theyl mit den armen frü und spat,
[N8a] Wie dich Tobias gleret hat!
Bey im ler auch dein gastung halten,
5135
5140
514)
Tobias, 10. akt, 3. scene. Beschluß.
Vor allen dingen gottsforcht walten!
So dir gott ein creütz sendet zů,
Nimbs an mit gedult spat und frü,
Wie dich Tobias leret das,
Welcher vier jar gesessen was
In seiner blintheyt, grossen schwer,
Noch ward nie ungedultig er.
Wenn du in solchem leiden bist,
So rüff gott an, der gwaltig ist!
Er wird gwißlichen senden dir
Ein güten engel, (glaub du mir)
So dich tröst in dem leiden dein.
Wenn denn gott dir abnimpt die pein,
Solt du im auch sein danckbar drumb.
Hiemit schirm euch in einer sumb
Der höchste herr, gott Sabaoth,
Einiger herr und warer gott.
Der geb uns alls, so uns noth ist,
Durch sein lieben son Jhesum Christ,
Bscher uns sein friden allensamen.
Die das begeren, sprechen amen.
@ Getruckt zü Straßburg,
bey Jacob Frölich.
M. D. LI
— iu.
175
(Heidelberg 1578).
1) Zu s. 8, hinter v. 45:
[A8a] Zuvor unserm gnedigsten churfürsten und herrn
we
3135
[B4a]
5165
[B6a]
Sampt ihrer churfürstlichen gnad gemahl reich,
Auch sampt deren junger herrschafft gleich,
Der edlen gestrengen ritterschafft,
Den[!] achbarn und ehrwürdigen priesterschafit
Sampt einem erbarn wollweisen raht
In diser weitberümten churfürstlichen statt.
2) Zu s. 16, hinter v. 334.
Dem meine söhn auch günstig seind.
Darumb ich sie nit halt zu freünd,
Schwör auch bey meiner konigliche[n] kron,
Sie werden empfahen iren lohn.
Dann ich fürwar darnach wil streben,
Wie ich sie bring all beid umbs leben.
3) Zu s. 21, hinter v. 471:
Dann so ich am leib mein eigen kind
Will straffen, darumb das sie seind
Den juden so günstig über mein gebott,
So schwär ich hie bey meinem gott,
Will vil mehr euch zu straff sein breit,
Die ihr allein mein diener seid.
Wenn ihr dann stehn den juden bey,
So solt ihr sein der straff nit frey.
Tobias, Thomas Schmids zusätze (C). 177
75 Du arger jud, du schnöder wicht.
Ich will dir jetzund helffen gleich,
Das du kompst in dein himmelreich,
Da wirst hinfaren sonder schaden,
Ja ich meyn, da die gänß inn baden;
5180 Dann dir mag hie nit werden bag.
Ich schlag dich nider in das gras.
5) Zu s. 28, hinter v. 694:
[C3b] Laufft schnel, ihr schnöde juden beydt!
Hand ir nit gehört des künigs bescheid,
Das keiner soll kein juden vergraben ?
5185 Darvon wend ihr nit lassen aben.
Den grabzeig wil ich ligen lon
Und wil ihn auff dem füß nachgohn,
Wil sehen, wo sie ir herberg han,
Das ich mein gsellen zeige ahn.
519 Zuvor hab ich betrachtet, das
Es sey der alte Thobias,
An dem kein warnung helffen will.
Ihr lieben geseln, nun schweigen still
6) Zu s. 31, vor v. 755:
[C5a] Der 5. actus, soll auch gesungen werden.
Tobias der alt.
O hertzliebster vatter Naboth,
5195 Ich bitt dich durch den milten yott,
Du wollest mich verwaren eben.
Der kiinig stellt mir nach dem leben,
Sollen darvon mit lassen ab.
Ein juden ich vergraben hab,
5200 Sein gwardi-knecht hand mich erschlichen;
Vom grab do ward ich schnel gewichen
Und gieng noch meiner behausung schon,
Auff dem füß thetten sie mir nachgohn,
Stunden algemeinlich vor der thir.
5205 Wann sie es dem kiinig legen fiir,
So gibt er ihnen befelch und gewalt,
Das sie mich darinn holen balt,
Dann kost es mir mein leib und leben.
R
5183 ghört DE — bscheid DE — 84 keinr DE — 88 wos DE —
93 geseln nun] gsellen E — vor 94 Der 4. actus, musica D — 94 hertz-
lieber DE — 5201 da war DE — 02 bhausung DE — 08 thetends DE
— 04 all gmeinlich DE — 05 sies DE — 06 ihn DE — gwalt DE.
Wickram VI. 12
or
paá
o
[D5a]. König schreit.
O mordt, was zeigstu mich alten mann !
5225 Hab ich dir doch kein leid gethan.
Sisserach.
Solchs hast mir sampt meim bruder gund;
Jetzt hast dein theil zu diser stund.
(spricht weitters.)
Ich mein, ich hab in recht antroffen,
[D5b] Mit disem dolchen in angloften
5230 Und im ein stich so tieff bald geben,
Das er schon hat geend sein leben.
Simri.
So werden wir furbas sein frey
Und fürter leben ohn allen schey.
*
5209 Lieber vetter DE — 11 manchmal E — gsagt D — 14:
fehlt DE — 15 bontel D — was d hast D — 18 f. die abweichung
von DE s. unten v. 5764 — 20 stelts an bsonder DE — 22 Gnedigs
DE — und auch DE — 23 euwrem bger DE — 24 bis 27] fehlen |
— vor 28 schaltet E 18 neue verse ein (unten v. 6299 f.) — 31 hat sch
D — 33 one schey D.
0235
[D6a]
0245
5200
Tobias, Thomas Schmids zusätze (C). 179
Damit aber gstilt werd unser sachen,
Wöllen wir uns ins lossament machen.
9) Zu s. 46, hinter v. 1220:
Der achtest actus, sollen auch die instrumenta gehört
werden.
Hoffmeister.
Nun hörend wunder, ir herren all,
Von einem erschrecklichen fall !
Sich hand des königs söhn entpört
Wider den vatter (hab ich gehört)
Und haben in heint umb mittnacht
Mit einem dolchen umbs leben bracht.
Ligt noch im palast in dem blut.
Marschalck.
Das ist ein bottschafft nit sehr gut.
Wie ist doch imer das zugangen,
Wer hat den lärmen angefangen ?
Cantzler.
Hab ich nicht manigmal gesagt,
Ueber sein tyrannische weiß geklagt,
Gott möchts die läng nicht unterlon,
Würd in darüber straffen thun,
Da er die juden mit grosser gfär
Zu todt ließ schlagen hin und här,
Die ihm doch nützend in dem land,
An welchen er kein schuld nicht fand!
Kamerling.
[D6b] Ist ihm das widerfaren dis nacht
5255
5260
In abwesen seiner gwardi und wacht ?
Nächt spot da thet ich von im gohn,
Dann er wolt mich nit bey ihm lohn.
Nun schlag sanct Veltins leiden drinn,
Das ich nit bey im bliben bin!
Marschalck.
Herr cantzler, ir macht mir verlangen,
Wie es dem könig sey ergangen.
*
Vor 5234 schaltet E 10 neue verse ein (v. 6317 f.) — 34 aber] nun
DE — vor 36 Der 7. actus musica D; Actus 3 scena 3 E — zu v. 86—48
vgl. oben s. 53, v. 1410—1417 — 36 Nun] fehlt DE — 39 ghórt DE —
41 eim DE — 42 Ligt in dem pallast noch im E — auf 45 folgen in E
8 neue verse (v. 6327 f.) — 47 tyrannisch weyß klagt DE — 50 die]
DE — 54 Ists DE — das] fehlt DE — 55 seinr gward DE — auf 61
folgen in E 6 neue verse (6335 f.).
12 *
180 Georg Wickram,
Cuantzler.
Ich wils ench jetz in gemein sagen
Und nimm verschwigen bey mir tragen.
Zu gschehnen dingen soll man fürwar
5205 Reden das best obn als gefar.
Ir herrn, ir wißt ohn zweiffel wol,
Wie er hat d juden gehaßt zumol.
Auch in dem thet er darnach ringen,
Sein beyde söhn umbs leben z bringen.
5970 Darumb sie größlich wurden erzürnt
Und machten ein vertrag gschwind,
Wie sie irm vatter das firkemen,
Der in begert das leben zu nemmen.
Drumb hat in Sisserach dis nacht
575 Mit einem dolchen umbs leben bracht,
Also das er jetzund hinfort
Kein juden mehr bekiimmeren würdt.
Damit vertädigt würdt die sach,
Sa wil ich nit vil wort mehr mach,
so) Allein so merckend mich gar eben,
Ob ich ein guten rhat köndt geben!
Dieweil der alt künig hat sein end
Und wir ein andern wählen wend,
[D7a] So thut under den brüdern ein erlesen,
528) Welcher die kron am besten mag verwesen !
Simri.
lr herrn und freünd, was ıst der raht,
Das ir so lang auff dem platz umbgaht ?
Marschalck.
Ir jungen herrn, wir haben vernommen,
Ewer herr vatter sei umbs leben kommen,
5200 Welchs mich erschreckt, so ichs erfar.
Doch als er so blutdürstig war,
So übel mit den juden schafft,
Acht ich, das in gott hat gestrafft.
Drumb berathen wirs ohn all geferd,
*
5263 Und nimr D, Nimmer E — 64 geschehnem ding D, gschehn
dingn E — 65 alle gfar DE — 67 ghat DE — 70 Drumb DE.
73 zu] z DE — 75 eim DE — 78 sachen DE — 79 machen DE — |
kong DE — 84 undern brüdern erlesen DE — 85 Der könn die kr
am bast verwesen DE — 87 lang] fehlt DE — auf 87 folgt in E: |
euch etwas gelegen an | Schwerlichs, so zeigend es mir an! — 88 har
DE — 89 Der konig sey DE — 93 ich in gott habe E — 94 brathen |
rahten E.
5295
5900
5305
Tobias, Thomas Schmids zusätze (C). 18ł
Welcher under euch zweyen kônig werd.
Sisserach.
Mein vatter war ein groß tyrann,
Darzu ein blutdürstiger mann.
Alzeit so thet er darnach ringen,
Mich und mein bruder umbs leben z bringen.
Als wir nun solchs wurden gewar,
Bin ich im selbs gwesen darvor
Und hab mich hinnacht an inı grochen,
Hab in mit einem dolchen erstochen.
Darumb darffs nit vil disputieren,
Die sach wil ich zum ende fieren.
10) Zu s. 47, hinter v. 1236:
Hoffmeister.
[D7b] Herr cantzler, marschalck, gohn mit mir,
5310
5315
Den küniglich sitz zu holen schier,
Das schwerdt, den zepter und die kron!
Ir zween trabanten solt mitgohn.
Cantzler.
Marschalck, sagt ich nit offt, disen man
Kan gott nit ungestraffet lon
Von wegen seiner sund und schmacht ?
Jetz hand in sein eigne sohn umbbracht,
Simri den eltren wölln wir krón.
Gott wöls im geben zu verstehn,
Das er nit regier land und leut
Wie sein vatter bey seiner zeit,
Das er ließ d juden schlagen z todt,
Darzu bey leib und gut verbott,
Das niemandt die nit solt vergraben.
Ich hoff, wir wend ein gnedigen künig haben.
Marschalck.
Mein hertz thut auch in solcher hoffnung schweben.
Ach wenn in gott nur lang ließ leben!
Hoffmeister.
Hie ist schwert, zepter und die kron.
Gfalts euch, so wolln wirs fahen an,
Ihn setzen in sein herrligkeit.
Gott der bewar ihn alle zeit,
*
5295 konig D — 99 umbzubringen E — 5303 eim DE — 07 köng-
klich D, könglichen E — 10 offt] fehlt DE — 13 seine sohn DE —
21 Ich hoff] fehlt DE — gnädign E — kong D — 22 Ich thin in DE
— auf 28 folgen in E 20 neue verse (6341 f.).
odo)
0360
[Dsb]
nderthanen, le
wehren allem laster und
Und üben die gerechtigkeit
In seinem land ohn underscheid,
Richten dem armen als dem reichen;
So wird es gott umb in vergleichen.
Herr cantzler, merckend mich gar eben,
Den zepter sollend ihr im geben
In seine hand ohn alle klag,
Das man darbey erkennen mag,
Das er ein gekrönter künig sey!
Nun habt ihr ghort, ir herren drey,
Die mein wort wol hand vernommen;
Dem thund all fleißig nachkommen !
Hoffmeister.
Durchleuchtig großmechtiger herr,
Ihr habt ghort ewers bruders bger,
Das man euch zum konig kronen soll.
Solchs mich erfrewt hertzlichen wol,
Nun setz euch nider auff den thron,
*
0331 seim DE — 33 zu] z DE — 41 gscheh DE — gstalt DE — 44 ki
klich D — 47 welchem DE — 58 krönter DE — 63 bger DE — 64 kong
0375
0380
3885
5890
Ela]
5395
5400
Tobias, Thomas Schmids zusätze (C).
So setz ich euch auff die kôniglich kron,
Dieweil das haupt und der verstandt
Das fürnembst mag werden genant.
Dieweil das euch die gnad jetz hat
Mitgetheilt der gnedig gott,
So werd ir mit der kronen ziert,
Welch euch vor einem andren gebiert,
Zum zeugnus, das ir habt gewalt
Zu gebiten über manigfalt.
Marschalck.
Durchleuchtiger künig hochgeboren,
Dieweil das ich bin außerkorn
Euch zu geben das weltlich schwerdt,
Wies ewer bruder hat begert,
So nempt das hin in ewer handt,
Darmit zu beschirmen leut und landt!
Der ewig gott woll ewer pflegen
Und wolle euch geben seinen segen,
Woll euch in gsundheit reformieren,
Das ir das schwerdt lang zeit mog[t] fiern.
Cantzler.
Durchleuchtiger hochgeborner künig reich,
Hie übergib ich euch den zepter gleich.
Den zepter werdt ir zum zeichen tragen,
Den friden allzeit lieb zu haben,
Ewer underthanen sanfftmütig zu regieren,
Mit in ein zuchtig leben füren,
Sie beschützen und schirmen alle zeit.
Simri konig.
Das helff mir gott in ewigkeit.
Hoffmeister.
Dieweil wir in jetz krönet haben,
So mercken auff, was ich wil sagen!
Das fürnembst wird von noten sein,
Und das wir gohn zum künig hin
Und unsern dienst begeren wider,
Wie uns sein vatter hat gehalten sider,
Ob er uns laß beim selben eidt,
*
183
5367 d kongklich D, die konglich E — 71 Mitgetheilet DE — 73
im DE — 75 bietten DE — 76 kong D — 77 das] dann DE — 81
wchirmen DE — 83 woll DE — 86 Durchleuchtig DE — kong DE —
8 ir] fehlt DE — 90 Ewr E — underthon D — zu] z DE — 91 ihnen D —
2 schützen schirmen DK — auf 93 folgen in E 172 neue verse (6361 f.)
- 94 bekrönt DE — 99 vatter ghalten DE — 5400 bey seinem E.
5410
5415
[Elb]
5425
Von unser aller wegen bat
Umb dienst mit einem solchen bscheidt,
Ob er uns bey dem alten eydt
In seiner krönung bleiben ließ.
Credentzer.
Das ist mir warlich kein verdrieß.
So kommend alle sammen mit!
Kan ich etwas außrichten heut,
Bin ich gantz willig und bereit
Zu volbringen ewren bescheidt.
(Credentzer zum könig.)
Herr, auß gewalt der götter schon
Bsitzt ir den küniglichen thron.
Drumb kommen wir, o künig reich,
Bitten umb dienst demútigklich.
Denn unser jeder insonderheit
Mit willn und fleiß ist bereit
Sein alt ampt wider zu versehen.
Wie dann vormaln ist beschehen
Bey alter pflicht und eydt, so wir
Hand thon, so wolln hinfürter wir
Uns in des kiinigs dienst nit sparen.
Das soll ewer mayestat erfaren.
Simri.
Der dienst der sey euch zugeseyt.
Ich laß euch bey dem alten eydt,
Den ir meim vatter hand geschworn.
Darin sich keiner nit soll sparen,
Handlen. wie varmals ist hesehehen.
Tobias, Thomas Schmids zusätze (C). 185
5485 So wurd euch alles lob verjehen.
Credentzer.
Das dancken wir dem künig gleich,
Wünschen im glück in seinem reich.
Simri zum marschalck,
Marschalck, nempt von mir hin das schwerdt,
Welchs ir vor mir füren werdt,
5440 Damit ich der grechtigkeit nit vergiß,
Dem armen als dem reichen miß!
Marschalck.
Herr künig, gott geb euch den segen,
Zu wandlen stats auff seinen wagen!
11) Zu s. 51, hinter v. 1344:
[E23] Dann ich hab kürtzlich hören sagen,
5445 Diejenigen, die in kronet haben,
Die seyen schon genommen an.
Frisch auff, wir wend mitnander gan.
12) Zu s. 54, vor v. 1448:
[Esa] Der neundt actus, soll man orglen und gesungen werden.
Der Thobias unnd die trabanten gehen in die schatzkammer; dieweil
geht Hanna und der jung Thobias wider zu haus.
Thobias der jung.
O herre gott von himmelreich,
Deine gaben seind wunderbarlich.
5450 Ich hor, der alt künig sey tod,
Der meinen vatter vertriben hat.
Simri sein sohn tregt jetzt die kron,
Hat meinen vatter suchen lon
Und will in wider setzen ein
5455 Inn all die hab und gütter sein.
Komm her, hertzliebste mutter schon!
Wir wollen wider heime gohn
Und unsers vattern warten bhendt,
Biß ihn der künig heyme sendt.
5460 So wollen wir in fragen frey,
Wie es im beim künig gangen sey.
*
5436 Deß DE — 39 ir offt vor DE — 40 ich] fehlt DE — vergeßt
DE — 41 gleich als D — meßt DE — auf 43 folgen in E 10 neue verse
(6541 f.) — 45 kronnt DE — vor 5448 Der 8. actus, musica D; Actus 8
scena 5 E — 50 Nun hör ich, der konig DE — 51 mein DE — 58 vat-
ters DE — 61 Wies DE.
5470
5475
Drumb thund all wıt mir trolich sein
Ir trabanten, tragens mir herein!
Sisserach.
Bruder, aus freundtlicher begir
Kumb ich zu reden jetz mit dir.
Simri.
Du thust gar recht an disen dingen,
Dein zukunfit thut mir groß freud bringen.
Darumb so kumb herein zu mir!
Zu reden hab ich vil mit dir.
So kummend auch ir herren all
Mitnander dort in jenen saal!
14) Zu s. 63, hinter v. 1702:
[Flb] Der 11. actus, soll gesungen werden. Nach disem
[F2a]
der bettler für des Thobie tisch.
Bettler.
Gott gesegne euch das trincken und essen,
Wie ir allhie zu tisch seind gsessen!
Ich habs warlich erfaren bald,
Ein würdtschafft halt Thobias der alt
Mit seinen freünden in gemein;
Drumb bin ich kommen herein.
O lieber Tobias, merck mich eben,
Hast mir einmal ein rocklin geben.
Hett ich das nit von dir empfangen,
Wer mir den winter übel gangen,
Ich glaub, ich müßt erfroren sein.
O hertzlieber Thobias mein,
Ich bitt, gib mir ein stücklein brot,
Das ich mit büß des hungers not!
Tobias, Thomas Schinids zusätze (C). 187
Thobias deralt.
Sehe hin, nimb dieses fleysch und brot!
Es wolle dich der ewig gott
Speisen in seinem himmelreich,
54% Da frid und wunne ist ewigklich.
Bettler.
O lieber Tobias, hör mir zu!
Wer jedermann so trew als du,
Kein grösser frewd wolt ich begeren,
O wie wolt ich mich so wol erneeren!
Über ein kleine weil nach dem spruch redet Naboth.
15) Zu s. 73, vor v. 2008:
Thobias der alt.
[F7a] Thobias mein sohn, kumb zu mir
Und hor, was ich befilhe dir!
Gang hin zu unseren freunden bhend
Und frag sie fleissig an dem end,
Ob in kein leidt sey widerfaren,
5505 Weil sie noch auff der straßen waren,
Als sie von maltzeit giengen.
[F7b] Ach soh[n] frag fleißig nach den dingen!
Thobias der jung.
Vatter, ich wil sein bereit
Außzurichten deinen bscheidt.
16) Zu s. 122, hinter v. 3517:
[K2a] Da du solst bleiben ewiglich,
Biß an den jüngsten tag mein ich.
[K2b] Du hast dein gwalt lang gnug thun treiben
Und gemeint, es soll ungerochen bleiben.
Nun aber sichstu, was jetz gott
5015 Durch mich außricht, sein werden bott.
Drumb streich fort an, mach nit vil wort,
Biß das wir kommen an das ort,
Da du in nötten, bang und klag
Must bleiben bif an jüngsten tag.
17) Zu s. 124, hinter v. 3599:
[K4a] Gabel Gretta.
5020 Wie gehts, mein lieber ASmodoth?
*
5495 wunn DE — 96 O] fehlt E — 5502 unsren D, unsern E — 08
gantz bereit DE — 09 Zü richten auf DE — bescheidt DE — 12 gnug
getriben E — 17 Biß wir da E.
Iva YLLACı Ta Cupei alITLWIU ALLAU AIGIAL
Wie ich für Sara kammer kam,
Da wolt ich Thobiam auch umbbringen,
Und thet mir solche kunst mißlingen,
5530 Und bandt mich so hart an dise kette.
Ach 108 mich ab, mein Gabelgretta!
(spricht weiter.)
Es steckt etwas in schlússel.
Gabel Gretta.
Ein dreck auff deinen rüssel!
Du darffst mir nicht vil darvon sagen,
5535 Ich will dir bald den kopff zerschlagen.
Du hast mich nechten gebetten zuhand,
Ich sol dir thun ein beystand;
So hastus ohn mein wissen allein
Gethan und mir nicht gefolgt fein,
540 Sonst het ich dich geloßt mit"disem schlissel.
Da hastu eins auff deinen rüssel,
[K4b] Du bosser verlogner dropff,
Du wüster dicker mollenkopff.
Ich will wider faren ins hellisch reich
5545 Zu meinen andern gesellen gleich.
Darumb magstu woll hie bleiben stan,
Von mir solstu kein húlff nicht han.
18) Zu s. 138, hinter v. 4030:
[L2b] Raphael spricht zum Thobia und Raguel
Der ewig gott wöll euch behüten
Mit seiner vätterlichen güte
550 Und erhalten zu aller stund,
Biß ich wider komme frisch und gsund.
ym ©. -. a... "ova e I-
ahl >
0009
[Lda]
[M2a]
8575
3080
Tobias, Thomas Schmids zusätze (C).
So wöllen wir frölich ziehen hin,
Auch auff dem weg gantz frölich sein,
Biß wir kommen zu Gabelo schon
Und ihm als geben zu verstohn,
Wie mich mein bruder hat gebetten,
Das ich ihn denn soll so vertretten.
Ich wils als außrichten dem knaben,
Das er an mir kein klag sol haben.
(Singendt.)
Nuh wöllen wir singen mit begier.
19) Zu s. 153, vor v. 4466:
Schäffer.
Ihr ziehen da vornen mechtig schnell,
Und scheint die sonn ohn massen hell.
Wann ir das treiben ein tag oder zwen,
So wurdt das vieh nimm mögen gehn,
Von hitz so würdt es müd und schwach.
Darumb so ziehendt allgemach!
Wann ihr so schnell wolt ziehen hin,
So solt der teuffel ewr schäffer sein.
Dann ich bin jetz worden betrogen;
Heut morgen, da wir auß seind zogen,
Da hatt ich mich nicht vermessen,
Das ich müßt sein so lang ungfressen.
Tobias der jung.
Mein lieber schäffer, laß dir sagen,
Soll ich dir kaß und brot nachtragen ?
Darumb solt du mich recht verstohn,
Heut morgen soltst versehen hon,
Soltst käß und brot in sack han gstossen,
So hetst auch zu fressen auff der strassen.
Damit aber das vieh nicht werde schwach,
[M2b] So magst wol ziehen allgenıach.
5585
Ich und mein gleidsmann werden von euch weichen,
Ihr möcht wol allgemach hernacher streichen.
Scheffersknecht.
Ziehe du fort an, mein lieber herr,
(Auff uns darffstu nicht warten mehr)
2
189
5559 im d sachen soll vertretten E — 62] fehlt DE; vgl. weiter un-
ten v. 5936 — vor 63 Actus 4 scena 6 E — 63 ziecht E — 65 oder]
ald DE — 69 weltend D — 70 So] fehlt E — 81 s vieh nicht werd
DE — 83 werdn D, wern E — 84 allgmach DE — nacher schleichen E
— 85 Zieh DE.
A dC
: 100, VOL Y
[M3b] Hanna Thobie
Thobias, bleib ein klein weil hie!
Ich will gohn schen, wann oder wie
Es doch stehe umb unsern sohn
5610 Und das er nicht will kommen thon.
Ich wil gehn schawen in das land,
Ob mir sein zukunfft würd bekannt.
Thobias der alt.
[M4a] Ey ja, gang hin und sieh dich umb,
Ob unser sohn doch iergent kumb!
5615 Sichst ihn herkommen autf grüner heid,
Soch [!] verkünd mir solch grosse freud!
Hanna Thobie.
O freud, freud über freüd!
Dort sieh ich auff der grünen heyd
*
5590 der von jaren DE — 92 erkeichen E — 95 güttig DE -
5603 Wo hasts E — 04 und füß D, im leib E — 05 ich] mich DE -
hitz DE — auf 06 folgt in E eine weitere schäferscene (6942 f.) — v
07 Actus 5 scena 1 E — 10 Umb DE — 15 herkon D, herkommn E -
16 So DE.
Tobias, Thomas Schmids zusätze (C). 191
- Herkommen meinen lieben sohn.
3620 Das will ich gehn verkünden thon
Seim blinden vatter gantz frölich.
Er würd im hertzen frewen sich.
(Laufft eilendt zum Thobia und sagt.)
21) Zu s. 157, statt v. 4550—4551:
[M4b] Mein son hast mir gsundt wider bracht.
O wie hab ich so manigmal gedacht,
3625 Es sey euch etwas widerfaren,
Dieweil das ir so lang auf waren!
Nun hor ich, das er ist noch gsundt.
Das danck ich dir zu aller stund.
22) Zu s. 160, hinter v. 4659:
[M6b] Thobias der jung.
Vatter, es thut erfrewen mich,
5680 Das du hast wider dein gesicht.
Sichstu nuh dort einher gohn,
Da dir mein gleydsman saget von,
Sara, mein allerliebste fraw ?
Gar fleißig und eben sie beschaw !
Thobias der alt.
5635 Biß willkumm, hertzliebste tochter mein!
O wie möcht mir immer baß gesein
Auff disem gantzen erdtrich,
Weil ich hab wider mein gesicht,
Das ich jetzunder sehen kan
3640 All meine freund, die vor mir stohn,
Und auch meins liebsten sohnes weib,
Mit dern ich als mein leyd vertreib!
Komm her, hertzliebste tochter mein ..
23) Zu s. 167, hinter v. 4880:
[N2b] Thobias der alt.
Ihr lieben freundt, ich bitt euch all vorauß,
5645 Daß ir gohnd wider heim zu hauß
Und dancken dem allerhöchsten gott,
Der uns die gnad gegeben hot,
Das er sein heylgen engel wert
*
5624 meng mal gdacht D, manchmaln gdacht E — 27 noch ist DE
81 Sichest du D — 34 bschaw DE — 35 liebste DE — 36 sein DE —
37 erdterich DE — 44 euch] fehlt DE — 46 danckt D.
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5870 Den frommen, so in meiner foreht
Gelebt und mein gebott gehorcht,
Dem Adam, Seth und Noah,
Abraham, seinem sohn Isaac,
Jacob, Joseph und Daniel,
2675 Kha, David und Samuel,
Anania, Misael, Assarias,
Raguel und diesem Tobias.
Deren kinder ich behüt
Durch Raphael meinen engel gut
3680 Sampt andern mehr in grosser zahl,
So mich in nohten anrüffen all.
In diesen hiemit der gantzen welt
Ein lebendig exempel fürgestellt,
*
5649 aschicket hat D — 50 alle D — 51 liebe D — glößt D —
vor 52 Der 11. actus, musica D — 52 komm D — 55 zu] z D — 57
gsicht D — 60 allsamen D — 61 göttlichen] fehlt D — 63 meim D —
64 bschehen D — 65 gsehen D — 66 geben D — 67 mein D — 72 und
dem D — 74 und] fehlt D — 78 ich steht D — 79 mein D — 81 not D
— 83 fürgstelt D.
E
la E
Tobias, Thomas Schmids zusätze (C).
[N3b] In meiner forcht gleichfalls zu leben,
5685
Darmit zu erlangen das ewige leben.
24) Zu s. 171, hinter v. 5026:
[N4b] Ach liebes guldes mutterlein,
5689
[N6a]
5690
[N6b]
5710
Woh soll ich auf, woh soll ich ein!
Dieweil mein großvatter jetz will sterben,
So muf ich jammers halb verderben.
25) Zu s. 174, vor v. 5107:
Der herolt sagt den beschluf.
Za lob unserm gnádigen churfúrsten
(Nach gottes wort thut ir gnaden dúrsten),
Zu lob ihrer churfürstlichen gnaden gmahl,
Insonderheit deren junger herrschafft all,
Zu lob allen herrn und stenden
Gott wöll allen sein heyligen engel senden
Und ihn allzeit wohnen bey,
Mit seim heyligen geyst selbs bey ihn sey,
Damit sie rühig leben ein lange zeit,
Sanfftmüttig regieren land und leuth.
1) Zu lob der edlen gestrengen ritterschafft,
Der achbarn und ehrwürdigen priesterschafft,
Gott in auch die gnade verleihen wolle,
Das sie gotts wort führen sollen
Also fortahn zu aller zeit
In allen landen weit und breit,
Darmit doch die gottlose rott
Für gott möcht werden zu schandt und spott;
Zu lob eim erbarn wolweisen raht
In dieser weitbrhümpten churfürstlichen statt,
Gott woll ihn auch sein gnade geben,
Das sie regiern in langem leben
Und gutem frid ihr underthon,
Damit sie vor gott mögen bestohn.
*
5685 zerlangen s ewig D — 88 Weil DE. |
1) Holzschnitt wie auf bl. A8a: Herold mit baret, kurzem
mantel, kurzen pluderhosen, degen und scepter, auf der brust einen
doppeladler.
Wickram VI,
193
5730
3785
BYE
[A6a]
314)
Der mag wol an& der gselschafft tretten,
Das hettend wir in jetzmal betten,
Auft das der sprüchen und geschicht
Mencklichs dest baß empfach bericht.
Drumb sey im jederman vor schaden,
Das er nit muß mit naren baden
Und dann ein jeder thue verjehen,
Es sey dem narren recht geschehen,
Sein lohn trag er verdient darvon.
Hierbey so wil ichs bleiben lon
Und jetzund mich nit lenger saumen,
Sonder den blatz den weisen raumen.
Nit mehr dann seind still diesen tag,
Nun merckend, was der herold sag!
2) Zu s. 9, statt v. 87—102:
Seinr freunden thandt thet er verschetzen
Und sein sach heim dem herren setzen.
Es gibt uns auch diß spil verstand,
Wie gott der herr mit seiner hand
Die seinen wunderlich erhalt
Tobias, zusätze der Sanct Galler bearbeitung (D). 195
In lieb und leid so manigfalt
5750 Daheim und an der frömbde fer;
Sie seiend auff landt oder meer,
Werdend sie doch von gott gregiert
Und durch sein engel außgefürt,
Biß daß sie ab der frombde fliehen
5755 Und in das himlisch heimat ziehen.
3) Zu s. 19, statt v. 430—443:
[B5a] Herold des königs.
Wolhär, ir gsellen, auff die fart!
Die arbeit wer mir lieber gespart.
Dieweils müß aber also sein,
5759 So wil ich mich gleich schicken drein.
4) Zu s. 23, hinter v. 545:
[B7a] So dunckt mich s königs meinung güt,
Darmit der juden übermüt
Gemindert und gestilt mög werden;
5768 Man solt sie dilcken von der erden.
5) Zu s. 38, hinter v. 973 (vgl. oben s. 178, v. 5218):
[C8a] Der sibendt trabant.
Hie ist das gelt und silbergschir,
5765 Gnedigster kónig, welches wir
Bringend auf argen juden hauß.
Wir hands ersächt durch auf und auf ;
Alls, was da was, bringend wir her
Nach euwer mayestet beger.
6) Zu s. 184, hinter v. 5413:
[D8b] Derersttrucksäß.
5770 Weil Simri an seins vatters statt
Die regierung angnommen hatt
Und im das zepter und die kron
Sein brüder nun hat willig glon,
So wend wir für ihn frolich trätten,
5775 In freundtlichen umb dienst auch bätten.
Der ander trucksäfß.
Du redst gar wolbedacht von sachen.
Wir wend uns auch zum könig machen;
Ich hoff, er werd uns nicht versagen
Und unser begern nit abschlagen.
x
5763 tilgen E.
(E7b]
[E8a]
OTN
Jetzt redt der erst wider.
Es gfalt mir wol. Drum wend wir gon
Und im die sach befelhen thon. —
Credentzer, wie ir fir ander herrn
Gleich werdend für den könig keren,
Also thund uns auch nit versaumen,
Damit wir mögend dienst bekommen !
7) Zu s. 59, hinter v. 1580:
Abel.
Ach wellest mich beim leben lan,
Hab ich dir doch kein leid gethan !
Erbarm dich über mich ellend,
Dein freflen zorn doch von mir wend!
Müß es aber ye also sein,
So bitt ich gott den herren mein,
Er woll mir gnad und stercke geben,
Das ich im todt und auch im leben
Von hertzen und mit mund verjeh,
Daß sein göttlicher will geschech,
Auff das durch disen abscheid mein
Geheilget werd der namme sein.
Nimroth.
Kein bitt wirt dich jetzund erretten;
Auff disem plan wil ich dir betten.
Hey jud, nimb von mir disse kappen!
Da hast fürwar ein güte schlappen,
Mirar) han lA Ain, sen] BEE EN
Tobias, zusätze der Sanet Galler bearbeitung (D). 197
8) Zu s. 70, hinter v. 1908:
[F6a] Bettlerin.
Lieber Thobia, es ist mein bitt,
5815 Du wellest uns etwas theilen mit.
Laß mich so vil gnad bey dir finden
Mit meinen vatterlosen kinden!
Dann wo du uns nit bietst dein hand
Sampt andren frommen in dem land,
5820 Ich müßt fürwar gar hunger sterben,
Mit mein kleinen kinden verderben.
Tobias der alt.
Sehin, nimb dise gaab von mir!
Durch gottes willen gib ichs dir.
Bettlerin.
Der herre, der gott Israel,
5825 Bhüt dich vor aller angst und quel
Und segne dich zü allen zeiten!
Drum ich ihn mit mein kinden bitten.
9) Zu s. 99, hinter v. 2787:
[H7a] Vor augen han den herren gott;
So werd er gwüß on allen spott
5880 Von im bewart in aller noth
Im gantzen leben und im tod.
Es lehrt auch diß spil manigfalt,
Wie gott der herr vors teuffels gwalt
Bewaret hab Thobiam fromm.
5835 Darbey lern du in einer sumn,
Das Belial nit mehr vermag
Zü jeder zeyt, sey nacht ald tag,
Dann im von gott wirt zügelassen,
Welcher die seinen gleicher massen
5840 Durch gutte engel thüt bewaren,
Das ihn gar nicht mag widerfaren,
So schedlich ist an irem heil
Auch mit dem allermindsten teil;
Ja das die engel dienstbar sind
5845 Den außerwelten gottes kind.
Der engel fürt den lieben Loth
Von Sodamma auß feures noth.
Drey Daniels gsellen gleicher gstalt
*
5821 Und mit mein klein E — 28 gotte E — ich sie E — 87 ald]
und E.
"Watton TUE A
nimmermebr, = © — ll
10) Zu s. 101, hinter v. 2849:
[Jla] IL
Der herr für uns mit seiner hand
5875 Gen Rages in der Meder land
Und leit uns frolich wider har,
Das uns kein arges widerfar.
Kyrieleison.
II.
Leer uns, o herr, den rechten weg
5880 Und zeig uns auch den himmelsteg,
Das wir nach diser bilgerfart
Wonend beyn heilgen englen zart!
Kyrieleison. ;
*
9893 alles E — 54 seiner gfäncknuß E — 73 grewen |
Tobias, zusätze der Sanct Galler bearbeitung (D). 199
11) Zu s. 107, vor v. 3036:
[J4b] Der 2. actus. Musica.
Cantzler redt weiter.
Vom kénig hab ich wol vernommen,
588 Sein bruder werd bald zu ihm kommen
Von wegen gar wichtiger sachen,
Die sie auff heut zum end wend machen.
Ich hoff, es werde sein nützlich
Dem könig und seim gantzen reich,
5890 Kan aber hierbey wol ermessen,
Sisserach werde mit ihm essen.
Drumb dunckt mich gut, daß man bey zeit
Sich rüst mit breitschafft jeder zeit,
Mit speiß und tranck und andrem allem.
58% Solchs wirt dem könig wolgefallen.
Marschalck redt auff den cantzler.
Die sach mir fürauß wolgefalt,
Dieweil die brüder solcher gstalt
In frid und einigkeit thund leben,
Das mag dem reich bstendigkeit geben.
5900 Darumb sind wir schuldig mit fleiß,
Das alles breit sey sampt der speiß,
Gut achtung geben auff dißmal,
Das neut versaumpt werd überal.
Ich sich aber den hoffmeister schon
595 So geschwind und schnell dort einhar gon.
Gwüß wirt er auf königs befell
[J5a] All sachen fein zurichten schnell.
12) Zu s. 107, statt v. 3056 bis 3059:
[J5a] Simri.
Dein zukunfft ist mir lieb und werdt;
Dann grösser freud auff diser erdt
5910 Kan und mag mir nit widerfaren.
Die gótter wellend dich gsund sparen!
Nun komm, wir wend in sal hinein,
Ein werder gast solt du mir sein
[J5b] An meiner tafel, wie es zimpt.
5915 Demnach, so man wider aufnimpt,
Wend wir hinaus spacieren gohn,
Zu hof die ráth und diener lohn.
s
vor 5884 Actus 2 scena 1 E (das voraufgehende argument unten
v. 6628) —90 darbar- R — 92 dunekts E — 5908 nichts E — 14 wies sich E.
[K2b]
5930
[K3a]
[L7a]
Dersibendttrabant.
Mein gsell, du bist nit unrecht dran.
Die meinung ich auch vor mir han,
Will lieber in der gwarde bleiben
Dann weib und kind vom hauß vertreiben
Und jederman sein überlegen
Mit rauben, beuten, kistenfegen.
Doch dunkt mich jetz von nothen seyn,
Das einer gieng gantz still hineyn
Zu dem pallast, das er verstand,
Ob man auffheb, und uns zuhand
Deß gebe fleißigen bericht,
Damit wir uns versaumen nicht.
Der dritttrabant.
Ich will gehn eilends lauffen dar,
Euch bringen wider bottschafft har.
(Kompt wider und spricht.)
14) Zu s. 139, statt v. 4032—4035
Da singt der engel mit sampt dem gefer!
(1.) In gottes namen farend wir,
Seiner gnaden begeren wir;
Deß vatters güt behüt uns heut,
Beware unser seel und leyb.
Kyrieleyson.
(2.) Messias sey unser gleittsman,
Bleib stettig bey uns auff der ban
Und wend von uns deß feindes list,
Auch was seim wort zuwider ist.
Kvrielevson.
Tobias, zusätze der Sanct Galler bearbeitung (D). 201
(3.) Der heilig geist auch ob uns halt
Mit seinen gaben manigfalt,
Tröst, stercke uns in aller not
Und für uns wider heim mit gott.
5950 Kyrieleyson.
15) Zu s. 158, hinter v. 4591:
[N2a] Blind mann.
Lieber Thobia, sich doch an
Mich arbeitselgen blinden man
Und teil mit das allmüsen dein,
Nun was dein gütter will mag sein!
5955 Wie andrer dich thfist erbarmen,
So sich an mich blinden armen!
Thobias der alt.
See hin, nun [?nim] dise gaab von mir!
Durch gotts willen gib ich sie dir.
[N2b] Blind.
Der herr gott vergelt deine gaaben,
5960 Mit denn du thust die armen laben.
Er well dich segnen gnedigklich.
Hie im zeyt und dort ewigklich.
16) Zu s. 174, hinter v. 5106:
[03a] Esaias,
O großvatter, wie gern ich wott,
Das ich mit dir von hinnen sott!
59%5 Dann muß ich fúrhin on dich seyn,
Wirt mir ein grosse schwere peyn.
Führ mich mit dir ins himmelreych,
Damit ich werd den englen gleych!
Jeremias.
Nun bhüt dich gott, großvatter mein.
5970 Verleich mir gott die gnade sein,
Daß ich der schönen leere dein
Allzeit könn gflissen, ghorsam sein,
So du mir vor deim end hast geben!
Dann wurd ich gwüß mein gantzes leben
59775 Zubringen nach gottes gesatz ;
[03b] Wer mir der allerbeste schatz.
Hezechiel.
Der gott, der allen gibt das leben,
Woll uns nach dem ein bessers geben.
+
5956 sich auch an E — 62 in E — 68 wolt E — 64 solt E.
A sh
i
7 + i
pœ
1
i +
‘Bit RN rah Gone A
6000 Zur herrligkeit erwecket werd.
Thobias der alt.
Nun bhüt euch gott, mein lieben kind,
Der geb, das ich euch wider find
[O4a] In dem himmlischen paradeyß.
Doch sehend und volgend mit tleyf
6005 Den elteren und gott vorab,
Daß er euch für sein kinder hab!
All in gemeın.
Gott woll uns sein gnaad darzu geben,
Bscheeren nach dem ein ewigs leben.
Beschluß deß andren
Ihr frommen christen allesampt,
6010 Ein yeden nach seim titel gnampt,
Der ihm gebürt von ehren wegen,
Weyl ihr auch disen tag zugegen
Erschinen sind zu der kurtzweyl
x
5987 zlosen E — 91 Solln E — 93 Obs E
dann E — 08 Bescheren E.
|
tags.
— 6005 Den eltern und
Tobias, zusätze der Sanct Galler bearbeitung (D).
Und christenlichem burgerspyl,
Deß danckend wir euch gantz freundtlich
Allen in gmein und sonderlich,
Wiewol uns gar nicht zweyflet dran,
Wir habend vil zuseher ghan,
Die machend drauß ihr gspött und glechter.
Das sind die spötter und verechter,
Welche allein dem gend den preyß,
So grichtet ist nach ihrer weyß;
Das ander, so sie nit verstond,
Gar nit ungelesteret lohnd.
Darnach so sind auch deren vil.
Die söllich übung und kurtzweil
In gmein verwerftend und verachtend;
Weyl sey vorab nach Mammon trachtend,
Haltend sie den allein fúr gschwind,
Der täglich neuwe list erfindt,
Das zeitlich gut hauffecht zu mehren.
Was aber dienet gott zu ehren,
Deßgleich dem gmeinen nutz zu gut,
[04b] Dardurch def menschen sinn und muth
6085
6045
6055
In rechter maaß wirt geregiert,
Auch zu gutem verstand gefürt,
Daßselbig als thund sie verachten.
Das müssend aber gar nit achten,
Die ihr gemüt, sinn und verstand
In gschrifft und bücher grichtet hand;
Doch wünschend wir ihn auch darneben,
Daß ihn gott beßren sinn thu geben.
Neüt dester minder achtend wir,
Es seiend auch, die mit begir
Solche kurtzweyl gesehen handt,
Dieselben wend wir han ermandt,
Daß sie die lehren und geschicht,
Deß uns das spyl gibt guten bricht,
Zu hertzen faßınd, bhaltind wol.
Darbey lehrn jeder, wie er sol
In seinem ampt getrewlich handlen
Und in der forcht deß herren wandlen;
Und was ihm drüber widerfart,
Wie bitter s sey, rauch oder hart,
Sol er befelhen seinem gott,
s
203
6026 solche E — 31 häufig E — 40 In d schrifft E — Nichts
desto E.
6065 Hiebey so will ichs bleiben lon;
Spilleut, blaßt auff! Wir wend darvon.
End.
3. Zusätze Johann Yetzelers (E)
(Schaffhausen 1605).
1) Zu s. 7, statt v. 1—42 (aus Georg Gotthar
von zerstörung der statt Troia 1599, bl. B2a-
[B2b] Zum eingang des spils. Der narr spricht:
Ich bin der erst und heiß Hans Lapp,
Das secht ir wol an meiner kapp.
Und wer ich nicht der erst im spil,
6070 So schüff man nichts, wers glauben wil.
Ich hab mich dester eh her gmacht,
Hab nächt’gstudiert die gantze nacht, _
Drumb daß ich bin der erst im buch.
Wann irs nit glauben wolt, so sucht,
[B3a] ')So werdt irs finden also bar.
Verstehn es recht, so heißt es narr.
Weil an meim ampt nit wenig leit,
So lant mir hie den platz frey weit,
Damit ich könn herumb spaciern
6080 Und s miillers thierlein mit mir führn.
Wann ir schon meynt, ich sey allein,
So wirdt das thierlein bev mir sein.
Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E).
Mit dem ich treib mein federspil
Und reitt das tierlein offt und vil.
[B3b] Als ich heut frü nun war auffgstandn,
6030
6100
6105
6110
[B4a]
6120
6125
6130
Der tag noch nit vast war verhandn
Und mich halb schlaffert bald angleit,
Hab ich erwischt das narrenkleyd,
Habs do erst gsehn, wie ich erwachen,
Eylends mich thet zum spiegel machen.
Als ich drein lugt, da sach ich schnell
Ein stockvisch, gar ein schön gesell.
Da hab ich in [der] eyl dermassen
Ein schönen hut in ermel gstossen,
Wann ich her käm zun leuten fremd,
Daß ich in dann auffsetzen köndt.
Ich glaub, ich muß in herfür nen
Und muß der kappen urlaub gen.
Ich mein, ich habs getroffen recht.
Ey wie ein schönes hütlein, secht!
Bin ich dann so ein schöner lapp,
Daß mirs alls wirdt zur narrenkapp,
Was ich stoß in den ermel mein!
Hab gmeynt, ich solt ein doctor sein;
Vergebens hab ich lang gstudiert,
Ich hab den narrenbrey z fast grührt.
Nun weil ich hab ein kappen für,
So will ich lugen, wa ich gspür
Etwan ein gut gselln und gespan,
Dem dise kappen wol stind an.
Ders maul und d füß nit baschgen möcht,
Dem müßt sein dise kappen recht.
Wer auch z fast hie wolt fürhin stahn
Und nit von seinem schwetzen lahn,
Dem wolt ichs understehn z vertreiben,
lhn wol mit meinem kolben reiben,
Daß etwan einer wurde wöllen,
Daß er sich het thun züchtig stellen.
Nun welcher mir hie volgen wirdt,
Fein züchtig sein und lahn ungirt,
Daß man uns möge hören wol,
Danck und preyß von uns haben sol.
Wer aber wolt zu jedem wort
Lachen und schreyen: Luge dort,
Was thut derjenig, was thut der,
Bey meiner kappen ich im schwer,
Ich wurd in bald beym er
205
za À
-
Sie woller iepr chaffen ger
Mein kölben auch fein rhhwig jahr:
Darff keinen damit z boden schlan,
Weil sie sich halten also still;
6160 Groß lob ich ihnen geben will.
Ich sich jetz schon den herold kon,
Er wirdt mich nit mehr reden lan.
Meins bleibens ist hie gar nit meh,
Ade, ade, ade, ich geh.
2) Zu s.9, hinter v. 66 (aus Gottharts Troia 1599, bl. B4b—B5a):
[B5b] Was kan man doch der jugendt eben
Bessers, nutzlichers immer geben
Dann sie allzeit zur tugendt weisen !
Welchs der weiß mann hoch thut preisen;
Im achten er gar heiter meldt,
6170 Die weißheit sey on end der welt,
[B6a] Von jugendt auff hab er die gliebt,
Ir nachzustellen fleissig gubt.
Ja wer gmeinsame hat mit gott,
Der lobt ir herrligkeit on spott.
6175
6180
6185
6190
6195
[B6b]
6200
[B7a]
[B7b]
6210
Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E).
Im dreyssigsten der Syrach spricht:
Wer sein kind liebt und hasset nicht,
Under der ruth und straff es heb,
Damit er frewd an im erleb.
Wer sein son laßt durch weißheit lehren,
Der schwächt sein feind und thut ihn bschwören.
Nun was man schitt in newe gschirr,
Das thut man in dem alter spürn.
Also ists mit der jugendt gstalt;
Was man ir fürbildt, sie gern bhalt.
Thut man für ihn stäts fressen, sauffen,
So gibt es gern ein tollen hauffen;
Spilt vor in, schmecht, schwört und flucht,
Darbey wirdt sie auch gern verrucht,
Ja ungottsförchtig rauhe gsellen.
Wann sie dann etwan vorstahn sollen
Zu irer zeit dem gmeinen nutz,
So gibt es nichts dann winterbutz;
Kein hilff noch raht man je nit find
Bey solchem ungezognen kind,
Dardurch offt z grund geht statt und land
Durch solcher leuten unverstandt.
Zeucht man sie dann durch tugent recht,
So zierend sie ir freund und gschlecht;
Kompt offt zu gut dem gmeinen mann,
Wo man solchs regiment kan han.
3) Zu s. 10, statt v. 109— 200:
Argument oder inhalt des ersten tags in gmein.
Thobias, ein hebraisch mann,
Von Hanna zeuget einen son;
Auß Nephtalim dem edlen stamm
Er sampt seim weib den ursprung nam,
Kompt gfangen ins assyrisch reich,
Die mutter und der sohn deßgleich,
In Ninive sein wonung hat.
Die gnad im bald der könig that,
Daß er möcht ziehen durch das land,
Sein mitgefangnen bietten d hand.
In Meden trifft Gabelum an,
Dem er bey zehen pfund hat glan
Auff widergeben. Was erschlagen
Von heyden, thet er stäts begraben,
*
6207 wohung E.
207
Lg lurch de: ‚era Türkon :
Hie kompt im d sinn, das gbett zu gott 2
Am besten helff in aller noht.
Kein achtung def Senacheribs hat,
6240 Außrüffen ließ er ein mandat,
Das, wo im land ein jud erschlagen,
Solt er da liegen unbegraben;
Begrub in jemands, auff der stett
Er leib und gut verfallen het.
6245 Das was ein grub darumb gemacht,
Daß wurd Tobias drein gebracht.
4) Zu s. 16, hinter v. 332:
[C3a] Senacherib, kónig.
Thymnat, was rahten ihr hierinn?
Was duncket euch in ewerm sinn
[C3b] Von Tobia dem judsgnossen,
6250 Der sich keinswegs will warnen laßen ?
Thymnat.
Weil ihr, herr kónig, mich fragt an
*
7
|
vor 6231 Augumentum E.
[C7b]
5265
[C8a]
(F3b ]
6285
Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 209
Von Tobia dem jüdischn mann,
Wolt ich ihm noch ein warnung thun,
Ob er wolt vom vergraben lahn
Der juden, so werden erschlagen,
Und kein gmeinsam mehr mit ihn haben.
Wa ich somlichs mehr von ihm hort,
Wolts mit ihm machen an ein ort.
5) Zu s. 22, vor v. 498:
Musica, Argumentum actus II.
Nachdem Tobias hat vernommen,
Was für befelch vom könig kommen,
Ist er der sach erschrocken sehr
Wie auch sein lieber freund Asser.
Und als sie sich des gnug erklagen,
Geht Asser heim und wirdt erschlagen.
Den corpel nemmendt ohn gewalt
Thobias jung wie auch der alt,
Legend ihn heimlich in die erden,
Hoffend, man solls nit innen werden.
Was gschicht? D trabanten horendts graben,
Drumb eylendt sie ihn nach thun jagen.
Schnell aber seind sie grissen auf
Und gflohen in def Naboths hauß.
Hie zwischen wurden sie gesucht;
Da mans nit fand, der kong verrucht
Dem fluchtigen alls, was er findt,
In sein schatzkammer zu sich nimbt.
6) Zu s. 37, vor v. 938:
Argumentum actus III.
Senacherib der konig war
Ein groß tyrann, kompt drumb in gfahr
Seins leibs und lebens bey sein kinden,
Da mans nit het gedacht zu finden.
Erstochen wurd er in seim tempel
Allen tyrannen zum exempel.
Tobias hort, das all sein gut
Der kong hab gnommen in sein hut,
Nimbts gdultig auff, steht drumb nit ab,
Gibt stewr den armen biß ins grab,
Deß konigs tod gar bald außkam,
Der älter son die kron auffnam;
Die raht, truchsessen und trabanten,
Deßgleich all ander hofsverwandten
Wickram VI. 14
> Ls a ERA
(Simri und Sisserach sampt beiden brüdern trabandten un
() Zus. 178, vor v. 5228:
[E8a] Senacherib der alt konig, als ihn sein sohn -
O wee, o wee der grossen noht!
6300 Wer sticht mich mit dem dolchen z tod?
O Baal, dich [!] meinr bitt gewehr!
Hilff mir! Meins bleibens ist nit mehr.
Simri, der älter sohn def kónigs, bettet, nachdem
stochen.
O Jupiter, du hochster gott,
[E8b] Erbarm dich diser grossen noht,
6805 Daß ich, deßgleichen nuch mein bruder
Müssend umbs leben bringen leyder
Unsern vatter, den tyrann groß!
O gott, verzeyh uns gnadig das,
Dieweil wir dif thun haben mussen!
6310 Dann er uns beyde gleicher massen
Nach unserm leben hat gestelt,
Die gotter habens nit gewolt.
Sonder uns bhüt vor tyranney!
So wollend wir fürohin frey
6315 Besser regiern das konigreich.
Darzu helff uns gott gnidigkleich.
8) Zu s. 179, vor v. 5234:
IFERb] Auch unsers lebens fürohin
[F2b]
[F3a]
[F4b]
6345
6350
[Esa]
Tobias, zusútze Johann Yetzelers (E).
Het er lieb ghabt die grechtigkeit.
So wer es nit komn in dif leyd.
9) Zu s. 179, hinter v. 5245:
Gwiß hand in seine sohn umbbracht;
Das hab ich gar manchs mal gedacht.
Thymnat.
Ich hab heut in der frú verstanden,
Eh der tag recht war verhanden,
Der könig sey kommen umbs leben.
Aber wie sich das hab begeben,
Möcht ich bey mir selbs nit erfinden.
Es steckt gewiß ein butz darhinden.
10) Zu s. 179, hinter v. 5261:
Verschwigen solt irs nit mehr tragen
Und uns den handel in gmein sagen.
Dann es nit länger z warten ist,
Weil wir dann all zu diser frist
Ein andern konig müssen haben,
Der fürter die kron thue tragen.
11) Zu s. 181, hinter v. 5323:
Mich dunckt, er wurde wol regieren,
Daß er sein lob nit werd verlieren.
Mit weißheit ist er wol begabt,
Darzu mit betten frü und spat
Gegn gott, dem allmächtigen vatter.
Er mahnt mich gleich an Salmanassar,
Der sein großvatter gwesen war,
Regieret auch löblich vil jar.
Derhalb bin ich guter hoffnung,
Er werd uns halten in einr summ
Und könig Salmanassar schon
In alle weg nachschlagen thun.
So hand wir dann ein gnádign herrn;
Von im wolt ich mich nit bald kehrn.
Thymnath.
Ir herrn, es thet mir gfallen wol,
Daf man den Simri krónen sol,
Weil er der älter ist im reich;
An tugendt findt man nit seins gleich.
Ich hoff, er werd regieren wol,
Wie sichs eim könig zimmen soll.
14 *
211
~
So sollend ir in trewen wissen,
Daß ich mich allzeit will beflissen,
Euch samptlich mit könglichen gnaden
6370 Will mächtig sein und wol begaben.
Beyneben so will ich auch euch
Bey alter freyheit lassen gleich.
[F7a] Dargegen solt ir wie bifher
Euch halten wie trewe diener,
6375 Damit das unser königreich
Erhalten werde stätigkleich
Durch gut policey und regiment.
Die götter verleyhend uns das end,
Daß wir im frid, auch in ruh leben,
6380 Regiern one falsch trew eben.
Darzu helffen uns die götter all,
Ir lob bey uns mit frewd erschall!
Nachdem er gekrönt ist, spricht Sisserach zu den
Jetzund ist alles außgericht,
Was bey krönung eins königs bschicht.
6835 In königlicher mayestet :
Ich sehe meinen bruder bstät.
Nun woll alles Assyrien
Mit frolocken im zuschreyen:
Lebe der könig, der konig leb,
6390 In grosser ehr und glory schweb!
(Sisserach zu seinem bruder, dem könig.
Mein bruder nit alleine mehr,
Sonder mein gnädig kong und herr.
Zu diser schonen thewren kron
6410
6415
[F8a]
6425
6435
Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E).
Das sich Assyrier regiment
Erstrecke weit und breyt on end,
Kein könig sey für euch gewesen
Eins so mächtigen thuns und wesen !
Ewer nam werde weit bekandt
Und erschalle durch alle land,
Das, wann man nur von ewerm pracht
Und von der unerhörten macht
Wirdt ein klein geschrey vernemmen,
Jedermann muß stracks bekennen,
Daß die unüberwindlich sey,
Für der niemandts sicher noch frey.
Darzu ein frewdigs langes leben
Wöllen euch auch die gotter geben,
Und [was] sonst mehr für glück auff erden
Mag einen grossn könig werden.
— Allein, allein thu ich jetz führen
Ein underthänigs supplicieren,
Daß ir allzeit haben in acht,
Was ewrn vatter umbs leben bracht.
Ihr habt erlangt ein grosses gut,
Das mag euch wol bringen ein mut.
Secht nur, das nit auß disem gut
Entstehe etwan ein übermut,
Welcher euch zu tyrannisiern
Villeicht einmal möchte verführn!
Gedenckt, das gott über uns ist,
Welcher der könig hertzen sicht !
Alles, was dise thun und schlichten,
Wirdt er nach gstalt der sachen richten.
Groß ist zwar ewer herrligkeit,
Grösser ist deß allmächtigkeit.
Seiner hand niemandts [mag] entrinnen,
Und solt einr übern himmel klimmen.
Darumb ir meinen gringen raht,
Bitt ich, wolt volgen in der that.
Salmanassar gewesen ist
Ein grosser könig lange frist.
Diser unser großvatter war
Und hatte grosses glück vil jar,
Dieweil er recht und billichkeit
Beschirmbte mit bescheidenheit.
Einem jeden gab er sein sold,
Keiner tyranney ward er hold.
[F8b] Dem armen wie dem reichen bschach,
21:
[Gla] Und thu dir auch dancken n zugleich r
6470
647
a
a
Deinr glückwünschung zum königreich.
Gott woll, daß ich mich könn verhalten,
Daß dir und andern potentaten
Mein regiment gefiel zuhand,
Damit ich recht regier das land.
Ich wünsch dir auch von gottern all
Vil glück, vil heyl, vil guts zumal.
Dann mir gewißlich gar leyd wer,
So dir nit gieng nach deim beger.
Verhoff auch, werdst dich gegen mir
6480 Verhalten, wie ich trawe dir.
In einigkeit und statem frid
Wollest verbleiben allezeit.
So will ich mein köngreich erstrecken,
Die grechtigkeit im land erwecken,
6155 Den unfrid dampffen allezeit;
Die hoftart sey von mir gar weit.
Jupiter verleych, daß ich mich
Verhalt wie mein großvatter gleich,
Salmanassar loblicher gdachtnuS,
6490
Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E).
Welcher vil guts hinder im ließ.
Also hab ich gstelt mein datum,
Im nachzuvolgen in einr summ.
Der alt Tobias (verstehe mich)
Soll gnad bey mir finden sicherlich,
[G1b] Dann er ist ein auffrechter mann,
605
6515
[G2a]
6520
6530
Den will ich zu mir brúffen lan. —
Jetzunder, lieber bruder mein,
Setz dich in disen stul hinein!
Dem mächtigen gott Jupiter
Will ich jetzunder geben ehr
Und im dancksagen umb die kron,
So er mir hat auffsetzen lan,
Und sonst umb andere gutthat,
Die er mir gibt beyd frú und spat.
(Das gebett nach beschechner krönung def konigs.)
O du hochster gott Jupiter,
Dir allein sag ich lob und ehr,
Daß du mich auff den könglichen thron
An statt meins vatters setzen thon.
Dieweil er als ein tyrann stoltz
Übermuth gbraucht hat offtennals,
Auch die lieblich justitia gar
Verkleinert hatte immerdar,
Darumb du dann, mächtiger gott,
Ihn gstrafft hast mit dem bittern tod.
So will an disem ich fürwar
Ein spiegel nemmen immerdar
Und mich in meinem königreich
Verhalten gegen menigkleich
In trewen, vorstehn alle zeit
Dem reich und arm mit bscheidenheit, |
D justitia halten, wie es dann
Gebürt eim könig lobesaın.
Drumb bitt ich dich, o Jupiter,
Deinr höchsten gnaden ich beger.
Daß du wöllest mir allezeit
Beystehn mit deiner grechtigkeit,
Damit ich kondt regiern zugleich
Mein erbland und auch konigreich,
Auft das durch dises mein verwalten
Mein lob erschall bey jung und alten.
Dazu hilff mir, o Jupiter!
Vor allen sey dir lob und ehr.
[Hla]
000
65600
bob)
15) Z
Konig Simri zum cantzler.
Cantzler, gehet ir hin geschwind,
Den herold mir eylends her bringt!
Biet im, daß er sich nit lang saum,
In seim heroldskleyd zu uns komm!
16) Zu s. 54, vor v. 1448:
Argumentum actus IV.
Was dem Tobia ward entwendt
Und wider vom kong zuerkendt,
Das alles kompt im sauber z haufi,
Klein, grosses, da nichts gnommen auß.
Drauff stelt er bald ein malzeit an,
Brüfft zu sich d freund von weib und mann.
Weil aber lag dort auff der strassen
Kin todter jud, kondt ers mt lassen,
Steht auff vom tisch, thut in begraben,
Laßt drüber d gast und Jie fraw klagen.
Die todten als ein werde tracht
Er über sein malzeit geacht.
6570
Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 217
Dic werck der lieb gegen seim nachsten
Im lagend an beym allerhöchsten.
Drumb gibt er von seim tisch den armen
Und thut sich der von hertzen erbarmen;
Danckt ab den güsten, zvorderst gott,
Daß er sie tranckt und gspeyset hat,
Laßt jeden wider zu hauß gahn,
Daher sie warend zu im kon.
17) Zu s. 54, statt v. 1451—57:
[H1b] Sey gtrost und bi8 nur wolgemut
6580
6355
[J6a]
6590
53%
(J6b]
Und leb wie vor disem allzeit!
Mein kúniglich gnad sey dir zugseit.
So lang ich trag die koniglich kron,
Will ich dich gwißlich nit verlahn,
Wie auch dein gschlecht, dein weib und kind ;
Bey mir allzeit genade findt.
Gschicht dir unrecht, so klag es mir!
Vor unglück ich auch sein will dir;
Daran du gar nit zweyflen solt,
Der grechtigkeit bin ich gar hold.
18) Zu s. 72, vor v. 1963:
Argumentum actus V.
So lang das morden wert beyn heyden,
Ließ im Tobias nit erleyden,
Die todten juden zu begraben;
Das sollen wir im noch heut nachsagen.
In Meden Raguel der fromm
Liesse sich trösten eben kaum,
Drumb das sein tochter Sara ghan
Biß in die siben gsunder mann,
Die all durch todtes zwang getrendt
Von ir, eh und sie die erkendt.
Sathan diß werck im gar zumißt,
Verhängnuß gotts hiemit vergißt.
In dem zu Rages solchs beschach,
Der alt Tobias gar nichts gsach
In Ninive der werden statt.
Darüber er vil glitten hat
Von nächsten freunden und seim weib,
Wie Job er doch gedultig blib.
Hierumb ein engel wurd gesandt
In Meden und Assyrier land;
Der halff in beyden solcher gstalt,
Wie in der engel hat gelehrt.
Raguel in groß sorgen staht,
6615 Nit gern zusagt, nit gern abschlagt,
Bewilligt endtlich doch darein.
Im namen gotts von güte sein
Verspricht er ihr zur ehestewr zgeben
Den halben theil; wurd ers erleben,
6620 Da[s] er und Hanna gott befohlen,
Das übrig alles soll er holen.
Nachdem der heyrat also gmacht,
Volgts heyratmal angehnds der nacht.
Der beyschlaff auch wirdt angestelt,
6625 Dem bösen geist sein macht entfelt,
Durch Raphael wirdt er verjagt,
Deß er sich starck umbsonst erclagt.
20) Zu s. 199, vor v. 5884:
[N3b] Argumentum actus II.
Tyrannen wann gott nimbt eim land,
Die underthanen friden hand.
6630 Zu hof wird aller unwill gstilt,
Einer den andern nit mehr schilt;
Mit dem verstorbnen fahrt dahin,
Was bey dem raht verdächtig gsein.
[Ola] Das hat Senacheribs hof gespürt;
6655 Nachdem er in dem tempel gmürdt,
Sein söhn, die er nach im verlassen,
Vergleichtend sich, und das dermassen,
Dae eine dam undern d kran walt ennnen.
[03b]
[Pla]
(P1b]
6670
6615
Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E).
Da warend fürsten und trabanten,
Nit schonten sie allsampt den kandten.
Darnach so kam ein post zuhand
Gesandt auf dem Asayrierland
Zu kónig Simri von deßwegen,
Daß er sein vatter bracht umbs leben.
Die ward verhört mit wenig wort
Seins innhalts, darnach gschicket fort.
21) Zu s. 108, hinter v. 3089:
Schenck.
Das kan mir ein feins gsindlein sein,
Ich muß in geben guten wein;
Dann sie seind allsamm wacker kunden,
Ihrs gleichen hab ich nit vil funden.
Eh einer sich het umbgekehrt,
Hat ir einer zwey glaß außglert.
Drumb muß ich in zusprechen nun,
Welcher wóll den ersten bscheid thun.
22) Zu s. 118, hinter v. 3390:
Dererstedelknab.
Wo werden doch die andern sein?
Wir wölln jetzund zum könig hin.
Es wurd sich sonst nit schicken wol,
Wann der kong auff uns warten sol.
Dann er von stund an wirdt außgohn.
Der ander.
Thu nit so letz! Wir kommn auch schon.
Wir hond zeit gnug, ist nit so spat.
Ich bitt euch, volget meinem raht,
Laßt uns ein klein weil hie kurtzweiln!
Der dritt.
Schweig mit deim rat! Wir wölln jetz yln.
Du kompst allzeit mit disen schwencken,
Thust wenig an dein gschäfft gedencken.
Das kan gschehen ein ander mal.
Der vierdt.
Was laufft ir, seind doch da nit all?
Wir wölln allsampt beysamen sein,
Es wirdt sich sonst nit schicken fein.
Der fünfft.
Dises zwar auch mein meynung wer,
Ja wann ich d streich nit förcht so sehr.
Ihr wißt wol, daß mans uns schen!
219
6705
615
WAR UU LIU ALI sl BEA YUL. DAL e
Wolt t dif für nbel nent MA
Du solts vil mehr für ein dienst han, -
Daß wir so lang deinr gwartet hand.
Wilt uns so dancken? Pfuy der schand!
Der zehend.
Was führend ir da für ein klag?;
Horend ein wenig, was ich sag!
Ich komm jetz eben auß dem saal,
Sitzend zmal ob dem tisch noch all,
Wann wir über ein stund gehnd hin,
So wirdt es dann noch zeit gnug sein.
Darumb so laßt von ewerm gfecht!
Der letst nun auch kompt, ist mir recht.
Dereylfft.
Secht, diser auch fein fru her kompt
Sag an, wo hast du dich versaumpt ?
Bist umbher gloffen nach deim bauch.
Gut schleckerhafftig bißlein gsucht ?
Wie darttst du sein also vermessen
Und dein bevelch so gar vergessen ?
Der zwolfft.
Ich wills grad sagen, was es ist.
Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 221
Der könig will auffstehn vom tisch;
6720 Darumb wer das die meynung mein,
Daß wir bey zeiten giengen hin.
Sonst wurde gar bôß unser sach,
Wann wir nit in deß königs gmach
Werend, so er vom tisch auffstaht.
6725 Nun fort, nun fort! Es ist schon spat.
Ein ander mal gib ich dir bscheyd,
So wir hond bessre glegenheit.
Hie kompt ein Gesandter, spricht zum Credentzer.
Köndt ir mir nit gebn zu verstohn,
Ob ich möcht für den könig kon?
Credentzer.
6730 Aufl dises mal es kaum geschicht.
Will aber hin gehn, geben bricht
Dem könig und solches ansagen.
[P3a] Ir wolt ein weil gedult hie tragen:
Ich will bald wider bey euch sein.
Gesandter.
6735 Das ist mir lieb. Nun geht gschwind hin!
Credentzer.
Herr kong, es ist was news verhanden.
Ein post ist kon auß fremden landen,
Er audientz von euch begert.
König Simri,
Des soll er sein von mir gewert.
6740 Sobald ich von dem tisch aufistahn,
Will ich ihn dann gern hörn an.
Heißt in dieweil verziehen nun!
Credentzer.
Herr kong, das will ich willig thun.
(zum gsandten.)
Ein weil solt ir verziehen hie.
Gesandter.
6745 Ich danck dem herren diser múh.
(zum diener.)
Geh du jetz hin, versorg die pferd,
Hab acht, das nichts verlohren werd!
Diener.
Ich will alles vesehen recht,
Wie es gebürt eim gtrewen knecht.
König zu seinem bruder.
6750 Mein bruder, wie gfalt dir die sach?
[P3b] Ich forcht, das nit etwan ungmach
Mir dise post bringe zu banfi: - -
[P4a]
6770
5779
0750
6755
EMA T
Kompt bald wider, ich bitt euch sehr.
König.
Nun sagt, was ist ewer beger,
Warumb seind ir komn zu uns her?
Gesandter.
Vil glück und heyl zu jeder zeit
Euch werde von den gottern breyth.
Durchleuchtiger konig und herr,
Auf trembden landen komm ich ferr,
Ein sach bey ewr gnad zu verrichten,
Welche gar nit ist zu vernichten.
Was aber für ein sach das sey,
Auß dem brieff werdt ihrs sehen frey.
Konig.
Herr cantzler, nembt den brieff in d hand
Und leßt in laut, daß mans verstand!
[Cantzler.] Der inhalt dif briefts.
Dieweil man mir hat geben bricht,
Daß du dein vatter hin hast gricht,
Die kindtlich trew so gar vergessen,
Das kongreich dir also zugmessen,
6790
[P4b]
6795
6310
i Pda]
6815
6821)
Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 223
Welchs wider das natürlich recht,
Hiemit auch die gantz freundtschafft gschwächt,
Hab ich dir wöllen z wissen thun,
Was ich mir jetz hab fúrgenomn,
Namlich daß ich in wolle rächen,
Wo ich dich antriff, stracks erstechen,
Dein land mit krieg will nemmen ein.
Du solt mir nienen sicher sein,
Das sag ich dir bey meinem eyd,
Es soll dir gwißlich werden leyd.
Dein freund was ich, jetz feind bin ich.
So aber du berichtest mich,
Wies zugangen, so du hast ghan
Rechtmássige ursach, will ich dann
Dein trewer vetter wie zvor bleiben.
Dises hab ich dir wollen schreiben;
Ich könig im Assyrierland
Diß gschriben hab mit eygner hand.
König.
Nun trettend ab auff dises mal!
Die antwort euch bald werden sol.
Gesandter.
Mir überauß sehr wol gefalt,
Daß mich ewr gnad nit lang auffhalt.
Konig.
Hat mir dif nit mein hertz vor gsagt ?
Sisserach,
Ir solt darumb nit sein verzagt.
Laßt uns jetzt sehen, wie man woll
Im antwort gebn, damit ungfell
Vermitten bleib, kein krieg entstand,
Kein unruh geh in disem land!
König.
Mein liebe freund, ir hand vernommen,
Warumb der bott ıns land sey kommen,
Wie häfftig mir mein vetter trowt.
Drumb solt ir mir bey ewerm eyd
Ewr meynung jetz hie zeigen an.
Bruder, ich wills zerst von dir han.
Sisserach.
Man hat in eben falschlich bricht,
Sonst het er so scharptf gschriben nicht.
So er die ursach wirdt verstahn,
Sein zorn wirdt er dann fallen lahn..
Darumb die ursach schick man
64
6850
[Poa]
Hierinnen ich nit vil wort mach.
Wann man im allen handel schreibt,
Wie sichs begeben, gwiß er bleibt
Ewr guter freund wie vor der zeit.
Diss soll man thun, ist mein bescheydt.
König.
Herr Nimroth, sagt ewr meynung har!
Nimroth.
Die herren hand wol grahten zwar.
Aber mich dunckt nach meinem sinn,
Man soll in schicken wider hin
Olın alle antwort und bescheyd.
Es wirt im gwiß noch werden leyd;
Wann er schon kompt in unser land,
Köndn wir im nit thun widerstand ?
Darumb so wer mein will und bitt,
Daß man im antwort gebe nit.
Konig.
Herr kimmerling, was rahten ihr?
Kammerling
Dieser meinung bin ich auch schier.
Km
~
rd!
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Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E).
Es nimbt mich wunder, daß er darff
Ewr mayestet schreiben so scharpff
Und nit denckt, daß ewr mayestat
So wol als er gut kriegsleut hat.
Nun laßt in kommen, wann er will!
Das ist mein meynung, schweig jetz still.
König.
Herr Thymnat, ewrn bscheyd druft gend,
Damit wirs bringend bald zum end!
Thymnat.
Herr köng, daß will ich thun angehnds.
Ich hab ghört zweyerley sententz,
Erstlich daß man im d ursach schreib,
Damit unruh vermitten bleib,
Darnach daß man die post schick fort
On bscheyd, on brieff und on antwort.
Auß dem wurd gwißlich gfahr entstohn,
Ein schwerer krieg ins land thet kon.
Der ersten meynung hang ich an,
Nit besser ichs jetz schliessen kan.
Herr könig.
Herr marschalck, sagt mir ewr meynung her!
Marschalck.
Desselben ich mich nit beschwer.
Wie darff er so gar frevenlich
Schreiben so gar scharpff wider euch!
Doch was deß mehrtheils meynung ist,
Das lob ich auch zu diser frist.
König.
Dieweil der grost theyl gsinnet ist.
Daß man meim vettern schreib on list,
Wies zugangen, den rechten grund,
Das gfalt mir auch zu diser stund.
Vil besser ists, daß man mit frewd
Einandern bericht dann mit leyd.
Darumb, herr cantzler, merckend mich,
Das schreiben macht, wies geburt sich!
225
lie tritt der konig und seine riht ab, und kompt der cantzler.
']
Cantzler zum gsandten.
Da hat der herr die handschrifft schon.
Wann es euch gliebt, mögt ir darvon.
Gesandter.
Bin fro, daß ich schon gfertigt bin. —
Hörst, knecht, lauff du jetzt eyllends hin,
fickram VI.
Raguel hat siben jüngling,
Die all seiner tochter brautling,
Einandern nach in d erden bgraben,
#05 Def er sich thet beym höchsten klagen.
Da nun der achtet bey ist glegen,
Nichts anders hat er sich z verwegen,
Dann das wie andern im wurd gahn.
Drumb war das grab gemachet schon.
6910 Als aber gute bottschafft kam
Von einer magd, wie der bráutgam
Mit seiner gspons wern frisch und gsund,
Zugwortien ward das grab zur stund.
Groß frewd entstund im gantzen hauß,
#15 Bey alln verwandten auch durchauß.
Der heyratsbrieff ward approbiert,
Mit Raguels sigel confirmiert.
[P7b] Zur hochzeit Gabel wirdt begert
Durch Raphael, Tobiae gferth,
6920 Sampt glyhen gelt. Die magd im hauß
Umb fegens willen hand ein strauß.
23) Zu s. 141, vor v. 4105:
[R2a] Argumentum actus IV,
Weil Gabel ist zur hochzeit gladen,
Will er den dienst gar nit abschlagen,
Frewdt sich der guten bottschaftt wol,
692 Zeigt an den seinen allen zmal,
In holtz und veld was sie solln thon.
Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 227
Ein freundtlichs urlaub von seim schwäher,
6935 Das gieng nit ab ohn heisse zaher,
Nimmt mit sich d fraw, knecht, gelt und vich,
Uff seiner reyß ist worden rich.
Vil glück wirt im gwünscht uff die straß
Vom schwäher, schwiger one maß,
640 Ja von irem gantzen haußgsind.
Dem vich giengens nur z schnell und gschwind.
24) Zu s. 190, hinter v. 5606 (aus G. Gottharts Troia
1599 bl. D7b—E6b):
[S3a] Actus 4, scena 7.
Hie kommend sechs birten Raguelis auff den platz, die besetzend ein
gricht und einen richter.
Der erst hirt spricht.
Was wend wir doch anfahen jetz,
Daß uns nit plag die grosse hitz?
Wend uns ein weil an schatten setzen,
645 Mit etwas kurtzweil unß ergetzen.
Das vich jetz auch am schatten leit;
Dörffend jetz gahn nit mächtig weitt,
Bif das die hitz ein klein nachlat
Und s vich widrumb zu weyden gaht.
Der 2. hirt.
680 Es gfiel mir auch, wir sessen zsamen,
Etwas kurtzweiligs zhanden namen
Und nit hie sitzend also still.
[S3b] Der 3. hirt.
Ein guten tag [l. rat] ich geben will.
Land uns ein gricht hie bsetzen gschwind!
Der 4. hirt.
6955 Es gfiel mir auch, damit ich kündt
Anzeigen einen zanck und gspan,
Den ich mit disem hirten han:
Den stab, den er hat, ist der mein.
Der 5. hirt.
Du sagst es wol, wirdt nichts dran sein.
6060 Ich han in gmacht, das sag ich dir.
Ich wag es auch, stahn mit dir für.
Der 3. hirt zum 6.
Sag du auch her, was ist dein raht ?
Der 6. hirt.
Hilff auch darzu, biß d hitz vergaht.
15 *
6970
[S4a]
6975
vt was ans. 204 20 > es et Gee MAY 224 un ar y D 20 DA Y u wasanane
Der 3. hirt.
Ein bessers ist mir gfallen ein.
Stücklein von rinden machen gschwind
An der zahl, alls vil unser sind,
Und nemm ein jeder eins mit fleiß,
Mit einem messer darein reiß
Ein sternen und ein halben mon,
Was jedem gfalt und d sinn wirdt kon.
Die müssen sein fein gleichlich groß,
Darmit so wend wir legen s lof.
Doch d sitz wir vorhin ordnen wend,
Auff jeden dann eins legen wend.
(Der 3. zum 6. hirten.)
Nimm sie in hut und ründs frey gar!
(Der 3. zum 5. hirten.)
Nimm im sie ab, legs erst hieher,
Das ander hie, das dritt dahin,
Fahr also fort und leg sie tein!
Das z oberst ligt, deß richters ist.
Der erst zum 3, hirten.
Weil du der erst anfanger bist,
Heb zeichen auff, (du kennst sie wol)
Ruff jedem dar, wo r sitzen sol!
Der 3. hirt.
Will grad zum erst hie unden dran
Und fahren fort biß oben an.
(Der 3. zum 2.)
Kom du hieher, hie ist dein sitz.
Tas mes Tae ist
Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 229
Wer unser kóng und richter sey.
(hebt das ober auff und spricht zu dem ersten.)
Glück zu, mein gspan! Es graht dir recht.
Nit besser man es ordnen möcht.
7000 Hie sitz zum stab und zeichen dein,
Must unser herr und richter sein.
(Der 3. weiters zum sechßten hirten.)
Hie ligt deins zeichen. Komm, sitz har!
Der 6. hirt.
Ich komm und folg dir jetz fürwar.
Derersthirt und richter.
Hat etwar z klagen, der stand für.
Der 4. hirt steht auff und spricht.
7005 Herr richter, thunds erlauben mir!
[S5a] Der Richter zum cláger.
Sey dir erlaubt. Red nur frey har!
Der 4. hirt, cláger.
Ir herr der richter, nemmend war,
Deßgleich ein ehren gericht allhie,
Will euch anzeigen wann und wie.
7010 S trifft sich jetz auff ein viertheljar,
Das sich begeben hat ungfahr,
Mich diser hat gesprochen an,
Ob ich mit im ans meer wolt gahn.
Ich gieng mit im auff einer heyd,
7015 Da stiessen wir den stein all beyd,
Unsre stäb wir legten zusamen.
Bald noch mehr hirten zu uns kamen,
Die legten ire stäb auch dar,
Spilten mit uns. Nun nemmend war,
7020 Da es nun auff den abendt kam,
Sein stab ein jeder widrumb nam,
Ließ seinen ligen, nam den mein.
Gleich wolt er diß nit bkandtlich sein,
Wiewol ich seinen gar wol kandt.
1025 Mein klag ir wol verstanden hand,
Bitt euch, herr richter und ein gricht,
Wöllend im das vertragen nicht,
Eim andern also z nen das sein.
Helffend mir doch zum stecken mein,
[S5b] Laßt mir das mein mit recht zukon!
Der 5. hirt, antwortet.
Gsich wol, ich muß jetz auch auffstohn.
(Zum cläger.)
= o . i . 4 .— i > -
AS Oy Peer e a Pre
> a, > vés ta
7055
1060
T065
70
"Wie du dann schreyst
= po 7 2 = e ney. ES
und h
Der stab ist ja mein, den du hast.
Wiewol ich schier nit z red mag kon,
Will drumb nit von der warheit stohn.
Der 5. hirt.
Sag, was ghort dir jetz für ein lohn,
Daß du so falschlich mich verklagst
Und es doch nit erzeugen magst?
Derhalb must du mirs bringen ein
Oder mir ein verlogner sein.
Der 4 hirt.
Ich kan nit weiters zeugnuß stellen.
Die götter d warheit offnen wollen,
Sie thund der grechtigkeit beystand.
Dererst hirt, richter.
Gnugsam wir euch verstanden hand.
Drumb trettend mit einandern ab!
(zum ð. hirten.)
Doch lang mir vor her deinen stab,
Den ir all beyd ansprechen tund!
*
32 du) dst EF — 7059 ein] bey F — 7096 S wirdt F.
Tobias, zusätze Jahann Yetzelers (E). 231
Derö5.hirt.
Komm her, mir beyd abtretten mund.
Sie tretten mit einandern ab, und spricht der richter erstlich und
fragt umb:
[S6b] Ir hand sie beyd jetz wol verstanden,
7070 Aber kein zeugnuß ist verhanden.
Nun mögen wir nit wissen wol,
Welchem man hierinn glauben sol.
Was rahtest du, wem sprichst in zu?
Der dritt hirt.
Ich weiß nit, wie der sach ist z thu.
7075 Vil z ring und schlecht ist mein verstand,
Weil sie in beyd angsprochen hand.
Doch zeig ich an die meynung mein,
Wils mehrer gern das best lan sein.
Der cläger soll sein klag beybringen
7084 Oder drumb büssen aller dingen.
Klag einer, daß er mög bezeugen;
Kans einer nicht, so thu er schweigen.
Das wer fürwar die meynung mein.
Der richter zum 2, hirten.
Sag du auch bhend die meynung dein!
Der 2. hirt.
7085 Sie wird auch grad wie seine sein.
Wer mehr klagt, dann er zeugen kan,
Der soll den spott zum schaden han.
Darzu ich in auch straffen wolt.
Der richter zum 6.
Dein meynung du auch sagen solt.
Der 6. hirt.
[S7a] Das ist die meynung, merckend mich,
Dem cläger ich den stab zusprich.
Ir kennend in all gmeinlich wol,
Er ist inehr list und tücken vol,
Als wie der ander ist abgricht.
Der richter.
70% Es seind zwo meynungen. Wie wirts gan?
Der 3. hirt.
Wirdt, herr der richter, an euch stahn.
Der richter.
Zu keinem mehr fall ich hie nicht,
Ich will erfahrn bessern bricht.
Heissend allein den clager kon,
7100 Den andern land mehr bleiben stohn !
Der 5. hirt.
7120 Nichts bsonders ich dran weisen mag;
Ein stefftzgen darein gmacht fürwar,
Darzu ein zwingen auch von horn.
Der 1. hirt, richter.
In welcher lang ist er ungfahr?
Der 5. hirt.
Das mag ich wissen nit fürwar.
Der erst hirt, richter.
1125 Du magst wol wider tretten ab.
Wend jetz bald sehn, wer recht hie hab.
(Trittet ab. Spricht der richter weiter : )
[Ssa] Jetz gsehn ir recht den trug und list
Und darzu auch, wes der stab ist.
Da secht ir, wo das zeichen staht,
1130 Der stab auch grad die lange hat.
So fehlt es an der zwingen nit;
Secht zu, das horn ist grad so weit.
Warlich de® clagers ist der stab.
Ich habs schier gmerckt, darumb ich hab
135 Den stab mir heißen hie lan stohn,
Damit ich mög auff d warheit kon.
Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E). 233
Weil mir jetzund gar kundbar ist
Deß trugers boßheit, falsche list,
So will ich jetz mein urtheyl gen.
7140 Den stab er hie in d händ soll nen,
(Ich meyn den schalck, nun merck mich eben)
Dem clager er in selbs muß geben
Und hie bekennen unverholen,
Den stab hab er im gnon und gstolen.
71145 Loßt weiters, was wir im thun wend!
Zwen wetschger im anhencken sönd;
Alls, was wir darein mögend bringen,
Das wend wir drein thun aller dingen.
Drey tag uns die nachtragen sol,
1150 Wo wir hinreysend (merckt mich wol).
Wirdt uns von im etwas drauß gnon,
So wend wir in gar von uns schlan.
[S8b] Wem dise urtheyl wie mir gfalt,
Derselb mit mir sein hand auffhalt !
(Sie hebend mit im auff, und spricht der richter weiters zun antwor-
tern oder 5. hirten :)
7155 Hast du den stab gmacht, wie du seist,
So kans nit fehlen, du wol weist.
So sag uns her, nit lang betracht,
Worab hast dise zwingen gmacht ?
Der 5. hirt.
Ab einem horn, das hab ich hie.
Der 3. hirt, richter.
7160 Bhalts noch nit; muß vor sehen wie,
Wies sich doch zsammen schicken woll.
Drumb gib es mir nur bald und schnell!
Wann es nit fehlt, so treugt es mich.
Dein schalckheit du fein selbs doch sich!
1165 Wie kan sie daran gstanden sein?
Sie ist vil z klein, sie geht doch drein.
Du bringst dein schalckheit selbs herfiir.
Der 5. hirt.
Ich bitt umb gnad, verzeyhend mir!
Der richter.
Dieweil dein btrug jetz ist am tag,
7170 So loß, du laur, was ich dir sag!
Nun nimm den stecken in dein hand
[Tla] Und gib in im und bekenn dein schand !
*
7142 in] im EF.
mio DIU uao ULUMUJA VOVAVIV uwnuy
Wo wir dann werden reysen hin.
7180 Dasselb dein straff und buf soll sein.
Was wir drein thun, drinn bleiben laß!
So du verrückest drauß etwas
Und wirs von dir wurden gewar,
Von uns verstiessen wir dich gar.
Sie füllen die sáck. Spricht der ander hirt, der si
hals henckt.
7185 Den esel ich frey laden will.
Ein ander mal deß frommen spil!
Wirst fro sein, wann dahin wirst kon,
Wo wir das lager werden schlan.
Jetz kompst daher als ein kauftherr.
Der 5. hirt.
7190 Ich wolt, sie lagen in dem meer
[T1b] Oder sie werend voller gold.
Mehr dann wol möcht ich tragen wolt.
Der erst hirt, richter.
Wir wend auffstehn und widrumb gahn,
Wo wir das vich hand bleiben lahn.
25) Zu s. 190, vor v. 5607:
[T2b] Argumentum actus Y.
71% Auf Meden zeucht Tobias jung.
Alls, was er thet, mit glück abgung ;
Bringt mit sich, was der schwaher geben.
Vich grol und klein. Was noch im leben
Caia ln hn... IT oan A EA PA
Tobias, zusätze Johann Yetzelers (E).
Blindheit alßbald von ime weicht.
Ein willkommsmal wirdt zugericht;
Darob Tobias wirdt bericht,
Was im begegnet, wies ergangen,
Da Raphael den teuttel gfangen,
Der siben jüngling hat erlegt,
Ihm aber nie kein haar bewegt.
Dem Raphael wirdt bstimpt sein lohn,
Bald er verschwindt und fahrt darvon.
» Als enden wolt Toby sein leben,
Kindskindern gibt er seinen segen.
Der Jungen Knaben
Spiegell.
“e: Fin schönes
Kürtzweilichs Spyl von
Zweyen Jungen knaben / Einer so wol 5
gezogen vnd aber von einem bösen ver-
lotterten junge verfúrt / Allen Jun-
gen knaben ein gúte warnäg sich vor
üppiger Böser geselschafft zů
hüten / New gedicht durch 10
Jorg Wickram zü
Colmar.
Holzschnitt 1:
Koch und kellner tragen
einer um einen tisch
sitzenden gesellschaft
auf.
Personen.
Gottlieb, der ritter Schneider
Concordia, sein weib Schuhmacher
Wilbaldus, sein sohn Metzger
Fridbert, sein angenommener sohn Metzgers frau
Felix, pedagogus Kaufmann
Preceptor, schülmeister Richter
Fraw Wehmút Stadtknecht
Lottarius, ihr sohn Henker
Bote Herolt
Wirt | Argumentator
Knecht des wirtes Narr Obnkunst
Lang Nags Narr Frißumsunst.
40
Geo rg Wickram '
Dargegen was der unfleiß that,
So man an kinden spart die rüht,
Laßt in den zaum zü lang hinaus,
Küntzt und zertet in in dem hauß
Und laßt in nach als iren wol,
Schickt sie zü keiner leer noch schúl.
Und so man sie zii zeiten schon
In die schül oder leer laßt gon,
So find man doch der eltern vil,
Der keines glatt nit leiden wil,
Das man ir kind mit rûten schlag,
Wans schon verschulden allen tag;
Sprechen: ‘Sagts im mit worten lind!
Dann ich euch nit drumb gab mein kind,
Das ir mirs sollent schinden gar.’
So blibt dann das kind hin als har.
Geht on all forcht und scham dohin,
Gwindt gar ein halsterrigen sinn.
Sein leermeister ist im ein schat,
Auff in es gar kein acht mer hat.
Ob er sie schon mit worten strafft,
So sagt er gleich eim, der da schlafft
Und den er nit erwecken darff.
Dardurch manch ingenium scharpff
Verderbet würt und goht zü grund.
Zülest aber naht sıch die stünd,
Das erst die eltern umb sich sehen;
Dann hilffts nicht mehr, es ist geschehen.
[A3a] Das sönli hat den hals gestreckt,
to
Sich minder dann ein stein bewegt,
Henckt sich erst böser gsellschafft an.
Da lernt er, was er vor nicht kan,
Allen mütwill und büberey,
Ergibt sich allen lastren frey.
Darzú sich offt begeben thüt,
Das die vätter gern sehen gút
Mit ihren sönen, damit sie
wW In ehren möchten laben hie,
Knabenspiegel, prolog. 241
Befelhen dem schülmeister wol,
Das er zimlich anhalten soll
Mit zimlicher straff, zucht und rüht,
Wo das die notturfft heischen thút.
55 Aber das múterliche hertz
Mag nit geduldenn solchen schmertz.
Dann bald ir sin kumpt heim zů hauß,
Erfart sye im all sachen auß,
Wie offt mans hab den tag geschlagen;
60 So thúnd sies dann zwyfachen klagen.
Erst dann so ist das feür im tach;
Die müter laufft. schreyt weh und ach
Über den schülmeister und rach,
Laufft etwann selb zi im hernach
65 Und thüt in auch dermaß außfegen,
Wer er in eim bantzerfaß glegen,
Er wer so fein nicht auBgebutzt.
Was aber solchs die jugent nutzt,
Das werdt ir jetzundt sehen hie.
70 Darumb [solt] ir auffmercken, wie
Das spil sich jetz anfahen würt.
[A3b] Was sich ein jeder zeit gebürt
Und darbey ein jede person
Ein ander nach hie werden gon,
75 Die würt man euch mit nammen nennen,
Ir ampt und gschefft gen zü erkennen,
Domit irs eigentlich verstendt.
So merckend auff das argument!
Argumentator ?).
Gottlieb ein frummer ritter was,
x
1) Holzschnitt 3: ein knabe mit wappenschild und scepter,
inmitten von vier mannern stehend, deren einer durch buch und stab
als aktor (regisseur) gekennzeichnet wird. Das bild ist einem holz-
schnitte in J. Ruefts bearbeitung des Tellspieles (Zürich 1545) bl. A4)
nachgebildet, den Könnecke (Bilderatlas * s. 95) wiederholt. Vgl.
Biichtold, Schweizerische schauspiele des 16. jahrhunderts 3, 63. Heitz,
Originalabdrücke von fornıschneiderarbeiten des 16. und 17. jahrh. n.
” f. 1894 taf. 128, 1. |
Wickram VI. 16
942 Georg Wickram,
so An dem pretißischen hoff der saß;
In seim alter zúm weib er nam
Dise wittwen Goncordiam.
Von ir ein kind geboren ward
Wilbaldus, diser jüngling zart.
[Ada] Bey im ward aufferzogen wert
Eins armes mans son, gnant Fridbert.
Als die waren erwachßen schon,
Ließ sie der ritter zschülen gon,
Bat demnach den preceptor umb
Ein feinen glerten knaben frum,
Seim son zü einem pedagogen,
Nemlich den Felix, wol erzogen,
Von armen eltern, aber tüchtig,
Zür lernung gflissen, framm und zúchtig.
ü Der bracht die beiden jungen an
In kurtzer zeit auff solche ban,
Das in der weiten welt nichts was,
Sye könden z latein nennen das.
Zülest sich Wilbaldus verpflicht
109 Zü Lotario, disem wicht,
Bey dem er alle boßheit lart,
Wand sein sinn auff ein andre fart,
Bey im gwont aller argen list.
Wie solcher jungen gwonheit ist,
105 Das man so args nit gdencken kan,
Sie nemen für das git bob an,
Also auch Wilibaldus thút,
So ım entzogen würt die rüt.
Zûlest lauffens mitnander beid,
10 Dardurch erwúchs den eltern leyd.
Sie schickten ein bottschafft zúruck,
Erdencken gar vil böser stück,
Biß sie gelt von der müter bringen;
Die schickt in gelt. Nach disen dingen
115 Haben sie bey dem gelt kein rhú,
[A4b]Ziehen den nechsten Antorff zd.
Do finden sie ir gattung gschwind,
in
—
Ar
120
125
14.
[ Ada]
Knabenspiegel, 1. akt, 1. scene.
Gleich wie sie süchten, sollich gsind.
Die gwiinnen in 4b, was sie hand,
Das in blibt weder gelt noch pfand.
Lottar sich von Wilbald abschleicht,
Wilbald arm in das ellend zeucht.
Lottar kumpt zi eim metzger rych,
Stilt eim kauffman sein gelt gelich,
Laufft wider mit zi seinem wirt.
Der hauBknecht, wie eim frummen gbirt,
Als er den kauffmann s gelt hört klagen,
Thüt er im alle meynung sagen.
Sie kummen in des wirtes hauß,
Schickend nach einem stattknecht auß;
Der bringt fürn richter solche ding.
Bald mann den Lottarium fing.
Dieweil er nun ergriffen was
An frischer taht, gschicht im nit baß,
Dann das er würt züm galgen gfiert
Und do entlich erhangen wirt
Von dem nachrichter, der zümal
Kan solchen sönen zwagen wol
Mit laugen, so darzü gehört.
Dann welcher semlich hantwerck lert,
Wie diser Lottar hat getohn,
Dem gebürt ein semlicher lohn. —
Nun haben rhü und schwigen still!
Das spil man jetz anfahen will.
1. akt, 1. scene.
(Gottlieb der ritter, schülmeister; dann Felix.)
| Gottlieb, der ritter.
Herr preceptor, gott grüße euch!
Preceptor.
Derselb euch glück und gnad verleich !
Gottlieb.
Herr, merckt, warumb ich zú euch kumb!
Ich wolt, wann ir ein knaben frum
Wißten, den wolt ich nemmen an
243
244 Georg Wickram,
150 In meinen tisch und herberg han,
Nach aller notturfft mit gewand”
Versehen und mit allerhand,
So im not ist zü seinem lib,
Als wer er von meim eignen wib,
155 Damit er mem son zů schäl fürt,
In und Friedberten reformiert.
Denselben ich auch gnummen hab
Von seim vatter, der mir in gab;
Der ist gantz arm, wie ir ihn kendt,
160 Armüt aber gar niemandt schendt.
Will er im selbs wol, folget mir,
Soll er noch weith kommen hinfür.
Dann ich in zů mir nemmen teht,
Domit mein son ein gsellen hett,
165 So mit im zür schül gieng al tag.
Preceptor.
Strenger herr, nach euwerer sag
Ir eines frummen knaben gert.
Ich weiß ein, dran seind ir gewert;
Er heißt Felix mit seinem namen.
170 Under mein schülern allensamen
Weiß ich kein, so mir gfallet baß.
An im hat er kein neid noch hab,
[A5b] Ist gantz still. frunm, gerecht dabev,
Gegen all sein schúlgsellen treuw,
Hat auch ein ingenium scharpff.
An im ich nicht vil treibens darff;
Dann er sich selb treibt gantz geflissen.
Doch soll euwr strenge von mir wissen.
Er ist von reichen altern nit:
Seind fast arm, aber frumnı damit.
Gottlieb.
Darumb ist er mir nit unmehr.
Dann ich keins richen nit beger,
Allein der frumbkeit stell ich nach.
So er darbey ist ghorsam auch.
17
w
IM
_
IP
Knabenspiegel, 1. akt, 1. scene, 245
Preceptor.
185 Dort kumpt der jung. Sagt im darvon!
Mogt ir sein meynung selb verston.
Gottlieb, der ritter.
Nein, mein preceptor, fragt ir in,
Ob er zú mir hab einen sinn!
Preceptor.
Felix, sag mir, wo wilt du auß?
Felix.
19 Herr preceptor, ich gang zi haub.
Preceptor.
Sag mir, wo bist zú herberg in?
Felix.
Bey einer witfrauwen ich bin.
Preceptor.
Thút dir dieselb auch z essen geben ?
[A6a] Felix.
Ach nein; sie hat selb nit zü läben.
19 Sye gibt mir weder kalt noch warm,
Sie ist als arm, das gott erbarm.
Preceptor.
Felix, wann dir wer zü vertrauwen
Und das ich auch auff dich dörfft bawen,
So solt du das gelauben mir,
20 Ein herren wolt ich schaffen dir,
Der dir geb gwand, herberg und speiß.
Doch mústu brauchen allen fleiß,
Damit du in behieltst zü hulden.
Felix.
O preceptor, ich wolts verschulden
205 Mit meiner armút frú und spat,
Wann mir mócht gschehen solcher raht.
Preceptor.
Den herren, do ich dir sag von,
Thút hie personlich vor dir ston.
Den magstu friintlich sprechen an.
Felix.
210 Ach gott, eim sol
Gottlieb, der ritter.
Junger, ist dein meynung also,
[A6b] Wie du vergichst, so gang mir nah!
Preceptor, hand ir lust, gond mit,
20 Thünt das mal mit mir essen hüt.
Preceptor.
Von essens wegen gang ich nicht,
Allein auß rechter fründtschafft gschicht.
l. akt, 2. scene.
(Lottarius; dann fraw Wehmit.)
Lottarius mit im selbs,
Hey, das gott alle schülen schendt!
Ich wolt, sie weren all verbrendt,
225 So vil der in der welt thünd stahn.
Mich lust, ich wolt gar nimm drinn gahn.
Ich meint, wan ich schon zü drey tagen
Einmal drein kem, man solt nichts klagen
So müß ich, wann ich kum darein
20 Und bin ein letzgen hauß gesein,
So sat[sam] rechnung darumb geben,
Als wann es antrifft leib und leben;
Oder man streicht. mich, das ich blitzen
Und kaum anff dem arsloch kan sitzen.
“35 Wolan. ich leids, so lang mirs gfalt.
Knabenspiegel, 1. akt, 2. scene.
Lottarius.
Do het ich dir zú sagen von
Ein gantz jar, wann das woltst verston.
Ich weiß nit, ob ich dir bin gwachßen
[A7a] An ferßen oder auff der achfen,
245 Das du mich und der vatter mein
Mich so gend auff den fleischbanck hin.
Kein tag im himmel nit vergaht,
Ich würd gegeißlet hart mit noht
Von meim schülmeister, das ich schier
20 Wolt, ich leg in eim grab darfür.
Ich sag, eh ichs lang lyden wolt,
Das man mich also martern solt,
Ich lieff eh hundert meil von hinnen,
Du soltst mein nimmer werden innen.
Fraw Wehmüt.
25 Ist dein schülmeister ein solch mann,
Darzi ein sollicher tyrann ?
Das hett ich im vertrauwet nimmer.
Nun hab ich in gehalten immer
Für ein gar tugenthafften mann.
20 Schaw, wie er doch verbergen kan
Den schalck hinder die ohren trechen!
Schwig, ich will im dermaß züsprechen,
Im die knechtwort der maßen sagen,
Er soll dich in jarsfrist nimm schlagen.
Lottarius.
Das thú, mein mütter, wilt du mich
Bey dir behalten! .Sunst wird ich
Einmal entlauffen sicherlich.
Fraw Wehmüth.
Bald als mir z imbiß gessen hand,
Wend du und ich gon beidesand
20 Zh im. Do müstu selber hören,
[A7b] Wie ich im so wol ab wil keren.
96;
w
Wann emer dise vettell nem
15 Und thet sie von haut auff wol schmieren
Lert sie den son also verfieren.
Auf im würts machen ein auffhenckel
Und, wie man sagt, ein galgenschwenckel
Narr Onkunst.
Ey, wann es ir dann auch geling,
250 Wie es einsmals einer múter gieng!
Narr Frißumbsunst.
Lieber, wie ist es ir ergangen?
Narr Onkunst.
Ir sün der lag umbs läben gfangen.
Und als man in außfüren solt,
Das man ilın jetz gleich hencken wolt,
235 Rúfft er seinr miter zů im und
Bat sie umb ein kuß an den mund
Jetzund zür letz in gröster nodt.
Und als sie im den mund darbodt,
Bissz er ir bald die nasen ab,
200 Sagt: ‘Mutter, di zür letze hab!
Hettest du mich auff tugent zogen,
Dieweil ich jung was, mich gebogen,
Dörfft ich nit an den galgen gon.’
Narr Frißumbsunst.
Wie hat er ir so recht gethon!
[A8a] Wann es alln müttern also ging,
Knabenspiegel, 1. akt, 3.—4. scene. 249
Das ir mich hand gehabt zü gast.
Gottlieb.
Schúlmeister, nempt also fúr gút
300 Und spart an mein sönen kein rút!
Schúlmeister.
Ich brauch die nit, dann wans nodt thút.
Fraw Wehmút.
Kumm her, mein son, [kumm] nur geschwind !
Sobald ich dein schúlmeister find,
Will ich im den Levitten leben ;
305 Du solst fürbaß wol vor im gneßen.
Lottarius.
Mútter, halt im nur dapffer an;
Dann ers euch auf der maß wol kan.
Sich, dort kompt schon der neidig man.
Fraw Wehmit.
Schúlmeister, wo kommen ir her?
Schülmeister.
310 Weyß ich, mein frauw, was seind die mer?
Fraw Wehmit.
Warlich, ich bin mit euch uneins.
Schülmeister.
Von solchem hader ich nicht weyß.
Hab ich euch etwas thon zü leyd,
Das ist mir leyd in der warheit.
[ASb] Fraw Wehmút.
315 Ich wolt jetz auch nichts wissen drumb.
So sag ich jo, ich sey nit frumb,
Wer ich als groß als ir, ein mann,
Ein schlacht die wölt ich mit euch han.
Schülmeister.
Darvor wöll mich bewaren gott,
320 Das ich mich mit eim schlagen sot!
Vil lieber ich zü friden bin.
Fraw Wehmüt züm Schülmeister.
Jo, man weißt züvor euwern sinn.
Ir reibt eüch nur gern an die ki
So euch zü schwach und kı
250 Georg Wickram.
Schiilmeister.
3% Ich kan die sach gar nit verston.
Drumb sagt mir teütschlicher darvon !
Fraw Wehmit.
Schülmeister, das ist [längst] mein klagen,
Das ir mein son so übel schlagen.
Was ziecht ir in doch? Wißt ich gern.
Schülmeister.
0 Fraw, wann ir nit so zornig wern,
Ich wolts euch sagen alles gar.
Fraw Wehmút.
Sagend mirs nür frölichen har!
Wann ir mich on ein antwürt finden,
Will ich mich läbendig lon schinden.
Schülmeister.
s Wolan, so ir das je wend hören,
[Bla] Erstlichen will er gar nichts leren,
Züm andren ist er gar ungflissen.
Wend ir noch etwas weiters wissen ?
Fraw Wehmút.
Das seind noch nit ursachen gnüg,
30 Darumb ir brauchen solch unfüg
Mit meinem son. Er ist ein kind:
Wie könd er all ding fassen gschwind ?
Schülmeister.
Wolan, ir wends alssamen hören,
Weil euwer son das bof kan leren.
315 Nem er das gåt auch an die handt.
Under mein schülern allensandt
Hab ich kein, der so schalckhafft sey
In allem mütwill, büberey.
Do steht er selb und hört mich wol.
3% Heüt hab ich in gstrichen einmal.
Umb das er was seim vatter kummen
Über sein gelt und hat ims gnummen.
Das hand mir andre knaben gsagt,
Hand auch weiter von im geklagt,
35 Sie können nichs vor im verhelen ;
360
[Blb] Darf eim alsbald ein mummschantz warten,
365
Knabenspiegel, 1. akt, 4. scene.
Papir und fedren thút er stelen,
Verschleckt ist alles, was er hatt.
Kein warheit auß seim mund nit gaht;
Wann ich ein ding erst von im sich,
So müß im dannocht liegen ich.
Kein spil man nit erdencken kan,
So er nit weiß sein teil daran,
Es sey mit würfel oder karten,
Als wer er ein riffiener alt.
All schwier kan er außsprechen bald,
Darzü all tafernen auBlaufft,
Darin zúm offternmal vollsaufft.
Solt ich ein sollich schantlich läben
Nit an im straffen, müßt ich geben
Gewiß gott schwere antwort drumb.
Fraw Wehmit.
Und ist diß euwer klag in sumb,
- Die ir habt wider meinen son,
So habt irs wol verantwurt nun.
5 Lieber, wend ir auß eim kind machen
Glich ein doctor? Das müß ich lachen,
Wiewol es mir nit ist umbs hertz.
Ob er auch schon glich in eim schertz
Den andren knaben nimpt das ir,
Warumb kummend die nit zü mir?
Ich könd ins zehenfach bezalen.
Und wann er schon zü etlich malen
Kaufft zuckererbis und lecküchen
Und thüt gelt bey dem vatter süchen,
Wolt irs im für gestolen rechen ?
Do thü ich aber nein zü sprechen.
Er hat euch doch nie nichts entragen ;
Was wölt ir dann böß von im sagen?
So thünd ir allein von im hören,
Wann er nur thút ein wenig schweren.
Warumb wert irs nit andren auch,
Von welch:
2
Solch groß und schwere scnieg verscnuldt.
100 Ich sag euch, wólt ir han mein huldt,
So lond in machen, was in lust.
Dann ich laß im auch keinen brust,
Dieweil er ist ein einigs kind
Und all mein güter auch sein seind.
405 Ich hab in nit zú schülen gthon,
Das er sich neren müß darvon;
Dann sein güt ist gewunnen schon.
Sohúlmeister.
Mein fraw, wann er nicht leren darff
Und ir meynt, ich sey im zú scharpff,
+10 So mögt ir in gar dheim behalten.
Fraw Wehmút.
Wolan, spitzhültzlein můß es walten,
Wann mein son nit zü schül darff gan,
So spart er mir |darfür] den lon.
Wir gond, ir mögt noch lenger stan.
l. akt, 5. scene.
(Narr Onkunst, narr Frifumbsunst.)
Narr Onkunst.
415 Lieber, sag, was halst du darvon ?
Was meynst, das aub dem vogel werd?
Narr [Frißumbsunst].
Stirbt er eins rechten todts auff erd,
Knabenspiegel, 1. akt, 4.—6. scene.
Narr [Frißumbsunst].
Das hab ich wol gehört und gsehen.
Gwiß würts noch an im leyd erläben ;
5 Des wirst mir noch gewunnen geben.
1. akt, 6. scene.
(Wilbald, Lottarius.)
Wilbald.
Lottari, wie kumpts, das du heüt
Bist in der schúlen gwesen nit?
Lottarius.
Ja, da hab ich schon außgelert;
Dein schúlmeister mich nimer lert.
Wilbald.
430 Wie, woltest dann nimmer gon drin ?
Lottarius.
Nein, lieber will ich haussen sein
Und haben meinen freyen willen,
Mit andren büben lauffen, spilen
Und was ich will für kürtzweil treiben.
45 So müstu in der schülen bliben
Und deins schülmeisters liedlein singen,
Auch lyden, wann er dich thüt schwingen.
Wilbald.
Du hast warlich jetz gar güt läben
Dann ich, wann du das magst beheben.
Lottarius.
40 O, ich hab schon die sach erkobert
[B3a] Und, wie man sagt, den streit erobert.
Wilt mit mir gon? Wir wend züm wein.
Ich halt dich z gast, will dein wirt sein.
Wilbald.
Ich gieng mit dir, dörfft ich nit sorgen,
445 Das mans von mir erfür bib morgen;
Dann ich hab der auffseher vil.
Lottarius.
Kum nur mit mir in schneller yl!
Wer wolt es von dir -
460
icn sorg, er nan gesenen MUCU.
Lottarius.
Du thüst so gar seer forchten dich.
Gang dapffer har, nit umb dich sich!
1. akt, 7. scene.
(Schülmeister, Felix, narr.)
Schülmeister.
Ich hab ein ding zü diser stundt
Gsehen, so mir mein hertz verwundt.
In keinen weg ich nit erwind,
Lüg, wo ich den Felixen find;
Dem will ichs geben zü verstahn.
Sich zü, er kumpt glich dort hergahn.
Felix.
Preceptor, wa staht euwer gmút?
Wie sehend ir doch, herr gott bhüt!
[B3b] Sagt, seindt ir mit kranckheit umbgeben ?
+10
Ich gsah euch nie in all meim leben,
Das ir waren so gar verblichen;
All menschlich farb ist euch entwichen.
Schülmeister.
Felix, ich will dir bergen nicht,
Was mich hat also gar entricht.
Ich hab erst in der stund gesehen
Kin ding, davon mir weh ist gschehen.
[B4a]
490
4%
Knabenspiegel, 1. akt, 6.—8. scene.
Sorg ich, es würt im übel lonen.
Ich will hingohn in des wirts haus
Und in mit gwalt füren herauß.
Narr Onkunst.
Sie schöpffen auff |jetz] nach der pauß.
Ich sorg, dem Wilbald sei eingangen
Der rauch, er hab den schmack empfangen.
1. akt, 8. scene.
(Felix, Wilibald. Gottlieb.)
Felix.
Wilbald, hüt dich bei leib und leben
Und thé dich nit in gsellschafft geben
An disen lotter! Er wiirt dich
Sunst gwissz verfieren sicherlich.
Gang heym! Der vatter wartet dein.
Wilbald.
Felix, weyßt nit, was will er mein?
Felix.
Nein. Gang, ich will bald bey euch sein.
Gottlieb.
Wilbalde, sag, wo kumpst du her ?
Wie seind dir deine füß so schwer?
Wie gehstu auff der gassen schwancken,
Gleich einem truncknen boltz gehst wancken!
Ich glaub, du seiest voller wein.
Wilbald.
Wie kundt ich doch so bald voll sein!
Ich drunck nit mehr dann nur ein glaß. _
Gottlieb.
Sag mir an, wo dasselbig was
Oder wer hatt dir geben das!
Wilbald.
Lottarius, mein güter gsell.
Gottlieb.
Ey das er in abgrundt der hell
Müß faren, wann er dir mer geit!
Son, son, laß dirs jetz e
GU
Dieweil ich von dir thet erwerben
Ein son, so nach meinem absterben
Mich ersetzet, auch all mein haab
ə Ererbett, so ich kem zů grab.
Jetz hab ich einen schonen son
Und solt mich sein ergetzen nün.
Dann er zům theil erwachßen ist,
An schöner gstalt im nichts gebrist:
530 Zür lernung wer er auch geschickt,
Wann in der mútwill nit verstrickt.
Derselb hat ın umbgeben seer,
Daß er acht keiner straff nit mehr:
Forcht und scham hat er gar verlorn.
w Weyer wer er mir nie geboren.
Darzü thüt ihn der lotter reitzen
Und durch sein boßheit gar verbeitzen.
Doch kan ich ım die schuld alleın
Nit geben: dann ich entlich meyn.
540
Knabenspiegel, 1. akt, 8.—9. scene,
Sein zuchtmeister in straffet nicht,
Der schülmeister durch d finger sicht,
[B5a] Und land in also anhin hotten,
So,sie in billich schelten sotten.
Ich aber allein trag das krütz,
Ihn allen gibts zü schaffen nütz.
Wolan, ich hoff d sach zü versehen,
Domit ein solchs nit mehr sol gschehen.
Sobald ich sein zuchtmeister find,
Ich im die sach dermaß einbind,
Das er wirt andren fleiß ankeren
Und mein son ander mores leren.
1. akt, 9. scene.
(Lottarius, Wilbaldus.)
Lottarius zú Wilbaldo.
Woher, mein gúter gsell Wilbald ?
Wie kumpst du so trauriger gstalt ?
Was ligt dir an? Sag, bistu krank ?
Du kümbrest mir meinen gedanck.
Sag, ligt dir etwas schwerlichs an?
Ich wend dirs, wo ich anders kan.
Das solt du gwiß an mir erfaren,
An dir wil ich kein trew nit sparen.
Schaw, da hab ich ein güte beüt,
Die ist mir erst gerathen heit.
Die wend wir gon verzechen beyd
Und damit haben grosse freud.
Darumb so laß dein trauren stan!
Wilbald züm Lottar.
Ach, wie gern wolt ich mit dir gon!
Mir aber jetz zü diser zeit
Ein hart und schwere sach anleit.
Lottarius.
Wilbalde, sag, was ist die sach,
[B5b] So dir bringt sollich ungemach ?
Wilbaldus.
so Ich von:
Wie
17
257
N II ayas Masas aaau IT WAL 224 11.000 =} sr...
Lottarius.
Darfür so geb ich nit ein schnall.
Wann mir dein freund schon trawen a
Vor in will ich dannocht beliben,
Weiß sie auch wol zü überküben.
580 Ja, hettest du ein sinn als ich,
Du ließt nit also plagen dich.
Wilbaldus.
Den sinn mocht ich gern von dir leren
Damit ich mich ir möcht erweren.
Sag mirs, ich will güt fleiß ankeren.
Lottarius.
585 Ich sorg, du werdest volgen nicht.
Wenn ich dich schon der kunst bericht.
So thetest du nit, was ich sagt;
Dann du schier bist zů gar verzagt,
Wie ich dann vilmal von dir sich.
59 Bald dein zuchtmeister schiltet dich,
So stahst du vor im als ein stum.
Gebst du im antwurt widerumb
[B6a] Und ließest dich nit also fatzen,
Stettigs vexieren, bochen, tratzen,
8% Dich gleich haben wie ein füßhüdel,
Wann du nur werst ein kuchisudel,
Dein vatter solt es nit zügeben,
we
61
o
61:
Ge
Knabenspiegel, 1. akt, 9. scene.
Sag, ist er nit ein bettler gsein ?
Als er in diese statt ist kummen,
Lieff er nachts auff der gassen ummen,
Sant Klaußen umb die schinbein schläg,
Mocht kaum ersingen brots genúg.
Er gieng zerlumpet und gantz laußig;
Jetzunder halt er sich so mausig,
Als wann er auch gút edel wer,
Trit in eim linschen rock doher
Und dreit noch ander schon gewandt.
Der laussig und rotzig bachandt,
Er solt sich in der schwarten schemen,
Das er im in sein sinn thet nemmen
Mit dir zú reden solche wort,
Als ich zúm nechsten von im hort.
Ja, ich bin nür eins metzgers son;
Solt ein solcher bachant mir thün,
Als diser schitz dir thät dermaßen,
Ich wolt ein messer in in stoßen,
Wann der hencker hinder mir stind
[B6b] Und wolt mir abhauwen den grind.
625
640
Vil lieber wer mirs einmal gstorben
Dann allen tag und stund verdorben.
Wilbaldus.
Du sagest warlich recht darvon,
Wann ich die sach dörfft underston.
Ich hab an mir der hund zü vil,
Ein jeder mich zerreyßen will.
Wann schon der vatter von mir kumpt,
So steht mein zuchtmeister und brumbt.
Jetz thú ich zú vil, dann zü wenig.
Dann er der ansprach süchet menig,
So er dann wider mich thüt haben,
Wirfft mir auch für andere knaben,
Die zi der leer getlissen seind,
In sunderheit des bauren kind,
Welchen mein vatter gnummen hat
Von seim vatter an eins kind
259
AUB dem perte: nat aungelesen,
Die wend dich jetzund registrieren.
Hey, sie thiind dem adel wol zieren.
Nun thetten sie doch nie nichts leren
650 Dann in dem feld die schollen keren.
Folg mir und dich gar nichts bekümmer,
Was sie joch hand für ein gewimmer,
[B7a] Und laß sie an ein kerbholtz reden!
Wir wend wol fretind uns machen beiden.
655 Kumb her, so wend wir gahn zim wein.
Dis geltlein müß vertruncken sein.
Ich habs doch leichtlich überkummen,
Meim vatter auß der teschen gnummen.
Die hat er hetit von im gelegt,
660 Sich ein weil auff die gauttsch gestreckt;
Bald griff ich in die täsch ein zuck
Und erwuscht gleich die zehen stuck.
Wie vil sie thúnd, weyß ich noch nit;
Doch wend wirs wol erfaren hüt,
665 So mir kummen zü unsrem wirt,
Der ungenetzt gar sauber schirt.
Wilbaldus.
So gang! Ich wils recht mit dir wagen,
Gott geb was mir mein vattr thüt sagen.
Wann er sich schon glich letz thüt stellen,
670 Will ich dich haben für ein gsellen.
Knabenspiegel, 1. akt, 9.—10. scene. 261
Wirt unser wirt dir zeigen an,
Der do sitzt in der nechst tafern.
Der hat [auch] solche jungen gern,
Die in den teschen können maußen
680 Iren vättern, das gelt drauß laußen.
[B7b] Er hat mich selb der ding bericht.
Wilbaldas.
Gang bald, damit uns niemant sicht!
Lottarius.
Hand mir uns doch selb gstolen nicht.
(Die zwen jungen gond in die taffern. Gottlieb betritt underdem den
Felixen, seines sons zuchtmeister, handlet in fast übel.)
1. akt, 10. scene.
(Gottlieb, Felix, Fridbert.)
Gottlieb, der ritter.
Ich gang umb, süch dich disen tag,
68 Eh dann ich dich betretten mag.
Felix, der pedagog.
Ach strenger herr, nit zürnet drumm!
Dann ich erst auß der schülen kumm.
Gottlieb.
Sag, warumb hab ich dich angnummen,
Odr warumb bist du zi mir kummen ?
690 Was stond dir doch in meinem hauß
Für grosser gschefft zi richten auf?
Felix.
Strenger herr, semlichs weiß ich wol,
Das ich euwern son füren sol
Za schél und achtung auff in haben,
6% Auch auff Fridberten, disen knaben.
Gottlieb.
Wie kumpts dann, das ein solchs nit bschicht ?
Des will ich haben kurtzen bricht,
Ja das du bist so ungeflissen,
Das sag mir! Ich wils von dir wissen.
[B8a] Fait te
70 Strenger he
740
145
Knabenspiegel, 1. akt, 10.—11. scene.
Wie mir von dir beschehen ist.
Niemandt d studenten überlist.
1. akt, 11. scene.
(Die vorigen, schülmeister.)
Schülmeister.
Strenger herr, ich wünsch euch vil heyl.
Gottlieb.
Des geb euch gott ein güten theil!
Lieber preceptor, sagt mir an!
Dann ich mich hart erzürnet han
Über Felixen hie zügegen.
Gschicht als von meines sones wegen;
Der hat sich gantz und gar verkert,
Als vergessen, was er hat glert,
Kan nichts dann mútwill, búberey.
Darumb sagend mir, ob im sey,
Wie Felix sein antwurt einfürt,
Sagt, er hab erstlich wol gstudiert,
Sey jetz hinder böß gsellschafft kummen,
Die hab in von der leer genummen!
Schilmeister.
Zwar, strenger herr, ich sag euch das.
[Cla] Als Wilbaldus noch gar jung was,
3
160
Desgleichen Fridbert, so hie staht,
Irs gleich ich in der schül nit hat.
Dann kein ding in der welt nit was,
Im latein wüßtens znennen das,
Es wer von voglen, fischen, thieren,
Als was sich in der welt thút rieren,
Desgleichen aller báumen zucht
Und was ein jeder bringt fúr frucht,
Deßgleich blúmen, kretiter und gras.
Semlichs aber thet machen, das
Felix mit in solch fleıß ankert,
Sie trewlich underweißt und lert,
Zor summerszeit ins feld: thet fåren,
Gieng in i
263
Al IM €s ¿war nit mangilen LOUL,
115 Dann er meints mit den knaben git.
Sich aber erst in kurtz begab,
In der schúl was ein böser knab,
Eins metzgers son, voll aller dick,
Der braucht sich aller bößen stück.
76 Zü im sich Wilbald gselt vor allen.
Solchs thet mir selb nit wol gefallen,
Thet sie offt beid mit worten straffen,
Ward aber wenig an in schaffen.
[C1b] Zületst do brauchet ich die rhút,
78 Wie billich ein schülmeister thüt.
Lottar aber (so heißt der wicht,
So euwern son hat gar entricht)
Verklagt mich vor der müter sein.
Die kam bald in die schülen mein
7% Und für mich an mit mist und koht;
Kam mein tag nie in grösser noth
Dann mit dem wunderlichen weib.
Die stieß zú mir mit solchem kib,
Das ichs mein tag nie scherpffer hort.
79 Herr bhút, was schnöd und böse wort!
Das wapen kondt sie mir außstrichen,
Kein ınaler ir nit möcht vergleichen,
Der eim das wopen so visieren,
Sein helm und schilt köndt plafinieren.
810
Knabenspiegel, 1. akt, 11. scene.
Gottlieb, der ritter.
Ist im dann, wie anzeigen ir,
So will ich die sach kummen für.
Mein son müß Lottars müßig ston,
Oder müß drob zü trimmer gon.
Schülmeister.
Ja, im ist, herr, wie ich gsagt hab.
Drumb reuwt mich Wilbald, ewer knab,
[C2a] Das sein ingenium geziert
815
So schandtlich soll werden verfiert
Von eim so schnóden lottersknaben.
Umbsunst nit disen nam thút haben,
Dann Lottars namen wol bewert,
Kein bößer lotter lebt auff erdt;
Er ist unschamhafft, gantz verrücht,
Gern auff ungwischten bencken sücht..
Er schleckt und leugt, stilt, was er find.
Die drey stück seind gar nahe friind ;
Dann welcher sich dern eins nimpt an,
Ist gwüß, das ers all treibt und kan.
Gottlieb.
Ach, ıst es nit z erbarmen hoch,
Das mein son disem schalck hangt nach
Und nimpt sich seiner gsellschafft an,
Wiewol ich in mein bhaussung han
Im z gsellschafft dise zwen genummen,
Meint, er solt ir gsellschafft nachkummen.
Wolan, es müß flicht also sein,
Das Wilbaldus, der sone mein,
So von mir warten ist groß gut,
Zür lernung hab kein sinn noch mit;
Dargegen die zwen junge seind
Beidsammen armer lüten kind
Und studieren so fleißig wol.
Schilmeister.
Strenger herr, dis geschicht vilmal, ..... -...
Dann armer lüten kind
Von gott hand
265
Köndten sie nichts, es wer umbsunst,
So müßten sie dohinden bliben,
Ir lebtag lang hart arbeit triben,
Groß armüt leiden hie auff erdt.
865 Darauff merck, Felix und Fridbert!
Legt euwer jugent nutzlich an!
Was HanBlein nit thüt, Hans nit kan
Züwegen bringen nimmermehr.
Vonn mir so bhalten dise leer,
810 Wennd ir der kunst haben genieB!
[C3a] Und das euch die reülich züflıeß,
Soltu erstlichen gotsforcht han.
In zütem ghorsam jedermann
Beflei dich underdienstbarkeit !
875 Bhalt, was man dir in gütem seit!
Das alter hab ın hoher acht
Und dem zů dienen fleissig tracht!
Knabenspiegel, 1. akt, 11.—12. scene. 267
Kein armen nit verachten sollt;
Dann die kunst ist den armen holt.
880 Du sichst selten ein reichen mann,
So etwas kunstlichs bringt auff d ban.
All kunst solt lieben in gemein
Für gold und silber, edel gstein.
Durch unfal mag das nemen ab,
& Kunst blibt nnd weret biß ins grab.
Acht nit, das mancher geltnarr spricht:
‘Ich nem gelt, acht auff kunst gar nicht.’
Gwißlichen so ir dise leer
Vergessen werden nimmermehr,
80 So werd ir gwib noch über lanek
Mir meiner leer gwiß sagen danck.
Fridbert.
Schúlmeister, gott geb euch den lon,
Der wöll euch treuwlich dancken schon.
Dise leer soll stetz bey mir bleiben,
85 Dann ich wils in mein hertz thún schreiben.
Schülmeister.
Das thün, mein hertzlieber Fridbert,
So gwinst du glück und heil auff erdt.
Strenger herr, wölt mir urlaub geben,
[C3b] Gott laß euch gsund auff erden láben !
Gottlieb.
%0 Der ewig gott woll euch bewaren,
Vil glück euch lassen widerfaren !
1. akt, 12. scene.
(Gottlieb, Concordia.)
Concordia.
Ach gott, mein herr, wo kumpt ir har?
Wie sehend ir so wunderbar!
Euwer farb hatt sich gantz verwendt.
% Wann ich euch nit vormals hett kendt,
So wer mir nit möglich, das ich
Fa lich.
Ich sturb vor grossem leyd und schwer.
Concordia,
Ach mein herr, sagt mirs doch herauB!
915 Ab mir so habend keinen grauß!
Ich wend euch, was mir möglich ist.
Gottlieb.
Ach mein haußfraw, das mir gebrist,
Kanst du mir leyder helffen nicht.
Ein junger schalck hat mich entricht
%0 Und mir mein liebsten son verfürt,
Welchen züvor all tugent ziert,
Hat grossen fleiß zür kunst und leer;
Jetzund acht er sein gar nicht mehr.
[C4a] Dann er in kein schül nimmer kumpt,
925 Bey dem schandtfogell sich versumbt,
Zücht mit im umb in die tafern,
Darin thüt er all bofheit lern.
Das ist der unmüt, den ich trag,
Und mein gröst leiden, das ich klag.
990 Drauff magst mir geben deinen raht;
Dann güter raht kam nie zü spat.
Concordia.
Ach mein hertzallerliebster herr,
Ich bitt, bekrenckt euch nit so ser.
Der sachen ist noch raht zü finden.
935 Wann ir der sachen recht nachgrinden,
Knabenspiegel, 1. akt, 12. scene.
Sagt mir die ding von wort zú wort.
Concordia.
Darauff, herr, mógt ir achtung haben,
Wann er findschafft treit zú eim knaben,
So darff er wol sagen auff in
5 Das, so er nie nam in sein sinn.
Gottlieb.
Nein, mich hat auch vor lang bericht
Sein pedagog Felix der gschicht,
Seid er sey in die gselschafft kummen,
Hab er all boßheit angenummen.
[C4b] Lottarius ist sein gesell;
970
Ich glaub nit, das won in der hell
Ein solch ungezogener strick.
Concordia.
Er ist hinn mit im gwesen dick ;
Mach aber bey der worheit sagen,
Das ich von im nichts weiß zi klagen.
Gottlieb.
Er kum mir nür nit mehr ins haus,
Sunst wil ich in weisen hinauB
Und im dermassen außhin leuchten,
Er soll das keinem pfaffen beichten.
| Concordia.
Nün miB Wilbald auch gselschafft haben
Mit disem oder andren knaben,
Ir wolt dann ein münch auß im machen.
Gottlieb.
Concordia, schwig zü den sachen!
Mein son den will ich dermaß ziehen,
Das er müß schand und laster fliehen.
Ich bin dermaß gezogen auch,
Das man kein schand mich züchet nach,
Bin dannoch kein kartuser worden
Noch angezogen mtinches orden. —
Dorthar kumpt schon mein lieber sûn;
Ich wil selbs mit im reden thün.
269
[Loa]
979
W1IDaluaus.
Was ists, mein vatter? Zeyg mirs an!
Dann ich sunst auch zü schaffen han.
Vatter.
Die gschefft, welche du wendest für,
Davon hat man gesaget mir.
Nach böser gselschafft thüstu stellen.
Wilbald.
Ich säch doch nur ehrliche gsellen,
So meinem alter füglich seind
Und bei den ich mein kurtzweil find.
Vatter.
Die gsellschafft, welche du thüst süchen,
Sich keiner erbarkeit genühen.
Ich kenn wol den Lottarium,
Das ist dein schöner gsell so frumm.
Sein beste kunst ist flächen, schwören,
Gott und sein lieylgen gar entehren ;
Onghorsam vattr und mütter ist,
Ein junger schalck voll arger list.
Wilbald.
Keyn schalckheit sah ich nie von im
Noch anders, so sich nit gezimm,
Sunst wolt ich seiner müßig gohn.
Vatter.
Vor einer stund da hört ich schon
1000
1010
1015
1020
1025
Knabenspiegel, 1. akt, 13. scene.
Thú dich zú frummen knaben gsellen,
Welche nach ehr und tugendt stellen!
Bedenck, was unrecht darauß springt,
Welcher nach aller boßheit ringt!
Samuel in seim ersten büch
Das zweyt capittel wol durchsúch!
Do nent die schrifft des Ely sün
Belials kinder. Solchs bschach ihn
Alleyn von irer boßheit wegen,
Darinn sie waren so verlegen,
Das an in halff keyn straffen gar.
Weiter, mein son, solt nemen war,
Wie Salomon sagt in sein sprüchen:
‘Ein weiser son der macht frölichen
Sein vatter. Weiter sagt er mer:
‘Wer annimpt warnung, straff und lehr
Der würt weiß werden; dann der sün,
So weiß ist, laßt sich straffen nun
Sein vatter, so der spotter nicht
Weder warnung noch straaff ansicht.
Dann der vatter, so spart die rät,
Sein kinder gwiß nit lieben thüt.
Wer aber seinen son lieb hat,
Der straffet ihnen fri und spat.’
Am neünzehenden er auch seit:
‘Der son seigs vatters hertzenleydt,
Der nerrisch und onghorsam ist.’
Im dritten búch Mosi man 1iBt,
Das gott den kinden hart gebetit,
Ja das sie sollend alle zeit
[C6a] Vatter und müter ghorsam sein.
Am zwentzigsten findstu auch fein,
Wie Moses thüt die jungen leren,
Wie sie sond alte leüt verehren.
Spricht: ‘Vor eim grawen haupt alzeit
108 Sollend auffston die jungen lüt
Und den beweisen zucht und ehr.
Noch weiters, lieber son, mich hör!
271
Die müst mann füren für die port,
104 Und alles volck am selben ort
Mit steinen den werffen zú todt.
Zün Ephesern am zweyten staht,
Und zú den Colossern am dritten
Do lernt dich Paulus auch mit sitten,
100 Sagt: ‘Ir kinder, seid gehorsam
Euweren elteren mit nam!’
Diß nim zú hertzen, lieber son,
Und folge meinem willen nun!
Züch dich, wie ich dir vor gsagt hab,
1055 Aller bösen geselschafft ab!
Mein son, damit so wirst du mir
Alles thún, was ich bger von dir.
Volg deim preceptor, pedagogen
Und thün sonst nach keinr gselschafft frag
100 Dann nach Felixen und Fridbert!
An in hast, was dein hertz begert;
[C6b] Dann dich sie beid hertzlich lieb hand.
Hast ihr ein ehr und gar keyn schand,
Als du von dem Lottar thúst haben.
1065 Dann derselb under allen knaben
Der aller boßhaffst ist erkant.
Boßhaffters schalks lebt nit im landt,
Dann eben diser Lottar ist.
Darumb so tleüch sein falschen list!
1080
1090
C7a] Merck mich, Wilbald! Ich will glat nit,
1100
1105
Knabenspiegel, 1. akt, 13. scene.
Ein spiegel es der dugendt ist,
Drinn die jungen zů aller frist
Sollend besehen ir gestalt.
Thústu das, würst du gwißlich baldt
Ein ander wesen an dich nemen
Und dich des Lottars gar beschemen.
Wilbald nympts büch, sagt:
Geplaget müssen die all sein,
So mich und auch den gsellen mein
Gegen euch hand so hart verklagt,
Den Lottar so gentzlich versagt,
Als wann er [wer] der schnödest wicht,
So man auff erd mögt finden nicht.
Nun weyß ich, er meyn mich so güt,
Das in seim leib keyn tropffen blüt
Nit ist, er teylet mir den mit.
Gottlieb.
Das du dich sein mer nemest an.
Wilt mich für einen vatter han,
So denck hinfürt dein leben lang,
Des Lottars gentzlich müßig gang!
Hab ich dir nit gselschafft genúg
Ins hauß verschafft nach deinem fúg,
Zeygs an! So will ich sehen drumb,
Das ich dir noch mer überkumm.
Wilbald.
Vatter, von keynem ich nit spir,
So sich so freuntlich halt zú mir,
Als diser Lottarius thüt.
Was freundtschafft mir der Felix that,
Deßgleich Fridbert, die ist seer kleyn.
Aber sie hand im brauch gemeyn
` Mit mir zů zancken spath und frü.
Ich fach an oder was ich thú,
Ist ihn bitter wie entzian.
Gottlieb.
Du hörst, wo ich dir sage von.
Wickram VI.
18
273
1115
Dort sich ich schon sein edle gstalt.
Zü im will ich mich fügen baldt.
1. akt, 14. scene.
(Wilbaldus, Lottarius.)
Lottarius.
Wilbalde, wo bleibst disen morgen ?
[C7b] Ich süchte dich mit grossen sorgen,
1120
1125
1130
Forcht, du werst aber im nodtstall,
Do die hund in dich bissen all.
Wilbaldus.
Es hat fürwar nit gar gefelt.
Ich meyn, mein vatter hab mir gstrelt
Und aber mit camillen zwagen.
Lottarius.
Lieber, thet er nichts von mir sagen?
Wilbaldus.
Der hader was von deinent wegen;
Do hettest ghört donder und regen.
Jedoch ich ims als gern vertrüg,
Dieweil das wetter nit gar schlúg.
Lottarius.
Ich acht sein nit ein kirsenstil,
Das mich dein vatter fressen wil.
Schaw zů. wie forcht ich mir so übel!
Knabenspiegel, 1. akt, 13.—14. scene. 275
Lottarius.
Es sey glich was wóll für ein gdicht,
So kenne ich den namen nicht.
Lieber, was seinds doch für tandmeren ?
1140 Das wolt ich dannocht wissen geren.
Wilbaldus.
Mein vatter sagt, wann ich das leß,
[C8a] Ich deiner gselschafft gantz vergeß
Und würt din gentzlich müßig gon.
Darumb wend wirs beschlossen lon.
Lottarius.
114 Thút es dich anderst leren neit,
So wirffs hin zi dem teuffel weit
Und nim ein kartenspyl darfür!
Das ist vil ntitzer mir und dir.
Wilbaldus.
Hey nein, ich wils dannocht behalten,
1150 Damit ichs wider zeyg dem alten.
Wann ichs nur in dem búsam trag,
Acht ich nit, was es ler noch sag.
Lottarius.
Der teuffel hat das büch erdacht
Und, wie ich glaub, auff die ban bracht.
1155, Wann es ein nichts anders kan leren
Dann sich von gúten gsellen keren,
Warlich in meinem sinn ich acht,
Dein schúlmeyster habs selbs gemacht
Oder der pedagogus dein,
1160 Damit du gangest müßig mein.
Ich glaub, sie hand keyn grössern schmertz,
Darzü keyn ander kreütz imm hertz,
Dann das du dich nimpst meinen an
Und ich dich wie ein brúder han.
1165 Doch hoff ich auff ein solchen tag,
Das ich mich gnúgsam rechen mag
An dem Felixen und Fridbert.
Das sie verschlinden müß die erdt
Und das sie müß der schinder decken
Dann möcht man vor in sicher sein.
Wilbaldus.
Es gilt mir glich umb sie all beid.
Doch wer mirs für den vatter leyd.
Lottarius.
Ich aber wolt verzihen mich
1180 Meins vatters, gilt mir schier gelich,
Wann nur der schúlmeister mitgieng,
Bey din gsellen an ein baum hieng
Und darnach wer der vatter dein
Ein todtenbor und leg der mein
118 Darin und wern die mútern wax
Verbrunnen vor der lychen strax.
Wilbald.
Hey nein, es wer mir dannoch leyd.
Gott bhüt mir meine eltern beyd!
Acht mit, wie es den andren gang,
1199 Wann nun mein eltern leben lang.
Lottar.
Es ist jetz gnúg darvon geredt.
Umb einen blappart ich verwett,
Unser wirt wartet unser beyder.
Wie möcht im doch geschehen leyder,
119 Dann wann unser gselschafft zertrent
Und wir nimm kamen zů im bhendt!
[DlalTieher lak uns can 2% im haldt!
1205
1210
1215
[D1b]
1225
Knabenspiegel, 1. akt, 14.—15. scene. 2. akt, 1. scene,
Und will nicht leren, ist sein schadt.
Er fart Wilbaldum dapffer an
Und lert in alles, was er kan;
So folgt im auch Wilbald zimlich.
Doch will zületst gern sehen ich,
Was doch zületst will werden draus;
Wann sie ligen in aller lauß,
In alln mütwil und boßheyt leben,
Umb ire áltern gar nichts geben,
Achten auch ir schülmeyster gring,
Schämen sich nit schandtlicher ding.
Die zeit aber müß rosen bringen,
Lohnt jedem, darnach er thüt ringen.
Narr Onkunst.
Hett ich güt warnung nit veracht
Und allweg kunst, weißheit verlacht
Und in allweg den müpff geschlagen,
Dörfft ich keyn narrenkappen tragen.
2. akt, 1. scene.
(Felix, Fridbert.)
Felix, der pedagog.
Fridbert, an dich hab ich ein bitt,
Die wöllest mir versagen nit.
Dann du die sach vor allen dingen
Vil baß dann ich magst zwegen bringen.
Fridbert.
Sag, lieber Felix, was mags sein!
Ich wilfahr dem begeren dein.
Felix.
Du hast on zweifel wol gehört,
Wie mir der herr so grob abkert
Von wegen Wilbald seines sons.
Wolt gern die schuld jetz geben uns,
Als dem preceptor und auch mir,
Wiewol wir können nichts darfür,
Das sein son nicht gerhaten will.
247
1265
1270
1275
1280
Knabenspiegel, 2. akt, 1.—2. scene. 279
2. akt, 2. scene.
(Gottlieb, Concordia).
Gottlieb.
Haußfraw Concordia, vor leid
Solten wır sterben alle beid,
Das unser son Wilbaldus nit
Will leren züchtig berd und sit.
Als ıch von seim schülmeister han
Vernummen, so hangt er sich an
Eim bösen búben, welcher sich
In allen lastern übt täglich.
Er stilt und spilt, [er] schleckt und lügt,
Vatter, múter, schúlmeister trügt.
An im hilfft weder schelten straffen,
Im mútwiln ist er gar ersoffen.
Ach gott, ich sorg, das unser son
Die stick von im werd leren nun.
So wolt ich, das er wer ertruncken
Und in dem ersten bad versuncken.
Das wer uns baß zü dulden beiden,
Dann das mir sollich crütz und leiden
[D2b] An unsrem sün erst sond erleben.
1285
12%
12%
Ich bit, wölst dein raht hierein geben.
Concordia, die müter.
Seind güter ding, mein lieber herr!
Die sach nit kommen soll so fer.
Unser son ist noch jung und zart,
Man mú im noch nit sein zü hart.
Sonst wolt ich zwar nit darzü schlaffen,
Wolt in mit rauhen worten straffen,
Er solt sein lebtag dencken dran
Und sich nit gsellschafft nemen an,
So im böß exempel fürtriegen,
Als stelen, spilen, schlecken, liegen,
Und die sıch alles mütwils bflissen.
Zwar es blibt im nit unverwissen.
280
i300
Georg Wickram,
Narr Frißumbsunst.
Ey jo, sie hat sich wol beschissen;
Wie man dann noch vil müter findt,
Die sagen: ‘Ach, was ziicht mans kindt t
Wans schon zehen, zwelff jar alt seid.
2. akt. 3. scene.
(Lottarius, Wilbald; nachher Fridbert. — Lottarius und Wilbald ku
1305
[D3u]
1310
1315
132)
men auf der tafern, epricht Lottarius,)
Lottarius.
Wilbalde, wie schmackt dir der wein?
Was nit all ding bereitet fein ?
Wilbald.
Botz Judas, es ist als gút gsein.
Lottarius.
Hey, wie schwerst du so liederlich!
Nim gat lantzknechtisch schwür für dich
Als marter, leiden, krafft, onmacht!
Solch weibisch schwür nimpt niemant acht.
Wilbald.
Ja, man sagt aber, es sey sünd.
Lottarins.
Was sagst! Es thünds die kleinen kind
Jetzunder in der jugent leren.
Von meinen eltern thet ichs hören;
Eh dann ich hat sechs jar auff mir,
Konds baB dann betten, sag ich dir.
Drumb, wiltu werden ein lantzknecht,
So múst du können schweren recht,
Oder dich nimpt kein herr nit an.
Dann welcher knecht nit schweren kan,
Darbey auch allen mütwill triben,
MB offt und dick dohinden bliben.
Fridbert.
Wilbalde, ich wolt dich gern han.
Lottarius.
(wiß ist etwas neüws auff der ban.
Wilbalde, du müst den hundt heben,
Knabenspiegel, 2. akt, 2.—3. scene. 981
Des wil ich dir ein bürgen geben.
Wilbald.
Was ists, Fridbert, was wiltu han ?
135 Sag mirs, machs kurtz und zeig mirs an!
Mich wundert, was du wöllist mein.
Kan nit wol gon, bin schier voll wein.
Fridbert.
Ach gott, Wilbald, was züchstu dich!
Ich bitt, wölst ein klein hören mich.
1330 Wiß, das ich heüt auff disen tag
Von deim vatter hort grosse klag.
[D3b]Sollichs umb deinetwillen gschach.
Dein weif bringt in in weh und ach,
Weil du dem Lottar hangest an,
1885 Der dich doch nichts gúts leren kan;
Dann er steckt aller boßheit voll,
Das du dann selb thüst wissen wol.
Nun hör, wie sich die sach angfangen !
Als mir seind auß der schülen gangen
1840 Felix und ich, von ungeschicht
Uns unser herr, dein vatter, sicht,
Laufft schnell daher, in zorn erbran,
Für dein zuchtmeister grimmig an;
Ich meyn, er butzet im den búben.
145 Sein augen zehern im anhúben;
Dann im derhalb die schuld gar gab,
Das du werst so ein bößer knab,
Sagt, er het auff dich gar kein acht,
Semlichs dich so unghorsam macht,
1350 Vergessest aller zucht und lehr,
Werest auch nimm gehorsam mehr.
Felix zeiget an sein unschuldt
Und bat in, das er het gedult,
Biß er in aller sach bericht.
1355 So begibt sich von ungeschicht,
Das unser schülmeister kumpt dar,
Berichtet deinen vatter gar,
Das dich niemant auff solch onfleib
1365
1870
1875
1380
Und nimpt ihm ab all ungedult.
Dann wo du wider in thüst streben,
Müst du gott schwerlich antwurt geben.
Dann dir gott selb gebeutet fein,
Solt vatter, mütter ghorsam sein,
Wilt anderst lang auff erden läben
In dem land, so dir gott würt geben.
Wilbaldus.
Fridbert, sag mir, wie lang es ist,
Das du predicant worden bist!
Fridbert.
Du hast all warnung fúr ein spot.
Ach ach, das mäß erbarmen gott!
Lottarius.
Wann hat der heimlich raht ein end?
Das euch potz taussendt leiden schend!
Wilbaldus.
Es ıst nichts anders, dann er wolt,
Das ich mich dein entschlagen solt
Und mich dein gar nit nemmen an,
Spricht, mein vatter wöll semlichs han.
Lottarius.
Du baurenknebel, bettelsack,
Dich nummen flucks do dannen pack,
Eh dann ich dich zü boden schlag!
dor ram warns las He Ana WAW s.... ann
1410
1415
Knabenspiegel, 2. akt, 3. scene.
Er ist ein burger in der statt,
Darbey ein grossen namen hat:
Von seinem gschlecht vor langen jaren
Hat mann sie in den raht erkoren,
So du bist auß eim dorff hrinkummen.
Hett man dich nit vom bettel gnummen,
Du möchtest nit erneren dich,
Werst bliben ein hirt bey dem viech.
Hast schon ein herren jetz ein weil,
Er ziecht dich, thút dir freuntschafft vil,
Mags doch geschehen kurtzer zeit,
Das er dein achtet nit ein meit
Und jagt dich aub von hoff und hauß
Zi deim vatter auffs dorff hinaub ;
So bist du ein bettler wie vor.
Mich lust, ich zieh dich umb beim hor.
Troll dich nur bald von uns hinwegk,
Eh dann ich dich umbzüch im dreck! (Fridbert ab.)
Wilbaldus.
Ich meyn, du habst in außgeriben.
Gelt, wo er lang bey uns sey bliben,
Sunst wolt ich ims han gröber gmacht,
Das er sein nit müß haben glacht.
Lottarius.
Wilbalde, ich dir sage das,
Du wólst die sach bedencken baß.
Dann wo du dich wirst keren dran,
So mústu drey zuchtmeister han.
Der ein würt dir singen die metten
Und dich des morgens gar wol fretten ;
[D5a] Der ander würt dir vesper lesen !
1425
Vom dritten magstu nit genesen,
Er würt dir zletst das Salve singen,
Das wasser auß den augen bringen.
Der bachant Felix fahet an,
Demnach múst den Fridberten han,
Zim dritten den schülmeister dein,
Werden all dein zuchtmeister sein.
283
284 Georg Wickram,
Drumb bis nur willig, schick dich drin!
Wilbald.
Eh müssen sie mich gar ztodt schlagen.
Lottarins.
1430 Ich will dir wol ein anders sagen,
So du mir anders folgen wilt.
Wilbald.
Sags rauß! Ich volg, geb was es gilt.
Lottarius.
Ich wey ir aller rahtschlag schon.
Sobald du jetzund heim würst gon,
1435 Wirt Felix, der zuchtmeister dein,
Gar seltzam abenteurisch sein.
Zerst wirt er auff den vatter trawen,
So werd dich der schúlmeister hawen,
Darnach will ers der múter sagen
140 Und allen deinen fründen klagen.
Dann mústn im also begegen
Und dapffer wider in dich legen.
Wann er dir gibt ein bößes wort,
Gib du im zehen an dem ort!
145 Dich gegen im gantz dapffer ryb,
[D5b] Schnur, grum, schnaw umb dich, kretz und beiß
Und heb vor ım zü zannen an!
So machst in, das er nichts mer kan.
Sav, wöl er dich des nit vertragen.
150 So wollest dus der mútter sagen;
Dann eh du wollest semlichs lyden,
Eh wölst deins vatters hauß vermyden
Und lauffen auß dem landt so fer,
Das man dich erfar nimmermebr.
145 Damit würstu in angsthafft machen,
Das er thüt schweigen zü den sachen,
Du fahest gleich an, was du wöllest.
Wann du dich so rumorisch stellest,
So würt er stetz in sorgen stohn,
1460 Wann du dem vatter lauftst darvon,
So müß er auch ein weyten weben
Knabenspiegel, 2. akt, 3.—4. scene. 285
Und wider in der armüt leben.
Wilbaldus.
Warlich, deim raht ich folgen will,
Damit ich solchen hader still.
Narr Onkunst.
1465 Welcher schüler die leer behalt,
Kumpt gwißlich an den galgen baldt.
2. akt, 4. scene.
(Fridbert, Felix.)
Fridbert.
O Felix, wie ist mirs ergangen !
Ich meyn, ich hab mein danck empfangen
Ab meiner treüw warnung und leer.
1470 Dann sie mich hand gescholten seer,
Mein armút mir wol auffgemutzt;
Ich sey ein mensch, so nyemandt nutzt,
Drumb solt ich mich bald von in machen
[D6aJOder graufft, das mir dschwart thet krachen.
1475 Also ich mich von inen trolt,
Da ich ir streych nit haben wolt,
Docht: 'Ich gang hin, weil es ist gút.
Felix.
Schweig, Fridbert, hab ein gåten mit!
Deiner armút solt dich nit schemen,
1480 Ein beispyl bim schúlmeyster nemen.
Dann du hast vom schúlmeyster ghórt,
Die armüt tugent nit zerstört.
Drum biß nur gflissen, folge mir!
Dann ich nichts args will rahten dir.
Wer weyßt, erleben mir die zeit,
Auß uns mögen auch werden lüt,
So Wilbald mit seim grossen güt
Noch kummen mag in gros armit,
So er nit von seim wesen laßt
149 Und sich der |bößen] gsellschafft maBt.
Fridbert.
Gott geb genad, das er sich ker
1485
w
ame Sa an SEG we as Ww AD WO
(Felix, Fridbert, Wilbald.)
Felix zü Wilbalden.
Wilbalde, was ist die ursach,
Das du uns bringst solch ungemach,
Deim vatter und desglichen mir?
Warlich, warlichen sag ich dir,
[D6b] Ich wils fein dem schülmeister sagen.
Er würt dir semlichs nit vertragen,
Das du dich nimpst des Lottars an.
Nichts gütes er dich leren kan,
Dann er steckt aller boßheit voll,
1505 Solchs magstu selber wissen wol.
Wilbald, ich bitt dich, laß darvon
Und thü des ertzschalcks müssig gon.
Bey im erlangst du doch kein ehr.
Drumb thé dich selb bedencken mehr,
1510 Das du bist von eim edlen stammen,
Darzü auch von eim grossen namen.
So findstu sunst noch feine knaben,
Mit welchen du magst gselschafft haben
Und haben ein ehrlich gemüt.
1515 Drumb dich vor dem schandtvogel hit,
Folg mir, Wilbalde! Es ist nodt.
So mag dir noch wol werden raht.
Wilbaldus.
1525
Knabenspiegel, 2. akt, 5. scene.
Wilbald.
Du bettler, red, wann ich dich frag!
Was darffst du antwort geben mir,
Dieweil ich noch nit red mit dir!
Felix.
Wilbalde, du bist vil zü hitzig
[D7a][ Und] hast ein köpfflein gar zů stützig,
1530
1540
1545
1550
Ich hab dich nun gewarnet dick.
Wilbaldus.
Umb euch all geb ich nit ein wick,
Ist minder dann ein dudenier.
Felix.
Eim andren will ichs sagen schier,
Gott neme mir dann vor mein leben.
Umb denselbigen müstu geben.
Wilbaldus.
Ja, wann dus schon dem vatter sagst
Oder glich dem schülmeister klagst,
Wolt ich nit drumb dort umbhein sehen.
Mich aber merck! Was wirt geschehen ?
Du würst mit deiner weiß anrichten,
Das dich noch reuwen solch geschichten.
Dann einmal, eh ich von euch allen
Will liden sollichs überfallen,
Eh will ich lauffen also weit,
Das mann mich nit in langer zeit
Erfaren müß. Dann wirt man dir
Jıeygen den weg, so daus goht für,
Was darff mein vatter dein ım haus,
Wann ich nün bin gelauffen draus!
Dann henck wider an deinen hals
Den bettelsack glich wie vormals!
Felix.
Wilbalde, ich meyns git mit dir.
Drumb soltest billich horchen mir
Und nit glich under augen schlagen
Mein armút. Was wilt mir dran sagen,
[D7b] Dieweil ichs vor weyß selber wol!
287
Narr.
1560 Ey, wie bhalt er so fein und eben
Die ler, so im der Lottar geben!
Wol würts im kummen all sein leben.
Ich müß fein hüpschlich nahin dichen
Und heymlich umb die lecker schlichen,
1365 Ob ich auch etwas leren kéndt,
So einem lecker wol anstiend.
Sorg aber, wann ichs treib zů lang,
Man mögt mir lohnen mit eim strang.
Böß end gwan nie güten anfang.
2. akt, 6. scene.
(Wilbaldus, Lottarius.)
Wilbaldus.
1570 Lottari, nun biß gúter ding
Und hor, was ich fir zeitung bring!
Lottarius.
Lieber, sag mir, wie ist dirs gangen ?
Wilbaldus.
Felix hat mich dermaß empfangen,
Wie du mirs vormal sagtest eben.
Lottarius.
1575 Was hast ihm aber z antwurt geben ?
Wilbald.
Racht wia an miche lartact varmal
1585
1590
1600
Knabenspiegel, 2. ukt, 5.—6. scene. 289
Lottarius.
Sie seind beyd nit eins nestels wert.
Sag mir, womit sie wolten beid
Eim jungen machen künden freud,
So das sich einr -ergetzen mögt!
Glaub, wann ich eim ein mummschantz brecht,
Er wißt mir sie zü halten nit.
Darumb dörfft ich groß wetten mitt.
Wilbaldas.
Ich kans noch frey, wie du michs glert,
Als mir zünechst hand z abendt zert.
Ich nim wirffel und gelt, legs nider,
Sag 'Mummschantz', nim ein wirffel wider,
Wirff den hinauB und laß in stohn.
Den andern m&B ich werffen lon.
Welcher zúm minsten hat, ist knecht,
Hab ichs anderst behalten recht.
Derselb wirfft dann die schantzen an,
Sagt: ‘Das ist für dich, gúter mann.’
Die ander schantz, so naher falt,
Welcher wiirfft. im dieselh behalt.
Eh kummend schantz die ist die best.
Lottarius.
Das dus so wol behalten hest!
Herr bhüt, du hast ein gúten kopff.
[D8b] Was bin ich nummen für ein tropff!
1605
1610
Z/wen gantzer tag lert ich daran,
So kaum ein ding behalten kan.
Ich kan noch eins, müß dichs gleich leren,
Damit sich zwen möchten erneren.
Den würffel ich frey knipffen kan,
Das er mir gibt, was ich will han,
Es sei eß. daus oder drey
Ein quater, zincken. ses so frey.
Auff dem wirffel znechst bei der handt
Kan ich es werffen alles sandt.
Wilbaldus.
Das ist warlich ein feyne kunst.
Wickram VI. 19
1635
1644)
1645
ladann de erst Herisbaitlig EE,
Sag, wie dirs this so 5 bel gon,
Du seyst bedacht und wölst darvon.
Beid vatter und müter verlassen,
Eh du wolst sein gequetscht dermassen.
Was soll es gelten, sie würt bald
Die sach anrichten dergestalt,
Das sie dich werden lassen machen
Und dir nichs tragen in dein sachen.
Narr Onkunst.
Des kleinen schelmen müß ich lachen.
Lauff, hencker, lauft, henek, das möcht krachen!
Wilbaldus.
Ich will gon heim von stunden an
Und alles brauchen, was ich kan.
Lottarius.
Mit disen stiicken obgedacht
Hab ich mir freyheit z wegen bracht
Als durch mein múter, ich dir sag.
Enabenspiegel, 2. akt, 6 scence.
Dann es begab sich auff ein tag,
16 Das sie mich auf der schülen nam
Und selber zúm schúlmeister kam,
Thet im den búben weidlich butzen.
Der krieg würt mich mein lebtag nutzen:
Dardurch ich auf der schúl mag bleiben,
1655 Im hertzen hassz ich lesen, schreiben,
Sag, was nutzt mich doch schriben, lesen !
Mein eltern seind auch leut gewesen
[Elb] Und hands nit understanden z leren,
1660
1665
1670
1675
Ich ger mich auch nit mit zü neren.
Wann ich schon glich ein metzger bin,
Gibt mir das schreiben schlechten gwin.
Und wann ich gleich vil schuldner han,
So schneid ichs an ein kerbholz an.
Dieselben frisset mir kein maus,
Und reißt keiner kein blat heraus,
Wie man auß eim register kan.
Was ist dein vatter für ein mann,
Das er dich mit plagt spat und fr,
So du doch hast kein lust darzú! —
Es dunckt mich zeit, ich múb heimgon.
Mein volck hat gwißlich gessen schon,
Aber mein múter bhaltet mir
Mein teyl, das weyß ich gwiß an ir,
Wilbaldus.
Was sagt aber der vatter dein,
Wann du so lang thüst aussen sein ?
Lottarius.
Sobald ich an den himmel sich.
Hab ich ein lug erdacht für mich.
Wilbaldus.
Lieber. sag mir teutschlich mit namen.
Wo kummen wir «hier wider zeamen?
Lettarias.
“Ich rabt. in sera wirtes hate:
Derly use aufftren nach der pase,
Drum lig ber bry und vests mit «ute!
19°
21
16%
100
1705
O gott, wir wóllen preysen dich.
Gesegne uns genadigklich
Die gegenwertig speiß jetzund!
Von dir, herr, alles gütes kumpt.
Gib uns, o herr, den segen dein
Über die speiß, tranck, brodt und wein,
Das wir in deim lob solches niessen !
Dann von dir alles gút thüt fliessen,
So uns widerfart allensamen.
Dir sey ewig lob! Sprechend amen!
(Jetz kumpt Wilbaldus über tisch. Spricht der v:
Gottlieb.
Seind wilkumm, lieber juncker mein!
Wann seind ir lang gnüg auf gesin?
Du hast angnummen ein fein wesen
Und dir ein gsellen außerlesen,
Der dich über die maß wol ziert.
In büberey er wol studiert,
Dieselbig müst auch von im leren.
Er mag sichs henckers nit erweren.
Wann ich zü deim schúlmeister kum,
Will ich in freuntlich betten drumb,
Das er dir ein güt fel abker
Von wegen deiner schonen leer,
Knabenspiegel, 2. akt, 7. scene. 293
Sag: ‘Herr vatter, ich thüs nit mehr.
Ich bitt, verzücht mir nummen das!
1715 Hinfürt will ich mich halten bas.’
Wilbald.
Was hab ich dann übels gehandlet,
Das man mirs so in böß verwandlet ?
Gottlieb.
Secht zü umb unsren lieben son!
Hat er nit wol studieret nun?
Müter.
1120 Er ist erschrocken und verzagt,
Weißt werlich gar nit, was er sagt.
Kum raußher mit mir, du unflot,
BiB dem -herren der zorn vergodt! —
Ach gott, mein son, was izt dir gschen,
115 Das du thúst also übel sehen ?
Wilbald.
Felix, der schmützig bettler, het
Also sein kurtzweil mit mir thet,
Er plagt mich, trawt mir für und für.
Drumb will ich jetzund sagen dir,
uw Eh ich mich also quetschen loß,
Lanff ich darvon nackend und bloß
Hin auß dem land so weyt und ferr,
Das ir nichs von mir hörend mehr.
Müter.
Ach, was woltst.mich, die múter dein,
[E3a] Ziehen, das du mir solche pein
Woltest machen an meinem hertzen!
Wie überwund ich solchen schmertzen !
Wilbald.
Wie soll dann ichs erst überwinden,
Das ich teglich von bettlerskinden
1740 Soll also hart geplaget sein,
Die mir doch abfressen das mein!
Müter.
Schwig, mein son, laB dich nit belangen! |
Sobald der imıbiß ist vergangen,
4 — ey = u _ 1.
1760 Ich wıll hingan, die sa sh vertra zen;
[E3b] Der vatter soll gar nichts mehr klagen. —
Gottlieb.
Wo hast dein lieben son hingtlian ?
Muter.
Ach mein herr, sagt mt mehr darvon!
Er hat mir also angst gemacht;
1165 Dann im im leib sein hertzlein kracht,
So gar hand in ergelstrett ir.
Gottlieb.
Ich weyB ein oft artzney darfür.
Wann man nem em newgbachne rüt
Und hiew in, das ims arsloch blüt.
1770 Das macht solch bobe btben güt.
Wo man in aber halsstarck geit,
Da hilfft auff erd keim ziehen neit.
Muter.
Alch] lieber herr, seind gúter dingen!
Ich will euch ein vergeßdrunck bringen.
1775
Knabenspiegel, 2. akt, 7—8. scene,
2. akt, 8 scene.
(Wilbaldus, Lottarius.)
Lottarius.
Wilbalde, sag mir, wie dirs geht!
Wilbald.
Ich glaub zwar, du seyst ein prophet.
Dann wie du mir gewissagt hast,
So ist es als ergangen fast.
‚Die múter hat all ding verricht,
Den hader gar zerlegt und gschlicht,
Hat mir darzü diß geltlein geben,
Damit sollen im saus mir läben.
Das nechst mal zaltest du für mich;
Jetzund wil ich zalen für dich. —
Lottarius.
[E4a] Jetzund sichst erst, was dich all tag
1805
Mein güte leer genutzen mag.
Drumb folg du mir in allen dingen!
Gelts wend wir gnúg züwegen bringen.
Wilbald.
Lieber, lig, das mir z essen finden!
Mich hungert, das mir möcht geschwinden ;
Dann mein volck schon zů tisch war gsessen.
Als ich heimkam, wolt ich nit essen,
Ich stund und maulet immerdar.
So fert mein vatter eilens har
Mit bösen worten gantz grausam
Und schar mir scharpff über den kam.
Ich blickt umb mich, wandt ım den rucken,
Sorgt stetz, er würt ein teller zucken.
Die múter aber sorgt darfür;
Dann sie es allweg hielt mit mir.
Zúletsten stunds auff von dem tisch
Und fúret mich heraußer risch,
Erfragt mich aller glegenheit.
Ich antwort, wie du hast geseit.
Do ging es mir nach meinem sin;
295
296 Georg Wickram,
Sye gab mir gelt, ich für dohin.
Lottarius.
Ey ja, also es sich gebürt.
Mir wend hingon zü unsren wirt,
Da ist bereitet etwas gúts.
1810 Erst wend wir sein eins liechten múts
Unds nummen dapffer setzen nein.
Wann wir schon all tag gond zúm wein,
[E4b] Mógen wir das gelt nit verbrassen.
Hey, thúndt uns schon die vátter hassen
1815 Und wends die müter mit uns han,
So ligt mir nit ein wick daran.
Sye werden uns wol gelt aufftriben,
Das mir lang mögen frölich bliben.
Narr Frißumbsunst.
Nur dapffer dran, thünds bald auffriben !
s% Wann dann die mütter nimm wend geben.
So greiffen dapffer drauff darneben !
Dann sagt man: Ziehend auß die schü
Und lauftt barfüß dem galgen zů!
2, akt. 9. scene.
(Gottlieb, Concordia, Felix, Fridbert.)
Gottlieb.
Sobald mir von dem tisch auffston.
1525 Felix, so solt du eilens gon
ZX dem schúlmeister und im sag,
Das er von heut an allen tag
Acht nem auff meinen son Wilbald
Und in scharpff in der rûten halt.
1830 Insunders wann er von im sicht.
Das er den Lottar midet nicht.
Aber wann ichs bedencke lang.
Ists best, das ich selb zü im gang
Und sags im gar ernstlicher weiß,
1835 Damit er brauch des grossern fleib.
Kumpt zu dem tisch und machts nit lang.
Sagend vor gott dem herren danck!
Knabenspiegel, 2. akt, 8.—9, scene. 297
Fridbert.
O höchster gott in deinem reich,
Der du uns hast so vätterlich
[E5a] Mit speiß und dranck versehen hüt,
O lieber gott, speis uns auch mit
Deim heilgen wort an unsren seelen
Und behüt sie vor hellenquelen,
Beleit sie in dein ewigs rich!
155 O herr, uns allen das verlich!
Von ewigkeit zü ewigkeit
Sey dir lob, preiß und danck geseit. Amen. [Gottlieb ab.|
Müter.
Felix, Fridbert, verziecht ein weil!
Mit euch hab ich zü reden vil.
180 Lieber Felix, sag mir darvon,
Wie sol ich doch die sach verston,
Das du meim allerliebsten kind
Bist so auffsetzig, neidig, find?
Kein kurtzweil er nit driben darft,
185 Du farst in an mit worten scharpff.
Dann thét er dir zi kurtz, zů lang,
Es thit mir an meim hertzen bang.
Ich meynt, du ließt benügen dich
Der güthat, so dir bschicht täglich
1880 Von mir und auch dem herren mein,
Und liest mein son auch frölich sein,
Bey andren jungen süchen freüd.
Ich sich, du und Fridbert all beid
Kein andre freüd begeren mer
185 Dann zů studieren und der leer.
Das ist bey meinem son verdust,
Dann er hat zü der schül kein lust.
Derhalben wölt ir mein genad
All beid behalten. ist mein raht,
[E5b] So lond Wilbaldum frölich sein
Und tragend im gar nichts darm!
Ey. wann er glich etwas verthút.
So goht es doch auß meinem güt.
Zim pfand mein seel des jeder hab.
Felix.
Vergebt uns, fraw! Es soll nimm gscheher
Das sollend ir gwiß von uns sehen.
Wann er glich auf dem kopff thút gon,
1885 Ich sagt, er hab im recht gethon.
Miter.
Ir habt mich wol verstanden schon. [ab.]
Felix.
O Fridbert, sich, wie gaht es zü!
Was ich im allerbesten thú,
Das wirt mir yetz auffs böß außgleyt.
180 Wolan, wir hand schon unsern bscheyd,
Wir müssen durch die finger sehen
Und allen mütwill lassen gschehen,
Es sey mit spylen oder rassen,
Mit füllen, schlemmen und mit prassen ;
18% So wend wir ihm nit reden drinn.
Fridbert.
O Felix, liebster gselle mein,
[E6a] Ach, wie wol es umb einen staht,
Der da ißt seines vatters brot
Und darff sich nit durch frembd leüt neren
1900 Schaw, was müß einer sehen. hören!
Die frauw uns gleich verweißen thüt,
1910
1915
1920
1925
Knabenspiegel, 2. akt, 9.--10. scene.
Und über nacht zühanden gohn.
Wolan, ich habs befolhen gott.
Dem gleich du, Felix, auch thún sott.
Felix.
Ich habs warlichen zú vil molen
Gott alles sam trüwlich befolhen.
2. akt, 10. scene.
(Gottlieb, schülmeister, Felix, Fridbert.)
Gottlieb.
Ach gott, wißt ich doch schlipff und steg,
Das ich mögt finden füg und weg,
Dardurch ich meinen son mögt bringen
Auff güte ban zú grechten dingen !
Das wer mems hertzen grosse freüd.
Sunst weyß ich yetz kein grösser leyd,
Dann das er sich nit schicken will,
Damit er lernt der tugendt vil.
O gott, ich bitt dich durch dein huld,
Hab ich ye solchs umb dich verschuldt,
Du wöllest mir ein solchs vergeben,
Damit mein son ein ander leben
Doch an sich nemen thet einmal,
Eh er wirt aller laster voll.
[E6b] Ich will zú seim schülmeister galın,
1980
1935
Sein selbs raht auch von im verstahn.
[Sich,] dort staht er on all geferdt,
Bei ihm mein Felix und Fridbert.
Wo aber mein son yetz umbgaht,
Ein solchs mir nit zü wissen staht.
Schulmeister.
Secht, dort kumpt ewer herr allein.
Er würt gwüß aber zornig sein.
Felix.
Gar nit in zorn er kummen thüt,
Sonder [hat] ein fürnemen güt
Seins sons halb. Gott geb sein genad,
Das die sach jetzt züm besten graht!
299
n 1405
163
puro
So lang das er in kuntschafft kummen
Des hößen Lotters nndernammen.
Da hab ich in gewarnet offt,
Auletst mit gúten riten gstrofft.
[ch bhalt auch hei‘ (er warheyt das,
Seit ich zúm nechsten bei euch was.
Hab ich in seidher gsehen nie,
So hand mich yetz berichtet die.
Da znechst sei ein schnode tafern.
Drin alles búbenvolck wondt wern ;
Da haben sie beid irn auffritt.
Nun ist der wirt. also gesitt,
Das er vil reicher burgerskind
Inziehen thüt. wo er sie findt.
Die sich an seine schalekhevt keren,
Dieselben thút er Heißig leren,
Das sie den Altern wein und brot
Abtragen und was in ist nol.
1975
1980
[E7b] Wie wir zwen giengen durch die gassen.
1985
1990
(Felix, Fridbert. Lottarius, Wilbald. — Gottlieb, Schülmeister.)
Knabenspiegel, 2. akt, 10.—11. scene.
Das bringens im täglich zü hauß,
Und lebt dann mitt in in dem sauß.
Das müssens dann als doppel zalen.
Gottlieb.
Ach gott, wern sie zü disen malen
Beinander, wer das allerbest,
Wir wolt gohn, [den] wirt und die gest
Beiln]ander fein subtil auffheben.
Fridbert.
Herr, sie seind darinn gangen eben,
Sie sitzend noch beinander zbrassen.
Gottlieb.
Schúlmeister, nempt zwo rúten mit!
Damn ich will ye erwinden nit,
Biß mir sie haben funden dort
In dem schonen ehrlichen ort.
Sohilmeister.
So wend wir recht mitnander gohn.
Felix und Fridbert, mich verstohn,
Gond ir mitnander hnin geschwindt!
Ist es sach das irs drinnen find,
So sond ir uns bald rüffen hnin.
Gar bald wöllend wir bei euch sein.
Felix.
Find ich den lotter selb darın,
Er müß mir gwißlich nit entrin.
Ich will im ein sufleten geben.
Er sols gedencken all sein leben.
2. akt. 11. scene.
Lottarius bekumpt Felixen rauß zü gohn.
[Felix.]
Du galgenstrick. find ich dich hie!
Du hast mir mögen werden nie,
Jetz hab ich dich zü rechtem fundt.
301
|[E8a] Lottarı, el und lauft darvon,
2005 Sunst wirds uns beiden übel gohn.
Felix schreit, sinckt nider.
Mort, immer mort mir armen knaben!
Secht, wie sie mich gestochen haben!
Gottlieb besicht den stich.
Hat das gthon Lottar, der bößwicht ?
Friäbert.
Nein, Wilbald thets, der ander nicht.
Felix.
2010 So gschwind ist mir der stich geschehen,
Das ichs fürwar nit hab gesehen.
Gottlieb.
Wo seind die schelek doch hingeloffen ?
Schilmeister.
Herr, sie haben sich schon verschloffen.
Ich hab sie gsücht an allen orten.
Fridbert.
2015 Ich bin gweßt under der stattporten.
So lauffens hinweg vogelgschwindt,
Nit müglich ist, das man sie findt.
Gottlieb.
Hey, lautfend hin ins henckers namen !
Ach, hiengens an ein baum beidsamen.
2020 Das wer ir lohn und gröste ehr.
Ber ihn ist keim besserung mehr.
Knabenspiegel, 2. akt, 11—13. scene, 303
2. akt, 12. scene.
(Narr Onkunst, Narr Frißumbsunst.) `
Narr Onkunst.
Woher kumpst, mein Küntz Frißumbsunst ?
Narr Frifumbsanst.
Ungfer dohar, Klewi Onkunst.
l Narr Onkunst.
2090 Lieber, was hast du neuws gehört ?
Narr Frißumbsunst.
Ey, gar ein wunderlich gefert.
“ Narr Onkunst.
Lieber, gib mirs auch zü verston!
Narr Frißumbsunst.
Die zwén ertzlecker seind darvon.
Narr Onkunst.
Welch zwen? Ich bitt, verteütsch mirs gar!
Narr Frißumbsunst.
285 Der Wilbald und der schalck Lottar.
Die hand ein böße sach begangen;
Ir schúlmeister wolts haben gfangen,
Da seind sie im beid[sam| entsprungen
Und haben gar ein feinen jungen
2010 Verwundet in ein schenckel dieff.
Ich sach das blút, wies außer lieff.
Narr Onkunst.
Das hab ich lang gedacht fürwar,
Wiewol ich bin ein narr und thor,
Das Lottar durch sein list und gfert
206% Den Wilbaldum verfieren wert.
Der thút mich in meim hertzen tawren,
[Fla] Das er von disem schöden lawren
So schandtlich soll werden verfürt.
Ey, wye schon er den galgen ziert!
2. akt, 13. scene.
(Concordia, Gottlieb.)
Müter Concordia.
2050 O we, o we mir btrübtem weib!
d ‘i + v
`i Má ANI ae
E ae = ”
=
T7 n Y- .
| 1
suo Von böser | geellschaftt. Dra a
2015
So wer es uns nit dahin kummen.
Sich zů, das ist jetz unser lohn.
Das er laufft mit eim schalck darvon.
Wolan, es gschicht dir eben recht.
Als. das er nur anfing, was schlecht.
["1b] Heimlich hastu im gelt zügstossen
I
Und mich das gar nit wissen lossen.
Damit er nur sein büberey
Mit dem Lottar mocht haben frey.
All laster. so man im gewert.
Hat in der Lottar zwifach glert.
Za dem du m selb gschicket hast
Und im geben des gelts em last.
So er doch fals] ist worden on.
Schantlich mit dem Lottar verthon.
Ein schantzen hat er dörffen warten;
Kein spil man nit erdencken mag,
Knabenspiegel, 2. akt, 13.—14, scene.
In dem er sey gwesen ein zag.
Solchs ich mein tag nie hab gethan.
2000 Dörfft mich sein auch nit underston.
Blan. hin ist hin, kan nichts darfür;
Der lecker kum nur nimm zü mir.
Müter.
O we, mein hertztraut lieber herr,
Ich bitt, krenckt mich nit weiter mer.
20 Dann ich bin sunst gar hart bekrenckt,
Mein hertz an einem faden henckt.
2. akt, 14. scene.
(Wilbaldus, Lottarius, bott.)
Wilbald.
Gott geb dir glück, [mein] güter fründt!
Weißt nit, wo ich ein botten findt,
So mir umb seinen gúten lon
2100 Biß morgens thet gen Boßna gohn?
Bott.
Wolt ir lonen, das billich ist,
So bin ich selb zür reiß gerist.
Lottarius.
[F2a] Wann du die sach außrichtest eben,
Wend wir dir zweimal sovil geben,
210 Als dann trifft der gemeynest lon.
Bott.
Sagt mir den bscheit! Ich will glich gon.
Wilbaldus.
Ist dir nit ein ritter bekant
Zi Boßna, ist Gottlieb genant?
Bott.
Wann ich euch soll die warheit sagen,
2110 Hab ich im vil bottschafft zütragen.
Dann er das gröst auffsehens hat
Nach dem hochmeister ın der statt;
Dann er zwar sein hoffmeister ist.
Wilbaldas.
Ich hör wol, das du recht dran bist.
Wickram VI. 20
306 Georg Wickram,
2115 Doch darffst du nit für sein person,
Sonder müst zü der frawen gon.
Ich will dir geben disen ring,
Dann lüg und ir den eilens bring!
Sag, ir son hab ir den gesandt,
2120 Der sey des willens in Brobant
Und wóll drin bleiben ein zeit lang,
Biß dem vatter der zorn vergang;
So wóll er wider kommen z landt,
Doch hab er sie früntlich ermandt,
21% Das sie in mit einr kleinen beyt
Versehen will, das er ein zeit
Doch an der frembde z leben hab;
Er wöll thün als ein frommer knab.
[F2b] Doch müstu sein darauff gerüst,
2180 Wann mann zů hoff im ımbiß ist,
Das du dich gar keins wegs nit sumbst,
Damit du zi der miter kumbst.
Dann wann der vatter ist im hauß,
So wirstu gar nit richten auß.
Bott.
2133 Ich glob euch das hie in die hand,
Das ich die ding außricht alsampt,
Das ırs nit besser möcht erkiessen.
Lottarius.
Ker git flei an! Du solts geniessen.
3. akt.
Argumentum.
Der bott sich auff der fart nit sumpt,
240 Gar kürtzlich zü der müter kumpt,
Die gibt im gelts ein grosse summ.
Gar bald wend er sich widerumb,
Kumpt zü den wolgezognen sünen,
Bringt vil gút gelt und gibt das inen.
2145 Bald sie dem botten gebn den lon,
Machen syes kurtz, ziehen darvon,
Kummen in Brobant zů eim wirt.
2150
2155
Knabenspiegel, 2. akt, 14. scene — 3, akt, 1. scene.
Derselb in wol abnetzt und schirt,
Also das sie in kurtzen tagen
Ein läre bulgen außer tragen.
Aldo die gsellschafft gwan ein loch,
Wie manchem noch möcht gschehen ouch,
Darzú gar vilen bschehen ist,
So sich under böß gsellschafft gmischt.
Nempt acht, so wert ir sehen baldt
Des gantzen spils grund und inhalt,
[F3a] Wie es dem Lottar würt ergon
2160
2165
2170
2175
Und was böß gselschafft gibt für lon.
3. akt, 1. scene.
(Bott, Lottarius, Wilbaldus.)
Bott.
Ir herren, gend mirs bottenbrot!
Dann die sach auß der maß wol stot.
Ich bring des gelts ein grosse sum.
Lottarius.
Bötlein, hab danck! Ich lob dich drumb.
Lieber, was hat sein miter gsagt ?
Bott.
Ach gott, sie weinet, schreyt und klagt.
Da habt ir als, was sie mir gab.
Wilbaldas.
Seh, bott, das gelt zúr blonung hab!
Bott.
Danck hab! Es ist schier gar zú vil.
Weyß nit, wie ichs verdienen will.
Lottarius.
Schweig, mein liebs bötlin, nim für gút,
Was man dir frintlich willens thút. —
Nun dörffend wir uns nit lang sumen,
Damit wir nur das land bald rúmen.
Dann wirt dein vatter unser innen,
So móchten wir gar: va
Als als den *
So wend
307
— «
-
Dasselb mich dermaßen betriebt,
21% Das ich das nieman weiß zů klagen.
Dann jederman wirt zü mir sagen:
‘Warumb hast in also erzogen!
Ach gott, die lieb hat mich betrogen,
Die ich stetz auff in hab gelegt.
200 Das mir im leib mein hertz bewegt,
So ich zü keiner stund noch tag
Von seiner wolfart wissen mag.
Ich weiß doch mt, ob ims wol gang
Oder ob es umb in stand bang,
205 Ob er im tieffen meer versinck
Oder in eim Wasser ertrinck.
Sorg auch, der schalck, so mit im gang,
Werd sein untrew nit lassen lang
Und im etwan sein gelt entragen
210 Oder villeicht gar z todt erschlagen;
Dann er steckt aller boßheit voll.
Knabenspiegel, 3, akt, 2.—3. scene.
[Fta] Ach gott, hett ichs bedacht so wol,
2215
N
2225
E
Eh dann mein son mit im hinzoch,
So hett ich in in freüden noch
Bey mir: so ich kein stundt gar nicht
Seiner zúkunfft hab zúversicht.
Mir ist, glich wer er schon gestorben
Und endtlich durch den todt verdorben.
Welchen ich befilch meinem gott,
Der bhüt in [gar] vor angst und nodt.
3. akt, 3. scene.
(Lottarius, Wilbaldus, wirt, wirtin, knecht.)
Lottarius.
Glück zü, herr wirt, mein lieber man!
Mögend wir bey euch herbrig han?
Wirt.
Danck hab, mein lieben junckherrn beid.
Ich bhalt euch gern, ist mir ein freüd,
Wolt ir mit mir vernügen han
Als von eim güten schlechten mann.
Wilbald.
Warumb des nicht, mein lieber wirt ?
Wir thin, wie frummen gesten bürt.
Nempt hin die bulgen, bhaltend schon!
Wir wend ein weil spatzieren gon,
Ob mir ungfahrlich gsellschafft funden,
So mit uns legen oben unden.
Wirt.
Seh hin, weib, trag die bulgen nein,
Leg in mein schlaffgmach in den schrein!
» So will ich mit den junckherrn gon.
Lottarius.
Der wirt uns gwiB wirt halten schon,
[F4b] Umb unser gelt machen güt gschirr.
Wolt nit, ich wer daheim darfür.
Wilbald.
Was sagstu? Heim wiinsch dich mit mir!
309
Nur güt schlucker. Mir achtens nüt,
25 Ob sie glich nur seind handwercksleüt,
Wans nur güt bossen künden machen,
Das man ir allmal hat zü lachen.
Wirt zúm knecht.
Kum her, Heintz, lauffend für d statt naus
Eilens in meines schniders hauß
2250 Und sag, das er sich nit saum lang,
Mit dir zü meim schüchmacher gang!
Sag in beid, das sie sich nit sumen
Und eilens in mein herhrig kummen,
Do werden sie güt gsellschafft finden.
255 Der schonen Nesen sond verkünden
Und gedencken vor allen dingen.
Das sie mitkum; sie müß uns singen.
3. akt, 4. scene.
(Knecht, schneider, schimacher, Lang Naf
Knecht.
Dado, ich merck den bossen wol,
Wann ich die gsellen brüffen soll:
2260 Der jungen seckel, so do seind,
Den ist gwißlichen weh zim kind.
Sie werden inen, als ich meyn.
[E5al Die beuch gar kurtzlich machen klein,
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255
[F5b]
2290
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244)
Lamina. R it Nod wum. x‘
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7 UITIBRCINT om Sul!
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Nich dol Samle drd, chy heaped?
War die ach an wer yint mit eid
Sie könt nit wrahten also wel,
Als es geschehen that ukwmal,
Dort kummens mit einander schon,
Die wir erst welt süchen gulm.,
Lieber meiner, sax mir bei zeit,
Was seind [dann] deine west für leüt,
Ob sie jung seiend oder alt!
Knecht.
Hey nein, in meinem sim ich halt
Sie beidesamen noch für kind;
Und wan sie schon beid gleich alt sind,
Ist keiner über viertzehn jur,
Sohnider.
Das geltlein nem ich nit züvor,
Wann es die meynung hat mit in.
Wolher. ir zwen, so wend wir hin
Wider in unsren alten jon!
Do wirs das nechst mal hand gelon,
Wend wir jetz widerumb anheben,
Sohiimacher,
Thänt uns doch vor ein bacheid dramb gehen !
Was ist, wo müssen wir doch hin?
Gehts auff verlust oder gewinn ?
Kneobt.
Meim wirt seind gest kummen 70 haus,
Die hand nach euch geschicket nub,
Die Nes sond mir auch mit uns bringen,
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Kum nur, du wirsts wol sehen selber.
3. akt, 4 scene.
(Wilbaldus, Lottarius, wirt, knecht, schneider, schümact
. Der wirt.
Do wert ir sehen euwer wunder
An disen drey personen bsonder,
2310 Wie sie einander können triben.
Es möcht einer das halb nit schriben,
Was sie doch nur für züfall hend.
So ir lust hand und spilen wend,
[F6a] Sie thúndt mit euch ein kärtlein brechen ;
2315 So euch dann baß gelust zü zechen,
Find ir an in auch güt zechgsellen.
In summa, wie irs haben wöllen,
Ir mögt in gar verderben nüt;
Dann es seind also gütig lüt.
Knecht.
2320 Darbei groß búben in der hiit.
Die werden nit lang umb sie bleiben,
Den schmutz sie ihn sauber abtreiben.
Schneider.
Gott grüß den wirt und seine gest!
Wirt, trag mir auff das allerbest !
2325 Mein fraw thet mir heüt ablaß sprechen,
Drumb will ich auf den schrecken zechen.
230
2335
Knabenspiegel, 3. akt, 3.—4. scene.
Es tribt mich auch offt au dem haus.
Lang Naß.
O, ich wißt, wie euch z helffen wer.
Dich brent übel die schniderscher,
So magstu auff dem stål nit bliben.
Wer ich allein bey euwern weiben,
Ich wolt sie lern ein selblein breiten,
Die man euch in rucken und seiten
Thet schmiren mit ungbranter eschen.
Schneider.
Schwig, Näß, mit deim maul ungeweschen !
Darfür wend wir sein gúter dingen.
[F6b] Gond hnin und heißt ein trinckli bringen!
2345
W
2350
2300
So mógen wir des essens warten.
Lottarius.
Wirt, lieber gebt ein frische karten
Oder zwen wirffel! Mir wend spilen
Ich und mein gsell für d lange weilen.
Schümacher.
Ir herren. wer es euwer will,
Ein gsellen geb ich auch im spil.
Dann ich mag noch nit essen zwar,
Biß ich mich baß erneuchter vor.
Ich thet nacht gar vil faden zwirnen;
Der wein steckt mir noch in der stirnen.
Schneider.
Zwey, drey, vier bätzlein ich noch han.
Wans mumschantz gült, ich wagt sie dran.
Wilbaldus.
Mumschantzen ist ein redlich spyl,
Kein liebers ich nit machen will.
Wirt.
Do habt ir würffel, wie ir wend,
Groß, klein, seind gricht auff alle end.
Schümacher.
Werfft! Wer die meisten augen hat,
Wirfft die erst schantz. Drumb gond von statt!
313
So gwin ich in gwiß nit mit dreyen.
Wilbaldus wirfft.
Wievil ist das? Es seind acht augen.
Schümacher.
So seind dis zehne sunder laugen.
Die schantz ist für euch, lieben gsellen,
Und die für mich. Was ir nun wöllen,
Das mag ein jeder schlagen har.
Ich halt, sovil ir schlagen dar.
Wirt.
2370 Diß seind, juncker, die seckel beid.
Lottarius.
Wilbald, sag mir, wie ist der bscheid ?
Wiltu setzen für uns albeid?
Wilbaldus.
Den seckel nim, setz selb für dich!
Ich hab zů schaffen gnúg für mich.
Schümacher.
2375 Stats umendum, so wirff ich nin.
Lauff, wirffel, lauff und schick dich fein,
Das mir mein schantz mit ersten kum!
Da ligt sie. Ich gwins umb und umb.
Wilbaldas.
Mann sagt gewonlich: Wers erst gwan,
236)
w
Knabenspiegel, 3. akt, 4. scene. 315
Her leichtsinnig nin, wann du wilt!
Mir angstet schier, weils sovil gilt.
Schnider.
Wann kumpst sibne, mich blanget schon,
Wann die schantz dolest auß will gohn.
Lottarius.
Frisch auff, [biß] glück auff unser seit!
Hohoh, mir gwinnen aber nüt.
Die neüne seind schon auff der ban.
Wilbaldus.
Würt er den wurff für und für han?
Schnider.
Weil unser schantz nit oben stoht,
Der wurff nit auß sein henden gaht.
Schümacher.
Schlagt dapffer her! Es hat nit not;
Ich gwins züm liebsten, wans dick staht.
[F8a]
9405
2410
Das ist für euch, do ligen zwölffe.
Und das für mich, sich, das seind eilffe.
Danck haben, meine eylffen frum!
Hachten, ich gwinn es umb und umb.
Wilbaldus.
Hey, das ist ein unfletig spyl,
Das er den wurff stetz haben wil.
Lottarius.
Ich thün warlich das spyl auch hassen.
Ich rieth, wir wolten dafür passen.
Schnider.
Den pass ließ ich mir auch gefallen.
Wirff, wer den passz hab vor uns allen!
Schümacher.
So gilt der wurff recht umb den pass,
Sich, wett ein hübsche drey ist das!
Schnider.
Den beden mir, so wer es schlecht.
Zwolffe. Der wirffel ist gerecht.
Lottarius.
Das seind zehne. Was helffens mich!
2430
2435
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Her Ai
UL i y
Schnider zalts gelt,
Meins ist gerad vier flemisch pfundt.
Schümacher.
So ist meins drei, sag ich gút rundt.
Lottarius.
Nempt hin den seckel mit dem gelt!
Was yedem ghört, euch selber zalt!
Ich verstand mich der pfunden nit,
Wie man die in Brabant außgeit.
Schnider zalts gelt.
Hie ist nit gelts genüg, ich sag,
Das jedem sein they] werden mag.
Lottarius.
Ich hab nit mer, wie man mir thd.
Nempts gelt, den seckel auch darzú.
Wilbald.
Ist nit der paß in meiner handt?
Schlacht har! Ich paß. gott geb was stant.
[Gla]
2450
2460
2465
Knabenspiegel, 3. akt, 4. scene.
Schimacher.
Halt still, git gsell! Ich will dir sagen.
Wievil ich yetzund hab geschlagen:
Ein, zwey, drey, vier, fünff, sechse, siben.
Do ist ein stüber überblyben,
Sunst wer es siben flemisch pfundt.
Schnider.
Zü meim thets fünff pfundt [zü der] stundt.
Gib har das gelt, so zal ichs schon,
So kummend wir dest eh darvon.
Lantzmann, noch umb ein seckel läg!
Dann hie ist noch nit gelts genüg,
Hie brist mehr dann ein flemisch pfundt.
Knecht.
So hat das spil ein loch jetzundt.
Bey den badren ist nit güt zwagen,
Wann sie so scharpffe laug zütragen.
Lang Nat.
Da darff es nit vil singens zú.
Sie habend beide güte rhü
Vor iren beütlen; sie seind lår.
Schneider.
Junger, es ghört mer gelt doher.
Wilbaldus.
Ich hab keins mer; ir habts als samen.
Schneider.
Süchs im andern seckel zúsamen!
Dann ich weiß wol, du hast noch einen,
Auß welchem du müst teglich zeren.
Wilbald.
Ich hab sunst keinen, bei mein ehren.
O Lottary, wo hast du nıich
Hinbracht mit deim list felschigklich!
Weh mir, das ich dir jo folg gab,
Meim schúlmeister nie gfolget hab!
Des kumm ich jetz zů schand und spott.
Ach ach, das müß erbarmen gott.
317
Du nimpst noch wol mit dem für güt,
So du mir abgewunnen hast.
Du hast nit drumb gearbeit vast;
2485 Es hatt nit gar em stund gewert,
Das ir uns beid hand [d]seckel glärt.
Wirtsknecht.
Ir habens also haben wöllen.
Drumb hand gedult, mein liebe gsellen!
Gond heim und bringend ander gelt!
2490 Ir seind zů schlecht im dise welt.
Wend ir euch an alt kessel riben,
Thut euch der rom an henden bliben.
Ziecht hin und sücht ein andren wirt!
Dann euch kein herberg hin gebürt;
2% So hat man nit auf? euch gekocht.
[G2a] Heüt morgen hand ir fast gebocht
Auff ewer gelt. Das ist verstoben.
Knabenspiegel, 3. akt, 4.—5. scene.
Sitzt auff eins andern voglers kloben!
(Hie weißt man sie auß dem hauß.)
Trolt euch nur hin! Habt hie nit zbleiben.
2500 Euwer gwerb anderstwo thünd treiben!
Es möcht auff ungewischten bencken
Ettwas beliben an euch hencken;
Das müßt ich armer tropff dann zalen.
Flucks, flucks hinauß! Es darff kein schmalen.
3. akt, 5. scene.
(Wilbaldus, Lottarius.)
Lottarius.
245 Wilbald, wo wöllend wir yetz hin?
Wilbaldus.
Weh mir, das ich ye kummen bin
In dein geselschafft all mein tag!
O we der jämerlichen klag!
Jetzund müß ich im bettel gon.
2510 Warumb hast mich nit dheym gelon!
Lottarius.
Hab ich dich heissen lauffen raug!
Warumb liefist nit ins vatters haub ?
Ich bin dir z lieb glauffen darvon.
Jetzt woltest mir geben den lohn.
2515 Gang wider heym ins henckers namen!
Dann ich mich deinen müß beschamen.
Du magst nit wercken, weyß ich wol.
War ich mit dir hinkommen sol,
So würt ich auch mit dir unwerdt.
(Lottar laufft darvon.)
Wilbald.
[G2b] Nun bin ich jetz auff diser erdt
Fürwar der armetseligst knab.
O todt, hilff mir meins ellends ab,
Damit ich auß dem jamer kum!
O vatter, wer ich widerumb
22 Bey dir, ich wolt dir volgen gern.
Jetz müß ich deiner hilff entbern.
3
20
2350
Georg Wickram,
O Felix, jetz gedenck ich dein;
Dann mir wirt jetz gelonet fein.
Das ich dir so ein bößen lohn
Gab umb das güt, so d mir gethon,
Als ich dich durch ein schenckel stach,
Dein güthat so mit bößem rach.
Jetzund erlern ich erst erkennen
Den Lottar, wie er sich thút nennen.
Er laufft jetz von mir [gar] darvon,
Laßt mich in großer armút ston. |
Ich hab kein gelt. Wo soll ich auß!
Darff nit mer in meins vatters hauß,
Weiß auch sunst niendert hin zú kummen.
All hoffnung, trost ist mir genummen.
Durch Lottar, den schandtlichen wicht;
Hat mir groß ungluck zügericht,
Mich aller boßheit underwisen,
Schand und laster täglich geprisen,
Doneben all tugendt verlacht,
Die ältern züchtmeister veracht.
Den hab nit treüwlich gfolget nach,
Geachtet weder schand noch schmach,
Die forcht auch gantz gesetzt hindan,
Güt warnung ghaßt bey weib und man.
[G3a] Darumb mich gott billichen strafft;
Dann ich auff in nie hab gehofft.
Gottsforcht die hat ich gar verlorn,
Derhalb mich straffet gottes zorn.
255 Stand jetz hie aller welt zů schand;
Ich aber rang nach disem stand.
Ich hab das end noch nie bedacht,
Biß mich Lottar ins ellend bracht.
4. akt. 1. scene.
(Lottarius, metzger; dann kauffınann.)
Metzger.
Junger, woltest ein meister haben,
260 Teh ding dich; dann ich dorfft eins knaben.
2565
2570
Knabenspiegel, 4. akt, 1. scene.
Lottarius.
Was habt ir für ein gwerb? Zeigts an!
Ich dien euch, wo ich anderst kan.
Metzger.
Meins handwercks ich ein metzger bin,
Dasselb kan auch der vatter mein.
Lottarius.
Mein vatter auch das handwerck kan.
Drumb [ich] gern euwern dienst nim an,
So ir mir zimlich lonen wend,
Was zimlich ist, das ir mirs gend.
Metzger.
Des lons halb solt kein mangel hon.
Nem deinen hät! So wend wir gon.
Lottarius.
Ich hab in in dem wirtzhaus stohn
Und für die ürtin bliben lon.
Metzger.
Kumb her! Ich weyß dir wol ein hät,
[G3b] Der dirs noch disen winter thút. —
2575
2580
Seind willkumm, kauffman, lieber herr!
Ich bitt euch durch all freüntschafft seer,
Ir wöllet hinnacht sein mein gast.
Kauffmann.
Do ist sich nit zü weren fast.
Die bitt, so ir an mich begeren,
Die will ich euch gütlich geweren,
Bey euch hinnacht mein herberg han;
Das pfert blibt in dem wirtzhaus stan.
Thúnd mir mein bulgen in das haus!
Ein klein gschefft hab ich z richten auß,
Demnach so wend wir frölich sein.
Metzger.
Büb, sehin, trag die bulgen nein,
Sag zü der frawen, das sies bhalt!
Lottarius.
Ich will sie gon versorgen bald.
Wickram VI.
21
321
2590
Georg Wickram,
Metzger.
Irts nicht, so wil ich mit euch gon.
Kaufmann.
Nein, ir thind mir ein dienst daran.
Ich hab eim gen ein schleglein vych,
Der will yetzund bezalen mich.
Metzger.
So gond mir in des herren namen,
Der geb uns vil glücks allensamen.
4. akt. 2. scene.
(Lottarius schneidt die bulgen auff, laufft mit dem gelt ins wirtzhaus,
darein er seins verspilt hat, wil sein hüt lösen, würt drob gefangen
[G4a]
2,5
2600
2505
2610
und ghenckt.)
[Lottarius, haußknecht.]
Lottarias.
Gott und sant Claus hand brahten mich.
Lottan, sich eben fiir dich!
Sunst möcht die sach nit werden gåt.
Hett ich nit mer dann meinen hút,
So wolt ich hüpschlich davonschlichen,
Kein reißig pferd solt mich erstrichen.
Kem ich darvon mit gantzer heüt,
Ich meyn, es wer ein güte beüt.
(Lottar zúm haußknecht.)
| Hor] haußknecht. seind die zwen noch dinnen.
So mir mein gelt ab thetten gwinnen ?
So wolt ich mein hüt lösen wider.
Mir ist ein schantz geralten sider,
Das ich sie wol bezalen will,
Ja wer der schuld viermal sovil.
Haußknecht.
Sie seind zů hauß nit kummen gar,
Ich wils gen wider hrüffen har.
2650
% doy
at sais nit tib i il a .» A a
~ = si
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4. akt, 4. scene.
(Die vorigen, Lottarius,)
[HauSknecht zu Lottario.]
Lantzmann. hie bring ich dir den mann.
Der dir dein güt hüt abgewan.
sr wolt gern wider mit dir spilen
[Sey] umb gelt oder umb kurtzweilen.
Lottarius.
ZX spilen hab ich keinen sinn.
Hett ich mein hüt, ich für dahm.
Metzger.
Du hast hit gnús dein leben lanck,
Dir soll darfür werden em stranck.
Kauffmann.
Hev. du schandtlicher dieb und wicht,
Am galgen müstu werden gricht.
bam)
ae
2660
[G5b]
2610
2675
2680
Knabenspiegel, 4. akt, 3.—5. scene.
Lottarius.
(Y) lieben herren, land mich leben!
Mein rock zum gelt will ich euch geben.
Haußknecht.
Deins rocks bedörffen sie gar nicht.
Er ghört dem hencker, du bößwicht.
Wie woltest du den güten mann
So schandtlichen verderbet han!
Wirt.
Ey du vernichter junger schalck,
Hastu ein solchen diebesbalck
Und bist mir kummen in mein haus,
Das dich der hencker fier hinauß!
Habt ir acht, das er nit entspring!
Ich lauff bald hin, ein schergen bring.
Damit kumpt er in sicherheit,
Das keim man mer von im gschicht leyd.
Schümacher.
Wir wend acht auff in haben wol,
Das er uns nit entlauffen sol.
Lottarius.
Heüt morgen schaltst du mich kein dieb,
Damal was ich dir werdt und lieb,
Als du mir mein gelt gwanest ab,
Mein hút dir auch zúm letsten gab.
Hettest du mir den widergeben,
Das batet mich mein junges läben.
Warumb fragtest nit damals mich,
Ob auch das gelt het gstolen ich?
Schümacher.
Du bist auff solche kirwyh gangen,
Drumb hast derglich ablaß empfangen.
4. akt, 5. scene.
(Wirt, richter, stattknecht.)
Wirt.
Herr blútrichter, ein junger knab
[G6a] Ist kummen in mein wirtzhauß nab,
325
326 Georg Wickram,
Hat ein groß summa gelt gestolen,
In mein hauß tragen unverholen.
2620 Dasselb er einem metzger hat
Entragen hie in unser statt;
Ein kauffmann gab im das in bhalt.
Richter.
Wann die sach hat ein solche gstalt,
Stattknecht, so gang zúm hencker gschwind,
26% Sag im, das er in foh und bind
Und glich mit im für d schmitten far!
Stattknecht.
Darff er in nit fieren [hie] har?
Richter.
Laß in vor bringen her für mich,
Das ich doch nur den lecker sich,
2700 Was er an im hab für ein gstalt!
Wirt.
Frevel, als wer er noch so alt;
So kondt er je nit freffler sein,
Sag ich bey gebner trewe mein.
4. akt, 6. scene.
(Stattknecht, hencker, Lottarius, kauffmann, schúmacher.)
Stattknecht.
Nachrichter, du solt mit mir gon
2705 Und nem mit dein bereitschafft schon;
Du múst hencken ein jungen dieb.
Hencker
Das ist mir sicherlich nit lieb,
Wolt lieber, er wer grecht und frum,
Das ich in nit dörfft straffen drumb. —
2710 Ist dif das sónle. das ich sûch?
Kauffmann.
[G6b] Ja. er geb sehr güt galgenttich.
Henoker.
Komm har, mein son, und schick dich fein!
Dann ich würt yetz dein meister sein.
Sag. wo bist du in d schúlen gangen,
2720
2780
2135
Knabenspiegel, 4. akt, 5.—7. scene.
5 Do du hast solche leer empfangen ?
Lottarius.
O we, o we und immer weh!
Verziht mir! Ich thüs nimmermeh.
Ach sehend doch mein jugendt an!
Dann ich nit bessers gwisset han.
Henoker.
Sag, bist in kein schül gangen nie,
Dieweil du junger warest ye?
Lottarius.
Nur zwei jar bin drin gangen ich.
Einsmals mich der schülmeister strich,
Umb das ich was meim vatter kummen
Über sein tesch und hab im gnummen
Ettlich gelt drauß zúm offtermalen.
Hab aber sunst noch. nit gestolen
Dann eben disen sack mit gelt,
Und hat mir gleich die kunst gefehlt.
Hencker.
Du bist zwar ein zeitige pier.
Nun kum, mein son, und gang mit mir!
Ich will dir gar git arbeit machen,
Das dir der hals und gnick müß krachen.
Lottarius.
O weh, ich mags erliden nit.
O lieber meister, ich dich bitt,
[G7a] Wöllst mich darfür mit rüten strichen,
2740
Das dir gott lone ewigklichen.
4. akt, 7. scene.
(Die vorigen, richter, wirt.)
Hencker.
Herr richter, nach euwer beger
So bring ich disen jungen her.
Richter.
Du junger schalck, von wannen bist?
Lottarius.
Mein heymet Boßna gnennet ist.
327
398 Georg Wickram,
Ach herr, thúnd mir nur das verzihen!
Es ist mir doch die erste wihen.
Richter zúm hencker.
Sag, müssen dann die bößen knaben
An galgen noch mer wyhen haben?
$
yo
or
Hencker.
Demnach sie seind im hantwerck glert,
Einer darnach an galgen ghort.
Richter.
Hast du vormal mer griffen an ?
Lottarius.
Nein. herr, auff keinen frembden mann,
Richter.
2750 Hast aber deinem vatter gstolen?
Lottarius.
Nein, aber habs gnummen verholen.
Glaub nit, das es gestolen sey.
Gschach nur ein mal sechs oder drey.
Richter.
Wievil hast aber gstolen heiit ?
Lottarius.
[G7b] Herr richter, ich weyß warlich nit
Keyn eigentschafft darvon zü sagen,
Dann das ich gnüg dran hat zü tragen.
Richter.
O we. da ist keyn güter boden;
Sunst wer die jugendt zü begnoden.
2760 Drum, meyster, nym in hin geschwind,
Die henden auff sein rucken bind,
In an den hechten galgen fur,
Henck ihn, das er die erd mit rier.
Zwischn himml und erden [schweben] müß
2765 Der jungen welt zů einem grüß,
Damit sich mengklich stosse dran
Und nit verderbt werdt mancher mann!
Lottarius.
O weh, das urtheyl ist zů schwer.
Knabenspiegel, 4. akt, 7.—8. scene. 329
Hencker.
Biß keck, mein lieber son, gang her!
110 Hettest gfolgt vatter, mútter dein,
Werst deim schúlmeister ghorsam gsein,
So dórffst du yetz nit folgen mir.
Drum kum! Es hilfft dich nichts darfúr.
Lottarius.
O weh, das müß erbarmen gott!
275 Das ich ihr straff nit ghorchen wot,
Des mäß ich yetz in schanden stohn
Und hinauß an den galgen gohn.
Daran ist auch die mütter mein
Züm theyl größlichen schuldig gsin;
280 Dann sie mir nie kein mütwill wert.
Ich flücht, ich schleckt, ich spylt und zert,
[G8a] Mú£t auch in meinen jungen tagen
Zerhackt, zerschnitten kleyder tragen,
Die alten ich verspotten thet,
2735 Junckfrauwen ich vast übel redt,
Verachtet alle güte lehr,
Dem alter bot ich wenig ehr.
Ich was ein böß verwegen kind,
Wie man dann noch meins gleichen find.
2780 Nun hab ich keinen meyster mehr,
Der mich lert kunst, zucht, scham und ehr;
Dem hencker müß ich meyster sagen,
Wiewol er stelt nach meinem kragen.
Ein solchs, du junger, wol bedenck,
2795 Dich an keyn boe gsellschafft henck,
Folg gúter leer, getreüwen raht,
So kumpst du hie und dort auf nodt!
Alde, welt, gott gesegen dich,
Und also yetz müß lassen ich.
4. akt, 8. scene.
(Wilbaldus klagt sein ellend und jamer, entschlaftt auff einer wellen strow.)
[Wilbaldus.]
2300 Ach [ach], wie bin ich doch so arm!
330 Georg Wickram,
Nyemants lebt, so sich mein erbarm.
Dahin bringt mich Lottarius,
Der mich hatt underricht alsus.
Wolan, es bschicht mir eben recht.
2805 All gút warnung hab ich verschmecht,
Mein frummen vatter übergeben,
Damit ich möcht in mütwill läben.
Als, was mich mein schülmeister leert,
Acht ichs nit, im den rucken kert.
2810 Felix, mein pedagog, desglich
[G8b] Mich offt thet warnen gantz trewlich:
Seiner warnung nam ich nicht wahr.
Das taub ohr ich im wendet dar,
All trewe leer hab ich verspott.
2815 Darumb mich yetz thüt straffen gott.
Het ich gfolgt meinem pedagogen.
Und nit dem Lottar gantz verlogen,
So wer ich in meins vatters haus.
Sunst müß ich sein im ellend daus
220 Und hab kaum halber brots genúg.
Weh dir, du freche jugent klúg!
Wie bist du so behend und gschwind
Zú glauben ding, so dir schad sind;
Und denen, so dir rahten wol,
2% Den bistu mißgünstig allmal.
Also ich leider auch hab gthan,
Darumb müß ich im ellend gahn.
Dem schnóden Lottar, argen wicht
Hab ich arges vertrauwet nicht.
2830 Also kond er sein schalck verdecken.
Mir ein specklein auff d zungen stecken,
Das ich sein falschen worten glaubt.
Bin dardurch ehr und güts beraubt.
Wann ich schon glich zim vatter kam.
2385 Weiß ich, das er mich nimmer nam.
So wiirden sich auch meine friind
Beschemen, sovil deren seind.
Wolan, ich hab mirs selb gethon.
Knabenspiegel, 4. akt, 8. scene. 331
Drumb thút man mir den schaden lon.
2340 Willig lieff ich vom vatter mein,
Bey dem mir wer gar wol gesin;
Möcht ligen an eim gúten bett.
[Hla]Jetz wer ich fro, wann ich strow hett;
Vor frost mag ich mich kaum erneren.
245 Ach. wie gern wolt ich jetzund hören
Meinen schülmeister allen tag!
Ach, leyder dasselb nit sin mag.
O gott, hilff mir in meiner not!
Sunst wey& ich auff erd keinen raht.
250 In deim namen leg ich mich nider.
Gib gnad, das ich auffstande wider
Gesund, und hilff mir widerumb
Zú meinem herrn und vatter frumm!
(Jetzund entschlafft er, kumpt im Lottarius im schlaff für.)
[Lottarius.]
O mein Wilbalde, ach Wilbald,
2855 Ach sich an mein ellende gstalt,
Wie grausam und schrócklich die sey!
Ich schweig der grossen schand dobei,
So mir armen ist z handen gangen.
Dann als ich von dir gieng vor langen
260 Und dich im ellend hab verlassen,
Hab ich angfangen diebisch bossen,
Bin in denselben worden gfangen,
Eilens an ein galgen gehangen.
So hang ich noch diebischer weiß
265 Den rappen zi narung und speiß.
Dis als mir worden ist zü solt;
Dieweil und ich nit volgen wolt
Dem vatter und schülmeister mein,
Ist mirs leyder kummen dohin,
2870 Das ich dem hencker folgen müßt,
Der mir all meine schalckheit büßt.
([H1b]Erst ward mir war, so mir thet sagen
Mein schülmeister vor jar und tagen.
Wie gern hett ich im gfolgt derzeit!
2880
2885
2890
28%
2300
Georg Wickram,
5 Aber es möcht mich helffen nit:
Dann darnach ich teglich thet ringen.
Demnach mir gentzlich thet gelingen.
Nun hab ich noch ein bitt zü dir,
Namlich das du verzihest mir,
Das ich dich von deim vatter gfiert,
Dich, der mit tugent warst geziert,
Mit aller boßheit underricht.
Du aber dich nımm darnach richt,
Sunder bis frumm und auch warhafft!
Dir wirt noch werden glück beschafft.
Ich far von dir. Drumb fürter mer
Folg keiner solchen bössen leer!
Wilbald, als er erwacht.
O gott, mein herr, wie gantz schwerlich
Hat dis gesicht erschrecket mich!
Weyß nit, obs ist ein traum und gsicht
Oder obs ist ein ware gschicht.
Es sey glich warhafft oder nit,
O herr, mein gott, ich dannocht bitt,
Wollest mir mein vernunftt bewaren,
Das mir solch stuck nit widerfaren,
Dardurch ich mich vergreiffen möcht.
Mich in schand und umbs laben brecht.
Ich hal, dich, herr, erzürnet seer,
Das ich verlies dein gbott und leer.
Mein eltern ich was widerzemm,
[H2a] lr stroff was mir gar unangnem.
2007
Lies mich verfieren boB gsellschafft,
Drumb ich dann billich wird gestrattt.
Ach herr, hilff, das ich nit erster),
Eh ich meins vatters huld erwerb!
Nimmer will ich mich widr in setzen
Noch umb kein ding sein gmüt verletzen.
O gott, thü mich meins leyds ergetzen!
2910
2925
Knabenspiegel, 4. akt, 8. scene — 5. akt, argument,
5. akt.
(Jetzund stumpfft sich das spyl. Sagt der Argumentator.)
Argumentator.
Ir hand gesehen allesand,
Wie sich dise zwen jungen hand
Außbracht in aller biberey ;
Was lons in darfür worden sey,
Das habt ir auch gesehen wol.
Weiter ein jeder mercken sol,
ð Was Felixen, Fridberten frey
Durch iren fleiß zügstanden sey
Und warzü ir gehorsamkeit
Sie hat gefürdret alle beid.
Nempt war, als jetzund manig jar
Vergangen was, Wilbald verlor
Gentzlich sein adeliche gstalt
Und schein, sam wer er noch so alt;
Hat in der zeit sackpfeiffen glert,
Kumpt in ein statt von ungeverd,
Darin Felix und Fridbert beid
Kamen in grosser herrligkeit.
Felix was cancelarius
[H2b]Und Fridbert secretarius
2930
Zú Boßna an dem hoff, (verstandt)
Vom hochteütschmeister außgesandt
Auff ein tagsatz. Zü welchen kam
Wilbald, (doch kanten sie alsam
Einander nimmer; dann die zeit
Ir aller gstalt hat gendert weit,
5 Die zwen in grosse ehr erhebt,
Wilbaldum aber gar beschlept
Mit überschwencklicher armút)
Ein liedlein vor in singen thút,
In dem er sich offt selber nent.
Darbey in zletst Felix erkent,
Setzt in zü im, halt in zü gast,
Mit fragen halt er an im fast,
333
[H3a] Ja bey den zehen jaren lang!
29600
20605
U
Ein zeit lang ich ein herr thet sein,
Müst bald darnach hüten der schwein;
Bis das ich thet sackpfeiffen leeren,
Mag ich ein wenig bas mich neren
Und mich des bettlens bhelifen doch,
Vil manız böß wort hören ouch.
All welt will an mir z ritter werden.
Ein arme zeit hab ich auff erden,
Ich wird verspottet und verlacht,
Jeder auß mir ein fatzmann macht.
Darneben thüt auch mancher sagen,
Man soll mich hin züm teüffel jagen,
Heissn mich ein lauren und unflat,
Ich gang umb, das ichs land verraht.
Daran mir offt so weh geschicht,
Das mir im leid mein hertz schier bricht.
Knabenspiegel, 5. akt, 1.—2. scene.
5. akt, 2. scene.
(Felix, Fridbert, Wirt, Wilbaldus.)
Felix.
%7 Herr wirt, wann ist es umb die zeit,
Das man uns em mal z essen geit ?
Wirt.
Ir herren, sitzen, wann ır wölt!
Bald ir sitzt, man euch d speiß fürstelt.
Wilbald.
Herr wirt, was habt ir do für herren ?
Wirt.
280 Schlep dich, du tropff! Wolst aber plerren ?
Troll dich nur bald von dannen weith,
Eh ich dich wegweiß mit eim scheit!
Fridbert.
[H3b] Wirt, lieber bringt uns her den mann!
Lond uns doch hören, was er kan!
Wirt.
2985 Ich bin züfriden, mogt ir gern
In auff seinem sewmagen hörn.
So kan er auch ein wenig singen.
Wennd ir, ich will in inher bringen.
Felix.
Ey ja. laßt in sein seitenspil
2w Recht auch vor uns brauchen ein weil!
Wirt.
Du laur, kumb rein mit deim sewmagen !
Mann solt dich auß mit hunden jagen,
Das d mit dem laurenwerck gast umb.
Soltst eh wercken, das du wirdst krum.
Wilbald singt sein liedlein 3).
Fridbert.
25 Lieber gsell, leg die pfeiff von dir
Und kum, setz dich alher zü mir!
Sing mir dein liedlein fein sittlich,
x
1) Vgl. oben bd. 2, 66—68.
335
3010
SO
A Ode
"N
Du bist ein feiner junger man.
Wann dich jetzund ein herr nem an,
Lieber. wöltst du ein ritter geben
Und stohn von deim bettlischen láben ?
Wilbaldus.
Ach gott. möcht ich ein herren haben,
Der mich nur ließ zů füß mittraben,
Er solte mich befilhen nit.
Ich lietf «lich [nach]. als fast er ritt.
Fridbert.
Lieber gsell. wie heist mit deim namen ?
Sags rauB! Du darffst dich sein nit schamen.
Wilbaldus.
Wilbaldus ist der namen mein.
Fridbert.
Du hast gwißheh gstudirt latein
In deiner jugent. Dann dem redt
Gibt. das mann das an dir verstedt.
Knabenspiegel, 5. akt, 2. scene.
Wilbaldus.
Jo, ich hat kintlichen anfang.
[H4b]Hett ich nur drauff beharret lang!
3025
3030
3035
304)
Fridbert.
Lieber, sag, warumb kambst darvon? *
Wilbald.
Das hat der arge mútwill gthon,
Der mich dermaß hat übergangen,
Das ich nichts nütz mer kond anfangen.
Fridbert.
Was hat dir dazú ursach geben ?
Lieber, wólst uns das sagen eben.
Wilbald.
Ach gott, wann ich solt den anfanck
Sagen, es wird euch d weil zú lanck.
Felix.
Gar nit. Sag uns anfang und end!
Fast gern wirs von dir hóren wend.
Wilbaldus.
Ir mógt mirs glauben oder nit,
So sag ich euch ein ware gschicht.
Wolt gott, das alle burgerskind
Zúhórten, so in der statt seind !
Es würd sich mancher daran stossen,
Damit es im nit gieng dermassen.
Vernempt! Ich hab ein vatter frumm,
Und ich war all sein kind in sum.
Er ist ein edler ritter gût ;
ZG mir stúnd all sein sinn und mit,
Damit er mich thet aufferziehen,
So das ich thet die laster fliehen
Und nem das güt an meine hand.
[H5a] Nempt war! Ein jungen voller schand
%5 Wolt meinr gsellschafit kein gnügen han,
Den nam ich zi eim gsellen an,
So mir mein vatter nam ins haus.
Ich schleifft mich stetz von inen aus;
Dann sie warn jungen voller zucht.
Wickram VI.
22
337
"
alt fern.
und auch zern,
In summa allen mätwill triben.
Docht wenig an lesen und schriben.
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3075 Zülest specht mich mein vatter auß
Sampt meinem gsellen ins wirts haus
[H5b] Und wolt uns han ergriffen beid.
3050
wt
Mir aber machten kurtzen bscheid
Und meynten beide zů entspringen.
[Als sie] mein gselln. den Lottar, fingen.
Von ungschicht mir ein messer wardt,
Verwundt mein pedagosum hart
In ein schenckel. Wann ichs bedenck.
Ich mir selb noch mein hertz drumb krenck,
Als nun der gút jung wardt verwundt,
Liel3 er den schnöden Lottar und
Fiel nider. dann sein schmertz war groß.
Also wir beid entsprungen plob.
Kamen von BoBna etlich meil.
3100
3105
Knabenspiegel, 5. akt, 2. scene.
Ich schauwt umb ein botten in ell,
Schickt zú meiner múter umb gelt.
Der bott kam gschwind; die sach nit felt,
Wir hatten an der neh kein rhú
Und reißten geschwind Antorff zi,
Warden in wenig tagen quit,
Das wir kein heller bhielten nit.
Als nun das geltlein ward darvon,
Die kleider verzert und verthon,
Der Lottar sich von mir thet schwentzen.
Do süchet ich den armen Lentzen
Und hab in nach notturfft gefunden
Zi allen zeiten, tagen, stunden.
Nun als ich von dem Lottar kam,
Er einem kauffmann sein gelt nam
Und ward an warer that gefangen,
Entlich an ein galgen erhangen.
Fridbert.
[H6a] Als nun der Lottar von dir kert,
3110
3115
3120
3125
Was gstalt hast du dich doch ernert?
Das wercken hatt dir gwiß weh gthon.
Wilbald.
Ach, do wer vil zü sagen von.
Vil unglücks müßt ich mich ernietten,
Solt ich mich vor dem hencker hüten.
Ich zog zün bauren hin und wider,
Hab in des viehes ghütet sider,
Groß angst, jamer und noth erstritten,
Groß hitz, frost, hunger, durst erlitten.
Ziletzst icb zů eim hirten kam,
Mich der sackpfeiffen undernam.
Die dienet mir ein wenig bab,
Dann das ich stetz müß hören, das
Mich einr hie fatzt, der ander dort.
Kum durchs jar gar an manig ort,
Wolt derhalb, das ich hett ein herren,
Er wer gleich nahend oder ferren,
Wann er mir nur thet kleidung geben,
339
3145
3150
3155
» = r l ]
a P Pr
suo So
ich dann rahten — den y
Mir seien auff biß morgen frü
Und ritten unsers wegs züm therl.
Wann wir dann noch hand ettlich meil
BiB gen Boßna. wend wir beid knecht
Mit brieffen vorhin schicken schlecht,
Damit unser weiber der «schicht
Gantz eygentlich werden bericht.
Des tages wend wir ligen still.
Mit Wilbalden haben kurtzweil.
Sobald dann felt die nacht herin.
Do wollen wir dann auch auff sein: :
Damit bringen wir in bei nacht
In die statt. das er [ir] nit acht.
Dann mögen wir das nachtmal laßen
Unser schwiger breiten dermaßen
Und auch bei inen keren ın.
So würt er gantz unkantlich sein
Knabenspiegel, 5. akt, 2.—3. scene. Beschluss.
Im selb, auch allen in dem haus.
Dann schicken wir nahm vatter aus;
3160 Und so man in dem ymbiß ist,
Schaff ich, das Wilbald sei gerüst,
Mit seiner sackpfeiff für tisch kumm.
Dann werden sie all sehen umb,
[H7a]Wer doch der frembd sackpfeiffer sei.
8165 Da wirst dein wunder sehen frei.
Bald er den vatter würt erkennen.
Alsbald er sich im lied würt nennen,
So würt der vatter mercken gleich,
Das es Wilbald ist sicherlich.
Felix.
8170 Dein fürschlag thüt mir wolgefallen.
Jetzund wend wir den wirt bezalen,
Dem Wilbaldo kauffen ein pferdt,
Damit er auch beritten werdt.
(zúm wirt.)
Herr wirt, machen uns als züsamen,
8175 Was wir verzeret hand mit namen!
Dieweil wend wir ein gschefft außrichten,
Das wir uns morn saumen mit nichten.
Wirt.
Mein lieben herren, ziehen hin!
Euwerm gebott ich ghorsam bin.
[Beschluss.]
Argumentator.
3120 Wilbaldus wider kumpt zů landt,
Würt von seim vatter nit erkandt,
So lang biß er sein liedlin pfeifft,
Singt und auff der sackpfeiffen greifft.
Der vatter will in bgnaden nit,
8185 Biß man an in legt grosse bitt,
Das er in nem züm diener an,
Wilbald aber keyn gwalt solt han
[H7b]Umb kein ding in seins vatters haus
Und als ein knecht gon in und aub.
341
7 we = A e y J qe
ta N a e an oe
E» 7
Moll LIGI il ME
Sich dar richt, zi hertze
Wie sch en der jugendt sey
3210 Unghorsam, böß gsellschafft dabey,
Dardurch die jugendt wirt zerstört,
Güt sitten und gemüt verkert,
Wie dann lauter hie ist gemelt.
Do sich Wilbaldus ghorsam helt,
[H8a] Förcht sein schülmeister, ghórt seir stimm,
Geht alles glücklich naher im.
Bald aber im die forcht vergodt,
Er zucht, scham und all tugendt lodt.
Dohin that in böß gsellschafft ziehen.
3220 Darumb soll mann von krefiten fliehen
Böße gsellschafft, züvor die jugend;
So mag sie auffwachssen in tugend.
Dann sobald dieselb weichen thüt,
So mag nit helffen grosses gút,
322 Das man sye damit mög erkauffen.
Tugendt mag man nit überlauffen,
Knabenspiegel, beschluss. 343
Tugent mů man nur überschleichen.
Tugent thüt alle laster weichen,
Bey einem tugentsamen mann
Man kunst und weißheit finden kan.
Tugent find manchen güten raht,
So untugent nimmer bestaht.
Die tugent aber kumpt bereyt
Allein auß fleiß, forcht, ghorsamkeit.
ö Die böß gsellschafft aber verjücht
All tugent; dann sie die fleücht.
Darumb, ir schülerlein gemein,
Kerend euch zü der kunst allein !
@ Getruckt zu Straßburg, bey
Jacob Frölich.
2
J > — nu "EF g [a — — 3 = Tag má
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